21. Oktober 2018

Und so stehen wir und stehen und stehen ...

Wer entlang der Heilbronner Straße in Fahrtrichtung rechts von Zuffenhausen zum Pragsattel radelt, stößt auf diese Baustelle. Der Radweg ist nicht mehr befahrbar. 

Also rüber über die Fußgängerampel (ohne Radzeichen auf der Streuscheibe) auf die andere Seite. Allerdings reicht die Grünphase nicht aus. Als ich mich durch die Z-Schranke gequält hatte, sprang die Ampel für die andere Fahrbahn auf Rot. Und da stand ich nun. 1 Minute .... 2 Minuten ... 3 Minuten ... 4 Minuten ...


Die Autos fuhren und fuhren, und auch als schon kaum noch welche kamen, hatten sie immer noch Grün und ich stand und wartete und wartete. Mit mir immer mehr Menschen.  Die Zeitangaben auf meinen Fotos belegen, dass ich dort knapp vier Minuten stand und darauf wartete, meinen Weg fortzusetzen.

Da kommen der an sich positiv gestimmten Radlerin doch Zweifel, ob es die Stadt gut mit uns meint. Warum warnt man mich nicht viel weiter unten schon mal, dass ich derzeit besser auf dem in Fahrtrichtung linksseitigen Radweg fahre? Warum rasseln wir immer so rein in diese Baustellen und Streckensperrungen und müssen und dann behelfen?

Zwar ist alles korrekt mit Umleitungsschildern ausgewiesen, aber es ist eben doch alles andere als eine Radfahrstrecke. Sondern ein Behelf über Fußgängerüberwege (mit der falschen Ampel ohne Radzeichen) und durch Z-Schranken und einer vierminütigen Wartezeit, weil weder Fußgänger noch Radfahrer es schaffen, die Heilbronner Straße hier in einem Zug zu überqueren. Auf dem Foto sieht man, dass beide Seiten gleichzeitig Grün haben (und ein Auto noch bei Rot durchgebraust ist). Hat man die Z-Schranke überwunden, springt die Ampel drüben auf Rot. Dann seht man zwischen Schienenverkehr und Autoverkehr.

Himmel, und so was machen die armen Fußgänger/innen jeden Tag mit? Knapp vier Minuten stehen. Stehen, stehen, stehen ... Während der Autoverkehr (auch am Feinstaubtag) rollt und rollt und rollt und noch mal rollt und auch der letzte Nachzügler noch durchrollen darf.

Radverkehrsförderung geht anders. Fußgängerförderung übrigen auch.

Kommentare:

  1. Wie lang ist denn die eigentliche Baustelle? Der Radweg ist bis dorthin für Anlieger frei. Dann "nur kurz" auf die Fahrbahn und dann wieder zurück auf den Radweg? Ne Option?

    Andererseits hast du nen zeitlichen Mehraufwand von ca. 4 Minuten dokumentiert. Wie viel Mehraufwand hätten Autofahrer, wenn Radler hier die Fahrbahn nutzen würden?

    Ausprobieren, Veränderungen fangen im Kopf an.

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    1. Im Bereich der Baustelle trennt ein Holzzaun den Radweg von der Fahrbahn. Im Übrigen empfehle ich niemanden, ernsthaft auf der Heilbronner Straße radeln zu wollen- das wäre Selbstmord.

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    2. Selbstmord? Die einzige "Waffe", die ein Radler in dem Moment führt, wäre ein Fahrrad.

      Nicht falsch verstehen, ich fordere hier niemanden auf, sich selbst in Gefahr zu bringen. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Veränderungen fangen im Kopf an. Wenn ich auf einer 4-spurigen Bundesstraße massiv gefährdet, genötigt und bedroht werde, dann darf die Beschreibung dieser Situation nicht "Selbstmord" sein. Sondern Gefährdung, Nötigung, Bedrohung, Körperverletzung, Totschlag, Mord, ...

