11. August 2015

Der Weg ist das Abenteuer

Mit Kindern radeln
Eine Familie - Vater, Mutter, ein Kind im Kindersitz, ein Fünfjähriger auf dem Kinderrad - radeln aus dem Stuttgarter Süden zur Wilhelma. 

Die Tour durch die Stadt ist ein Alptraum und ein Spießroutenlauf, schreibt die Mutter hinterher an den Fahrradbeauftragten und an mich. 








Gullis gern im Radbereich (Silberburgstr.) 
"Ganz schlimm sind die gefährlichen Gullideckel. Mein Sohn wechselt ständig vom Bürgersteig zu mir auf die Straße.* Dabei muss ich fürchten, dass er mit dem Vorderrad in einen Gullideckel fährt und stürzt. 
Die Tübingerstraße** und die Eberhardstraße funktionieren als Fahrradstraßen schlecht. In der Tübingerstraße ist das Verkehrsaufkommen in beiden Richtungen sehr hoch. Die Fahrradstraße wird von den Autofahrern als Ausweichroute zur B14 genutzt. 

Die Eberhardstraße funktioniert auch nicht hinreichend als Fahrradstraße. Trotz Anlieger-frei-Beschilderung passieren zahlreiche Autofahrer die Straße. Klar, dass jeder, der dort parken will, ein Anliegen hat und damit zum Anlieger wird.

Ich appeliere an Ihre Verantwortung und zum Schutz der großen und kleinen Radfahrer dieser Stadt und wünsche und fordere:
Radstraße
1. Sicherung aller Gullideckel entlang der Fahrradstraße durch Querverbindungen, so dass kein "Einfallen" mehr möglich ist.
2. Entfernung der Parkplätze in der Eberhardstraße, damit keine Anlieger mit ihren Autos die Fahrradfahrer in Gefahr bringen. Denkbar wäre eine Regelung, wie in der Fußgängerzone, dass nur Lieferverkehr passieren darf. Den Anwohnern könnten Sie vergünstigte Parkplätze in den umliegenden Parkhäusern anbieten.
3. Entfernung der Parkplätze in der Tübingerstraße und "Anlieger frei", um die Frequenz der Autos zu reduzieren.

Falls das alles nicht möglich ist bitte ich Sie eine richtige Alternative zu schaffen. Das heißt eine Route durch die Innenstadt ohne Autoverkehr."

Dem kann ich mich nur anschließen. Ich finde es ausgesprochen gut, dass diese Eltern mit ihrem Kind eine solche Radtour unternehmen. Und sie können es nicht anders machen als so wie beschrieben. Die Stadt muss DRINGEND anfangen, für Rad fahrende Familien zu sorgen und uns Radfahrer/innen vor Aggressionen zu schützen. (Wie krass diese Aggressionen sind, erzähle ich übermorgen.) 

*Tatsächlich ist es so, dass Kinder unter 8 Jahren auf dem Gehweg fahren müssen. Sie dürfen weder auf Fahrbahnen, Radwegen, Radspuren, Sicherheitstreifen noch Fahrradstraßen fahren. Tatsächlich aber bringt das Eltern in arge Bedrängnis, denn sie dürfen ja nicht auf dem Gehweg fahren, haben dann aber fast immer eine Reihe geparkter Fahrzeuge zwischen sich und dem Kind, das an einer Kreuzung vom Gehweg über die Straße queren muss, während die Eltern eine Autobreite entfernt, wie Fahrzeuge queren. Das Kind gerät dabei in größere Gefahr als die Erwachsenen. 

** Die Tübinger Straße ist (noch) keine Fahrradstraße. Interessant, dass der Eindruck jedoch entsteht, zum einen, weil so viele Radfahrer/innen unterwegs sind, zum anderen, weil sie sich beim Gerber optisch ändert. Hier werden aber die Radler/innen in der Tat sehr von ungeduldigen Autofahrern bedrängt. 

So müsste man zur Wilhelma radeln
Was der Familie gar nicht aufgefallen ist: Man darf mit dem Rad vom Rosensteinschloss gar nicht zur Wilhelma hinunter fahren. Das ist ein Gehweg ohne Radfreigabe. Man müsste also schieben. Auch das ist ein eklatantes Manko. Eigentlich wollen wir doch, dass Familien mit dem Rad zum Zoo fahren und nicht mit dem Auto. 

