10. September 2021

Autofahrer tötet Radfahrerin in Feuerbach

In Feuerbach ist gestern früh eine Radfahrerin von einem Autofahrer gerammt und getötet worden.
 Sie befand sich auf der Rüdigerstraße. Der Autofahrer kam die Heidestraße herab und hatte an der Ecke Vorfahrt-achten. 

Die Polizei vermutet, dass die Radfahrerin die Vorfahrtsstraße Rüdigerstraße befuhr. Sie fuhr bergauf und bog wohl nach links Richtung Siemenstraße ab. Sie fuhr auf der abknickenden Vorfahrtsstraße. Der Autofahrer kam die Heidestraße runter. Er hatte Vorfahrt-achten. Es sieht so aus (Fotos im Artikel der Stuttgarter Zeitung), als habe er die Vorfahrt der Radfahrerin missachtet und sie im vorderen Bereich ihres Fahrrads gerammt. Das Vorderrad ist zerstört. Der Helm liegt auf der Fahrbahn (vermutlich abgenommen bei der Reanimation). Wie der Unfall genau ablief, ist noch nicht klar. Die Polizei bittet Zeug:innen, sich zu melden.  

Ich bin entsetzt und mit den Gedanken bei den Angehörigen der 56-jähren Frau. 

Auf meinem älteren Foto blicken wir von der Siemensstraße die Rüdigerstraße hinauf. Das Kreuz markiert die Stelle, wo der Unfall passiert ist. Dort biegt die Vorfahrtsstraße nach rechts ab. Man sieht auch die steile Heidestraße, die vom Killesberg runter kommt und auf die abbiegende Vorfahrtsstraße stößt. Autofahrende, die die Heidestraße hinunter fahren, müssen ziemlich nach links hinten gucken, ob auf der Vorfahrtsstraße etwas kommt. Ich höre, dass die meisten darum auch sehr langsam unterwegs sind. Sie kommen aus einer Tempo-30-Straße und fahren auf eine Tempo-40-Straße, die wenig später zu einer Tempo-50-Straße wird. Aber da an der Einmündung ein Vorfahrt-achten-Schild steht, sollte das erwartete Tempo auf der Vorfahrtstraße eigentlich keine Rolle spielen. Solche Übergänge haben wir ja häufig. 

Eine Nachbemerkung zu den Pressemeldungen: Im Presseportal der Polizei heißt es: "Staatsanwaltschaft und Polizei Stuttgart geben bekannt: Pedelec-Fahrerin tödlich verletzt - Zeugen gesucht." Das klingt, als habe es da gar keinen Autofahrer gegeben, sondern nur die Radfahrerin. Wie immer bei solchen Unfällen, an denen Radfahrende beteiligt und auch die Opfer sind, wird der Täter (oder die Täterin) nicht benannt: Wir lesen eigentlich nie: "Autofahrer tötet Radfahrerin bei Verkehrsunfall", obgleich es genau so ist, und zwar unabhängig davon, ob der Mensch im Auto Vorfahrt hatte oder nicht. Es dauert hier nun auch noch mehr als die Hälfte der Meldung, bis der Autofahrer ins Spiel kommt: "Eine 56 Jahre alte Pedelec-Fahrerin ist am Donnerstag (08.06.2021) bei einem Verkehrsunfall in der Heidestraße/Rüdigerstraße ums Leben gekommen. Ersten Ermittlungen zufolge war die 56-Jährige kurz vor 06.00 Uhr in der bevorrechtigten Rüdigerstraße in Richtung Alarichstraße unterwegs. An der Kreuzung Rüdigerstraße/Heidestraße kam es dann zur Kollision mit dem 50-jährigen Fahrer eines Ford Galaxy, der die Heidestraße aus Richtung Killesberg befuhr." (Wobei es nicht zur Kollision mit dem Fahrer kam, der saß ja in seinem Panzer und hat nix abgekriegt, sondern mit dem Auto, das der 50-Jährige fuhr, aber so pingelig wollen wir mal gar nicht sein.) Es ist wieder einmal die Radfahrerin, die gegen das Auto prallt, nicht der Autofahrer, der die Radfahrerin gerammt und zu Fall gebracht hat. Das Opfer erscheint als die Akteurin, während der Autofahrer seltsam passiv hinter seiner dunklen Windschutzscheibe verschwimmt. So als habe er nichts getan, als habe sich alles vor seinem Kühler ohne sein Zutun ereignet. Das dürfte aber gerade hier nicht der Fall gewesen sein. Selbst wenn man sehr neutral und ohne Vorverurteilung formulieren will, und offen lässt, wer hier Vorfahrt und Schuld hatte, kann man doch wenigsten schreiben: "Der Autofahrer (die Auforahrerin) kam in einem Auto XY die Straße hinunter, wollte auf die Vorfahrtstraße einfahren und stieß dabei mit einer Radfahrerin zusammen."

