29. Mai 2014

Vom Zwang, auf dem Gehweg zu radeln

Beim Fanny-Leicht-Gymnasium gibt es kuriose
Radlerführungen
Vahingen hat zwar Radfahrer, weiß aber nicht so recht, wo es sie eigentlich fahren lassen will. In den Vororten Stuttgarts mit alten Stadtkernen sind die Straßen eng. Es gab immer schon Radfahrer dort, wo sich Schulen befinden.

Früher waren die Routen für diese Radler total ungeregelt. Inzwischen versucht man sie zu regeln mit einer Mischung aus Radspuren, Sicherheitsstreifen und freigegebenen Gehwegen, mal in Fahrtrichtung links, mal rechts. Die Übergänge müssen sich Radfahrer mithilfe von Fußgängerampeln zusammensuchen.
Kommt man vom Universitätscampus her und ist so verwegen in den Ortskern zu zielen, um nach Rohr weiter zu fahren, dann sieht man sich einem regelrechten Zwang gegenüber, auf freigegebenen Gehwegen zu fahren. Sie werden behandelt wie Radwege, obwohl sie es nicht sind. Auch die Schilder sind so platziert, dass man sie nur sieht, wenn man auf dem Gehweg radelt.

Radler müssen aber nun nicht auf freigegebenen Gehwegen fahren, sie sollten es besser auch nicht tun.

Aber hier wird man per Radwegstück auf einen freigegebenen Gehweg gezwungen, der in eine Straße mündet, die am Jahannesgraben auf einem Gehweg herauskommt. Dessen Bordstein ist so hoch, dass man nicht auf die Fahrbahn hinter kommt. Wäre auch ziemlich gefährlich, weil die Straße ordentlich befahren wird.


Nur dass dieser Gehweg (in Fahrtrichtung links) dann an der nächsten Kreuzung Verwirrung schafft. Wenn ich auf die rechte Seite will, muss ich den Fußgängerüberweg nehmen. Von Gegenüber sehe ich dann, dass drüben ein Radweg (blaues Schild /Pfeil) endet, den es überhaupt nie gegeben hat. Das ist gaga.

Fährt man weiter Richtung Vahingen Zentrum, wird man (wie die Autos) entweder nach links oder rechts geschickt. Fährt man auf dem Gehweg muss man hier erneut den Fußgängerüberweg nehmen, um über Nebenstraßen direkt in die Fußgängerzone gelenkt zu werden. Man könnte hier für Radler am Untergen Grund die Einbahnstraße (Robert-Leicht-Straße) in Gegenrichtung freigeben, möchte das aber vermutlich den Autofahrern nicht zumuten.

Radler werden über die parallele Pfarrhausstraße ins Vahinginger Ortszentrum. Und zwar direkt in die Fußgängerzone. Der Eingang gibt sich als "Spielstraße", dann beginnt die Fußgängerzone, die kurioser- und logischerweise für Radler freigegeben ist. Diese Passage durch die Fußgängerzone ist übrigens durchaus strittig. Sie zeigt nämlich, dass Vahingen die Radfahrer nicht ernst nimmt und andererseits den Autoverkehr durch die Robert-Leicht-Straße keinen Millimeter und auch keine Stundenkilometer abknapsen will.


Will man aber nicht shoppen, sondern ist tatsächlich auf der Durchfahrt, beispielsweise Richtung Rohr, dann muss man aus der Fußgängerzone heraus nun erneut über einen Fußgängerüberweg (und durch die entgegenkommenden Fußgänger hindurch) auf die Fahrbahn schwenken, wo eine Radspur (blaues Schild, also verpflichtend) zur Ampel hoch führt.

Hier darf nicht auf dem Gehweg geradelt werden. Leider endet die Radspur nach der Kreuzung (rums) an der Gehwegecke. Der Gehweg dahinter ist auch nicht freigegeben, also muss man den Arm gebieterisch rausstrecken und vor den Autos auf die Fahrbahn schwenken. Die Sicherheitspur hilft dabei nicht hinüber auf die Fahrbahn. Sie endet wirklich am Bordstein.

S
o was macht mir inzwischen nichts mehr aus, denn Autofahrer sehen mich ja als Radler und verhalten sich in aller Regel auch durchaus abwartend und zivil. Aber ich kenne etliche Radler, die hier Angst haben. Dieser Radstreifen über die Fahrbahn hat übrigens eine indirekte Linksabbiegespur Richtung Schillerplatz und Kaltentaler Abfahrt, was ausgesprochen sinnvoll ist. Nur die nach Rohr sind hier die gelackmeierten.

Bis Rohr geht es übrigens gerade so weiter. Noch mal ein paar Meter Schutzstreifen, meistens keiner. Man braucht ihn aber auch gar nicht. Autofahrer kommen entweder am Radler vorbei oder müssen halt auf ein paar Metern langsam tun. Ich weiß aber, dass sich etliche Vaihinger Radler darüber ärgern, dass hier nichts gut geregelt ist.


Kommentare:

  1. Zum 9. Foto:

    „Leider endet die Radspur nach der Kreuzung (rums) an der Gehwegecke. Der Gehweg dahinter ist auch nicht freigegeben, also muss man den Arm gebieterisch rausstrecken und vor den Autos auf die Fahrbahn schwenken. Die Sicherheitspur hilft dabei nicht hinüber auf die Fahrbahn. Sie endet wirklich am Bordstein.“

    Einen Schutzstreifen, der im Nichts endet, verlässt man am besten frühzeitig. Auf der Kreuzung würde ich das nicht machen, weil da die Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer schon genug gefordert ist, also besser vor der Kreuzung. Ich bin ein Schelm, weil ich Böses bei dieser Gestaltung denke: Die Radfahrer sollen es versäumen, sich schon vor der Kreuzung in den Geradeausfahrstreifen einzuordnen; damit hielten sie ja „den Verkehr“ auf. Dass sie hinter der Kreuzung aufgehalten werden, weil sie warten müssen, bis alle Geradeausfahrer an ihnen vorbei sind, ehe sie selbst in die Fahrbahn einfahren können, ist hinterlistig beabsichtigt. Und der stärkste Grund dafür, sich schon vor der Kreuzung auf den Autofahrstreifen für Geradeaus einzuordnen, ist die Radfahrerfalle hier: rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge links neben geradeausfahrenden Radfahrern.

    „So was macht mir inzwischen nichts mehr aus, denn Autofahrer sehen mich ja als Radler und verhalten sich in aller Regel auch durchaus abwartend und zivil. Aber ich kenne etliche Radler, die hier Angst haben.“

    Die habe ich auch. Vor der Kreuzung klar' Schiff machen!

    „Dieser Radstreifen über die Fahrbahn hat übrigens eine indirekte Linksabbiegespur Richtung Schillerplatz und Kaltentaler Abfahrt, was ausgesprochen sinnvoll ist.“

    Wem es nichts ausmacht, bei indirektem Linksabbiegen, ein‐ oder zweimal auf Grün zu warten, statt kein‐ oder einmal bei direktem, kann das ja machen.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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  2. ich mag indirekte Linksabbiegespuren auch nicht, vor allem deshalb, weil man zwei mal warten muss. Ich bin sowieso dafür, dass Radler an allen Kreuzugen stets vor den Autos Grün bekommen und dann überallhin abbiegen, wo sie hinwollen, beispielsweise als gemeinsames Grüne für alle Radler aus allen Richtungen.

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