5. Mai 2019

Ich muss euch eine irre Geschichte erzählen

Im Bezirksbeirat Süd war am vergangenen Dienstag wieder mal die Neue Weinsteige dran. Und das, was skandalisierend immer Radweg genannt wird.

Da müssen dringend die Stützmauern und die Geländer saniert werden. Und weil man den Gehweg so nicht wieder bauen darf wie er ist (zu schmal, nicht begehbar, weil zugeparkt) wird er zwei Meter breit hergestellt. Da dürfen dann auch Radler hoch fahren. Man hat uns die Bauabschnitte vorgestellt. Daran blöd: Es dauert alles, fertig ist das Ganze erst so 2024.

Aber das war nicht der Punkt. Wieder mal ging es um die Parkplätze.
Von den derzeit rund 70 bleiben rund 30. Das sind die, die amtlichen Zählungen zufolge tatsächlich belegt sind. Diese rund 30 Parkplätze werden großteils jeweils knapp 100.000 Euro kosten, weil der Gehweg um sie verschwenkt und dafür eine Auskragung gebaut werden muss. Es sollen übrigens rund 100 Fahrzeuge in der Neuen Weinsteige angemeldet sein. Die parken aber offensichtlich meist woanders. Das allerdings bestreitet ein Anwohner, der auch wieder da war.

Er schilderte ausführlich seine Situation während der Baumaßnahmen im ersten Abschnitt in drastischen und düstersten Farben: oft kein Parkplatz, die Fußgängerampel fällt immer wieder aus, man rennt um sein Leben über die Straße. Wenn er in der Weinsteige keinen Parkplatz fand und oberhalb der Häuser parkte, musste er durch einen dunklen Waldweg runter zum Haus. Wenn er einen Parkplatz auf der Hangseite ansteuerte, musste er auf einem Grünstreifen entlang gehen.

Und auf einmal waren alle ganz ratlos. So schlimm? Hätten wir das gewusst, was machen wir denn jetzt, kann man nicht ...

Und plötzlich schlug einer vor, man solle doch prüfen, ob man auf der Neuen Weinsteige eine Fahrspur wegnehmen könne: für Parkplätze!!!!!

Huch! Wie gern hätten wir für einen anständigen geschützten Zweirichtungsradweg auf der Neuen Weinsteige eine Fahrspur bekommen. Doch das durchzusetzen bestand vor ein oder zwei Jahren gar keine Aussicht. (Eigentlich braucht es hier einen geschützten Radweg rauf und einen runter!) Für Fahrräder den Autos eine Fahrspur wegnehmen? Da hätten alle "Stau "und "freie Fahrt" geschrien und "da radelt doch keiner!" Und jetzt schlagen die Bezirksbeiräte von SPD,und em linken Spektrum doch wirklich ernsthaft vor, eine Fahrspur wegzunehmen, damit man Autos dort hinstellen kann. Sie machten sogar Vorschläge, wie man nach der Ampel am Bopser die Einfädelspur legen müsse.

Eine Vertreterin der SPD beklagte sich dabei vorwurfsvoll: Man müsse sehen, worum es hier eigentlich gehe, nämlich um einen Radweg. Das sei eine politische Entscheidung (böse!) für Radfahrer (auch böse!). 

Ja, schön wär's gewesen, wir hätten diese politische Entscheidung für einen Radweg gehabt. Hatten wir aber nicht. Und der Gemeinderat hätte sich auch nicht gegen die Sanierung der Stützmauern entscheiden können, sonst hätte man die Neue Weinsteige irgendwann ganz sperren müssen. Und Gehweg und Parkplätze danach wieder genauso herstellen (zu schmal, Fußgänger kommen nicht vorbei) wäre ungesetzlich gewesen.

Echt irre: Da fordern die links sitzenden Parteien (einschließlich SPD) im Bezirksbeirat, die Wegnahme einer Fahrspur auf der Bundesstraße Neue Weinsteig nur für ganz und gar private Parkplätze im öffentlichen Raum. So als ob wir nicht seit Jahren Visionen von weniger Autos, weniger Flächenverbrauch durch stehende Autos und fußgänger- und radfreundliche Städte hätten und als ob der Parkplatzbau für den Status Quo ein Zukunftsprojekt wäre. Eine sinnvolle Lösung (und Forderung) für die Anwohner/innen, die nicht aufs Auto angewiesen sein wollen, wäre gewesen: Busse, die hier halten und sie auch bis spät in die Nacht nach Hause bringen (samt deutlich mehr beamptelten Fußgängerfurten), also ein ohne Anstrengung erreichbarer öffentlicher Nahverkehr und - ja - ein anständiger Radweg rauf und einer runter, damit sie das Fahrrad nehmen können, wenn sie wollen. Und gerade für diese Leute, die da wohnen (und zu ihren Parkplätzen wollen), muss auch der Gehweg begehbar sein.