Bei solchen Unfallmeldungen übernehmen leider auch die weiterverarbeitenden Medien vielfach ziemlich einmütig die Entrückung und Verschleierung des Täters, der im Auto sitzt. So als seien Zusammenstöße mit einem Auto irgendetwas, bei dem die Radfahrenden die eigentlichen Akteure sind, nicht die Autofahrenden, selbst dann nicht, wenn sie ihn wie hier höchstwahrscheinlich verursacht haben. 

Die tödliche Gewalt des Autoverkehrs bleibt unbenannt, wird demzufolge auch nicht thematisiert. Auch wenn Autofahrende keine Radfahrenden oder Fußgänger:innen töten wollen, so tun sie es, weil sie mal nicht aufpassen, mal ein Verkehrszeichen missachten oder mal müde am Steuer sitzen etc. Ihnen - und uns als Gesellschaft - ist nicht bewusst, dass sie jederzeit jemand anderen töten können, der zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, ohne dabei selbst auch nur verletzt zu werden. Und dann diskutieren viele nach solchen Unfällen lieber, ob die Radlerin auf einem Pedelec saß oder Helm trug oder was auch immer, statt darüber zu diskutieren, wie wir verdammt noch mal Autofahrende dazu bringen, dass mit ihren schweren und tödlichen Gefährten langsam und achtsam fahren. Wenn man Pressemeldungen so schreibt, lenkt man massiv ab von den wahren  und leider oft tödlichen Kräfteverhältnisse in unserem Straßenverkehr. Auch die FAZ hat sich gerade mit diesem Thema befasst. 

Nachtrag: Die Wut, die sich heute früh auf meiner Facebookseite gegen mich und den Titel dieses Artikels entlädt, ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie groß die Schwierigkeiten bestimmter Menschen sind, zu akzeptieren, dass wir in unseren und mit unseren Autos Menschen töten. 

NACHTRAG:  Die Mahnwache findet am Donnerstag, den 16. September, von ca. 17:30 Uhr bis 18:30 Uhr am Unfallort statt.

30 Kommentare:

  1. Der erste Unfallbericht mit richtiger Überschrift- danke Christine. In der Stuttgarter Zeitung wurde direkt über Pedelecs diskutiert und wie gefährlich die Dinger doch sind, wenn man ungeübt ist. Kein Wort an die Autofahrer, mal auf die Straße zu schauen. Gäbe es keinen Fahrradhelm, wäre das Victim Blaming perfekt- Irgendwie muss der Radfahrer ja schuld haben, schließlich fuhr er kein Auto.

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  2. Liebe Christine,

    .... danke dir für den Artikel!
    Mir ging es beim lesen der Presseberichte ebenso wie dir und ich finde es unerträglich wie diesbezüglich von Seiten der Presse (regelmäßig) berichtet wird. Dies habe ich zumindest der Stuttgarter Zeitung auch so zurückgespiegelt.
    Ich bin tief traurig und mit den Gedanken bei den Angehörigen der Radlerin!

