7. Mai 2026

Sonntagsfahrer auf der für Autos gesperrten Hofener Straße

Die meisten Sonntagsfahrer:innen sitzen auf dem Fahrrad und genießen es, dass die Hofener Straße am Neckar seit dem 1. Mai wieder an Sonn- und Feiertagen für den Auto- und Motorradverkehr gesperrt ist. 

Die meisten haben auch kapiert, dass an diesen Tagen der Gehweg verboten und alleine den vielen Spaziergänger:innen und Jogger:innen vorbehalten ist. 

Leider aber wollen es viele Autofahrende weder kapieren noch akzeptieren, dass sie an den Sperren und Verbotsschildern nicht vorbei fahren dürfen. Am vergangenen Sonntag kamen sie, als ich da radelte, in verblüffenden Massen von beiden Seiten, überholten  teils knapp, schüchterten Radfahrende mit ihren Kindern ein, versuchten trotz Rad-Gegenverkehrs zu überholen und wollten überhaupt nicht einsehen, dass man hier Sonntags nicht Auto fährt (außer den Winzern und Anwohnenden). 

"Die andern fahren doch auch." 

Ein Autofahrer hielt an, als er die anderen Radler:innen und mich gestikulieren sah und fragte verwundert, was los sei. Hier dürfe er nicht fahren, er habe sogar eine Absperrung umfahren. "Aber die anderen fahren doch auch", antwortete er.  (Fährt einer, folgen viele,) Ob er denn die Schilder nicht gesehen habe? "Nein. Die anderen fahren doch auch". Ob er die Verkehrszeichen und die Bedeutung einer Sperre nicht kenne? "Nein." (Was natürlich wohl eher Trotz war). Ich empfahl ihm, den Führerschein zu machen. 

Die zweite Diskussion mit einem Autofahrer verlief gestisch. Er kam schnell von hinten an mich heran, und ich fuhr etwas weiter in der Fahrbahnmitte, um ihm zu signalisieren, dass er jetzt hier nicht überholen kann und hinter mir bleiben muss. Nach einer Weile setzte er zum Überholen an, just in dem Moment, als ich eine Gruppe Rennradler mir entgegenkommen sah. Ich winkte ihm mit der Hand zu, dass er nicht überholen könne und hinter mir bleiben müsse und deutete auf die Rennradler. Immerhin schien er das dann verstanden zu haben und blieb hinter mir. 

Die vielen Radler:innen, die hier sonntags unterwegs sind, nutzen genau diese Strecke, weil sie wissen, dass man an hier einem Sonntag mal stress- und autofrei radeln kann, ohne sich durch Fußgänger:innen zu schlängeln. Darunter viele Familien auch mit kleineren Kindern auf Fahrrädern, die langsam radeln. Auf dem Dreierbild rechts unten ist so eine Familie zu sehen, hinter der sehr dicht ein Auto hockt, dessen Fahrer auf eine Überholmöglichkeit wartet, die er dann auch nutzt (Foto rechts).  Die Eltern waren ziemlich geschockt und verärgert. 

Die Fotos habe ich innerhalb der zwei Minuten gemacht, die ich am Straßenrand angehalten habe. Ich habe aber nicht all die vielen Autos fotografieren können, die ich gesehen habe, schließlich bin ich ja geradelt.  

Ein Fahrer folgte dem anderen an der Sperre vorbei. Also muss man wohl "die anderen" davon abhalten, eine Sperre zu missachten. Ich fürchte, ohne versenkbare Poller wird es auf Dauer nicht gehen. Hier geht es um den Schutz von Menschen, die nicht in Autos sitzen, übrigens gar nicht so sehr um uns Radfahrende, sondern vor allem um die Fußgänger:innen auf dem Gehweg, die am Sonntag auch mal entspannt und unbehelligt vom Radverkehr mit Kind und Kegel spazieren können sollen. Immer mehr Leute zu Fuß nutzen inzwischen auch Fahrbahn, weil der Gehweg zu eng wird. (Ohnehin wird jede Fahrbahn, auf der Autos verboten sind, schnell als Fußgängerzone gesehen, auch wenn sie es nicht ist.)  Jogger:innen traben ohnehin lieber unten bei den Radler:innen, Inline Skater sehe ich auch immer öfter. Hier wuselt es, und Autos sollten wirklich draußen bleiben. 

