3. Dezember 2019

Falsche Vorstellungen übers Radfahren

Der ADFC hat mal so alle Mythen zusammengestellt, die Menschen am Radfahren hindern. 

Beispielsweise, es sei gefährlich, man solle reflektierende Kleidung tragen oder wegen der Radler entstünden Autosstaus. Aber auch unter Radfahrenden selber kursieren Mythen. Ich greife von den rund 30 Punkten ein paar heraus.
Radwege sind gefährlich: Sind sie nur, wenn sie schlecht sind, wenn man sie richtig gestaltet, sind sie es nicht.

Ich bin zu alt zum Radfahren: In den Niederlanden steigen alle aufs Fahrrad, egal wie alt. Und sie fahren so schnell oder langsam wie sie wollen. Radfahren erweitert den Aktionsradius, zur Not eben mit einem E-Dreirad.

Ich sollte reflektierende Kleidung tragen: Nein, muss man nicht. Es gibt keine Belege, dass gelbe Schutzwesten den Schutz erhöhen. Das Gegenteil könnte sogar der Fall sein.

Man sollte einen Helm tragen: Muss man nicht, kann man aber. Der Fahrradhelm ändert insgesamt wenig an der Sicherheit. In Ländern mit hohem Anteil von Helmtragenden, gibt es nicht weniger Kopfverletzungen als in anderen Ländern.

Mit dem Rad ist man zu langsam: Ja, schlechte Radwege und schlechte Radroutenführung kann Radler/innen ausbremsen. Aber eigentlich ist man mit dem Fahrrad auf gut 4 km immer schneller als mit jedem anderen Verkehrsmittel.

Wenn man Leute schulen würde, auf Fahrbahnen zu radeln, bräuchte man keine Radwege: Kann sein, aber wenn man Leute fragt, warum sie nicht das Fahrrad nehmen, nennen sie meist die Angst vor den Autos (und ihren Fahrer/innen) als Grund. Und mit hupenden und eng überholenden Autofahrern auf Fahrbahnen um Platz kämpfen, macht den meisten Menschen überhaupt keinen Spaß.

Man kann doch gut auf Busspuren radeln: Nein, eigentlich nicht. Manche finden das vielleicht gut. Aber die meisten Menschen finden es beängstigend, einen großen Bus hinter sich zu haben, den sie mit Tempo 20 ausbremsen oder der sie überholt. Außerdem halten Busse immer wieder an Haltestellen, und man muss sie überholen, wird dann wieder überholt, ausgebremst, überholt und so weiter.

Wenn jeder mehr Respekt vor den anderen hätte, wäre alles easy: Das mag stimmen, nur bemüht man sich seit 100 Jahren darum, ohne das es gelungen wäre. Den paar Rüpeln kommt man nie bei. Und die verderben das Miteinander. Die Lösung sind: Radfahrende vom Autoverkehr und Fußverkehr trennen und auf guter Infrastruktur fahren lassen.

Hier noch mal der Link zu der ganzen Sammlung von Mythen.

Kommentare:

  1. Verbreitest du hier nicht auch einen Mythos ? Den vom "guten Radweg", der alle Probleme löst ?
    Fakt ist: Es ist noch keinem Unfallforscher gelungen nachzuweisen, das Radfahrer auf einem Radweg ein signifikant niedrigeres Unfallrisiko auf einem Radweg haben. Im Vergleich zur zur Benutzung einer Fahrbahn direkt daneben.An Kreuzungen wurde sogar erheblich höheres Unfallrisiko nachgewiesen.Reale Radwege erzeugen damit nur ein Gefühl der Sicherheit.

    Die Ideen dieses Problem an Kreuzungen zu lösen sind m.E. Luftschlösser. Kreuzungsfreie Führung ist aus Platzgründen nur an wenigen Stellen zu verwirklichen. Und erzeugt oft neue Angsträume in Form von Unterführungen. Und sichere Ampelschaltungen setzen voraus, das eine Ampel an der Kreuzung vorhanden ist. Und vergrößern den Platzbedarf der Kreuzung, da damit auch passende Abbiegerspuren notwendig werden.