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    1. Du bist nicht der Einzige, der der Zeitung geschrieben hat. Der heutige Artikel ist ausführlicher und klarer. Ich denke, die Medien müssen generell überdenken, wie sie solche Unfälle darstellen und sich ein Vokabular aneignen, mit dem sie dann auch sehr schnell auf solche Meldungen reagieren können, ohne dabei an dieser seltsamen Verschleierung teilzunehmen. Aber ich bin sicher, sie lernen es. Der ADFC arbeitet ja auch daran, das Probelm zu vermitteln.

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  3. Auch ich ärgere mich, dass hier so viel über Pedelecs geredet wird. Was haben die damit zu tun? Noch nie habe ich über einen Unfall gelesen, bei dem der Elektroantrieb tatsächlich zum Unfall beigetragen hat. Pedelecs gibt immer mehr, dadurch nehmen sie auch mehr an Unfallgeschehen teil.

    Genauso wie heute graue Autos häufiger zu Unfällen beitragen, einfach weil Autos momentan gern in dieser "Farbe" gekauft werden.

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  4. Hallo Christine!
    Kannst du in dem Blog den Termin zum Aufstellen des Ghostbikes erwähnen, sobald dieser feststeht? Ich wäre gerne dabei.

    Ed

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    1. Der Termin wird wohl zwischen 17:30 Uhr und 18 Uhr liegen, bekanntgegeben wir das morgen, Dienstag, Abend, sobald die Versammlung beantragt wurde. Dann wird der Zweirat das veröffentlichen. Ich werde den Termin auch bekannt geben.

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    2. Also Donnerstagabend, wie im Artikel schon erwähnt.

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  5. Liebe Christine,

    auch mir fiel die unnötige unterschwellige Kritik an Pedelecs im Zeitungsartikel auf. Immerhin wurde im 2. Artikel der STN in der Überschrift gefragt, ob der Autofahrer die Vorfahrt missachtet hat. Im Text jedoch steht u. a. der hier völlig deplazierte Satz "Manche Radfahrerinnen und Radfahrer sind noch nicht geübt in der Handhabung und es kommt aufgrund der hohen Geschwindigkeit, die sie so auf Rädern ohne Antrieb nicht erreicht hätten, zu Fahrfehlern." Sollen dem Unfallopfer etwa Unfähigkeit und eine Mitschuld an diesem schrecklichen Unfall unterstellt werden, als wäre er mit einem "normalen Fahrrad" nicht passiert?

    Ich bin in Gedanken bei der armen Frau und ihren Angehörigen.

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    1. Das finde ich auch sehr ärgerlich. Es mag ja sein, dass Pedelecs schneller diesen Berg hinaufkommen, aber das ist eben kein Argument, das den Autofahrer entschuldigt. Er muss aufpassen, da führt kein Weg daran vorbei. Er müsste es selbst dann, wenn die Radlerin unsicher gewesen wäre. Aber gerade in diesem Fall spricht nichts dafür. Wer morgens um 6 Uhr mit einer guten Ausrüstung, Gepäckträgern und Schutzkleidung hier radelt, tut das meist schon lange und ist sehr routiniert, weil es eine Radpendlerin ist, die zur Arbeit fährt. Da ist die Unterstellung, sie hätte vielleicht ihr Pedelec nicht händeln können, schon infam. Ich weiß inzwischen von etlichen Leuten, die der Zeitung geschrieben haben. Es wird Zeit, dass sich die Perspektive auf Rad-Auto-Unfälle ändert und auch die Presse den Mut hat, das Autofahrend und vor allem das regelwidrige Autofahren zu skandalisieren statt das Pedelec-Radeln als Problem hinzustellen.

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    2. Und noch mal ich: Im nächsten Satz steht, dass Autofahrer mit der Geschwindigkeit von uns Pedelecfahrenden nicht umgehen können, wie ich täglich selbst erfahren muss. Und: Mit keinem Wort gebe ich der Frau die Schuld. Und ebenso entschuldige ich den Autofahrer mit keiner Silbe.

