17. Juli 2018

Das vorläufige Ende unserer einzigen funktionierenden Fahrradstraße

Die Umbausmaßnahmen auf der Tübinger Straße haben begonnen. Sie wandeln die Fahrradstraße auf rund 200 Metern in eine reine Autostraße um. 

Damit die vielen Autos, die da durchfahren, nicht zusammenstoßen, werden zwei Ampeln eingerichtet, an der auch Radfahrende warten müssen, und zwar so lange, wie die Autofahrer. Die Ampeln stehen an der Cottastraße und an der Fangelsbachstraße (in einem Abstand von nicht einmal hundert Metern).

Grund für die Entwidmung sind Sanierungsmaßnahmen am Österreichischen Platz. Weil die Autos dort nicht mehr von der Paulinenbrücke Richtung Heslacher Tunnel abbiegen können, werden sie umgeleitet. Eigentlich großräumig, aber viele werden vor allem anfangs über die Silberburgstraße auf der Tübinger Straße landen und über die Cottastraße Richtung Tunnel abfahren.
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Der Teil zwischen Silberburgstraße und Cottastraße ist jetzt schon Einbahnstraße Richtung Cottastraße für Autofahrer. Radfahrende bekommen Radstreifen, auf denen sie an den Autos vorbei kommen. Zudem Aufstellplätze an der Ampelanlage Cottastraße. Ungefähr dreißig Parkplätze fallen dort weg, wo Radstreifen hinkommen. Auch die Cottastraße Richtung Tübinger Straße bekommt einen durchgehenden Radstreifen, dort wo jetzt Parkplätze sind. Den würden wir nach der Baumaßnahme gerne behalten.


Bis Ende dieses Monats wird noch die Sperre an der Feinstraße für Autos geöffnet werden, damit Autofahrer, die zu den Parkplätzen in der Feinstraße wollen, über die Fangelsbach- und Tübinger Straße dorthin abbiegen können. Eine Geradeausfahrt zum Gerber ist nicht erlaubt. Allerdings vermute ich stark, dass Autofahrende das wenig interessieren wird. Das soll den August über bis mindestens Mitte September so bleiben.

Die Stadt Stuttgart erklärt das auch hier auf dieser Seite. Die Sanierung des Österreichischen Platzes ist unumgänglich. Nicht nötig ist allerdings meiner tiefen Überzeugung nach, dass die Autos einer Bundesstraße und der Tiefgaragenverkehr über die Fahrradstraße geleitet wird.

Und ganz und gar unnötig finde ich auch die Ampeln, die einzig und allein der Abwicklung des Autoverkehrs dienen. Sie werden vermutlich von etlichen Radlern nicht beachtet werden.

Grüne und SÖSLi-Plus haben die Abstimmung im UTA über unseren Alternativvorschlag für eine Umleitung des Autoverkehrs leider verloren. Denn das Ordnungsamt erklärte, anders gehe es aus Sicherheitsgründen nicht. Der Autovekehr könne   die Tiefgaragen der wgv und des Calaido nicht von der anderen (der Gerberseite) her anfahren, es seien zu viele Autos. Der Zulieferverkehr fürs Gerber (also die Lastwagen) muss allerdings eine andere Route, nämlich die durch die Nebenstraßen rund um das Gerber nehmen. Mal sehen, ob er es tut, oder ob die Lkw verbotenerweise an der Feinstraße geradeaus zum Gerber fahren.

Nachtrag: Am, 25. Juli zeigt sich, dass hier auch ein Geradeaus-Pfeil für Autofahrende geklebt wird. Die Karte stimmt also nicht.

Kommentare:

  1. War nicht mal die Rede davon, dass die Ampeln nur in Betrieb gehen, wenn die Baustelle länger dauert? Also in die Zeit nach den Ferien?

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    1. Man braucht keine Aufstellflächen für Radler ohne Ampeln. Mal sehen.

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  2. Die Aufstellfläche (im oberen Bild) ist ja völlig unterdimensioniert. Sie hat genau eine (1) Fahrradlänge - wie sollen sich da mehrere Räder dynamisch aufstellen können?
    Und wie erklärt die Stadt, dass an selber Stelle geradeaus (Richtung Marienplatz) fahrende Radfahrer/innen bei Rot halten sollen, wo hier doch keinerlei Gefahr besteht, da es keinen KFZ-Verkehr gibt, der kreuzend oder sonst wie Einfluss nimmt!?

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    1. Eben. Wir haben die Geradeausfahrterlaubnis gefordert. Bin gespannt, ob wir sie kriegen. Die Linksabbieger untee den Radlern müssen aber halten.

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  3. Oh man, wenn ich mir die Bilder anschaue macht es mich traurig. Vorher dachte ich, wir müssen ja nur 6 Wochen auf die Straße verzichten, aber die Bilder machen mir klar dass in Stuttgart der Autoverkehr alles ist und der Radverkehr überhaupt keinen Stellenwert hat. Ob ich in den Ferien lieber mit dem Auto von Vaihingen zum Einkaufen in den Kessel fahren sollte? Das Fahrrad, sonst klar dass bevorzugte Verkehrsmittel, wird es wohl nicht sein. Vielleicht die Stadtbahn, das Jahresticket meiner Frau ist ja übertragbar.

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    1. Nachtrag: wenn es ein Ziel der Verkehrsplaner ist, alternative Verkehrsmittel zu fördern, haben sie ihr Ziel erreicht: ich denke darüber nach, welche Alternativen ich zum radfahren habe wenn ich in die Stadt will.

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    2. So achräg das klingt, auch ich habe darüber nachgedacht, ob die Hauptstätter Straße eine Alternative wäre mit dem Fahrrad, aber von da kommt man ja dann kaum noch runter. Ich werde wohl wie früher über den Heusteig und den Wilhelmsplatz radeln.

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    3. Wenn ich allein Einkaufen fahre, ist das alles kein Problem denn ich kenne genug Wege. Mit Kinderanhänger für den kleinen (3J) der nur ans Zweitrad angehängt werden kann und/oder dem großen (8J) sind steile Strecken und viel Autoverkehr tabu. Mit ihnen kann ich während der Ferien nicht mit dem Rad in die Stadt fahren. Dann halt eines unserer Autos, oder die SSB.

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  4. Hallo Carsten - Was spricht denn dagen, wenn man mit den Kiddies den Baustellenabschnitt einfach auf dem Gehweg parallel entlang schiebt?
    Die Autos werden ja verschoben, dann wird sich ja auch der Radverkehr verlagern lassen und nicht in Luft auflösen.
    Leidtragende wären dann eben die Fußgänger und Ladenbesitzer.

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    1. Hallo Lola, ich habe einen breiten Anhänger für zwei Kinder weil ich keinen neuen kaufen wollte seit mein großer auch längere Strecken selbst fährt. Der ist auf dem Gehweg schon recht unhandlich und man kommt nicht überall durch. Gehen tut immer alles irgendwie, aber ich werde andere Verkehrsmittel wählen weil sie bequemer sind als sich durch das Chaos auf der Hauptradroute zu wurschteln. Gruß, Carsten

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  5. Das Ganze ist einfach nur peinlich, erbärmlich und eine Schande für die LHS.

    Ich verstehe nicht einmal, warum man nicht zumindest beide Radspuren - durchgängig, ampelfrei und getrennt von den Kraftfahrzeugen - auf die gleiche eine Strassenseite, also zur Brauerei hin, gelegt hat?

    mfg
    Andreas

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