13. Juli 2018

Sturz in Stadtbahnschienen

Eine Radfahrerin ist am vergangenen Dienstag in Straßenbahngleise geraten und schwerst gestürzt.   Das berichten die beiden Stuttgarter Zeitungen. 

Sie trug einen Helm und erlitt trotzdem schwere Kopfverletzungen, soll aber außer Lebensgefahr sein. Die Straße, die sie fuhr, ist wie viele andere, gefährlich, weil Radfahrende hier die Gleise mehrmals überqueren müssen. Sie kam die Hausmannstraße hinunter. Am Eugensplatz muss man vom rechten Fahrbahnrand in die Schienen fahren, danach wieder hinaus. Dabei geriet sie mit dem Vorderreifen ins Gleis und stürzte. Ähnlich gefährlich sind die Böblinger Straße, die Hackstraße, die Freihofstraße (Stammheim, Foto) oder die Landhausstraße.

Böblinger Straße
Oftmals wollen sich Radler rechts halten, dann wird aber der Bereich zwischen Schienen und Bordstein zu eng, und man muss in möglichst steilem Winkel über ein Gleis im Asphalt wechseln. Das sind nicht nur Schlenker, die den Radler für den Autoverkehr unberechenbar machen, sondern eben auch gefährliche Manöver, wenn der Winkel zu spitz gewählt wurde. In der Böblinger Straße braucht man als Radler starke Nerven, wenn die Stadtbahn hinter einem bimmelt. Viele flüchten auf die Gehwege. Das ärgert und stresst Fußgänger/innen.

Manchmal werden an solchen Stellen die Gehwege auch  freigegeben, aber dann muss ein Radler durch die Leute durch, die an der Haltestelle warten. Auch keine gute Lösung! Eine gute Lösung wäre: Parkplätze beseitigen und Radfahrende auf einem Radstreifen fahren lassen. OderAlternativrouten anlegen und beschildern.

Unsere Radinfrastruktur muss wirklich deutlich sicherer werden. Dafür gibt es nun auch in Stuttgart die Initiative für einen Radentscheid. Den könnt ihr unterschreiben, wo immer ihr die Leute vom Radentscheid seht (bei der Critical Mass, beim Marienplatzfest etc.), oder wenn ihr euch selbst eine Liste aus dem Internet ausdruckt.

Kommentare:

  1. Ich finde diese Lösung aus Bremen auch nicht schlecht, die den Radstreifen konsequent zwischen die Schienen verlegt:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Radverkehr_in_Bremen#/media/File:395c_tram%2Bcar%2Bcycling_Steintor_Bremen.jpg

    Vorteil ist hier interessanterweise aber das verbleibende Kopfsteinpflaster außen, weil es allen verdeutlicht, wo die Radfahrer am besten fahren. Dadurch hat man effektiv gesehen natürlich sowas wie einen Fahrradstraßeneffekt, d.h. alles muss sich der Geschwindigkeit der Fahrräder anpassen. Dafür können die Parkplätze bleiben.

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    1. Der Nachteil daran ist, dass man dann quasi innerhalb des Gleises gefangen ist, und das rein- und rauskommen ist genauso gefährlich weil man wieder spitze Winkel hat. Ganz abgesehen von Situationen, in denen man schnell ausweichen muss.

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  2. "Sie trug einen Helm und erlitt trotzdem schwere Kopfverletzungen, soll aber außer
    Lebensgefahr sein."

    Ohne Helm wäre sie mit großer Sicherheit tot!
    Hoffentlich geht es ihr bald wieder besser.

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    1. Kann man so pauschal nicht sagen. Wenn man einen Helm z.B. nicht korrekt passend trägt kann er mehr schaden als schützen.

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  3. Ich möchte mit aller Deutlichkeit festhalten, dass dieser Unfall rein gar nichts mit dem Tragen oder nichtragen eines Helmes zu tun hat!!!
    Dieser Unfall ist passiert, weil die Infrastruktur hier unter aller Sau ist!
    Lasst uns über gscheite Wege für Radler diskutieren, und nicht wie viel Sinn es macht einen Helm zu tragen!
    Sandy

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  4. Ja, fahrlässig, wie mit uns Radlern seitens der für "Recht und Ordnung" Zuständigen umgegangen wird.
    Und in Kombination mit den Hochbahnsteigkanten wird's denn zum Vorsatz.

    Es ist an der Zeit die Verantwortlichen persönlich haftbar zu machen.

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    1. Mumpitz. Die Stadtbahnen brauchen auch ihren Platz. Als Radfahrender muß man nicht zwingend überall unterwegs sein. Ich meide Stellen mit Schienen grundsätzlich wenn ich mit dem Rad unterwegs bin.

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    2. @Klaus1994, kann man nur machen, wenn man sich in der Stadt auskennt. Leider stehen auf den Straßenkarten keine Schienen verzeichnet. Wenn ich in D`dorf oder Köln fahre, kann ich vorher nicht wissen, wo die Straßenbahnschienen verlegt sind. Um Radfahrer besser zu schützen, muss einfach die Infrastruktur verändert werden. Schon jetzt teilt Autofahrer gegen Radfahrer, Fußgänger gegen Radfahrer aus. Leider wird das Miteinander als gleichberechtigte Partner nirgendwo propagiert.

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    3. Ich berichte über Unfälle nur dann, wenn ich das Gefühl habe, ich könnte damit vor einer Gefahrenstelle oder Gefahrenquelle warnen. Man kann nicht die Stadt dafür verantwortlich machen, dass ein Radler stürzt. Allerdings würde ich mir gerade, was die langen Strecken in den Osten oder nach Degerloch hinauf betrifft, eine echte Radinfrastruktur wünschen, die Radler/innen sicherer unterwegs sein lässt als derzeit. Es ist immer ein Risiko, wenn man längs über Gleise wechseln muss. Und natürlich hat der Helm nichts mit dem Unfall zu tun. Man kann auch nicht sagen, sie wäre jetzt tot, wenn sei keinen Helm getragen hätte. Man kann nur feststellen, dass sie trotz eines Helms eine ernste Kopfverletzung erlitten hat. Wir wissen zum Beispiel ja auch nicht, ob sich die Verletzung in dem Bereich befindet, der nicht vom Helm abgedeckt war (Gesicht, Kiefer).

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  5. Ja das kenn ich. ich war damals auf dem weg in die arbeit die alte weinsteige runter. die ampel war rot wegen der zacke ich halte an, als grün wird fahr ich los. wie immer recht energisch da reißt mir die kette und mein fuß rutsch ab. in dem fall waren die gleise im 90°Winkel zu mir. und mit dem fuß bin ich dann in der schiene hängen geblieben währen das fahrrad und der körper weiter wollten... ergebnis 4 wochen krank. ich wette das ist noch keinem auf der welt passiert das ist sooooo dämlich...

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    1. Um mit Yello zu sprechen: "Ohhhh Yeeäääähhh". Ich hatte in weniger als zehn Jahren schon dreimal Bekanntschaft mit Leipziger Straßenbahnschienen. Dabei fahre ich immer sehr aufmerksam und versuche Winkel unter 30° zu meiden. Das letzte Mal war es bei Schneeregen und -3°C vor der Wiedebachpassage auch einer überfrorenen Stahlplatte einer Weiche.

      Einmal quer über die Straße geschliddert und dann die Frage der Kinder im Hänger: "Papa, bist Du OK?". Papa war bis auf viele Schürfwunden und Blutergüsse ziemlich OK. Mann, war ich bescheuert, bei so einem Wetter die Bornaische zu fahren!

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