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    3. Liebe Christine, wir Radfahrenden sind ja immer sehr erschüttert, wenn sich Unfälle ereignen, die für Radfahrende aus heiterem Himmel kommen, die sie also nicht vorhersehen konnten. Meine Cousine ist Anfang April in Dresden von einem LkW-Fahrer einfach so über den Haufen gefahren und getötet worden, der aus einer Seitenstraße kam und nicht angehalten hat, als die Radlerin kam, obgleich er das hätte tun müssen, der also beim Fahren offensichtlich weder nach Radfahrenden auf dem Radstreifen vor seiner Nase Ausschau gehalten hat, noch die Radlerin gesehen hat, als er mit seinem rieisgen massigen Gerät fuhr. Sie hatte keine Chance, genausowenig wie real Radfahrende keine Chance haben, wenn sie auf einem Radweg radeln, über den ein Autofahrer zu schnell einbiegt. Obgleich ich zu den Vorsichtigen gehöre, die sich sehr weit umdrehen, bin ich mal fast von einem Lieferwagen auf der Heilbronner Straße erwischt worden, der ohne zu blinken eben doch plötzlich einbog, als ich auf dem Radweg die Einmündung überquerte. Hätte er nicht mehr bremsen können, hätte er mich erwischt. Mit zitteren noch Kilometerlang die Knie, weil ich doch dachte, ich bin auf so was vorbereitet und erkenne es rechtzeitig. Und deshalb reagieren Radfahrende empfindlich auf die Art und Weise, wie Meldungen über Unfälle geschrieben werden. Ich finde, dass die Stuttgarter Zeitung das schon sehr gut macht (viel bewusster als andere Blätter), andererseits hat die Frage, ob Pedelecfahrende womöglich ihre Fahrräder nicht beherrschen vielleicht bei einem Sonntags-Alleinunfall eines Pedelecfahrers vielleicht Sinn, nicht aber hier. Wenn ein Fahrrad mit Packtaschen und die Radlerin mit Schutzkleidung ausgestattet ist, und wenn sie morgens um 6 vermutlich zur Arbeit radelt, ist sie höchstwahrscheinlich keine unerfahrene Radlerin, sonderen eine Radpendlerin, die sehr viel fährt und oft genau diese Strecke. Es ändert ja auch nichts an dem Unfall, ob sie auf einem Normalrad saß oder auf einem Pedelec, die meistens auch noch mit sehr guten Halogenlichtern ausgestattet sind. Es war ja der Autofahrer, der sie gerammt hat, weil er fuhr, obgleich er nicht durfte. Man hätte hier auch die Frage diskutieren können, warum Autofahrende so oft die Regeln missachten (sehen wir ja an den beinahe wöchentlichen Stadtbahnunfällen mit Autos, die verbotener Weise über die Gleise abbiegen) und damit schwächere Verkehrsteilnehmer:innen gefährden. Oder warum eigentlich Autofahrende immer noch nicht mit der GEschwindigkeit von Pedelecs umgehen können, obgleich die gefühlt die Mehrheit der Fahrräder stellen? Oder was die Stadt eigentlich tut, auch an solchen Einmündungen, um Radfahrende zu schützen und so weiter. Es ist kein Radfahrerthema, sondern ein Autofahrerthema, ein Thema der Rücksichtslosigkeit und mangelnden Vorausschau. Dieses Verweisen auf Pedelecs (oft auch Helme) kommt bei uns Radfahrenden so an, als wolle man eine - na, sagen wir mal - entschuldigende Begründung dafür geben, dass es einen Radler erwischt hat, der kam ja überraschend. Und dann schauen wir die Radfahrenden mit großen Augen an und fragen insgeheim oder laut: Hättest du nicht halt bremsen können, zu deinem eigenen Schutz, wenn der da kommt. Aber vom Unfall meiner Cousine und aus eigenen Erfahrungen weiß ich, ja, man kann meistens bremsen, sonst würde mehr passieren, aber manchmal verlässt man sich eben darauf, dass Autofahrende sich an die Regeln halten und erst fahren, wenn die Straße frei ist, nicht dann, wenn ich auf meiner Vorfahrtsstraße an ihm vorbeiradle. Sonst müssten wir an jeder, aber auch jeder Einmündung bremsen und anhalten, um zu schauen, was der Autofahrer macht.

