30. November 2017

Verloren zwischen Schildern

Das ist die Münzstraße zwischen Marktplatz und Karlsplatz, die früher mal Fahrradstraße war. Aus der Sporerstraße Richtung Dorotheenquartier gesehen. 

So sah das noch bis zum Beginn des Weihnachtsmarkts aus. Jetzt ist nicht nur die Fahrradstaße in der Münzstraße weg, sondern auch jegliche Erlaubnis für Radler, da tagsüber durchzufahren. Zwischen 23 Uhr und 10 Uhr in der früh dürfen sie es aber noch. Das ist wegen des Weihnachtsmarkts und der vielen Leute. Radfahrer werden Richtung Holzstraße geschickt.
Allerdings sind nun auch die Radf-frei-Schilder abgeschraubt, die bisher das Radeln im Dorotheenquartier erlaubt haben. Das ist jetzt Tabuzone.

An der Marktstraße steht dieses Schild. Es verbietet jeglichen Fahrzeugen die Einfahrt, auch Rädern, mit der genannten Ausnahme zwischen 23 und 10 Uhr. Ich bin mal gespannt, wie viele Autos wir da dennoch rein- und rausrammeln sehen werden. Auch Radfahrer werden wir sehen. Denn das Erkennen, Verstehen und Befolgen von Verkehrsschildern fällt uns allen ja generell sehr schwer.

Vielleicht auch, weil es so viele sind, die sich im Abstand von 50 cm widersprechen.

Diese Rikscha ist mir in der verbotenen Zone schon mal kurz vor 18 Uhr entgegen gekommen, und zwar vom Karlsplatz her, wo die Einfahrt temporär genauso verboten ist (außer für Räder zwischen 23 und 10 Uhr). Die Schilderlatte kurz davor, erzählt was anderes, was das Schild dahinter aufhebt. Klar, dass das Schild dahinter das davor aufhebt. Aber diese Schnellleseübung schaffen weder Radfahrer noch Autofahrer, wenn sie vorbeirollen.

Zu Beginn des Weihnachtsmarkts ist aus der Fahrradstraße eine ordentliche Fußgängerzone geworden, die für Radfahrer freigegeben ist, nur halt jetzt gerade nicht uneingeschränkt.

Auf der Fahrbahn in der Markstraße ist noch das Zeichen für Fahrradstraße zu sehen, hat aber seine Gültigkeit verloren. Oder doch nicht? Auch da mag eine kleine Verwirrung zurückbleiben.








Besonders glücklich war die Beschilderung vorher auch nicht. Sie enthielt ein Zwei-Richtungs-Paradoxon. Es unterschied sich der Charakter der Straße je nachdem, aus welcher Richtung man hinein radelte. Vom Karksplatz her war sie eine Fußgängerzone mit Rad frei. Vom Marktplatz her war sie eine Einbahnstraße, die für Radler in Gegenrichtung freigegeben war. Ich habe mich immer gefragt, wann die Stadt sich der Diskrepanz der Schilder bewusst wird. So ein Zwei-Richtungs-Paradoxon ist gar nicht so selten, meist betrifft es aber wenig beachtete und befahrene Strecken am Rand von Irgendwo.
Bisher durfte man übrigens im Dorotheenquartier herumradeln, wenn auch nicht zu jeder Straße hinein. Jetzt stößt man überall auf diese Schilder, die den Bereich zu einer reinen Fußgängerzone erklären. Fahrrad verboten.

Wo vorher Rad-frei hing, ist jetzt eine leere Fläche. Guckt man etwa wie auf dem Foto ganz oben aus der Sporerstraße ins Dorotheenquartier, sieht man jetzt hinter der Münzgasse nur noch das Fußgängerzonenschild. Das Rad-frei-Schild ist weg.
Eine Ausnahme gibt es allerdings. Gucken wir nämlich umgekehrt aus dem Dorotheenquartier in die Sporerstraße Richtung Schillerplatz, dann sehen wir doch noch ein Rad-frei-Schild am Ausgang der Fußgängerzone, wo die Münzstraße quert.

Wer sein Fahrrad also bis hierher geschoben hat, kann aufsteigen und die Münzstraße munter nach links oder rechts entlang radeln, auch wenn sie tagsüber doch für alle, die am Karlsplatz oder von der Eberhardstaße her kommen, derzeit  verbotene Zone ist. Das kann man hier aber nicht erkennen.

Tja, das mit den Schildern ist halt doch sehr schwierig. So ganz klappt es nie, wenn es Radfahrern gilt. Ein kleines Paradoxon bleibt immer übrig. Immer schwebt die Frage zwischen den Schildern: Was gilt denn jetzt für mich wirklich? Darf ich nun da radeln oder hat man nur wieder mal vergessen, ein Schild abzumachen? (Ich denke übrigens, das Schild wird in den nächsten Tagen verschwinden. Schauen wir mal.)






Kommentare:

  1. Die verantwortlichen Verwaltungsmenschen arbeiten nach dem Grundsatz "Ist halt kompliziert, aber wir tun, was wir können."

    Leider bewahrheitet sich immer wieder, dass sie nicht können, was sie tun.

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    1. Vielleicht muss man nicht gleich die Verantwortlichen beschimpfen. So eine Innenstadt mit ihren vielen Bedürfnissen und Ereignissen ist halt kompliziert. Ich hätte jetzt beispielsweise das Radfahren durch die Markt- und Münzstr. nicht verboten, weil sich Radler mit Menschenmassen durchaus gut arrangieren und die Strecke von selber meiden, wo kein Durchkommen ist. Ich finde das alles ist total überreguliert. Das ist aber typisch für Deutschland. Immer kommt noch ein Schild drauf, darunter oder dahinter, um irgendeine Sondersituation zu regeln. Der Effekt ist: Es ist auch den Verkehrsteilnehmern zu kompliziert, man versteht nicht, was gemeint ist und wann es gilt, und dann wird es auch nicht beachtet. Straßenschilder mit langen Ausnahmetexten darunter sind nicht tauglich, ganz generell nicht.

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    2. Wenn du so weitermachst und ich noch das eine oder andere dazu lerne, erreichen wir bald den unglückseligen Zustand, dass wir beide in nahezu 95% der Fälle und Fragen eine gemeinsame Auffassung vertreten :-))

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  2. Dann lass es mich euphemistisch formulieren: Sie sind stets bemüht 😁
    Klingt natürlich viel besser.

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  3. In dem Fall stimmte es aber. Von der einen Seite war Fahrrad frei beschildert, von der anderen nicht. Munter gemischt. Das ist schon nicht mehr kompliziert bei so einem eng begrenzten Gebiet wie dem Doqu, das ist schlicht unfähig. Entweder bei der Planung oder bei der Ausführung. Und solche Stellen gibt es leider massenhaft in der Stadt.

    Martin

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  4. Mir ist das in der Zwischenzeit alles völlig egal. Ich fahre überall. Scheiß auf die Schilder. Diese Drecksstadt hat es nicht anders verdient. Wir RadlerInnen helfen massiv die Umweltprobleme in den Griff zu bekommen (Klima, Schadstoffe etc.) und bekommen als Dank ständig nur die rote Karte. Danke Kuhn!

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  5. Kurs: "Verkehrszeichen aufstellen" sollte auch mal in Stuttgart angeboten werden. Alleine der Quatsch auf dem zweiten Foto. Das, was da wohl angeordnet werden soll, hätte man auch simpel mit einer Änderung des schon vorhandenen Zusatzzeichens zum FuZo-Schild rechtlich sauber und eindeutig hinbekommen.

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