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag!
    Ich denke, dass sich jeder schriftlich an die Stadt wenden sollte, der beim Radverkehr Missstände sieht.
    Für Radfahrer aus der Innenstadt ist der Nordeingang der Wilhelma besser erreichbar. Leider stehen da nur lächerlich wenig Radstellplätze bereit.

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    1. Ja, die Wilhemal rechnet nicht wirklich mit Radfahrer/innen. An Wochenenden stehen die Räder dann überall. Das muss der Zoo mal lösen. Ich habe mein Rad auch schon in dem Parkhaus untergestellt. Kann ich nur empfehlen.

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  2. Ja, mit Kindern fallen einem so viele Misstände auf wie alleine selten. Hatte ich auch am WE mit meinem Sohn in Fellbach.
    Leider reagieren aber nachher wieder die Falschen und erzählen einem nur wie gut man es als Radfahrer doch in Stuttgart hat. *seufz*

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    1. Eine Rad kindergerecht fürs Fahrrad gestalten, heißt ja auch: Den Schulweg per Rad sicherstellen. Ich kenne mich da nicht so aus ,aber ich sehe keine breiten auf Sicherheit ausgelegten Radwege rund um Schulen. Und dann beschweren wir uns immer, dass die Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Und genau diese Autos rangierenden Autos stellen dann für die Kinder mit dem Rad eine enorme Gefahr dar. Wir müssen, glaube ich, unsere Mentalität mal ändern und anfangen die Radlel/innen zu mögen und zu schützen, die die Stadt vom Autverkehr entlasten. Dass dafür Autos mal langsam tun müssen, müssen wir lernen.

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  3. Ein toller unglaublich anschaulicher Beitrag über die Beschwerlichkeit und den Gefahren eines eigentlich - sollte man meinen und hoffen - ganz unspektakulären, ganz normalen und alltäglichen Familienausflug per Rad.

    Dabei sollte der OB mal dabei sein.

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  4. Ich würde gerne mal ALLE mitnehmen die immer behaupten, dass Stuttgart so toll zum radfahren ist. Einfach im Alltag und ohne irgendwelche Sperrungen durch die Polizei. Vielleicht erkennt man dann das Dilemma in dem wir stecken.

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    1. Ich fahre ja nun viel durch Stuttgart, und für mich als Erwachsene, ist die Stadt durchaus besser zu beradeln als sein Ruf. Und manchmal schaue ich mich in Städten um, die mehr fürs Rad tun (zumindest angebelich) und stelle fest, dass bis auf ein paar Routen, auch nichts wirklich gut geregelt ist, zu enge Radspuren, zu verwinkelt, zu viele Ampeln, zu oft über Fußgängerüberwege auf die andere Seite. Radinfrastruktur ist in Deutschland in den meisten Städten und Dörfern eine Art Bestrebung, die Räder von der Straße runter zu kriegen und dafür zu sorgen, dass sie den Autoverkehr nicht verlangsamen (immer von ein paar Hauptrouten abgesehen, mit denen man prahlt), und das fast immer auf Kosten der Fußgänger/innen, die sich zu recht ärgern.

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    2. Ich fahre oft nach Esslingen, vom Muckensturm aus. Und so schlecht wie hier die Wege sind, ob Belag oder Übergänge an Strassen, kann man das nicht als Neckarradweg angeben. Und hier sollten die Verantwortlichen mal fahren. Finde zumindest ich.

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  5. Wer hat denn behauptet, dass Stuttgart toll zum Rad fahren ist? Nur dass die Topologie es nicht so schwer macht wie immer behauptet wird, das wird bestritten.

    Diesmal absichtlich ohne Ironie.

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    1. Allerdings, wer behauptet eigentlich, dass es in anderen Städten wirklich besser ist. (Siehe mein Kommentar eins drüber.) Stuttgart hat nur besonders wenige Renommierstrecken, die nach Fahrradförderung aussehen, aber woanders winkelt es sich für Radler auch ganz schön über gebastelte Kompromisslösungen zum Schutz der Autofahrer und zum Nachteil der Fußgänger. Deshalb sage ich immer: In Stuttgart kann man eigentlich ganz gut Rad fahren, man muss sich halt leider nur auch sehr gut auskennen, und das dauert ein paar Jahre.