Es gab 2017 schon einmal eine solche Situation, in der Autofahrende in Reihe an der Schranke vorbei fuhren. Damals veröffentlichte ich ein Video mit dem ironischen Titel "Radfahrer halten sich ja an keine Regeln" und die Stadt ließ einen Sommer lang dort einen Sicherheitsdienst Wache halten. Immer wieder kontrolliert auch die Polizei auf halber Strecke die Autofahrenden, die regelwidrig hier durch fahren, und dabei auch gelegentlich Radfahrende, die regelwidrig auf dem Gehweg fahren. Ich vermute, sie wird das zu Beginn der Saison auch dieses Jahr tun. Dennoch glaube ich, dass solche Sperrungen nur mit versenkbaren Pollern durchgesetzt werden können, weil Schranken und Verkehrszeichen ziemlich egal zu sein scheinen. 

Das Missachten der Straßensperre für den Kraftverkehr kostet übrigens zwischen 50 und 100 Euro, umfährt man dabei noch eine Schranke, kann man sich nicht rausreden, man habe das Verkehrszeichen übersehen. Dann gilt Vorsatz und es wird teurer und gibt einen Punkt in Flensburg. Ob die Polizei diese Bußen verhängt oder nur Verwarnungen ausspricht, weiß ich allerdings nicht. 

17 Kommentare:

  1. Dass die Polizei aus eigenem Antrieb heraus tätig wird und illegal fahrende Autofahrer (m/w/d) anzeigt, ist vollkommen illusorisch. Deshalb: Bilder machen und anzeigen. Dutzidutzi hilft nicht.
    Thomas

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  2. Ich wusste gar nicht dass die Straße Sonn- und Feiertags wieder für den Kfz-Verkehr gesperrt ist, richtig gut! Wo erfährt man denn davon, wenn man nicht zufällig dort vorbei radelt?

    Selbst die StZ die ja sonst immer über jede Einschränkung im Straßenverkehr dreiseitige Artikel aus der Sicht der armen Autofahrer veröffentlicht, hat dazu nichts geschrieben?

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    1. Das gilt m.W. immer in den Sommermonaten von Mai bis Oktober, an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 21 Uhr.

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  3. Will man, dass der Autoverkehr draußen bleibt, muss man massiv absperren (gilt aber auch für andere Verkehrsarten), sonst wird umfahren, oder beiseite geräumt (gerne bei Sperrungen von Geh- und Radwegen). Wenn ich das Photo mit der "Sperre" sehe, denken viele, die ist da von irgendetwas "übrig" geblieben. Man sieht es einfach zu häufig, dass Sperrungen geöffnet wurden und die entsprechenden Schilder immer noch in der Gegend rumstehen. Dieses "Bandwurmschild" an der Seite wird auch von vielen vermutlich nicht verstanden und wegen der Sperre mit dem zusätzlichen Schild auch garnicht wahrgenommen. Ich möchte da jetzt keine Lanze für die Einfahrenden brechen. Die Aussage "die anderen fahren auch durch" trifft es eigentlich gut. Man folgt einfach der Masse. Die Verantwortung wird abgegeben. Die Anderen tun es doch auch.
    Die Schranke ist eindeutig die bessere Lösung, weil sie signalisiert, das ist nicht übriggeblieben und sie lenkt die Aufmerksamkeit auf das eigentliche Schild.
    Dieses zusätzliche Schild an der Sperre auf der Fahrbahn zieht zuviel Aufmerksamkeit auf sich.
    Leute, die sich vor Ort auskennen, sind übrigens noch viel anfälliger für das Ignorieren von diesen Schildern. Sie fahren immer dort lang, also immer, auch Sonntags. Dass da ein Schild steht, registrieren sie garnicht und die Sperre ist sicherlich übrig geblieben, von was auch immer.
    Ich glaube, es hilft hier nur ein Ordnungsdienst, oder die Strasse ganz absperren, auch für Landwirtschft, die Hausnummern 170/12 und auch Sportbootanhänger, oder zur Sackgasse erklären und Einfahrt für Berechtigte nur von einer Seite einfahren lassen.
    Das Sackgassenschild hilft mitunter, aber auch nicht sicher. Ein Versuch wärs sicherlich wert.
    Karin

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  4. Neulich musste ich einer Frau am Steuer, die in die Fußgängerzone, aus der ich kam, einbiegen wollte, obwohl dort zusätzlich zum blauen Schild, das offenbar zu viele Motorisierte gar nicht mehr kapieren wollten, noch ein Verbotsschild für motorisierte Fahrzeuge angebracht war, physisch die Einfahrt versperren. Und sie war noch erstaunt (oder tat so), dass sie da nicht fahren dürfe...

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  5. "Ohnehin wird jede Fahrbahn, auf der Autos verboten sind, schnell als Fußgängerzone gesehen, auch wenn sie es nicht ist."

    Kleine Tandnotiz: Das widerspricht ganz offensichtlich der Behauptung, die man so oft in der Diskussion hört oder liest, dass Fußgänger sich ja von Radfahrern so viel mehr gefährdet fühlen als von Autofahrern...