    Fakt ist auch, das auch bei weiteren Radwegausbau immer ein Teil der Wege mit dem weiter über Fahrbahnen führen werden. Bspw. von der Tür des Einfamilienhauses bis zur nächsten "Hauptstraße" . Auch da muß die "Angst vor dem Auto" überwunden werden. Da ist aber m.M.n. wie auch bei Ängsten vor der Benutzung von Flugzeugen oder Aufzügen eher der Psychologe als der Bauingenieur gefragt.

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    1. Lieber Anonymus, irgendwie muss das so ein Reflex von Radfahrenden sein, die gern auf Fahrbahnen radeln: Ich behaupte hier nicht, dass Radwege sicherer seien, und wenn du mein Blog kennst, dann weißt du, dass ich auch gar nicht dieser Ansicht bin, aber es ist nun mal unabweisbar so, dass die Leute erst dann massenhaft auf Fahrräder steigen, um Alltagswege zurückzulegen, wenn sie auf einer Infrastruktur unterwegs sein können, auf der die Geschwindigkeiten getrennt werden, die von schnelleren Autos von denen der langsameren Radfahrenden. Und dieses Grundprinzip verfolgten die Niederlande und hatten damit einen großen Erfolg.

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    2. Du hast
      https://www.theguardian.com/cities/2017/sep/19/britains-1960s-cycling-revolution-flopped-stevenage
      schon gelesen ?

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  2. Grundsätzlich alles gut und richtig, ich habe mich an einer Formulierung gestört: "Radfahren erweitert den Aktionsradius, zur Not eben mit einem E-Dreirad." Das Benutzen eines E-Dreirades oder sonstige Anpassungen an spezielle Bedürfnisse ist keine Notfallmassnahme, was ein bisschen abwertend klingt, sondern auch einfach nur eine Option den Aktionsradius zu erweitern. (Ich bin mir aber ziemlich sicher, das hast du auch sagen wollen.)

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    1. Stimmt. Wobei ich eher meinte: alte Menschen sagen, sie könnten kein Fahrrad mehr fahren und lehnen Dreiräder aber erst einmal ab. Ich habe schon solche Gespräche geführt. Sie fühlen sich auf Dreirädern gewissermaßen stigmatisiert als alt. Ich hingegen finde das toll, wen ndie Leute auf Rädern unterwegs sind, egal auf welchen. Habe ich ungeschickt formuliert.

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  3. Ich habe auf meiner täglichen Fahrt alle Arten der Radführung. Durch die Burgstallstrasse mit 5m Abstand von Autotür zu Autotür, den sogenannten "Schutzstreifen" in Kaltental, breitere Strassen wie die Waldburgstrasse aber auch baulich getrennte Wege wie zwischen Heslach und Kaltental, zwischen Kaltental und Vaihingen sowie der neue Radschnellweg zwischen Vaihingen und Böblingen. Und meine Meinung ist klar: Ohne Autos fühle ich mich sicherer und das Radfahrer macht mehr Spass. Unfälle hatte ich bisher nur im Mischverkehr.

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  4. Schön, spannender Artikel mit den Mythen. Ich kenne auch den Mythos, nur auf dem Radweg sei man sicher. Tatsache ist, dass auch hier schon viel über das Thema gestritten wurde ohne eindeutiges Ergebnis.

    Noch ein wichtiger Mythos: Radfahren ist nur für schönes Wetter. Warum gibt der Staat Geld aus für Verkehrswege, die nur an ein paar Sonnentagen im Jahr genutzt werden?

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  5. Schöner Text. Aber auf welchen Hintergrund spielst Du an, wenn Du sagst:

    "Es gibt keine Belege, dass gelbe Schutzwesten den Schutz erhöhen. Das Gegenteil könnte sogar der Fall sein."

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    1. ...also inwiefern das Gegenteil? Wird man gezielt abgeschossen?

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