Die Antwort der Verwaltung lautete übrigens: Es werde sowieso geprüft, wie viele Fahrspuren die Neue Weinsteige wirklich brauche, doch wenn man eine Fahrspur wegnähme, dann nicht für Parkplätze, sondern für einen Radweg, schließlich müssten die Radler die Neue Weinsteige ja auch irgendwie hinunter kommen. Sehr richtig.

Kommentare:

  1. Liebe Christine, danke für den Bericht. Ich weiss gar nicht, wie man das aushalten kann, solche Diskussionen... da bleibt einem doch die Spucke weg..... ernsthaft einen Vorschlag, die 2. Fahrspur für Parkplätze wegzunehmen! Ich bin sprachlos...
    ich hoffe sehr, dass es eine Autospur weniger gibt und dafür einen breiten Radweg, der in beide Richtungen und sicher befahrbar ist... Möge irgendwann die Vernunft siegen. Die Antwort der Verwaltung stimmt mindestens hoffnungsfroh!
    Danke für deine gute Arbeit!! Ich wünsch dir vieeeeele Stimmen bei den nächsten Wahlen. Wir brauchen dich!! Schönen Tag dir und allen die hier mitlesen. Gruß Uschi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Uschi: "Ich weiss gar nicht, wie man das aushalten kann, solche Diskussionen..."
      Dem kann ich nur zustimmen. Danke, Christine, das Du dir das antust um unsere Interressen zu vertreten. Mir persönlich wäre da wohl das Gebiss herausgefallen und ich hätte meinem Unmut lautstark Luft gemacht.

      Löschen
  2. Wie gern hätten wir für einen anständigen geschützten Zweirichtungsradweg auf der Neuen Weinsteige eine Fahrspur bekommen.

    Wer ist "wir"? Also ich wäre der Letzte, der sich innerorts für einen einseitigen (also auch linksseitigen) Zweirichtungsweg (die sind innerorts lt. VwV zu gefährlich und daher nicht anzuordnen) einsetzen würde. Wenn ich mich nicht irre, hat die Neue Weinsteige auch ein stärkeres Gefälle - und 2 x 2 Fahrstreifen? Bergab dürften Radfahrer "den Verkehr" also schon einmal nicht sonderlich "aufhalten". Und berghoch steht dem schnelleren Verkehr über den 2. Fahrstreifen stets eine gute Überholmöglichkeit zur Verfügung. Wer brauch da bitteschön gesonderte "Fahrradinfrastruktur"...!?

    Auch die Sache mit dem Parken versteh ich nicht: Wenn da kein absolutes Halteverbot angeordnet wurde, sollen die Leute halt eben einfach am rechten Fahrbahnrand parken...!?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. DS-Du denkst nur an Dich (?) Die Weinsteige hochradeln ,weil man ja eh ordentlich überholt wird? Wann soll das gewesen sein? 1973, als die Ölkrise ein Fahrverbot nachsichzog? Wir brauchen eine Infrastruktur, auf der Kinder wie auch Rentner gefahrlos radeln können. Und das ist ganz sicher nicht Bergab und schon gar nicht Bergauf auf der Weinsteige.

      Löschen
    2. Kinder und Rentner sind objektiv (statistisch und wissenschaftlich) auf der Fahrbahn am sichersten aufgehoben! Wenn sie auf Sonderwegen fahren (und an Einmündungen überfahren werden...) wollen, sollen'se halt. Mir geht es um die Benutzungspflicht. Ich lass mir nicht vermehr die Benutzung von Straßen und Fahrbahnen verbieten, nur weil man meint, die "Rentner" und "Kinder" vorzuschicken, um mickrige, gefährliche und Radfahrer benachteiligende "Infrastruktur" zu bauen, die am Ende auch noch dem Kfz-Verkehr dient, weil er eine von Radfahrern freie Fahrbahn geschenkt kriegt...! Und dieses Privileg verteidigt er dann halt auch zunehmend mit fragwürdigen Methoden...

