14. Juni 2019

So geht Fahrradförderung in Unternehmen

Das badische Unternehmen FSM in Kirchzarten ist das fahrradfreundlichste Unternehmen Deutschlands.

Hier radelt der Geschäftsführer selbst und motiviert seine Mitarbeiter/innen, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen. FSM ist das erste Unternehmen überhaupt, dass das ADFC-Siegel in der höchsten Stufe Gold erhalten hat. Das kommt gut an bei jüngeren Mitarbeiter/innen und hilft gegen Fachkräftemangel, so die Einschätzung des Unternehmens. Das Unternehmen liegt elf Kilometer vom Freiburger Stadtzentrum entfernt. Es bietet ein Dienstrad-Leasing an. Es hat Duschen und eine große Umkleidekabine für Radler geschaffen. Außerdem gibt es eine große beleuchtete und abschließbare Fahrradgarage, in der auch Werkzeug zur Verfügung steht. Eine gute Investition in die Gesundheit der Arbeitnehmer/innen, findet das Unternehmen.

Für Leute, die nicht mit dem Fahrrad kommen, stehen für kurze Dienstfahrten oder Fahrten in die Mittagspause drei Firmenfahrräder zur Verfügung. Das hat Vorteile bei Dienstfahrten nach Freiburg hinein, denn die Parkplatzsuche entfällt. Ich habe keine Aussage gefunden, wie viele tatsächlich mit dem Fahrrad fahren. FSM hat 140 Mitarbeiter/innen und eine Fahrradgarage für 150 Räder.

SWR
Die Liste der als fahrradfreundlich zertifizierten Unternehmen des ADFC kann man hier einsehen.  In Stuttgart sind das Bosch, die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft und Paul Lange & Co, die aber nicht so weit gehen wir FSM. Mir fallen bei Unternehmen in Stuttgart vor allem die riesigen Parkplätze und Parkhäuser auf und die Fahrräder, die irgendwo rund um die Eingänge angeschlossen sind, manchmal in Radständern, oft an Zäunen und Geländern. Radparkplätze hinter den Betriebstoren scheinen schnell zu klein zu werden. Und bei Baumaßnahmen fallen sie dann auch mal weg und müssen irgendwohin verlegt werden, so wie hier beim SWR. Aus dem abgeschlossenen und überdachten Stellplatz ist ein öffentlicher geworden, wo das Rad im Regen steht, der bei manchen auch noch für Verwirrung sorgt, weil da ein Parkscheinautomat steht.

Pressehaus Möhringen, Hintereingang
Für Arbeitgeber ist eine entschlossene Radförderung attraktiv. Man spart sich auf lange Sicht den Bau teuer und raumfessender Parkhäuser und man hat gesündere Mitarbeiter/innen. Wer mit dem Fahrrad fährt, hat in der Regel weniger Fehlzeiten. Dennoch sind bequem zugängliche und sichere und überdachgte Radabstellanlagen eher eine Seltenheit. Duschen gibt es oft, aber nur die wenigsten wissen das. Wobei Pedelec-Radler/innen gar keine Duschen brauchen.

Hilfeich ist übrigens, den Mitarbeiter/innen anzubieten, dass sie ihre geradelten Kilometer mit 20 oder 30 Cent abrechnen können  und ausbezahlt bekommen, wenn sie dafür auf den Arbeitgeberzuschuss zum Firmenticket für den öffentrlichen Nahverkehr verzichten. Dann verdienen die Radler/innen auch mal Geld mit ihrer umwelt- und arbeitsweltfreundlichen Mobilität.

Nachtrag: Auch Sony in Stuttgart hat seit April diese Auszeichnung. Das war mir leider entgangen und der ADFC hat mich in den Kommentaren darauf aufmerksam gemacht.

Kommentare:

  1. Mir fehlt irgendwie der Zusammenhang, was das mit dem Fachkräftemangel zu tun hat. Gibt es hierzu einer Erklärung?

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    1. Junge Arbeitnehmer/innen wollen auch in attraktiven Städten wohnen. Attraktiv ist keine Stadt mit Autostau und wo die Autos alles beherrschen. Viele wollen mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, weil sie sich bewegen wollen und keine Lust auf das morgendliche und abendliche Stehen im Stau haben. Arbeitgeber haben in Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels einen Vorteil, wenn sie moderen Lebensart möglich machen, also Fahrradstellplätze anbieten und das Radfahren unterstützen. Eine hochqualifizierte Fachkraft kann sich ja heute aussuchen, ob sie nach Stuttgart, München, Freiburg oder Hamburg geht. Sie entscheidet sich auch danach, welche Möglichkeiten ihm die Stadt bietet, Freihzeit zu genießen, sich dort aufzuhalten, Gleichgesinnte zu treffen.

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    2. Mein Arbeitgeber bietet ebenfalls Duschen, Umkleidemöglichkeiten, überdachte Parkplätze fürs Bike, sowie Dienstrad-leasing. Ich würde im Falle eines Wechsels des Arbeitsplatzes nicht darauf verzichten wollen, und empfinde das Angebot erhöht die Wahrscheinlichkeit dass ich mich nicht nach einem anderen Arbeitgeber umschaue. Im Sommer kommen etwa 20-30% der Arbeitnehmer mit dem Fahrrad mit steigender Tendenz, viele von denen sehen das sicher genau so.

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  2. Inzwischen hat Sony in Stuttgart dieselbe Auszeichnung.
    https://www.adfc-bw.de/presse/news-darstellung/article/auch-deutschlands-zweiter-mit-gold-ausgezeichneter/

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    1. Danke Frank, das habe ich übersehen. Was muss eine Firma denn erfüllen, damit es diese Auszeichnung gibt?

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