19. Juli 2017

Wenn man Radstreifen zwischen den Autoverkehr bastelt

So sieht das aus, wenn ein Radstreifen endet, weil man Rädern auf der Fahrbahn keinen Platz geben kann. 

Das ist in Vaihingen die Kreuzung der Straße Vaihinger Markt Richtung Rohr mit der Hauptstraße. Ein Radstreifen führt zur Ampel vor. Dann sehe ich das hier. Wenn ich nach links Richtung Kaltentaler Abfahrt abbiegen will, soll ich das über den Aufstellplatz fürs indirekte Linksabbiegen tun.

Aber wo ist die Ampel, die mir sagt, wann ich losfahren kann?
Wer sich auskennt, weiß, wo er hingucken muss. Für alle Leser/innen hier, die den kleinen grünen Punkt auf dem Foto nicht gleich entdecken: Foto mit Klick vergrößern, aufs schwarze Auto rechts gucken, genau über der Windschutzscheibe erkennt man die Fahrradampel, die auf Grün steht fürs Linksabbiegen.

Ich habe das Fahrrad erst einmal auf die Gehwegecke gestellt, um die Situation zu kapieren. Die Ampel, die mir (kurz vor dem Start der Autos von rechts) Grün gibt, ist in Blickrichtung geradeaus am Ampelmasten unter der Fußgängerampel angebracht. Übrigens ohne Pfeil, der mir die Richtung (links) anzeigen würde, für die sie gilt. Wenn ich nach links gucke, dorthin, wo ich hinwill, sehe ich sie nicht. Als Radlerin muss ich mich auf der Fläche so aufstellen, dass ich auf diese Ampel gucken kann, also quer zum Autoverkehr, der starten wird, wenn auch ich Grün bekomme. Habe ich dann gemacht. Hui!

Allerdings scheint das die einzige Form zu sein, wie man hier auf Radstreifen links abbiegen kann. Eine andere Idee, wie man das machen könnte, hätte ich auch nicht, außer natürlich der einer direkten Linksabbiegespur aus der Straße Vahinger Markt hinaus. Aber dafür gibt es offenbar bei zwei Autospuren den Platz nicht. Oder vielmehr: Man gibt ihn den Radlern nicht.

Zur Zeit der Fotos (18 Uhr) gab es Stau Richtung Rohr. Und weil die Autos trotzdem in die Kreuzung einfahren, müssen die Fußgänger um alles herum marschieren (auch um mich als Radlerin, wenn ich dort stehe). Das Schöne ist, als Radlerin konnte ich hier links abbiegen und zum Schillerplatz radeln, während die Autos sich gegenseitig blockierten und keiner vorankam.

Allerdings geht es hier Richtung Rohr nicht weiter mit der Radspur. Die endet wie man auf dem Foto ganz oben sehen kann, praktisch an der Bordsteinkante gegenüber. Radler und Autos müssen sich hier einen Stellungskampf liefern. Wenn die Autos, wie hier auf den Fotos, im Stau stehen, gibt es für Radler keinen Platz, um rechts vorbeizuradeln. Sie stehen auch im Stau. Der Gehweg (auf den sicher viele ausweichen), ist nicht freigegeben. Deutlicher kann man kaum sehen, dass der Verkehr nur für Autos optimiert wird.

Auch auf der Hauptstraße zum Schillerplatz gibt es keine Radstreifen. Die beginnen erst an der Ampel Herrenberger Straße nach der Busspur (die übrigens für mich nicht freigegeben ist). Wenn ich nach links die Kaltentaler Abfahrt runter will, lenkt mich der Radstreifen zu einer Fahrradampel am Fußängerüberweg, die mir Grün gibt, wenn auch die Fußgänger Grün haben.

Falls ich aber geradeaus die Möhringer Landstraße weiter will, bin ich gekniffen, denn ein vorgezeogener Aufstellplatz für Fußgänger unterbricht den Radstreifen. Um dorthin zu kommen, hätte ich über den Gehweg radeln müssen, der hier mal kurz freigegeben ist. Der Radstreifen dahinter ist dann auch eher kurz.

Oje! Oje!

Das ist alles gut überlegt, ohne Zweifel. Doch kommt man an solche Stellen zum ersten Mal mit dem Fahrrad, dann scheitert man oder begibt sich in Gefahr. Das ist das, was mir an solchen liebevoll ausgeklügelten Arrangements und Streckenführungen nicht gefällt. Für Neuradler wird die Tour so zur puren Abschreckung, nicht zu Ermunterung, doch mehr mit dem Fahrrad zu fahren. Damit das in Zukunft besser wird, braucht es die Entschlossenheit der ganzen Stadtgesellschaft, den Radverkehr wirklich ernst zu nehmen als Entlastung der Stadt vom Autoverkehr und Stau. Das kommt irgendwann bestimmt. Je eher, desto besser.