      Wenn du schon ganz normales Bergabfahren als "zu gefährlich" einstufst, würde ich dir empfehlen, dir vielleicht auch besser ein Auto zu kaufen...!? :P Es sind ja nicht die Autofahrer, die Radfahrern Angst machen. Das erledigt ein Großteil der Radfahrer schon selbst - die Paranoia kennt scheinbar keine Grenzen mehr... Und sich dann auch noch wundern, dass die Leute lieber in ihren "sicheren" Autos hocken bleiben.

      Löschen
  3. "Zweirichtungsradweg"
    Beide Richtungen auf einer Spur? Da geht es doch bergab! Ist das nicht gefährlich? Vor allem, wenn die Spur schmal gebaut wird und schlechtes Wetter herrscht oder der Bergabfahrende unerfahren ist oder schlechte Bremsen hat? Ich würde lieber auf den selben Spuren bergabfahren wie die Kfz - selbst wenn es nicht legal wäre. Sicherheit ist mir wichtiger. Früher oder später wird ein Idiot zu schnell runter fahren oder auf das Smartphone gucken. Bin ich der Einzige, der da eine Horrorvorstellung bekommt? Und ich bin gespannt, wie gut man mit dem Fahrrad durch die Baustelle kommen wird.

    AntwortenLöschen
  4. @DS und Anonym: Natürlich ist ein Radweg (geschützt) rauf und einer runter die bessere Lösunge, ist doch klar. Aber vor ein paar Jahren konnte man nur so denken, dass man möglichst wenig Platz wegnimmt, und das wäre ein Zweirichtungsradweg gewesen, aber nicht einmal das war mehrheitsfähig, wenn man dafür eine Spur auf der Neuen Weinsteige wegnimmt. Die Baustelle hat gezeigt, dass es bei Wegnahme einer Bergabspur zu keinen nennenswerten Staus kommt. Deshalb kann man jetzt tatsächlich überlegen (und eben prüfen lassen), ob man auf die Neue Weinsteige einen Bergabradweg legen kann. Ich weiß, es gibt Männer, die da jetzt schon mit 50 km/h runter fahren, ich aber nicht, ich traue mich nicht mit 50 irgendwo runter zu fahren (und im Verkehr mitzuschwimmen). Ich radle dafür die Neue Weinsteige rauf, denn die Autos haben ja zwei Spuren und können mich locker überholen. Jedenfalls vertrete ich schon seit Anfang meines Blogs die Auffassung, dass die Neue Weinsteige mit Radwegen oder Radstreifen bestückt werden muss, damit man endlich mit mäßiger Steigung nach Degerloch hinauf und auch direkt wieder hinunter kommt. Und im Sinn des Zielbeschlusses Fahrradstadt muss das auch kommen. Zumindest werde ich es fordern.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Christine,

      dann sollte man aber trotzdem nicht die gefährlichste und fragwürdigste Art von "Infrastruktur" vorschlagen bzw. fordern. Die ERA halten ebenfalls Radwege im Gegenverkehr ab einem gewissen Gefälle für zu gefährlich. Von einer Fußgängermitbenutzung per Z 240 ganz zu schweigen... Wenn du mal gezielt danach suchst, kannst du nämlich auch Unmengen von teils schweren bis tödlichen Gegenverkehrs- und Überholunfällen auf schmalen "Radwegen" finden. Das wird aber leider genauso ausgeblendet wie die zahlreichen tödlichen Rechtsabbiegeunfälle.

      Und sorry - warum kannst du nicht einfach mal diesen stereotypen Sexismus von wegen (lebensmüde) "Männer" lassen? Wenn das Gefälle 40 oder 50 km/h zulassen und man entsprechend Abstand hält, ist daran überhaupt nix gefährlich. Weder für Männlein, noch Weiblein, noch Außerirdische. Es ist auf jeden Fall weniger gefährlich, als wenn einem genau auf so einem Abschnitt auf einem 2 oder 2,5 m schmalen Wegelchen einer mit dieser Geschwindigkeit entgegenkommt.

      Und da sowas dann auch noch zu 100 % benutzungspflichtig beschildert wird, sind die von dir erwähnten "Männer" (und "männlichen Frauen ohne Minderwertigkeitskomplexe...) die Gekniffenen, weil sie nun nicht mehr einfach im großen Becken "mitschwimmen" können, sondern mit allen zusammen ins kleine "Planschbecken" verbannt werden.