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    3. Nach aktueller Gesetzsprechung wäre es Selbstmord. Ein Autofahrer, der dich tot fährt, hat nach deutscher Rechtsprechung nichts zu befürchten. Deine aufgezählten Tatbestände wie "Nötigung" gibt es faktisch nicht im Strafprozess gegen Autofahrer.

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    4. Nach aktueller Gesetzgebung habe ich wohl die richtigen Straftatbestände aufgezählt.

      Wenn nach aktueller Rechtsprechung von Selbstmord für Rede ist, ... Veränderung fängt in den Köpfen an. Wir brauchen einen Wandel im Denken und Bewerten.

      Dass das möglich ist, haben wir letztes Wochenende in Bayern sehen können.

      Mein Leitgedanke ist der der gleichberechtigten Teilnehmer im Straßenverkehr. Es muss die Stärke des Rechts gelten. Und nicht das Recht des Stärkeren.

      Und in so einem Umfeld gibt es dann entweder legale Umleitungen (nicht über Fußwege) oder eine Radwegeführung über 50 bis 100m über die Fahrbahn.

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    5. Ich erkenne hier nicht die Spur eines Wechsels.

      Weder in Bayern, wo zwei Drittel stramm rechts wählen, noch in Stuttgart, wo immer gegen Fahrräder gearbeitet wird - egal ob von rechts oder links.

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    1. 12:24
      Einfach wäre es, das Fahrrad vor der "Baustelle wegen neuem Autohaus" zu schieben. Ganz einfach wäre es, die Beschilderung zu ignorieren und durchzuradeln, so zu ignorieren , wie es die Stadt mit Allem macht, was Lebenswert wäre.

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  3. Wäre das nicht eine schöne Radentscheid-Forderung: Gleichberechtigung und Bevorzugung des Radverkehrs (sowie gerne auch der Fußgänger) an Kreuzungen und auf Umleitungen. Ampeln müssen so geschaltet sein, dass Radfahrer und Fußgänger nicht länger warten müssen als Kraftfahrzeuge. Umleitungen sind so auszuweisen, dass Umwege und Zeitverluste für Radfahrer und Fußgänger minimiert werden, auch wenn dies zu Nachteilen des Kfz-Verkehrs führt.

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    1. Natürlich ist das eine Forderung, die wir immer wieder stellen. Solange wir aber in Stuttgart Fahrbeschränkungen für Autos vermeiden wollen und den Feinstaub durch rollenden Verkehr niedrig halten wollen, muss man das so machen. (Das heißt, nicht wir wollen die Fahrbeschränkungen vermeiden, sondern jede Kräfte und Parteien, die sich eine Verkehrswende hin zur autofreien Innenstadt nicht vorstellen können.

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  4. Du hast wirklich über vier Minuten an der Ampel ausgeharrt? Respekt. Ich wäre nach spätestens einer Minute, wenn es die Situation erlaubt und keine Kinder da sind, ohne schlechtes Gewissen bei Rot da rüber gefahren. Das ist zwar keine Lösung des Problems, aber man kann es meines Erachtens mit der Ordnungshörigkeit auch übertreiben. Das mit den Streuscheiben ist ja auch so eine Sache. Ich meine, über 90% der Menschen sind sich über die aktuelle Regelung dazu überhaupt nicht im Klaren. Genauso wie der Umstand, dass man auf freigegebenen Gehwegen nur Schrittgeschwindigkeit fahren darf und niemand weiß es. Das ist eben überhaupt nicht mehr intuitiv zugänglich.