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  6. Wie immer ist die Lösung für das Problem: Poller, Poller, Poller :-D. Wir brauchen noch mehr Poller! Absenkbar für die Anwohner und Einsatzfahrzeuge. Die Autofahrenden Rowdies müssen konsequent auszusperren werden. Anders geht es nicht, das zeigt sich immer wieder. Ohne Poller würden wohl die Poser Prolos sogar auf dem Schlossplatz parken am Wochenende :-D.

    Grüsse, A

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    1. oder eine Halbschranke die man leicht umfahren aber nicht ignorieren kann und dann eben Kontrollen mit Punkten für jeden den man dort antrifft.
      Dann werden sich wieder ein Paar in der Zeitung ablichten lassen und von Abzocke reden, aber so spricht sich wenigstens rum, das die Schilder keine Kunstinstallation sind.

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  7. Eigentlich bräuchten wir eine Kultur des Respekts vor Regeln, darunter Verkehrsregeln.

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    1. Ganz unmodern in einer Gesellschaft, die immer mehr und immer offizieller nur ein Recht kennt, das des Stärkeren.

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    2. Ich glaube die StVO zählt zu den Regelwerken bei denen gefühltes Recht und geschriebenen bei vielen maximal voneinander abweichen.
      Und den Respekt fordern diese Menschen von anderen nur für ihre Interpretation der StVO.
      Den §1, der jedliche Erziehungmaßname ausschließt, haben diese Verkehrsteilnehmer leider auch vergessen oder meinen der würde bedeuten, dass der Schwächere "seine Vorfahrt nicht erzwingen" darf.
      Ich bin mir bewusst, dass diese Gruppe an Menschen bei weitem nicht die Mehrheit ist, aber leider immer noch so groß, dass man viel zu oft mit einem solchen Exemplar zu tun hat.
      Und da dürfte die geballte Staatsmacht helfen um die Wahrnehmung der Gesetzeslage zu verändern, wenn auch widerwillig

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    3. Das Problem damit ist wie immer systemisch. Wenn ein System so klare, so allumfassende Machtgefälle schafft, dann ist das die Realität, was auf dem Papier steht hat dagegen keinerlei Gewicht.

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    4. Ich gehe ja mit, das solche krassen Regelverstößen wie gefährliche "Erziehungsmaßsnahmen" von einer Minderheit ausgeführt werden. Aber Dinge wie Sicherheitsabstände (sowohl längs und seitlich) nicht einhalten, nicht abblenden, verboten überholen, gefährdend falsch halten/parken, in Engstellen bei Gegenverkehr mal ein Stück auf dem Gehweg fahren, werden von der ganz deutlichen Mehrheit ganz regelmäßig begangen. Ich denke auch, dass das nicht ganz aus Versehen ist, sondern falsch verstandene Effizienz und Gewöhnung.

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  8. Solang die Polizei kein digitales Backoffice hat, wird sie keine Geldbußen verhängen. Die haben nix zwischen Kugelschreiber/Zettelblock und Dienstwaffe.
    Überhaupt hat sich die Polizei fast komplett aus jeglicher StVO-Durchsetzung zurückgezogen. Geschwindigkeit und Rotlicht werden von den Kommunuen automatisiert überwacht, Falschparken ggf. manuell und nur punktuell. Sonstige Verstöße macht die Polizei gar nicht mehr. Nur wenn's kracht kommen sie. Und die Polizeigewerkschaften haben genug damit zu tun gegen Ausländer zu hetzen, während die im Innenministerium die Grundrechte mit Palantir schleifen lassen. Ganz schön traurig.
    Paul aus Stuttgart

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    1. Korrekt zusammengefasst. Da geht es sogar Richtung failed state.
      So traurig.
      Thomas

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    2. Was soll die dümmliche Hetze gegen die Polizei? Thema verfehlt, setzen, sechs

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    3. Ich halte die Polizei ebenfalls nicht für desinteressiert, sie ist personell nur schlecht ausgestattet. Bei mir in der Wohnstraße hält sogar die Streifenpolizei an, wenn Leute ihre Autos gar zu frech auf dem Gehweg geparkt haben. Auch in der Hofener Straße steht die Polizei regelmäßig. Und es ist nicht möglich, an jede Straße einen Polizisten zu stellen, der die Verkehrsverstöße ahndet. Wir sollten vor allem uns selbst auch mal ehrlich fragen, wie viele Verkehrsregeln wir selbst auf einer Fahrt verletzen, egal ob mit dem Fahrrad oder im Auto. Und ob es jedes Mal wirklich sein muss. Die Polizei kann nicht aufräumen, was eine Gesellschaft nicht aufgeräumt haben will.

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