Die Stadt Stuttgart hat vor einiger Zeit ihre Bürger:innen befragt, wie sie sich durch die Stadt bewegen. Wobei es nicht ums Autofahren, sondern ums Radfahren und zu Fuß gehen ging.
Der Blick auf die Umfrageergebnisse ist interessant. Demnach gehen 71 Prozent hauptsächlich, also fast täglich zu Fuß, 85 Prozent derer, die teilgenommen haben, fahren Fahrrad (einschließlich Pedelec), 46 Prozent nutzen den ÖPNV und 17 Prozent hauptsächlich das Auto, 12 Prozent kombinieren die Verkehrsarten.
Da das keine repräsentative Umfrage ist, spiegelt das nicht die Mobilitätsrealität in Stuttgart wider. Den Fragen, die folgen (und die man sich auf der Seite anschauen kann), merkt man allerdings an, dass jemand den Fragebogen gemacht hat, der oder die schon sehr genau die Knackpunkte kennt: zu lange Wartezeiten an Ampeln, Unsicherheit auf Radwegen, lückenhafte Radinfrastruktur. Den Ergebnissen zufolge nutzen 81 Prozent das Fahrrad in der Freizeit und 78 Prozent fahren damit zum Einkaufen. 61 Prozent fahren zur Arbeit mit dem Fahrrad.
Die Umfrage brachte auch zu tage, dass es nicht leicht ist, sich über die Angebote und Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs zu informieren, es gibt keine zentrale Stelle. Am ehesten findet man was im Lokalteil der Zeitung (36 Prozent) und in den Sozialen Medien (37 Prozent). Bürgerbüros oder die Internetseite der Stadt werden eher weniger genutzt. Von denen, die an der Umfrage teilgenommen haben, schreiben 27 Prozent Gelbe Karten, 28 Prozent suchen sich eine:n Ansprechparter:in bei der Stadt und 42 Prozent nutzen beide Möglichkeiten. 60 Prozent allerdings wusste noch nichts von Gelben Karten.
77 Prozent sind der Ansicht, dass die Stadtpolitik Radverkehrsmaßnahmen nur dann unterstützt, wenn keine anderen Interessen berührt werden, wenn also keine Pkw-Parkplätze tangiert sind (was so nicht ganz stimmt). 13 Prozent meinen immerhin, dass nach Kompromisslösungen gesucht wird, um den Radverkehr zu fördern.
73 Prozent finden unsere Radwege lückenhaft und 16 Prozent finden, dass die bestehenden Routen nicht ausreichen. Und die Kreuzungen finden ebenfalls viele eher schlecht, beziehungweise vermeiden sie wegen zu langer Wartezeiten auf Hüpfinseln (75 Prozent).
8 Prozent der Befragten fahren in Stuttgart nicht Fahrrad, weil es ihnen zu stressig ist. 19 Prozent fahren abseits der Straßen auf Gehwegen und Radwegen oder im Grünen. 59 Prozent meiden Hauptstraßen mit viel Autoverkehr und Tempo 50, auch dann, wenn es dort einen Schutzstreifen oder einen Radfahrstreifen gibt. 15 vermissen nicht viel und finden, dass man mit dem Fahrrad gut in Stuttgart unterwegs sein kann.
Mehr Rad fahren würden etwa zwei Drittel, wenn die Radwege ausgebaut (und Parkplätze abgebaut) würden, wenn man sich sicherer auf den Radwegen fühlen könnte und wenn es bessere Radabstellmöglichkeiten gäbe.
Die Befragten Menschen zu Fuß würden übrigens - sagen sie - mehr zu Fuß gehen, wenn weniger Fahrräder auf dem Gehweg fahren würden und wenn man nicht so lange an Ampeln stehen müsste.
Zur Erinnerung: Die Stadt befragt derzeit Radfahrende nach ihren Strecken, Wunschstrecken und Kritikpunkten. Mitmachen kann man bis zum 5. Junie.

Diese überhörten Neuigkeiten werden in Stuttgart einschlagen wie eine Bombe!
AntwortenLöschenOk, sorry für den Sarkasmus, aber dieser unendliche Kreislauf aus Umfrage, Studie, Anhörung, Beschluss, Umfrage, Studie... nervt einfach nur noch.
Für mich sind Umfragen durchaus interessant, weil jede irgendwas zutage fördert. Sie können natürlich politisches Handeln nicht ersetzen, und sie können sogar schaden, wenn die Daten ungenau erhoben oder falsch interpretiert werden. Aber wenn wir nicht wissen, wie die Leute beispielsweise Rad fahren und wie sie die Infrastruktur sehen (oder die Informationslage), dann kann man auch nichts ändern. Na gut, meistens ändert sich auch aufgrund von Datenlagen nichts. 😊
Löschen