      Übrigens: Nicht nur die Autos haben dort zwei Spuren. ;) Du schreibst ja selber, dass es da keine große Probleme gibt, dich zu überholen. Warum braucht es dann trotzdem unbedingt einen Streifen oder einen Hochbordweg? Nur, damit dann ständig wieder drüber gejammert werden kann, dass dieser erwartungsgemäß immer zugeparkt wird...?

      Das scheint ja der wesentliche Sinn von Radwegen und -streifen zu sein.

      Achja: die SPD ist sicher vieles - aber keine (politisch) linke Partei! :P

      Löschen
    2. Da Stimme ich zu. Ich möchte bei starkem Gefälle keinen benutzungspflichtigen Zweirichtungsradweg. Zum einen stehe ich dann zweimal, um auf diesen Weg zu kommen bzw ihn wieder verlassen zu können, was normalerweise über Bettelampeln und Gehsteigkantengehoppel geht. Zum anderen will ich nicht bei meinen 10km/h aufwärts, dass mir einer mit 40 oder 50km/h entgegenkommt. Zumal die in Stuttgart eingerichteten Zweirichtungsradwege auch grds schmaler sind als eine Fahrspur (zumindest die, die ich kenne). Und ja, auch ich fahre bergab durchaus 40 - 50km/h wenn das Gefälle und der Verkehr das hergibt. Und nein, ich möchte dabei nicht durch langsam hochschnaufende Radler "ausgebremst" werden. Schließlich habe ich mir diese Abfahrt hart erarbeitet und sie Autos dürfen das schließlich auch.
      Ute

      Löschen
  5. Ist doch eigentlich kein Problem: Die Neue Weinsteige hat durchgehend 4 Fahrspuren. Davon nimmt man eine für Parkplätze weg, eine zweite für den Radweg und dann bleiben immer noch zwei für die Autos übrig :-))

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nope. 4 Fahrspuren, 2 Für Autos, 2 für Radfahrer. Autofahrer müssen sich dann entscheiden, ob sie auf ihrer Spur lieber fahren oder lieber parken wollen- aber das sollte nicht das Problem der Radfahrer sein.

      Löschen
  6. Also ich bin dafür, radfahrende Menschen weitesgehend und in der Fläche vor den Gefahren des Autoverkehrs zu schützen und nicht bestimmte Infrastrukturelemente. So ein "geschützter" Radweg endet immer irgendwo und da treffen die radfahrenden Menschen wieder auf einen Autoverkehr, dessen Gefährlichkeit nicht verändert wurde.

    AntwortenLöschen
  7. Liebe Frau Lehmann,
    das ist wirklich erheiternd. Zugegebenrmaßen ist der Bezirksbeirat auch ein für derlei Populismus anfälliges Forum.

    Aber ich denke, es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass eigentlich keinerlei Änderung gewollt wird.
    Man sieht das in ähnlicher Form bei den Gänsen im Park sehr gut: die suchen immer die Nähe der Artgenossen, aber machen sich dann unentwegt gegenseitig den Platz streitig.

    Als (vermeintlich) vernunftbegabtes Wesen schlüge ich vor, diejenigen, denen die (in Ihrem Blog so trefflich dargelegten) Mobilitätsprobleme des motorisierten Individualverkehrs noch nie Sorge bereiteten, so zu fördern, dass ihnen das Leben leicht gemacht würde und sie als Vorbild konsequent ins Licht der Öffentlichkeit geführt würden.

    Stattdessen fauchen wir uns lieber weiter an.

    Die unteren Anlagen bieten den Gänsen übrigens theoretisch genug Platz, um auszuweichen.
    Die Weinsteige im Grunde auch.

