1. November 2016

Regenampeln und andere Ampeln

Cycling Ambassy for Denmark
Wenn es regnet verlängert sich die Grünphase von Ampeln für Radfahrende. Das ist in Kopenhagen auf einem Radschnellweg der Fall. Schön natürlich. Sehr schön. 

Aber bevor wir hier über Regenampelschaltungen für Radfahrende nachdenken, könnten wir ganz generell ein paar wichtige Ampeln so schalten, dass Radfahrende im Umlauf nicht die letzten sind, sondern die ersten.

Als schlimmste Ampel für Radler gilt die Ampel am Tagblattturm auf der Hauptradroute 1. Aber es gibt noch weitere "schlimmste Radampeln Stuttgart."

Kürzere Rotphasen und länger Grünphasen brauchen wir ganz dringend vor allem am Tagblattturm zwischen Tübinger Straße und Eberhardstraße. Hier warten Radler viel zu lang. So lang, dass inzwischen mindestens ein Drittel über die parallele Fußgängerampel schlingert, die länger und öfter Grün zeigt als die Ampel für Radler aus der Fahrradstraße und in sie hinein.



Das Foto zeigt einen Radler, der Rot über den Gehweg umgeht. Es zeigt aber gleichzeitig auch zwei Autos, die über die Fahrradampel fahren und vorher zwei Einfahrt-Verboten-Schilder missachtet haben.


Auch hier am Waldeck in Heslach wartet man zu lang. Ganz lang. Oft länger als anderthalb Minuten, während die Bahn durchfährt und die Autos grün kriegen. Auch diese Ampel liegt auf der Hauptradroute 1. Diese zweizügige Ampel muss jeder Radler passieren, der den Radweg Böblinger Straße nach Vaihingen hinauf fährt.

Und superschlecht geschaltet ist auch diese Ampel am Charlottenplatz an der Planie hinüber zum Schlossgarten. Es würden mit Sicherheit viel mehr Radfahrende diese Route nutzen statt der über den Karlsplatz, wenn diese dreizügige Ampel in einem Zug Grün zeigen würde. Vom Schlossgarten her wartet man drei Mal. In Richtung Schlossgarten zwei Mal. Vor allem die Abbiegespur vom Neckartor her zum Schlossplatz ist für Autofahrer gaaaanz lange grün, obwohl sie nur spärlich kommen. Man starrt auf eine leere Abbiegespur und darf dennoch nicht rüberradeln.

Lange Ampelphasen machen Radrouten unattraktiv. Beim Radweg Kaltentaler Abfahrt gibt es keine Alternative. Aber wenn es zu Routen mit schlechten Ampelschaltungen Alternativen gibt, dann wählen Radfahrende sie. Falls ich also jemand wundert, warum auf einem Radweg oder eine ausgewiesenen Hauptroute wenig Radler unterwegs sind, dann schaue er oder sie sich die Ampelschaltungen an. Radler sind keine Autos. Steht ein Radfahrer an einer Ampel, dann steht er, während Autofahrer sitzen. Schon Autofahrende finden lange Rotphasen doof, für Radfahrende sind sie dazu noch anstrengend.


Kommentare:

  1. Über die Ampel im Kaltental habe ich mich auch schon geärgert, viele Radfahrer fahren dort bei Rot was angesichts der Kreuzung, den getrennten Fahrspuren und der Stadtbahn in der Mitte sehr unübersichtlich und gefährlich ist. An dieser Stelle ist ein großer Knoten, und die Ampelschaltung kann es nicht jedem recht machen.
    Mein Favorit jedoch ist die Fußgängerampel zwischen der Stadtbahn Haltestelle jurastraße und der Emilienstraße in Vaihingen. Dort herrscht wenig Verkehr, und sie zeigt ohne Not ewig rot bevor die Fußgänger grün bekommen. Als Fahrradfahrer biege ich dort immer bei Rot für die Fußgänger in die Filderhofstraße ab, um gleich darauf in die Emilienstraße abzubiegen, weil ich der Meinung bin das die Fußgängerampel nicht für links abbiegende Radfahrer gilt. Die meisten Radfahrer warten dort jedoch auf grün.