    Die Frage, die ich mir halt stellt ist, ob es wirklich so zielführend ist, wenn wir ständig immer nur auf Regeln pochen, die es einzuhalten gilt, und einzelne schlecht gelöste Situationen anprangern, oder ob es nicht auch einen anderen Weg gibt, einen gemeinsamen Konsens zwischen allen Verkehrsteilnehmern zu finden. Das Prinzip Solidarität und gegenseitige Rücksichtnahme fällt mir dazu ein, denn daran mangelt es in der heutigen Zeit am meisten, und ich finde, wenn wir diese Dinge alle wieder mehr beherzigen würden - Kfz-Fahrer, Radfahrer, Fußgänger -, bräuchten wir auch nicht mehr so sehr auf irgendwelche Regelungen und Vorschriften bestehen sondern wären in der Lage, schon im eigenen Interesse ein harmonisches gegenseitiges Miteinander zu erreichen. Dann könnte ich als Radfahrer auch mal eben auf die Fahrbahn der Heilbronner Straße ausweichen ohne gleich das Opfer von mehrfachem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr zu werden und mich um meine Gesundheit sorgen zu müssen. Aber dazu ist jeder einzelne gefragt, sein Verhalten in Punkto Eigenverantwortlichkeit zu überdenken. Das ist kein Problem, was man bequem auf die Politik abschieben könnte, die dann auch nichts bewirkt.

    My two wheels.

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    1. Ich wollte auch rüber, aber es kamen permanent Autos, später dann in schneller und lockerer Folge. Es gab keine Lücke für mich. Echt nicht. Die Fußgängerampel gilt zwar nicht für mich als Radlerin, aber es ist hier sehr sinnvoll, sich daran zu halten. Nur sie hält die Autos an, die sonst ununterbrochen kommen, und bahnt mir einen Weg, halt eben erst nach vier Minuten.

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  5. 4 min Wartezeit ? Die RiLSA sehen max. 2 Min Umlaufzeit für Ampeln vor.
    Offenbar hat hier ein richlinienignorierender Verkehrtplaner zugeschlagen.

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    1. War halt Hauptverkehrszeit, viele Autos, und die typische Stauvermeidungsstrategie, die Autos rollen zu lassen, damit es "abfließt" und damit es auf dem Pragsattel keinen Rückstau gibt. Wir haben ja in der Verkehrsleitzentrale ein intensives Verkehrsmanagment, das der Autostauverkeidung dient.

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    2. Du schreibst selbst:"Die Autos fuhren und fuhren, und auch als schon kaum noch welche kamen, hatten sie immer noch Grün ".
      Da wäre also durchaus Zeit für eine weitere Grünphase gewesen.

      Frag doch mal nach, warum an dieser Stelle die Richtlinien offensichtlich ignoriert werden.

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  6. Jörg
    Es gibt tatsächlich viele Vorschriften in Deutschland. So gibt es auch das Handbuch für die Bemessung von Stadtstraßen (HBS) 2015 S4-9.
    Dort steht das Wartezeiten von Fußgängern/Radfahreren bis 25 Sekunden Qaulität C sind über 60 Sekunden sind wir bei der Qualität F. In einer weiteren Werk der Richtlinie für Signalanlagen wird im Qualitätsmanagment gefordert die Qualitäten der Verkehrströme auf zu listen.
    Das macht die Stuttgarter Verwaltung nicht. Den in der Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen (RaST) steht, dass Fußgänger, Radfahrer und Autos die gleiche Qulaitätstufe haben sollten. Und das in der Stadt Fußgänger und Radfahrer echt Rechte haben und evtl. zu bevorzugen sind.
    Und tät nun die Verwaltung die Dokumentationen der Lichtsignalanlagen mit Qualitätstufen anreichern, würde man sehen wie schlimm es in dieser Stadt mit Gerechtigkeit im Verkehr steht. Und wollen wir doch nicht wirklich sehen, oder?
    Armes Stuttgart, alles für das Auto. Wir lieben Stickstoffdioxid in unseren Lungen.

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  7. Hallo,

    auch ich würde nie auf die Idee kommen, der Umleitung zu folgen. Ich würde einfach auf der Straße fahren. Ich komme täglich dort vorbei, allerdings biege ich kurz vor der Baustelle in den (derzeit gesperrten) Fußgängerweg ein. Eine wirkliche Gefahr sehe ich auf der Fahrbahn nicht, man kann mich ja deutlich sehen. Allerdings wird evtl. gehupt.