    AntwortenLöschen
  8. Jörg
    Hallo ihr Straßenfahrer. Sehnt ihr Euch zurück in Stuttgart der 80-er Jahre? Ein Stuttgart ohne Schutzstreifen und ohne Radwege. Das war echt astrein. Oder etwa nicht?
    Die Strava Heatmap zeigt das kaum jemand die Neue Weinsteige hochradelt. Es fahren auch nur einige wenige Kerle zwischen den Autos runter. Zählt doch Montag morgen mal von 7:00 bis 8:00 Uhr.
    Wollt ihr wirklich Kinder und Leute mit City-Rädern zwischen die Autos schicken?
    Können Radfahrer wirklich nicht das tun was wir von Autofahrern fordern? Mal ein paar Meter etwas langsamer fahren und auf die Sekunden früher ankommen verzichten? Ich verstehe dieses Stadtautobahndenken nicht, nach dem Motto Hauptsache ich und schnell. Erinnert mich irgendwie an Dieselfahrer.
    Die Neue Weinsteige ist schon ewig ein Politikum. Der VCD hatte schon damals vorgeschlagen den Stau auf einer Spur berab stehen zu lassen. Der Radverkehr befährt aktuell die Ausweichrouten Alte Weinsteige und Spielplatz Bopser (Weinhaldenweg) stärker (Strava).
    Beobachten wir doch was bei einen guten Fußweg Rad frei bergauf passiert. Ich wette es werden dort kaum mehr Radfahrer. Der Verkehrslärm, der Gestank und das schlechte Gefühl von allen überholt zu werden bleibt.
    Übrigens Gefällstrecken mit Begegnungsverkehr kennen wir aus dem Wald: Neubruchtorweg, Weinhaldenweg, Bürgeralle, Bettelweg und vor allen die Steinstraße. Knappe Situation gibt es hin und wieder. Es gab Unfälle mit Verletzen an Kreuzungen. Ist also gleich wie im Autoverkehr.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Jörg, wenn es einen beradelbaren Gehweg gibt, werden mehr die Neue Weinsteige hochradeln, ist nämlich schön. Und wenn nicht, so ist kein Radweg gebaut worden (den Gehweg braucht man sowieso). Ich glaube aber, dass Leute da hochradeln, wenn sie es gefahrlos auf dem Gehweg tun können. Endlich nicht mehr die Alte Weinsteige hochkeuchen, die außerdem wegen der vielen illegalen Autofahrten runter extrem stressig bis gefährlich ist. Strava eignet sich da nicht als Referenz, da es den ist-Zustand darstellt, nicht einen Zustand mit einem befahrbaren Weg für Radler. Warten wir also ab. Übrigens erstaunelich, wie schnell einige von uns Radlern bereit sind, eine Radinfrastruktur abzulehnen, statt sie zu begrüßen. Ich begrüße alle, was das Radlen auf allen Staßen erleichtert.

      Löschen
    2. Ein Radweg erleichtert aber nicht das Radeln auf der Straße, er verbietet es.

      Löschen
  9. Ich denke, die Kommunen müssen sich generell komplett neue Verkehrskonzepte überlegen

    AntwortenLöschen
  10. Die Weinsteige fährt sich richtig schlecht. Das liegt nicht am Gefälle; weder hoch, noch runter. Das liegt einzig und allein an einer handvoll Autofahrern, die ihre Fahrzeuge als Waffe gegen Radfahrer einsetzen und von der Justiz Rückendeckung bekommen.

    AntwortenLöschen
  11. Liebe Christine, die Story ist jedenfalls zu verrückt, um nicht wahr zu sein... Aber hey - was geht mich das Gerede von gestern an!? Aber so wird uns die Debatte wohl noch lange erhalten bleiben. Dabei haben die Bewohner der NW in dieser Gegend wirklich viele Optionen. Die Grundstücke gehen zum Großteil tatsächlich nach oben bis zur Wernhaldenstraße oder Schillereiche oder einen anderen Zugang. Eingänge von Oben wären also z.B. eine prima Park-Alternative. Und dort oben herrscht keine Parkplatz-Not, das sehe ic jeden Tag, wenn wir hier mit dem Hund spazieren (außer, wenn mal wieder 20 abgestellte Stella-Roller übers Wochenende dort nächtigen). Aber da muss man dann sooo weit außen rum fahren... Ja, so ist das eben am Hang - mit Aussicht ;)

    Zum idealen und realistischen Radweg an der Neuen Weinsteige bin ich gespalten. Ich fahre oft und gern die Neue Weinsteige runter und freue mich über jedes Auto, das ich dabei überhole. Das ist aber sicher nicht repräsentativ. Gäbe es einen Zweirichtungsradweg, würde ich den hoch liebend gerne nehmen. Bergab weniger. Das Sicherheitsbedürfnis vieler Radler kann ich trotzdem verstehen - siehe Heslach-Kaltental, wo der Radweg selbst ganz gut funktioniert. Problem ist da das Ein- und Ausfädeln. Das nervt und verleitet (mich jedenfalls immer mal) zu unseriösen Abkürzungen. Aber bergab gibt es für fitte und schnelle Radler ja Alternativen zur NW - wie Karl Kloss Straße oder Alte Weinsteige/Paffenweg/Lehenstraße. Viele Grüße von Reinhard