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    1. In der Tat ist es ungeklärt, ob Fußgängerampeln für Radler gelten, die nach links oder rechts auf die Fahrbahn einbiegen wollen. Es würde naheliegen, bei Linkseinbiegern anzunehmen, dass sie auf Fußgängergrün warten müssen, weil sie ja die Fahrbahn fast ganz überqueren. Aber es kann nach dem Linkseinbiegen eine Querstraße rechts folgen, wo die Autofahrer grün bekommen. Der Radler würde dann direkt in den startenden Verkehr hineinfahren. Insofern spricht vieles dafür, dass man beim Links auf die Fahrbahn einbiegen, Autogrün an der Fußgängerampel anbwartet. Aber wie gesagt, die StVO und alle Verkehrsplaner haben leider vergessen, diese Fahrweise zu regeln. Eines von vielen Dingen, wo der Radler seiner eigenen Überlegung und Einschätzung überlassen bleibt.

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    2. Die Ampel bei dem Hochbunker Pragsattel ist auch suboptimal. Obwohl extrem gefährlich she ich hier jeden Tag Radler bei rot überqueren da zu lange Wartezeit.

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  2. Im Kaltental könnte man durchaus eine bessere Lösung finden, und zwar indem man den Radverkehr in Richtung Vaihingen vom Heslach aus auf die andere Seite auf die Straße verlegt (direkt entlang der U-Bahn). Die Straße ist dort momentan zweispurig, effektiv wird jedoch nur eine Spur genutzt da die rechte lediglich als Abbieger über die Bahngleise dient. Da dort selten jemand abbiegt (eigentlich nur Anwohner) könnte man eben diese Abbiegespur einfach auch zum Radweg umfunktionieren. Das hätte den Vorteil, dass man am Waldeck als Radfahrer die Straße nicht mehr kreuzen müsste um auf diese Seite zu gelangen. Andererseits würde der bestehende Radweg zwischen Heslach und Waldeck vom Gegenverkehr befreit werden. Da ich immer vom Südheimer Platz dort entlang komme, fahre ich heute schon in Richtung Vaihingen auf der Straße, da ich keine Lust habe einmal in Heslach die Straße zu kreuzen nur um auf den Radweg zu gelangen und dann einen Kilometer weiter am Waldeck wieder (an besagter ewiger Ampel) die Straßenseite wechseln darf.

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  3. Radampeln und andere Infrastrukturen zeigen, welchen Stellenwert eine Stadt den Radfahrenden zuweist. Ich frage mich, weshalb es zu den manchmal absurden Konstellationen in der Regelung des Radverkehrs kommen kann. Liegt es primär an der Ahnungslosigkeit der Verkehrsplaner, denen Radfahren fremd oder gar per se unsympathisch ist - oder liegt es primär an den politischen Entscheidungsträgern, die Radfahrern einen niedrigen Stellenwert einräumen und die entsprechende Infrastruktur lediglich duldend als Alibieinrichtung tolerieren, damit sie bei dem nächsten PR-Termin was zu präsentieren haben?

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    1. Weder noch. Entscheiden tut nämlich immer der Gemeinderat. Und steht es Halbe Halbe.

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    2. Liebe Christine, der Gemeinderat als politisches Entscheidungsgremium ist doch auf die Expertise des zuständigen Fachamtes angewiesen, in diesem Fall mutmaßlich auf das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, Abteilung Verkehrsplanung. Auf der Webseite der Landeshauptstadt Stuttgart ist zudem Herr Arne Seyboth als Fahrradbeauftragter für das Sachgebiet Allgemeine Verkehrsplanung genannt.

