7. August 2026

Zum Wiederlesen: Ein Kodex für Radfahrende

Für Alltagsradler:innen gibt es keinen Kodex. Wenn es so was gibt, dann im Radrennsport oder für in Vereinen organisierte Mountainbiker:innen. Oder er wird mal kurz von einem Radverleiher erstellt. 

Die Kodexe, die ich gesehen habe, mischen munter Eigenschutz-Aspekte wie Helme und Tagfahrlicht mit dem Verhalten auf der Straße oder Fahrradbeherrschung und mit Vorfahrtsregeln. Manchmal denke ich mir, es wäre doch auch für uns Alltagsradler:innen gut, wenn wir uns auf einen Kodex verständigen würden, den wir untereinander hochhalten.

Und das ist das, was mir am Wichtigsten erscheint:
  • Wir radeln vorhersehbar. Wir zeigen Richtungswechsel an, bremsen nicht ohne Rückblick und zeigen allen vor und hinter uns unsere Fahrlinie an, die möglichst gerade ist. Wir weichen einander jeweils nach rechts aus. 
  • Wir machen uns sichtbar. Bei Dunkelheit haben wir eine gute Beleuchtung (die nicht blendet). Leuchtwesten sind unnötig. 
  • Wir bedanken uns und verzeihen. Genauso, wie wir selber Fahrfehler begehen, auf die andere Rücksicht nehmen müssen, begehen sie auch andere, die in Autos oder auf Fahrrädern sitzen oder zu Fuß gehen. Niemand ist perfekt. 
  • Wir radeln einfühlsam. Wir verstehen, dass unser Verhalten Fußgänger:innen stresst. Wir fahren nicht schnell und eng an ihnen vorbei, wir klingeln sie auf freigegebenen Gehwegen nicht weg, wir bedanken uns, wenn sie uns Raum geben.  
  • Wir tun auch mal langsam. Wir radeln mit der Situation angepasster Geschwindigkeit und nicht überall so schnell wie wir können. Wir bremsen lieber mal, statt uns irgendwo noch durchzudrängeln. 
  • Wir radeln nicht auf Gehwegen, die nicht freigegeben sind. Wir möchten ja auch nicht, das Autos auf Radwegen fahren. 
  • Wir riskieren nicht mutwillig unser Leben im Straßenverkehr. Denn wir denken an unser Familien und Freund:innen, denen wir sonst viel Leid bescheren. 
  • Wir vermeiden Regelverletzungen, fahren nicht bei Rot und nicht als Geisterradler:innen auf Radwegen oder Fahrspuren. 

6 Kommentare:

  1. Gute Grundregeln.
    Wenn das alle Radfahrer mal berücksichtigen würden, wäre es viel einfacher, so wie wenn sich alle an die STVO..., aber reden wir nicht drüber.
    Aber trotzdem ein guter Ansatz und man kann ja auch mal hoffen.
    Karin

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  2. Eine gute Zusammenfassung von Regeln, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, es aber leider nicht sind.

    "Wir weichen einander nach rechts aus" sollte aber in vielen Fällen unnötig sein, weil wir sowieso rechts fahren.

    Und je nach Situation weiche ich Geisterradlern nicht nach rechts aus, sondern halte lieber an. Geisterradler sind unberechenbar. Manche verlassen sich darauf, dass ihnen ausgewichen wird, andere sind sich bewußt, dass sie das eigentlich nicht dürfen und möchten vielleicht ebenfalls ausweichen. Und nicht zuletzt befriedigt das meinen inneren Oberlehrer, weil es den Geisteradler irritiert und vielleicht, aber nur vielleicht, bei dem einen oder anderen einen Lerneffekt auslöst.

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    1. Ergänzung: Insbesondere weiche ich Geisterradlern nicht auf den Gehweg aus.

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    2. Sollte auch für die unzähligen 'legalen' Geisterradler:innen bzw. für die 'Zwangs-Geisterradler:innen' gelten.
      Der viel zu schmale Zweirichtungsradweg ist ja vor allem außerorts zur weithin akzeptierten Regellösung avanciert.
      Dass der Platz dort nicht für's sichere Fahren bei zweifachem Gegenverkehr ausreicht ist zwar eigentlich offensichtlich, aber dennoch wird (verständlicherweise) bei den kommunikativ zu zweit Fahrenden das nebeneinander Fahren erst im letzten Moment, oder auch gar nicht, ins sicherheitstechnisch notwendige nacheinander Fahren aufgelöst.
      In Zeiten immer breiterer Lenker (ggf. plus Rückspiegel) und häufig untauglicher Oberflächen (oft reaktionsschnelles Ausweichen bei den Schlaglochfallen nötig) verschlechtert das deutlich die 'subjektive Sicherheit', führt zu Verlängerungen der Reisezeit (außer bei den 'Augen zu und durch' Kandidat:innen), und hält viele, die sich nicht trauen vom Radfahren ab.
      Die Aufgabe von kommunikativem Radfahren sollte zwar auch nicht die Lösung sein, aber auf eine für's sichere nebeneinander Fahren bei Gegenverkehr halbwegs ausreichende Breite werden wir wohl, angesichts der Politik von Verkehrsministerien und ADFC/Radentscheiden etc., auch künftig verzichten müssen. Das bleibt den Autos vorbehalten, deren Insassen stets zu zweit nebeneinander fahren, wobei allerdings der stets mitgeführte Beifahrer:innensitz in der Regel unbesetzt bleibt.
      Alfons Krückmann

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  3. Das Regelwerk gefällt mir - auch Alltagsradlerin - sehr, sehr gut!

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  4. genau so wird das Radeln deutlich entspannter und zwar für alle - dem ist nichts hinzuzufügen - Danke für die präzise Zusammenstellung.
    Tho

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