9. Dezember 2013

Banges Warten

Was wird die Stadt machen? Und zwar mit dem Übergang der Hauptroute 1 von der Tübinger Straße in die Eberhardstraße. Wird das für Radfahrer was Vernünftiges werden? 

Hier (siehe Karte unten) müssen Radler, die aus Stuttgart Süd kommen oder dorthin wollen, derzeit eine ziemlich komplexe Kreuzung mit Ampelanlage überwinden, die für sie nicht eingerichtet ist, sondern für Autofahrer. Sie verleitet deshalb momentan auch noch viele Radler zu recht fantasievollen Lösungen.


Auf dem Foto sieht man - ganz typisch - einen Radler, der nicht wie ich an der roten Autoampel stehen bleibt und fast eine Minute wartet, sondern über die Gegenfahrbahn und den Gehweg zum Fußgängerüberweg radelt - der länger Grün hat - und dann vom Gehweg in die Fahrradstraße Eberhardstraße fährt. 

Andere nehmen, um diese Autoampel zu vermeiden (die für Radler nicht markiert ist), die Reste eines alten Radwegs und die nächst Fußgängeramßel.

Dann fahren sie über die Fußgängerampel in die Fahrradstaße Eberhardstraße hinein. Was so auch nicht gedacht ist. (Doppelbild rechts)

Einer allerdings hat sich entschieden, nicht zu bremsen und an irgendeiner Ampel zu warten. Er nimmt konsequent die in seiner Fahrtrichtung linke Seite, schlängelt sich im Affenzahn über den Fußgängerüberweg, saust über den Gehweg in die Eberhardstraße und ward nicht mehr gesehen.

Aus der Fahrradstraße heraus, ist der Weg für Radler eindeutiger geregelt. Hier gibt es eine Radampel, die allerdings viel zu hoch hängt. Sie erweckt bei Autofahrern den Eindruck, sie könnte doch auch für sie gelten. Diese Autofahrer haben leider an der querenden Dornstraße beim Einbiegen das Durchfahrt-verboten-Schild übersehen, das diesen Teil als Einbahnstraße Richtung Breuninger ausweist.

Kommt man als Radler (ich sehe da allerdings nie welche kommen) die Torstraße hoch, so trifft man auf eine hübsche Radweg-Schnipsel-Führung mit kleinen Radlerampeln, die dafür sorgen, dass man geradeaus hoch zum Rohtebühlplatz oder in die Tübinger Straße kommt oder eben schräg rechts in die Nadlerstraße.

Und ich finde den Übergang von der Tübinger zur Eberhardstraße unbefriedigend. Es fehlen Hinweisschilder, es ist unklar, wo die Route überhaupt genau langgeht. Vermutlich gibt es bereits Pläne (zumal ja die Wegweisung für die Hauptroute bestellt ist und im nächsten Jahr kommt). Aber was wird das hier geben?

Das Problem auf diesem Abschnitt fängt nämlich beim Gerber an.

Hier entsteht an der Tübinger Straße eine Einkaufsgalerie riesigen Ausmaßes, die im kommenden Jahr eröffnet wird. Derzeit schmuggeln sich hier Radler und Autos irgendwie lang. Aber wie wird dieser Abschnitt der Tübinger Straße hier aussehen? Soll er etwa auch Mischverkehrweg werden, wie die ein paar Meter weiter? Dann müssten Radfahrer sich durchs Einkaufspublikum schlängeln, das quer zur Radler-Fahrtrichtung aus den Galerietüren tritt oder dorthin strebt. Höchste Vollbremsungs- und Unfallgefahr!

Außerdem droht ja der Verkehr aus dem künftigen Parkhaus Gerber, der über die Tübinger Straße ausgeleitet werden soll (Zufahrt ist oben über die Paulinenbrücke) und der Lieferverkehr für das Gerber, der vermutlich ebenfalls über die Tübinger Straße abgewickelt wird.

Wenn das alles so kommt, wird man die Hauptroute 1 hier aufgeben müssen. Radfahrer, die nicht im Schritttempo, sondern zügig durch die Innenstadt wollen, brauchen dann eine Alternativroute. Aber wo soll die lang gehen? Wie könnte man diese Fußgänger-Dominanz-Bereiche umgehen, wenn man blöderweise aus dem Süden bis zur Paulinenbrücke gefahren ist oder aus dem Norden durch die Eberhardstraße?

Es gibt nämlich keine wirklich gute Alternative. Zudem müsste man etliche Einbahnstraßen für Radler in Gegenrichtung freigeben. Das allerdings könnte man zumindest endlich einmal tun!

Radfahrer, die es zügig wollen, würden gleich hinter der Paulinenbrücke nach rechts abbiegen und über die Gerber- und Nesenbachstraße zur Torstraße vorfahren. Nur sind diese Straße sämtlich Einbahnstraßen in Gegenrichtung. Die Nesenbachstraße hat überdies ein vom Alter gespreiztes Kopfsteinpflaster. Und die Ausfahrt auf die Torstraße nach links zur Eberhardstaße ist derzeit legal auch nicht möglich.

In umgekehrter Richtung wiederum kann man legal nicht aus der Eberhardstraße nach links in die Torstraße einbiegen, um zur Nesenbachstraße zu kommen.

Die Situation ist hier für uns Radfahrer auch deshalb fatal, weil die Stadt sich nicht entschließen kann, die Hauptroute 1 wirklich als eine Radroute zu planen, die längs durchs Stuttgarter Tal hindurchgeht. Sie ist geplant wie eine Route, die am Rand des Einkaufszentrums von Stuttgart endet. Wer aus dem Süden zum Einkaufen in die Stadt radelt, wird es hinnehmen, dass er hier ausgebremst wird. Wer aber von Heslach nach Cannstatt will, der sieht nicht ein, warum er hier behandelt wird wie ein Autobahn-Fahrer, der urplötzlich durch eine Tempo-30-Zone geschleust wird.  

Noch geht es hier, aber ich sehe jetzt schon auf dieser Strecke den Radverkehr spürbar zunehmen.

Bange warte ich nun auf die längst geplante Ausschilderung mit Richtungshinweisen, denn ich fürchte, die Schilder werden die Situation nur zementieren. Und stehen sie einmal, dann ist wieder mal alles geschwätzt, und wir dürfen nur noch ein bisschen den Kopf schütteln.

Und am meisten fürchte ich mich davor, dass man diese Kreuzung hier ebenso pflastert und organisiert wird wie das Stück Königstraße zum Rotebühlplatz hin. Hier gibt es Bordsteine, hier fahren und halten Busse, hier radeln Radfahrer, aber der Steinbelag auf der Fahrbahn ist identisch mit dem der Fußgängerzone. Deshalb nehmen Fußgänger diesen Bereich als ihren wahr. Sie gucken nicht nach Radfahrern. Sie gehen einfach rüber, mit und ohne Handy am Ohr. (Busse sind so groß, dass sie im Augenwinkel erkannt werden, aber Radfahrer nicht.)

Wir brauchen in Stuttgart Fußgängerbereiche und Radstrecken. Aber nicht beide zusammen auf einer Verkehrsfläche mit Fußgängern als beweglichen Pfosten und Radlern im Slalom.

Und vielleicht kommt ja auch alles ganz anders.



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