28. Januar 2018

Eine Regel-Verstoß-Maschine - Radabstellanlagen in der Fußgängerzone

Sowas finde ich ja immer ganz toll: Radabstellanlagen, zu denen man gar nicht hinfahren darf. Nennt sich: "Ätsch-bätsch, lieber Radfahrer. Steig gefälligst ab, wenn du dein Rad hier parken willst oder verletzt halt die Regel." 

Diese vielen, vielen Radbügel in der Else-Josenhans-Straße im Dorotheenviertel sind ja wirklich toll, sie waren sogar an einem regnerischen Freitagnachmittag ganz gut besetzt. Aber muss das wirklich sein, dass man den Radfahrenden zu Zufahrt verbietet? Ist es zwingend notwendig, dass Radparkplätze nicht angefahren werden können?



Natürlich können Radler brav absteigen und schieben (etwas was Autofahrende leider nicht machen können, weshalb man sie nicht auf diese Weise verarscht), aber mal ehrlich, tut man das?

Hier haben wir doch nur wieder eine "Radfahrer halten sich ja an keine Regeln"-Maschine.
Sehr schlecht!

Nachtrag: 
Auf Facbook tobt eine Diskussion, in der sich die meisten Kommentator/innen wütend darüber äußern, dass ich hier herumnörgle, anstatt mich über diese Radabstellanlagen nur zu freuen. Sie beklagen, dass wir Radfahrenden nicht auch mal absteigen können, und die meinen, man müsse Fußgängern ein paar Schutzräume sichern, weil sie sonst hier durch "brettern" würden. Es erstaunt mich immer noch, mit welcher Strenge und mit welchem Hass man Radfahrende eigentlich aus allen Bereichen herausdrängen will. Aber wir sollten bedenken, dass die Stadt Radfahrende auf über 250 km über Gehwege lenkt, entweder, weil der Radweg ein mit Fußgängern gemischter Radweg auf eienm Gehweg verpflichtend ist oder weil Gehwege für Radler freigegeben sind. Es wäre schön, die Verteidiger der "Schutzräume" für Fußgänger, die sich hier ins Zeug legen, würden sich genauso dafür ins Zeug legen, dass Radrouten endlich nicht mehr über Gehwege verlaufen, sondern auf Fahrbahnen oder von Fußgängern getrennten Radwegen. Gemeinsam könnten wir vielleicht etwas erreichen.

Aber Radfahrende nur überall nicht haben wollen, das ist keine Lösung. Denn die Radfahrenden sind ja da. Wenn all die, die auch im Winter Rad fahren, und das sind viele, sich entscheiden das Auto zu nehmen oder morgens in die vollen Stadtbahnen reinrammeln, dann würde überhaupt nichts mehr laufen in Stuttgart.

Kommentare:

  1. Das ärgert mich auch immer!

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  2. Ja, ärgert mich auch. In der örtlichen FuZo gibt es zwar überhaupt keine Radabstellanlagen - aber man könnte jene eigentlich auch für Radfahrer freigeben. Was man aber nicht einmal versuchsweise in den Abendstunden austesten mag.

    Ich empfinde es ehrlich gesagt auch immer als etwas "demütigend", als Radfahrer zum Absteigen und Schieben genötigt zu werden. Da werden ja überall recht schmale Gehwege freigegeben und auf vielen zweifelhaften Strecken wird man gar per Z 240 dazu gezwungen - aber in einer oftmals sehr breiten FuZo (wo man sicher und vorsichtig "Slalom" fahren kann) darf man dann überhaupt gar nicht radeln...

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  3. Meiner Meinung nach ist klar, wie es zu solchem Unfug kommt:

    Es gibt politischen und gesellschaftlichen Druck, "etwas in Richtung Radförderung zu tun". Irgendwo ein paar Radbügel aufzustellen, wo sie nicht sehr stören, sind ein hervorragender Nachweis, etwas getan zu haben. Den kapieren alle, die nicht Fahrrad fahren.