Kommentare:

  1. Bist du sicher, dass diese Ampel für das indirekte Linksabbiegen gedacht ist? Eigentlich hält man dabei doch nur kurz in der Tasche an und fährt, wenn alles frei ist einfach los.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wofür sollte die Fahrradampel sonst sein. Fahrradampeln stehen ja nicht wie Fußgängerampel am gegenüberliegenden Bordstein. Und für irgendeine andere Richtung kann sie nicht gelten. Wenn du dich hier aufstellst und nach Gutdünken losradelst, missachtest du das Rotlicht für Radler. Es herrscht hier, während Radler sich auf dieser indirekten Linksabbiegespur aufstellen, reger Geradeaussverkehr, den man queren müsste. Ja, ich bin mir also sicher, dass diese Fahrradampel für mich ist, wenn ich auf der indirekten Linksabbiegespur stehe.

      Löschen
    2. Sag mal wie ist denn die Schaltung dieser Radampel?
      Wenn die Fußgänger Grün bekommen ist diese - dem Bericht nach - ja auch grün, ist das dann zeitgleich mit den Autos?
      Also muss man sich als Radler dort dann auch einfädeln? Ist man dann Rechts-Vor-Links berechtigt?

      Löschen
    3. Weiß ich nicht, falls du die an der Kalentaler Abfahrt meinst

      Löschen
    4. Ich sehe es gerade, im obersten Foto auf deiner Zusammenstellung steht die Radlerampel nach links, ins Kaltental auf Grün, während der Kfz-Verkehr wohl auch Grün hat.

      Das heißt also Radler müssen sich mit den gerade auch gestarteten Autos auf den Schutzstreifen am Ende des Ampelübergang einfädeln, uh brenzlig!

      Wobei das ja keine solitäre Fahrspur ist, folglich müsste hier Rechts-Vor-Links gelten oder gilt der Radübergang als Nebenstraße wonach die Autos Vorfahrtsberechtigt wären??!

      Löschen
  2. Also ich nutze hier - ob gerade aus oder links hinunter zum Kaltental -direkt immer die Fahrspuren, da diese Pinselei nicht verpflichtend ist und mir auch zu gefährlich wegen der Wegeführung (Zick-Zack, Gehwege, etc).
    Aber jedem motivieren Neuradler vermiest man hiermit die Tour, hoffentlich nicht für immer. Okay das ist eine ältere Anlage, aber die neueren sind ja ebenso nach diesem Schema gebaut...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mach ich genauso wie Sebastian. Dieser Murks ist nicht zumutbar und lebensgefährlich. Außerdem hab ich das System noch nie so richtig gecheckt. Ich will doch nicht eine halbe Stunde stehen und überlegen, welche Spur und welche Lichtzeichen für mich gelten. Ich will zügig nach Hause.

      Löschen
  3. Auch in Braunschweig sind die Aufstellflächen fürs Linksabbiegen so gedacht, dass Radfahrende quer zur angestrebten Fahrtrichtung stehen. Immerhin steht an der richtigen Stelle die Linksabbiege-Fahrradampel - und auch mit beleuchtetem Pfeil darüber, der nach links zeigt. Aber, hui, wie Du so schön sagst, selbst mir ist das extrem unangenehm, quer zu den Autofahrenden zu stehen, die in dieselbe Richtung wollen wie ich. Und praktisch mitten auf der Kreuzung. Das ist, ganz einfach, unattraktiv für Radfahrende, finde ich.

    AntwortenLöschen
  4. Die Kreuzung ist mein Liebling in Vaihingen. Ich komme morgens öfters vom Kinderhaus im Step aus Richtung Vaihinger Markt und fahre Richtung Rohr weiter um die Waldburgstraße hoch zu fahren. Hier gibt es sehr oft brenzlige Situationen beim einfädeln auf der Kreuzung. Der Autofahrer direkt an der Ampel hat mich meist gesehen und lässt mir Platz auf der Kreuzung. Wenn dieser zügig anfährt, möchte der Fahrer dahinter gerne auch noch den Radfahrer auf der Kreuzung überholen und mich keinesfalls rein lassen um danach hinter mir zu hängen.
    Am brenzligsten wars einmal bei der Konstellation vorsichtige Fahrerin im Kleinwagen vorn, PS-starker Premiumkombi mit tollem Hecht dahinter. Die Dame hat mit dem rechts abbiegen gewartet bis ich halb rüber war und somit den Hecht blockiert. Der wiederum hat dann mit qualmenden Reifen beschleunigt als ich schon eingefädelt hatte, glücklicherweise passte er gerade so zwischen mir und dem Auto das auf der linksabbieger Spur aus Richtung Rohr stand durch. Ich war etwa 5cm vom Bordstein entfernt, und sein Spiegel etwa genausoweit von meinem Lenker - ich war daher fest von einem Aufprall ausgegangen.
    Diese Kreuzung ist ein gutes Beispiel dafür, das Verkehrsplaner zuweilen Unfälle mit Personenschaden billigend in Kauf nehmen.
    Wenn ich Zeit habe, nehme ich zwei Kilometer Umweg in Kauf um an dieser Kreuzung nicht fahren zu müssen: vom Step an der A831 entlang, dann an den Patch barracks her und vom BMW dealer das Kopfsteinpflaster hoch.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Carsten Otto schrieb: "ein gutes Beispiel dafür, das Verkehrsplaner zuweilen Unfälle mit Personenschaden billigend in Kauf nehmen"

      Ich fürchte, es ist viel einfacher: die Verantwortlichen - zumal in Stuttgart - können es einfach nicht.

      Löschen