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    2. Es wird immer wieder in verschiedenen Beiträgen gesagt das alles toll ist. Auch bei den Eingaben der Bürger war es der meiste Tenor, dass die Radfahrer immerzu bevorzugt werden.

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    3. Welche Beiträge sollen das sein? Und welche Eingaben? Ich kenne die Aussagen mit Bevorzugung der Autofahrer nur aus polemischen Kommentaren in der StZ und StN online.

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  6. Ja, eklatante Misstände in Stuttgart, Trotz GRÜN-Roter Landesregierung (
    mit Landes-Fürst Kretschmann [alias Mappus light] in Stuttgart) & GRÜNem Bürgermeister Kuhn. ... Karlsruhe ist da weiter ( & am Zug ^^ ) ...

    Außerdem werden noch viele Fußgänger die (hier schwarzen)
    Fahrradwege mit benutzen, weil dank Stuttgart21 ( #S21 ) Fußgänger-

    Überführungen / Brücken weg fallen: Elefantensteg über B14 & Neckarsteg
    & ... diese könnte man auch für Fahrrad-Verkehr freigeben oder umbauen
    / erweitern.zusätzlich noch Jahre lange U-Stadt-Bahn- Amputationen (

    http://www.bei-abriss-aufstand.de/wp-content/uploads/IMG_0255_klein.jpg

    ) am Wundesten Punkt: Der City (besonders am HBF ) , dafür werden die Tickets teurer ... (neben den Schon jetzt passierenden S-Bahn-Verspätungen)

    und es werden auch mehr Menschen aufs Auto umsteigen ( = Noch mehr
    Verkehr / Stau ) weil Stuttart21 die HBF-Kapazität reduziert (32 Züge / h -
    momentan fahren bis zu 38 / h - K21 Varianten können > 60 Züge
    "verarbeiten" ) incl. OHNE S-Bahn Ausweichmöglichkeit ( HBF Oben +
    Gäubahn ) & unpünktlicher wird ... die Schweiz macht es vor: Autoverkehr
    hat abgenommen dafür mehr Bahn fahren ( https://www.youtube.com/watch?v=Uv4L0bYy_bY -> ÖPNV + Fussgänger + Fahrradfaher)

    Gerade der Nah- / Regional- Verkehr ist am Wachsen ... (Weniger Autos)
    und es wird _noch_ "lustiger" immer mehr Einkaufszenten in die City (
    Gerber, Milaneo, ... ) die zu allem Überfluss mit Parkhäusern auf Autos ausgelegt sind (mehr Verkehr in die City) ... was man an Geschäften unter den Schienen des Kopfbahnhofes unterbringen könnte ( http://www.architektinnen-fuer-k21.de/schlossgartenterrassen/ ) sogar mit direktem Fahrstuhl zum Bahnsteig, erreichbar für Fussgänger / Fahrrad incl. massig Fahrradständer ( wie in Karlsruhe-HBFs einen Unterführung )

    Lokal auch Fahrrad-"Magazin" https://www.youtube.com/watch?v=vK9C9VtCypE (wie Japanisches Parkhaus)

    Viele Menschen bedenken nicht, dass gute Straßenverbindungen & viele Parkplätze mehr Autos in die schon überlastete Stadt bringen ... statt besseren ÖPNV ( siehe Erfolgsmodell Karlsruhe https://www.youtube.com/watch?v=Eulo-cOsnZU ) + Fahrradwege

    Ebert-Str.: Parken maximal für Anwohner, ggf. Parkhaus günsitg ( Parken
    in Auto-"Magazinen" wie in Japan -> https://www.youtube.com/watch?v=LOR25PjV0wI + https://www.youtube.com/watch?v=OEMGtH8cFdQ ) & Entladen für Lieferverkehr

    Beide Magazine auch kombinierbar für Park+Ride [P+R] & auch mit Mietwagen (ggf. elektrisch ) besaonders an hochfrequentierten & wichtigen Kreuzungs- Haltestellen im Umland ... auch brach liegende Räume unter anderen Strukturen effizient nutzen

    ==>> JA, Ich weiß dass Dies hier ein Fahrrad-Blog ist ... aber das in sich untrennbar versponnene Verkehrs-Problem muss man im Ganzen angehen aus Allen Richtungen von allen Verkehrsteilnehmen

    Klarmachen zum (Wirklich) Ändern !

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