      Aus meiner Sicht kann man von den Stadträten keine Expertenkenntnisse in puncto Radverkehr erwarten, sehr wohl aber vom zuständigen Amt, das dem Stadtparlament zuarbeitet und die Entscheidungen vorbereitet, oder sehe ich das falsch?

      Wenn die Verkehrsplanung für Radfahrer von Amts wegen in Teilen als inkompetenter Mumpitz zu bezeichnen ist, kann ich die Verantwortung dafür doch nicht an die politischen Entscheidungsträger im Gemeinderat weiterreichen. Außerdem bin ich mir völlig sicher, dass alle Fraktionen nur dann in eine Fahrradinfrastruktur investieren wollen, wenn diese auch funktionsfähig ist und von den Radfahrenden auch angenommen wird. Die Unterschiede zwischen den Fraktionen bestehen doch lediglich in Umfang und Intensität der Radfahr-Förderung bzw. der Radfahr-Ermöglichung. Aber niemand aus den Fraktionen will doch wissentlich Geld ausgeben für Dinge, die keinen Sinn machen und nicht angenommen werden. Und sei es nur eine Ampel, die exakt dort aufgehängt ist, wo sie niemand sieht und außer Kosten nichts bewirkt.

      Zusammenfassend wäre aus meiner Sicht also nicht die Politik der Ansprechpartner für unsere Kritik und Mängelliste, sondern das Amt, das für die Verkehrsplanung für Radfahrer zuständig ist.

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    3. Es gibt durchaus Radfahr-Kompetenz in einzelnen Fraktionen des Gemeinderats, die in den zuständigen Ausschüssen auch zum Tragen kommt. Jede Planung der Verwaltung zur Radinfrastruktur wird in den Ausschüssen vorgelegt und diskutiert. Zwar ist unter allen Fraktionen (außer vielleicht den Rechten) unstrittig, dass der Radverkehr gefördert werden soll, aber wenn es dann daran geht, die jeweils geplante Radspur oder einen Radweg zu genehmigen, dann scheiden sich ganz schnell die Geister. Sogar der Stadtist kann sich dann jäh vom Fahrradförder zu einem Gegner eines Radstreifens oder Radwegs wandeln, und dann geht die Abstimmung im UTA verloren. Es fällt Teilen des Gemeinderats generell schwer, Straßenraum für Radfahrende zur Verfügung zu stellen. Weniger schwer fällt es ihnen, Radwege auf Gehwege zu verlegen. Es ist aber durchaus nicht so, dass die Politiker da Opfer der Vorlagen der Verwaltung würden, ganz im Gegenteil, alle Gremien, auch die Bezirksbeiräte gehen mit Verwaltungsvorlagen äußerst sorgfältig und teils auch sehr kritisch um. Es gibt in der Verwaltung Leute, die würden viel progressivere Fahrradplanung machen, scheitern dann aber im zuständigen Gemeinderatsausschuss und planen dann nicht ganz so fortschrittlich. Die Frage einer selbstbewussten Fahrradpolitik scheitert momentan noch im Gemeinderat an der konservativen Hälfte, der es sehr sehr schwer fällt, Radfahrenden wirklich Raum oder gute Ampelschaltungen etc. zukommen zu lassen.

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    4. Herzlichen Dank für diese Auskunft und Erläuterung. Ich werde darüber nachdenken.
      Viele Grüße, Stefan

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    5. Christine, wenn du jeden Gegner eines Radstreifens oder gar Radwegs als Fahrradgegner ansiehst machst du es dir sehr einfach. Fahrradförderung besteht nicht darin, Radfahrer in größtenteils gefährliche Ghettos zu verbannen. Dadurch wird Autofahrern nur signalisiert daß Radfahrer sonst nirgends etwas verloren hätten.

      Im Gegenteil, die Ablehnung von solchen Ghettos ist eher Fahrradförderung als Reden zu schwingen und dann wieder mit der CDU die Mittel im Haushalt zu streichen.

      Martin

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