    Thema schnell und ohne viel Überlegung und Aufwand erledigt. Auf zum wirklich Wichtigen: wie kann man dafür sorgen, dass mehr Autos in Stuttgart fahren, z.B. mit Tunnel-Neubauten, Verkehrsleitzentrale, Parkplatzmanagement usw. ;-)

    Ob Radfahrer davon etwas haben, ist zweitrangig. Das unbequeme an tatsächlichen Radfahrern ist, dass sie Infrastruktur fordern, für die an anderer Stelle etwas abgeknapst werden muss, z.B. der eine oder andere Parkplatz, gar eine umgestellte Ampelschaltung oder - völlig unvorstellbar - ein Fahrstreifen weniger für den KFZ-Verkehr.

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  4. Naja, das sind 20m. Dann rollert man da halt hin. Wer das Fahrrad wie einen Roller benutzt gilt als Fußgänger. 😉

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    1. Auch naja. ;) "Rollern" ist meiner Ansicht nach deutlich problematischer und unsicherer, weil man (das Fahrrad ist halt kein Roller...) da einfach "instabiler" unterwegs ist, als wenn man einfach langsam mit beiden Beinen auf den Pedalen steht und vorsichtig fährt.

      Überhaupt sollte ja auch beim Thema "Einhalten von Verkehrsregeln" immer ein Mindestmaß an Verhältnismäßigkeit und Realismus gelten. Fußgängerzonen werden eingerichtet, um Fußgänger vor Fahrzeugen zu schützen. Sind keine Fußgänger in der Nähe, wüsste ich nicht, was dagegen spräche, da auch langsam mit dem Rad zu fahren.

      Ich persönlich entscheide mich auch regelmäßig bewusst, benutzungspflichtige Z-240-Radwege zu missachten. Weil sie wegen Ihrer zahlreichen Mängel zu gefährlich sind oder mich als Radfahrer benachteiligen. Als jemand der gerne MTB fährt, komm ich zudem ja wegen der Standardmäßig vor quasi jedem Forstweg stehenden Zeichen 250 auch nirgends "legal" in den Wald! ;)

      Ich will aber natürlich auch nicht zu totaler Anarchie aufrufen. Passt halt allgemein gut zu deutscher Regelungswut und Obrigkeitshörigkeit. ;)

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  5. Einerseits teile ich die Einschätzung. Andererseits schätze ich es, wenn ich mein Fahrrad direkt vor dem Laden anschließen kann. Auf der Königstraße schiebe ich mein Rad z.B. immer zum Laden und schließe es dann an einem Laternenmast oder Baumumfriedung an.

    Die Abstellanlagen im ersten Bild halte ich dagegen für überflüssig. Dort ist so gut wie kein Laden direkt an den Abstellanlagen. Benutzt wird es wohl eher von den Leuten, die dort arbeiten. Für die fehlt aber mindestens eine Überdachung, wenn das Rad den ganzen Tag dort stehen soll.

    Martin

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  6. Lösung: Rad mit dem LKW / Lieferwagen zum Bügel fahren. Da sagt keiner was.

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    1. Ich habe sogar ein Foto wie ein Lieferwagen an den Bügeln steht. 😊

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  7. Landesbauordnung für Baden-Württemberg; § 37 Stellplätze für Kraftfahrzeuge und Fahrräder, Garagen.
    da steht nix davon, das man die Stellplätze hinradeln muss.
    Also alles korrekt, der Bauherr muss die Stellplätze erstellen, ebenerdig oder über Rampen in zumutbarer Entfernung....

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    1. Ja, klar. Es geht ja mir hier auch nur darum, dass es nicht nett ist (sondern eher wie eine Verspottung der Radler wirkt), wenn man Radabstellanlagen in Gebiete setzt, wo Radler nur hinschieben, nicht hinfahren dürfen. Muss doch auch nicht sein.

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