Weil sie langsamer unterwegs sind als Autofahrende und viel durch Nebenstraßen rollen, kennen sie viele Läden, die man vom Auto aus kaum sieht. Und sie können jederzeit anhalten, das Rad abschließen und reingehen. Und wenn sie etwas suchen - was sie nicht online kaufen wollen - können sie in kurzer Zeit verschiedene Läden in einem Radius von drei Kilometern ansteuern, was man zu Fuß kaum schafft.
Anders als Autofahrende müssen sie nie einen Parkplatz suchen. Sie kommen nicht nur bis vor die Ladentür, sie kommen mit dem Rad schiebend auch mal hinein in eine Ladenpassage und stellen das Rad an der Tür ab, so wie dieser Radler sein Rad in der Breuninger-Passage (Foto oben). Weil es so unproblematisch ist, gehen Radfahrende viel lokal einkaufen. Sie können es sich leisten, nicht online zu bestellen, sondern tatsächlich Läden anzusteuern, und eben auch mehrere nacheinander, die nicht fußläufig auseinander liegen. Die Stuttgarter Innenstadt allerdings will diese Kundschaft offenbar nicht.
Die Wirtschaftsförderungen unserer Städte haben uns Radler:innen kaum als Kundschaft auf dem Schirm. Die Wirtschaftsförderung Stuttgart kümmert sich zwar um Rad-Leasing und Pedelstrecken, nicht aber darum, wie man radfahrende Kund:innen in die Konsummeilen bekommt. Seit Jahren treffe ich Radlerinnen und Radler, die mir erzählen, dass sie gerne mit dem Rad shoppen gehen, also langsam herumkurven und schauen, was es so gibt, aber die Läden in der Königstraße und den angrenzenden Fußgängerzonen nicht mehr kennen. Denn der gesamte Bereich zwischen Theo, B14, Hauptbahnhof und Eberhardstraße ist für den Radverkehr gesperrt, weil Fußgängerzone. Beim Rad-Shopping darf ich da nicht (sehr langsam) vorbeifahren.
Die Stadt plant eine Stärkung des Fußverkehrs (durch Reduktion des Autoverkehrs) in fünf Schleifen der Innenstadt, die man hier auf der Karte des Flyers "Lebenswerte Innenstadt" sieht. Die radfahrende Kundschaft will man allerdings momentan noch draußen halten. Die gepunktelte Linien sind die Wege, die man Radfahrenden zugestehen will. Nicht sichtbar ist die Route durch die Fußgängerzone in der Fortführung der Kronprinzenstraße (grüne Linie). Wenn die Radwege entlang der Theo kommen, wird man nicht mehr von der Lautenschlagerstraße linksseitig (und City-nah) radeln können, es sei denn, man baut einen Zweirichtungsradweg auf dieser Seite, was ich für extrem notwenig halte, bislang aber nicht beschlossen wurde. Denn Radfahrende, die aus der Lautenschlagerstraße kommen (die Fahrradstraße werden soll) queren die Theo nicht über mehrzügige Ampeln auf die andere Seite, nur um hundert Meter weiter erneut über eine mehrzügige Ampel zurück auf dem City-Seite zu wechseln. Sie kaufen dann ganz woanders ein. Wir sind ja frei zu entscheiden, wo wir uns willkommen fühlen und wo nicht. Auch die Querung der langen Königstraße ist schwierig. Da gib es für uns derzeit und in Zukunft nur die Bolzstraße und das Gewinkel am Neuen Schloss vorbei, über den Markt zur Eberhardstraße (blaue Linie), auch nicht als Radverbindung im Plan eingezeichnet. Da in den Grünanlagen des Landes das Radfahren hier (und fast überall) erlaubt ist, können wir am Neuen und Alten Schloss und auf den Wegen der Schlossplatzanlage Rad fahren. Daraus ergibt sich auch eine Querung der Königstarße beim Königsbau (schwarze Linie). Denn wenn man am Ende der Grünanlagen an der Königstraße angekommen ist, weist uns kein Schild uns darauf hin, dass die Königstraße Fußgängerzone ist. Allerdings wissen wir es. Die naheliegende Querunng vom Ende der Planie rüber zum Weg zwischen Wittwer und Telekom (Foto) ist verboten, wird aber immer wieder von Radler:innen fahrend genutzt. Und eigentlich wäre das völlig unproblematisch.Von Westen her die Wochenmärkte auf dem Marktplatz und Schillerplatz mit dem Rad anzufahren, ist nur auf Umwegen möglich. Finden sie wegen einer Veranstaltung auf der Königstraße statt, wird es für alle schwierig, nahe hinzukommen. Da gibt es dann in anderen Stadtteilen bequemere Märkte.