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    4. Liebe Christine, wenn Du schreibst "wir Radfahrenden" dann klingt das so, als ob ich diese Gruppe nicht verstehen würde. Das tue ich sehr gut, denn ich bin eine von uns. Mit "Normalrad", mit Pedelec, immer mit Helm, und fast täglich mit Frust über die Ignoranz vieler Autofahrender. Fälle wie die Deiner Cousine (das tut mir so unendlich leid, hast Du mir schon erzählt, ich kann es immer noch nicht fassen) höre ich, da ich ja nicht nur die Stuttgarter Polizeimeldungen scanne, nahezu täglich.
      Ich bin bei allem Verständnis für die Sache aber immer so ein bisschen allergisch, wenn man mir erklärt, was ich darf und was nicht im Artikel. Und wenn das so klingt, als müsse man uns was beibringen. Sprache hat die Schönheit und die Gefahr, dass sie für jeden von uns individuell verschieden ist. Das merkt man zum Beispiel an dem alten Streit über das Wörtchen "übersehen". Wenn ein/e Autofahrer/in ein Fahrrad "übersieht", dann ist das in meinem Sprachempfinden (und ich setze mich damit sehr gründlich auseinander) kein Entschulden des Menschen im Auto. Im Gegenteil. Einer der gröbsten Verstöße gegen die einfachste Grundregel der StVo, aufeinander zu achten (steht darin etwas anders, aber im Kern). Das mit den Pedelecunfällen: Natürlich gehörte die arme Frau sehr sicher nicht zu den ungeübten Freizeitradelnden. Aber es ist nunmal so, dass wir bei längeren Unfallberichten auch eine Einordnung vornehmen: Ist das jetzt der einzige Unfall mit einem Pedelec oder passieren viele? Und dass dazu auch die eigenverursachten zählen und ich die auch erwähne, ändert nichts, aber auch gar nichts an der Tatsache, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Mann im Auto die Vorfahrtsregel einfach nicht eingehalten hat.
      Kurzversion: Wir sind einer Meinung, drücken sie unterschiedlich aus. Ich hab natürlich noch ein paar Regeln bei der Schreiberei zu beachten und muss die Überschrift anders formulieren, auch wenn es extremst wahrscheinlich ist, dass es so war.
      Ich meld mich diese Woche mal noch wg. des Themas (etwas weiter gefasst).

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    5. Das Worz "übersehen" in Polizeimeldungen über Unfälle ist ein Codewort und hat nicht seine alltägliche Bedeutung. Das ist wie Zeugnissprache. Journalisten sollten die Pressemeldungen nicht unreflektiert abschreiben. Sie sollten das "übersetzen" in eine Sprache, die ihre Leser richtig verstehen.

      Das Codewort "übersehen" bedeutet: Der Autofahrer hat die Vorfahrt (oder den Vorrang) eines anderen Verkehrsteilnehmers missachtet und dadurch einen Unfall verursacht. Die Polizei hat bei der Unfallaufnahme die Ursache für die Pflichtverletzung des Autofahrers nicht ermitteln können. D.h., es ist noch nicht bekannt, ob
      - sich der Autofahrer hat ablenken lassen (und wodurch - Zigarette, Mobiltelefon, Bedienung des Autos, andere Verkehrsteilnehmer, Telefonat, Gespräch mit Beifahrern, quengelnde Kinder im Auto, Haustier im Auto, ...)
      - ein medizinisches Problem vorlag
      - Drogen oder Medikamente seine Wahrnehmungsfähigkeit und Reaktionsfähigkeit eingeschränkt hat
      - ein technisches Problem an der Bremsanlage oder Lenkung bestand
      - der Autofahrer psychische Probleme hatte
      - der Autofahrer Probleme mit den Augen hatte oder z.B. eine vorgeschriebene Brille nicht aufgesetzt hatte
      - die Situation nicht verstanden oder die Verkehrsregeln nicht gekannt oder nicht beachtet hat
      - sein Auto als Waffe verwendet und den Unfall absichtlich verursacht hat

