16. Juli 2013

Grüner Pfeil für Radler

Wir fahren nach dem Prinzip: Hilf dir selbst. Denn Radwege, Radlerampeln und Mischverkehrswege sind nicht auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten. Immer wieder kommen wir an Stellen, wo wir uns den Weg mit Pfadfindersinn suchen müssen. 

Bei Leuten, die viel Rad fahren, hat sich längst das Gefühl eingestellt: Für mich sorgt keiner. Macht nichts, ich sorge für mich selber. 


Auf dem Foto oben: Unterbrechung der Alexanderstaße an der Zellerstraße, mit asphaltreich aufgeschütteter Fortführung für Radler. Er landet aber an einer Fußgängerampel, wo sein eigenes Verhalten völlig ungeklärt bleibt. An solchen Stellen nehmen Radler die Grünphase der Fußgängerampel und schwenken drüben vor dem Bordstein auf die Autostraße ab. (Übergang vom Fußgänger- zum Automodus).

Ungeklärte Situationen führen dazu, dass der Radler generell im "hilf dir selbst"-Modus radelt und permanent schnelle und für ihn bequeme Lösungen sucht.

Eine davon ist, eine rote Ampel über den Gehweg zu umgehen. (Foto links, Neckarstraße, wo drei Ampeln hintereinander stehen und der Bordstein so niedrig ist, dass man den Fuß nicht bequem abstellen kann. Und wo die Autos hinter einem drängeln, um die Ampeln noch zu schaffen.)



Halten bedeutet für den Radler außerdem eine körperliche Anstrengung. (Das ist weder für den Autofahrer noch für den Fußgänger so.) Der Radler muss seinen Bewegungsfluss unterbrechen und in unnatürlicher Haltung (auf einem Bein) stehen, den anderen Fuß auf dem Pedal, um schnell loszukommen, wenn der Auto-Massenstart beginnt. Und dieser Start ist für den Radler natürlich jedes Mal viel anstrengender als für einen Autofahrer. Und stressig. Er muss den Lenker gerade halten beim Antreten, denn neben ihm rollt das Blech. Und er spürt den Atem des Autofahrers im Nacken. (Hier fährt er im Fluchtmodus.)

Vorschlag: Grüner Pfeil für Radler. Das Rechtsabbiegen an roten Ampeln freigeben. Nach dem Prinzip:
Solange der Radler einen Bordstein neben seinem rechten Fuß hat, darf er rote Ampeln ignorieren, wenn es der Verkehr zulässt. 

Ich denke, nur wenn eine Stadt es schafft, für Radler an jeder Ecke klare Verhältnisse zu schaffen und bequeme Fahrwege anzubieten, hat man eine Chance, Radfahrer aus dem Kampfradler-Modus herauszuholen. Logische Regeln lassen sich leichter durchsetzen als unlogische.

Und nur, wenn Radler nicht ständig überall unter die Fußgänger geschickt werden, hören sie auch auf, Gehwege in Gegenrichtung zu befahren, sich also wie ein Fußgänger zu verhalten.

Das Foto zeigt die Lage vor der Post am Stöckach. Ein 10-Meter-Radweg endet ziellos, der Radler biegt ab. Ihm kommt vom Fußweg her ein anderer Radler entgegen, der die Fußgängerampel an der Hackstraße nicht hat benutzen wollen, um auf der anderen Straßenseite an der Staatsanwaltschaft entlang zu fahren und dann über eine Linksabbiegespur für Autos, wieder hier herüber zu gelangen. (Das ist ein nicht akzeptabler Umweg für einen Radfahrer: Viele Ampeln (Mischung aus Fußgänger und Autoampeln), ungeduldige Autofahrer an einer Verengung, über drei Spuren auf die Linksabbiegespur wechseln.)

Stadtplaner müssen  
schlüssig und flüssig planen.

  • So wenig Ampeln wie irgend möglich.
  • Keine Verlegenheitslösungen mehr, wo Radler unter Fußgänger geschickt werden. 
  • Keine ungeklärten Enden von Radwegen oder Radführungen.  
  • Keine Verlegenheitslösungen mehr, wo Radler den Gehweg in Fahrtrichtung links befahren müssen. 
  • Darauf achten, dass Freigaben für Radler sichtbar sind und nicht.
  • Ein Baustellenmanagement für Radfahrer. 
  • Innere Logik bei der Organisation einer großen Kreuzung für Radfahrer. (Nicht auf einer Seite die Radlerampel, in der Fortführung dann wieder Fußgängerampel, dann plötzlich Radwegzwang.) Grün-Phasen im Radfahrtempo. 

Kommentare:

  1. In Frankreich gibt es den "Grünen Pfeil" für Radfahrer bereits in einigen Städten, sogar einen, der geradeaus zeigt. Siehe
    http://mucradblog.wordpress.com/2012/04/17/frankreich-macht-es-vor-gruner-pfeil-fur-radfahrer/

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