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, Reinhard, für die differnezierte Betrachtung. Runter können die aus Degerloch immer auch die Alte Weinsteige mit dem Rad fahren, auch wenn der Zugang dazu von Degerloch aus eher schlecht organisiert ist und man sich gut auskennen muss. Es wird aber sicher auch viele geben, die dann den von unten rauf freigegebenen Gehweg runter rollen, auch wenn das verboten sein wird. Einfach, weil das der direkte Weg ins Stadtzentrum ist und man nicht wie bei der Alten Weinsteige in Stuttgart-Süd landet. Würde man zwei Radwege auf die NW legen, einen runter, einen rauf, würden vermutlich auch immer noch einige den linksseitigen benutzen, weil sie unten dann irgendwo links abbiegen wollen. Radwege werden immer auch (wenn auch verbotener Weise) in Gegenrichtung befahren, weshalb an manchen Stellen ein Zweirichtungsradweg sinnvoller erscheint. Eine gute Radinfrastruktur zu bauen, die akzeptiert und richtig benutzt wird, ist verteufelt schwierig in einer Stadt, die von Autos beherrscht wird, die manchen Angst machen. Ich kenne da keinen Königsweg.

      Löschen
  12. Aber wenn nun Ride- und Carsharing dazu kommen, wird der Autoverkehr zunehmen solange bis die Straßen sowieso zum Parkplatz werden. Dann werden wir mit dem Fahrrad Helikopter die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Evt. hilft dann das Autofahrverbot für Autos in roter oder schwarzer Farbe. In Indien sind wenigstens noch Elefanten und Kamele auf den Straßen unterwegs, das finde ich ganz öki. mfg r.k.

    AntwortenLöschen
  13. So ein Zweirichtungsweg ist m.E. durchaus mit ausreichender Sicherheit und guter Reisezeit möglich.
    Mindestbreite für ein Miteinander von ruhigem 'radeln' und flottem Alltagsverkehr auf Zweirichtungswegen ist bekanntlich 4 Meter, wobei bei starkem Gefälle immer, und bei Kurven gegebenenfalls eine Verbreiterung notwendig ist, schliesslich haben wir da Kollisionsgeschwindigkeiten von 50-70 kmh.
    Es reichen 4 Meter plus x (je nach Gefälle), wobei natürlich zusätzlich je ein Sicherheitsabstand zum Fussverkehr und zum regulären Fahrbahnverkehr hinzuzuschlagen ist.
    Mit der Wegnahme einer einzigen Fahrbahnspur ist das natürlich ganz definitiv nicht zu machen, es sein denn diese wäre mind. 5 Meter breit.
    Allerdings entstehen auch bei ausreichender Breite u.U. ERHEBLICHE Komplikationen bei den im Regelfall notwendigen Fahrbahnquerungen, die sicher und für flüssigen Radverkehr zu gestalten sind.
    Meist kommt bei solchen Vorhaben (zumindest in D) gefährlicher halbgarer Pfusch heraus.
    Zu schmal, keine radverkehrsgerechten Querungen, problematische Anschlüsse, Probleme mit Blendung im Dunkeln bei Regen, etc. etc.

    Wie der Artikel ja schön beschreibt sind derzeit noch nichtmal diese Pfusch-Lösungen durchsetzbar.
    Es gibt 100-tausende von solchen 'Stellen', wobei eigentlich stets klar ist, dass taugliche "Lösungen" realistisch nur bei drastischer Reduktion von Autoverkehr erreichbar sind.
    ?
    Vielleicht ist es ja manchmal ganz geschickt das in politischen Diskursen genau SO (Auto VERSUS Rad) stehen zu lassen, statt den Tatbestand mit halbgaren gefährlichen Kompromissen zu verschleiern?

    Wollen wir das Niveau des Autoverkehrs so belassen ODER wollen wir guten Radverkehr bzw. funktionierenden Umweltverbund mit planetenverträglicher Mobilität?
    Beides gleichzeitig ist nun mal nicht zu haben, es sei denn es wird eine durchgängige komplette zweite Infrastruktur errichtet.

    Dann ist aber EHRLICH zu beantworten:
    wie lange dauert das? (viele Jahrzehnte)
    Wieviel kostet das? (sehr viele Milliarden)

    Lösungen auf Basis stark reduzierter Autoverkehre dagegen sind vergleichsweise schnell und kostengünstig machbar.
    Nachteil: die Renditen 'unserer' Autokonzerne würden geschmälert und es mögen irrationale Kastrationsängste bei den über 40 Mio. Automobilisten und Automobilistinnen entstehen, die es zu entkräften gilt.

    Alfons Krückmann

    AntwortenLöschen