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    6. ICH SCHREIBE NICHT UNREFLEKTIERT AB!!!

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    7. "ICH SCHREIBE NICHT UNREFLEKTIERT AB!!!"

      Ja offenbar doch. Wenn nicht, umso schlimmer.

      "Übersehen" bedeutet im normalen Sprachgebrauch "versehentlich, unbeabsichtigt (also schuldlos) nicht sehen" und hat also keinesfalls die Bedeutung einer groben Verletzung der grundlegenden Aufmerksamkeits- und Rücksichtspflicht im Straßenverkehr, die Sie ihm oben zuschreiben.

      Wenn Sie das Wort also trotzdem verwenden, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder Sie taten es unreflektiert, weil es im Polizeibericht stand und Ihnen die Bedeutung, dass es dort nicht die Schuldlosigkeit des Autofahrers bedeutet, nicht klar war.

      Oder aber Sie verwendeten das Wort reflektiert, um gezielt die Schuldlosigkeit des Autofahrers zu suggerieren, und diese indirekt dem Opfer zuzuschieben.

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    8. Liebe Frau Bilger,

      anscheinend können oder wollen Sie es nicht verstehen, obwohl Frau Lehmann es Ihnen ausführlich und in freundlicher Weise erklärt hat. Niemand, außer vielleicht Ihrer Redaktion, hindert Sie daran, einen Artikel über das Pedelec-Fahren im Allgemeinen und im Besonderen zu veröffentlichen. Möglicherweise haben Sie es sogar schon getan, das weiß ich nicht, weil ich kein StZ-Abonnent (mehr) bin.

      Aber hier ist ein Mensch gestorben. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, wie Sie selber schreiben, ohne jedes eigene Verschulden. Und da hat eine Erörterung über Pedelecs, in denen Formulierungen wie „nicht geübt in der Handhabung“, „hohe Geschwindigkeit“ und „Fahrfehler“ vorkommen, nichts, absolut gar nichts verloren. Dass danach noch andere Sätze kommen, spielt keine Rolle mehr, denn die Assoziation ist schon einmal hergestellt.

      Das ist in etwa so, als würden Sie in einem Bericht über einen Unfall in einer Tempo-30-Zone, bei dem ein Autofahrer bei Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung und mit 0 Promille von einem rangierenden LKW gerammt wird, die Erwähnung für wichtig halten, dass es auch Autofahrer, gibt, die in Tempo-30-Zone viel zu schnell und betrunken unterwegs sind. So what? Obwohl, das ist ein schlechtes Beispiel, denn hier geht es sehr wahrscheinlich um einen Bagatell-Schaden, dort aber ist ein Mensch aus dem Leben gerissen worden.

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  6. Sachlicher & neutraler Journalismus geht anders.
    Niveauloser & schwachsinniger Hetzbeitrag auf Basis so eines grauenvollen Unfalls? Wow!
    Schämt euch!

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    1. es besteht kein grund zur sachlichen neutralität.
      jeden tag fallen die unseren in einem asymetrischen konflikt, der uns aufgezwungen wird von denen, die unseren lebensstil verachten.
      oder aus gegebenem anlass:
      “Due to the imbalance of power between our forces and the enemy forces, a suitable means of fighting must be adopted"

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    2. @arashi94 Falls Sie das ernst meinen, lesen Sie nach, was Hetze ist, um zu erkennen, dass das hier in keinster Weise zutrifft, im Gegenteil, der Artikel von C. Lehmann ist sehr ausgewogen, auch und gerade weil er die übliche Autofahrerperspektive der Zeitungsjournalisten gerade rückt.

