9. August 2015

Wann droht der Radverkehrskollaps?

Radfahrer im Mischverkehr ausgebremst
Stellen Sie sich vor, Sie müssten heute noch über Autobahnen und Landstraßen fahren, die in den sechziger Jahren gebaut wurden. So ungefähr ist das bei der Radinfrastruktur in unseren deutschen Städten. 

Sie ist ausgelegt auf wenige und langsame Dreigangräder. Es fahren aber längst sehr viel mehr Leute mit schnelleren und unterschiedlich schnellen Rädern. Sie können einander auf schmalen Radstreifen beispielsweise nicht überholen. Bergauf sind Pedelecs schneller als Normalräder.


Fahrradstadt Groningen
Die Bild-Zeitung hat für Berlin bereits das Kollaps-Szenario entworfen. Allerdings sehr aus dem Blickwinkel des Autofahrers. Die können beispielsweise nicht mehr rechts abbiegen, weil der Strom der Geradeaus-Radler nicht abreißt. In Berlin werden schon 15 Prozent der Wege mit dem Rad zurückgelegt. Das ist ja nicht einmal besonders viel für eine so flache Stadt. In Stuttgart dürften es so 9 bis 10 Prozent sein.

Was auch drin steht in diesem Artikel: Vorschläge, was man tun muss, um den Radverkehr in den Griff zu kriegen. Und das heißt, ihn so zu lenken, dass die Radler nicht überall und auf allen Seiten und von allen Seiten über Straßen und Kreuzungen schwärmen, sondern sich, ähnlich wie Autos, auf Fahrbahnen - Radfahrbahnen - konzentrieren, gebündelt und berechenbar. 

Aufstellpaltz für zwei Räder. Warum fährt da niemand?
Weil man entweder nicht oder nur umständlich
links abbiegen kann. (Waiblinger Str
Foto Sebastian) 
Mit Verboten geht es nicht. Nur mit guten Angeboten. Den Stadtautobahnen eine Spur wegnehmen und für Radler vorhalten, eigene Ampelschaltungen für Radler, Schnellwege entlang der Haupt-Stadt-Routen. Darum wird auch Stuttgart nicht herumkommen. Denn der Radverkehr existiert und wird immer mehr. Schon jetzt ist die Situation im Schlossgarten für Fußgänger unerträglich. Es sind viel zu viele Radler unterwegs. Sie haben nämlich in Stuttgart kaum eine andere Möglichkeit, wenn sie längs durchs Tal wollen. Es gibt weder rechts noch links vom Schlossgarten eine Radroute nach Cannstatt.  

Die Zeiten schmaler  Radspuren mit niedlichen Abbiegestellen, wo sich höchsten zwei Radler aufstellen können, sind vorbei. Auch in Stuttgart muss dringend ein Radschnellweg-Plan her und umgesetzt werden. Sonst eskalieren die Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern im Schlossgarten, auf dem Neckardamm und auf den viel zu vielen für Radler freigegebenen Gehwegen. 

Eine gute Radförderpolitik ist eine Politik zum Schutz von Fußgänger/innen und für weniger Autostau auf den Straßen. Wenn Radler gut voran kommen, haben alle was davon. 

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