    Den Satz
    "Nach aktueller Gesetzsprechung wäre es Selbstmord. Ein Autofahrer, der dich tot fährt, hat nach deutscher Rechtsprechung nichts zu befürchten."

    kann ich nicht nachvollziehen. Der Autofahrer würde für alle Schäden haften und wäre natürlich auch strafbar. In letzter Zeit neigen ja Gerichte dazu, solch besonders rücksichtslose Autofahrer nicht nur wegen fahrlässiger, sondern sogar vorsätzlicher Tötung zu bestrafen.

    Grüße von Ralph

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  8. Letzte Woche musste ich was im Lehenviertel besorgen und anschließend wieder zum Hauptbahnhof zurück - zudem hatte ich es echt eilig. Was ist die schnellste Verbindung? Klar: Hauptstätter Straße .... in 6 Minuten zum Hauptbahnhof. Das nenne ich eine coole Strecke! Daran könnte ich mich gewöhnen und zukünftig öfters reine Autostraßen mit dem Rad nutzen (mittig auf der rechten Fahrbahn, damit Autos und LKWs nicht einfach so vorbeiwitschen können).
    ;-) hat Laune gemacht

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    1. Respekt! Wenn sich dass viel mehr Radler trauen würden, hätte das möglicherweise einen stärkeren Einfluss auf die Stuttgarter Radpolitik als die Critical Mass.
      Kann aber auch dazu führen, dass alle Straßen auf denen Radler "stören", für Radler verboten werden ...
      Viele Grüße
      Claus

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    2. Also ich mache das auch so. Ich fahre auch die Heilbronner Straße komplett, außer wenn Stau ist, denn dan stehe ich auch im Stau.

      Ja, Claus, in Stuttgart gibt es das Schild "Fahrrad verboten" vermutlich so oft, wie in allen anderen deutschen Großstädten zusammen. Und das trotz einer grünen Rathausspitze seit sieben Jahren.

      @Christine: Weißt du, ob es hier schon Klagen gab? Wäe ja ein reiner Selbstläufer. Vielleicht wäre das effektiver als die vielen Millionen für Radverkehrsförderung?

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  9. Ich habe Zweifel an der Wartezeit von 4 min. Solange ist kein normaler Umlauf. Die Stelle passiere ich regelmäßig als Rad- und Autofahrer. Aber vier Minuten habe ich noch nie dort gewartet.
    Die Umleitung ist Käse, aber da müssen wir uns ehrlich sein, es geht nicht anders. An der Baustelle hast du nur ca. 1,6m Platz. Da darf dann kein gemeinsamer Verkehr stattfinden. Daher kann ich die Umleitung nachvollziehen. Bevor ich die Umleitung nehme, schiebe ich halt im Bereich der Baustelle.
    Ne ganze Spur nur für uns wegnehmen wäre schön aber auch Luxus. Denke wir sollten da auch andere denken. Fahre ja selbst auch gelegentlich mit dem Auto.

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    1. Sorry, versehentlich anonym, das wollte ich nicht.

      LG Marcel

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  10. Ich habe heute morgen um 06:30 Uhr habe ich nachgemessen: die erste Ampel wurde nach 40 Sekunden wieder grün, die zweite brauche noch weitere 60 Sekunden, also insgesamt 100 Sekunden.

    Dann gibt es eine 10 m lange Engstelle mit den schon vorher genannten 1,6 m Breite. Das obere Absperrgitter gegen Radfahrer verengt den Gehweg auf 50 cm. Bei kurzen Engstellen ist ein Gehweg "Radfahrer frei" auch zulässig, zumal es dort kaum Fußgänger gibt.

    Ich fuhr dann die Heilbronner Straße weiter in traf auf dem benutzungspflichtigen Geh- und Radweg ebenfalls auf eine solche Engstelle durch gefährliche, schlecht sichtbare graue Poller.

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