      Falls nicht, dann sind Sie es, der hetzt. Dann gehen Sie in sich, überlegen Sie, was Sie so aufbringt daran, dass andere sich nicht das Recht des Stärkeren aufzwingen lassen wollen und arbeiten Sie an ihrer inneren Unsicherheit.

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    3. Wegen der Antworten lasse ich den Beitrag von arashi stehen, der ein gutes Beispiel dafür ist, wie Hetze geht: Behauptungen aufstellen und mit sehr starken Abwertungen versehen, nicht argumentieren, sondern die Autorin als Person angreifen und abwerten, sich zum Erziehungsberechtigten aufwerfen und ausschimpfen. Nach meiner Erfahrung auch im Straßenverkehr, werden vor allem die Menschen sehr böse und gehässig, die man bei einem gravierenden Fehler ertappt. Sie geraten dann in eine Verteidigungshaltung und unterliegen der Versuchung (ein bisschen wie Kinder), zu bestreiten, dass sie unrecht haben oder einen Fehler gemacht haben. Fehler macht ja jede:r, davor ist niemand gefeit, allerdings sind die Fehler, die man in einem schweren und schnellen Auto macht, sehr gravierend vor allem für andere, eben leider auch tödlich. Und das muss man sich immer vor Augen halten, wenn man Auto fährt.

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  7. liebe Christine,

    habe fast jeden Tag Situationen, an welchen Autos mir die Vorfahrt nehmen und die
    merken es nicht einmal - trotz meinem Schreien am - weil die Klingel ja ein Witz
    im Strassenverkehr ist. An der vorgeschriebenen Klingel merkt man deutlich wie der
    Gesetzgeber Radfahrer einstuft - als nachrangigen Verkehrsteilnehmer beim Freizeitradeln auf Fussgängerwegen.
    Gruss Tho

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    1. Mir hat unlängst ein Autofahrer vor Augen geführt, wie viele (nicht alle) denken, wenn sie im Auto sitzen: Hat mir die Vorfahrt genommen und wollte mich dann zwischen seiner SUV-Stoßstante und einem Bus zerquetschen, hat er nicht geschafft, weil ich schnell aus dieser Falle rausgeradelt bin, gerade noch. Da musste er doch bremsen... Macht das Fenster auf und ruft - nein, nicht "Entschuldigung!" sondern: "Sie haben hier nichts verloren!" Zur Einordnung: Ich war komplett korrekt geradeaus gefahren und an der Bushaltestelle an einem Bus vorbei, er links abgebogen, bevor ich aus dem Einmündungsbereich raus war. Seine Straße. Da hatte ich "Nichts verloren". Erklärt leider viel.

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    2. Mich erstaunt es immer wieder, dass es wirklich Autofahrer:innen gibt, die meinen Radfahrende hätten auf den Fahrbahnen nichts verloren. Ich frage mich immer, in welcher Welt die eigentlich leben. Ich staune auch immer wieder, wie selbstverständlich (manche, wenige) Autofahrende ihre Autos als Waffe gegen mich einsetzen, als ob es ihnen nichts ausmachen würde, wenn ich schwer verletzt auf der Straße liege. Irgendwas setzt bei denen im Hirn für diesen Moment aus, und sie würden mich töten. Sie machen sich das aber vermutlich nicht klar, sie haben den Eindruck, wir seinen so ein blecherner Gegenstand wie ein Auto, wir wirken in diesem Moment nicht wie Menschen. Und dann staune ich, wie schnell Menschen bereit sind, andere Menschen nicht mehr als lebendige Wesen, die bluten und sterben können, zu sehen, wenn sie im Auto sitzen (aber nicht nur dort). Wir leben in einer zu sehr auf Aggressivität gepolten Gesellschaft, denke ich dann. Aber das war früher sicher auch nicht anders.