Und außerhalb der Fußgängerzonen gibt es ja sowieso auch schöne Läden. Ich persönlich brauche die Königstraße nicht. Aber sie braucht mich und andere, wenn sie nicht veröden soll. Das Argument, du kannst ja absteigen und schieben oder dein Fahrrad an einer Abstellanlage anschließen und dann zu Fuß die Königstraße entlang wandern (und wieder zurück zum Fahrrad), findet in der Eigenart und Wirklichkeit des Radshoppings keine Resonanz. Wenn ich am Bahnhof anfange, dann kehre ich nicht denselben Weg zurück (wie Fußgänger:innen oder Autofahrende zu ihrem Parkplatz), sondern will am Rotebühlplatz (oder Schlossplatz) rausfahren. Und ein Rad durch Fußgänger:innen zu schieben ist auch nicht so einfach, weil man mit dem Rad neben sich mehr Platz einnimmt und sich Fußgänger:innen an den Pedalen stoßen können. Es hat keinen Sinn, mir zu sagen, dass ich es wie Autofahrende, die shoppend zu Fußgänger:innen werden, machen soll. Wenn es für mich unbequem ist, dann kaufe ich woanders ein. Was nicht ausschließt, dass andere Radshopper:innen, ihr Rad gerne durch die Königstraße schieben oder es irgendwo abstellen, um zu Fuß zu gehen.
Die Innenstadt für Radfahrende wieder attraktiv zu machen, wäre eine kluge Idee, wenn es darum geht, eine kaufkräftige Kundschaft zu binden. Statt stets über Gefahren des Radfahrens für Fußgänger:innen zu diskutieren (während auch nach 11 Uhr noch jede Menge Autos in der Königstraße und den angrenzenden Fußgängerzonen zu sehen sind), sollten Händler:innen und Wirtschaftsförderungen uns einladen zu kommen und von der Politik eine Freigabe des Gebiets für den Radverkehr fordern. Außerdem braucht es Radabstellanlagen an und auf der Königstraße.



Ich habe mit dem Rad schon echt tolle Läden gefunden, die ich mit dem Auto nicht gefunden hätte, weil ich dann eine andere Strecke fahre.
AntwortenLöschenMit dem Schieben in der Fußgängerzone habe ich nicht so das Problem. Wenn Fußgänger nicht ausweichen sind sie selbst dran schuld. Das Problem ist eher so das Abstellen vom Rad. Da Stadtplaner Radfahrer beim Abstellen eher wie Autofahrer behandeln, muss man etwas kreativ sein. In unserer Fußgängerzone gibt es so praktische Baumschutzrondelle, da passen 3-4 Räder drum und man steht ja nie lange. Zum nächsten Laden nimmt man sein Rad ja wieder mit. An den regulären Radbügeln hat man durch die Motorräder auch nicht unbedingt Platz.
Übelst finde ich es in den Seitenstrassen, wo alles zugeparkt ist und es auch keine Radbügel gibt, vor Läden diese Schilder "Fahrräder abstellen verboten". Da fühle ich mich wirklich nicht willkommen.
Karin