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    3. Hallo,

      ja, das macht mich auch immer wieder sprachlos: mit welcher Leichtigkeit oder vielleicht auch Unbedachtheit (?) Gesundheit und Leben riskiert werden. Immer wieder auch gern auf (kleinen) Landstraßen, wo viele Autofahrer lieber eng am Radfahrenden vorbeifahren, statt die Mittellinie zu überqueren. Und das nicht nur bei Gegenverkehr...
      Ich frage mich, wie man das verändern könnte. Der Weg kann wohl nur über Perspektivwechsel führen. In diesen Momenten fühlt der/die Autofahrer*in offenbar nicht, wie verletzlich man auf dem Rad ist (wie Christine oben richtig schreibt: wir scheinen nicht wie Menschen zu wirken) und wie sehr einem die Knie nach einem Beinaheunfall zittern, weil man sich halbtot auf der Straße hat liegen sehen. Aus den meisten Beiträgen hier spricht die Verzweiflung und der Frust, die man auf dem Rad im Alltag empfindet, aber offenbar scheitern wir regelmäßig daran, diese, unsere Sicht für Nicht-Radfahrende spürbar zu machen.

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  8. Meine innere Korrekturleserin moniert, dass das Verkehrsschild 205 falsch benannt wird:
    Im Artikel ist von "Vorfahrt achten" die Rede, tatsächlich heißt das Schild lt. StVO "Vorfahrt gewähren".
    Das finde ich sprachpsychologisch durchaus relevant.
    Gruß, MBF

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    1. Ich verwende nicht immer die Amtsdeutsch-Bezeichnungen, sondern meistens die, die die meisten Leute verwenden. Und umgangssprachlich reden wir von Vorfahrt und Vorfahrt-achten. Insofern ist der psychologische Unterschied hier wohl zu vernachlässigen. Autofahrende wissen genau, dass sie warten müssen, wenn sie das Dreieck sehen, und dass sie keinerlei Fahrtrechte dem Verkehr gegenüber haben, der auf einer Vorrangstraße fährt.

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  9. Mein Beileid an die Familie des Opfers.

    Wann stehen wir Radfahrer und die anderen auf und fordern lebenswerte Städte ein ?

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  10. Ja, wann machen wir das? Das frage ich mich auch. Die Critical Mass reicht ja nicht, ist ja auch keine Demonstration, sondern eine Ausfahrt. Und es wäre wirklich sinnvoll, wenn die Radfahrenden in Massen der Politik und Verwaltung zeigen, dass es jetzt wirklich Zeit wird für einen massiven und schnellen Ausbau der Radinfrastruktur. Der Radverkehr ist nach meinem Dafürhalten der am meisten unterschätzte, aber wirkungsvollste, weil schnellste Ansatz, um CO2-Ausstöße in den Städten sofort zu reduzieren. (E-Autos, mehr Stadtbahnen und Busse sind der zweite Schritt, denn das dauert länger.)

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  11. Die Mahnwache findet am Donnerstag, den 16. September, von ca. 17:30 Uhr bis 18:30 Uhr am Unfallort statt.

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  12. Wenn die Presse mal wieder aus Auto-Sicht über Verkehrsunfälle berichtet, macht es Sinn, dass möglichst viele von uns sich dort beschweren. Man bekommt zwar nur selten eine Antwort. Jedoch merken die Auto-affinen Redakteure dann wenigstens etwas Gegenwind.
    Eine andere Möglichkeit ist es z.B. bei der Stuttgarter Zeitung ein kostenloses Probeabo abzuschließen und dies dann (rechtzeitig) zu kündigen. Die rufen dann Monate später noch an und fragen, ob man die Zeitung nicht doch abonnieren möchte. Dann sage ich immer, dass ich mich über die Auto-affinen Artikel ärgere, und die Zeitung offensichtlich ja ausreichend von der Autolobby finanziert sei ;-)

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