8. Februar 2019

Das Kreuz mit den Bordsteinen

Bordsteine versüßen das Radlerleben: hops hoch, rums runter. Es sind nicht nur die 3-cm-Bordsteine, die uns die Ritzel durchschütteln. Wir haben auch richtige Bordsteinhindernisse auf unserer  Radinfrstruktur. 

Dieses Foto hat mir Blogleser Peter geschickt. Es stammt von kürzlich. Meines (Foto darunter) stammt aus dem Jahr 2014, als die Radinfrastruktur auf der Löwentorstraße und hier auf dem Löwentorplatz frisch angerichtet wurde. Seit geschlagenen fünf Jahren also hopsen Radler diesen Bordstein runter. Man sieht, dass sie nicht einfach vorfahren können zum abgesenkten Bordstein, denn da steht der Ampelmast im Weg.

Er verhindert auch, dass Radfahrnde von ihrer Haltelinie losfahren und erst dann abbiegen wie es sich gehört. Sie müssen seitlich den Bordstein runter.

Ohnehin verlang die Verkehrsführung uns Radfahrenden hier wieder mal einen ausgeprägten Pfadfindersinn ab (Karte unten). Wer aus der Pragstraße nach links in die Nordbahnhofstraße will, darf sich hier über drei Ampeln rüber warten, während der Autoverkehr rollt und rollt. Die letzte Station dieser Linksabbiege-Warterei ist an diesem Bordstein unten auf der Fahrbahn auf dem Geradeauspfeil. Da kann man dann dem Radler, der von oben gekommen ist und wartet, bis er den Bordstein runter hopsen darf, unmittelbar auf die gerunzelte Stirn schauen und ein paar Bemerkungen über die Stuttgarter Radinfrastruktur austauschen.

Wer linksseitig von oben, vom Pragsattel kommt und die Pragstraße weiter runter radeln will (ebenfalls linksseitig), darf auf dieser kleinen Linksabbiegefläche (ogbleich er doch geradeaus will) am Bordstein warten. Und dann tunter, egal wie langsam, tut es einen Schlag. Die drei Stück Sahnetorte, die ich in meinem Container auf dem Gepäckträger dabei habe, sind jetzt Matsch. (Ohnehin hätten auch zwei Stück Sahnetorte gereicht.) Das Kind im Anhänger hat ein Schleudertrauma, und ein Lastenrad  oder Tandem hat sowieso keinen Platz.

Es gäbe durchaus eine Möglichkeit, diesen Bordstein zu entschärfen. Man schrägt ihn ab. Dass diese Methode in der Stadt Stuttgart bekannt ist, zeigt dieser Bordstein auf der Rosensteinbrücke an der Ampel zur Wilhelma. Hier werden Radler (die nicht im Autostau stehen wollen) auf dem freigegeben Gehweg bis vor zum Aufstellplatz geleitet, den sie dann nur über diesen hohen Bordstein anfahren können, wenn sie geradeaus die Pragstraße hoch radeln wollen. Auch wenn er hoch ist, rutscht hier das Rad sanft hinunter (und man käme auch sanft hinauf, sogar, wenn man im spitzen Winkel anfährt.) Ich mag diese Schrägen.

Der Bordstein an der Rosensteinbrücke wurde offensichtlich nachträglich abgeraspelt. Das bitte auch bei dem Bordstein an der Löwentorstraße machen, ja? 

Wir haben noch einen abgeschrägten Bordstein Stuttgart. Er ist uralt und befindet sich auf der König-Karls-Brücke, wo man nacht rechts auf die Rampe zum Wasen runter abbiegen kann. Auch er ist schräg und vergleichsweise odentlich zu befahren (könnte man natürlich liebevoller machen). Viele trauen ihm übrgens nicht und umfahren ihn um die beiden Poller herum. Da kann man gut sehen, wie unangenehm Radfahrende auch kleine Bordsteine finden. Sie kurven lieber um sie herum.

StuttgartMaps
Und hier zum Schluss noch die Karte (StuttgartMaps) vom Löwentor mit der sich vielfach kreuzenden Wegeführung für Radfahrende. Was übrigens nicht vorgesehen ist: dass der Radler, der linksseitig die Pragstraße runter kommt, nach rechts in die Nordbahnhofstraße abbiegt. Er kann nur sein Rad über diesen Bordstein herunterheben, um hundertachtzig Grad drehen und sich an der Ampel aufstellen.

Ach jaaaa ... Seufz!

Kommentare:

  1. Die Löwentorkreuzung hält noch ein weiteres Schmankerl bereit: die Linksabbieger-Fahrradampel mit einem nahezu unsichtbaren, 2 Zentimeter großen Pfeil nach links. Ich wurde schon mehrfach von Autofahrern angehupt, weil die Geradeaus-Fahrradampel zwar grün hatte und ich losfuhr, die nach links aber rot. Aus der Perspektive eines frustrierten Autofahrers, der geradeaus ein wenig länger auf grün warten muss, sieht das so aus, als wenn der "unbelehrbare Kampfradler" sich noch nicht mal an die eigens für ihn aufgestellten Ampeln halten würde...

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    1. Als ich dort das erste Mal mit dem Rad entlangfuhr habe ich wegen dieser "Spielzeugampel" eine Vollbremsung hingelegt, ich dachte sie würde für den Geradeausradverkehr in die Löwenstorstr. gelten. Der kleine Pfeil ist kaum zu erkennen. "Hoppelig" ist auch das queren der Straßenbahnschienen. Dort hat sich der Belag vor einem Kabelschacht der SSB abgesenkt. Wenn man nicht über die scharfe Kante des Gitters fahren möchte muss man sich äußerst links halten, was wiederum verstörend auf unsere Autofahrer wirkt. Aber ich will nicht klagen, wenigstens ist hier, im Gegensatz zu vielen Straßen in der Innenstadt, Radfahren nicht verboten.

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  2. Ich frage mich bei solchen Führungen immer:
    Wie kommt da ein Tandem mit einem Blinden hinten drauf durch?
    Wie kommt man da mit einem Kinderanhänger durch?
    Wie sieht das Schneeräumfahrzeug aus um hier zügig räumen zu können?

    Wenn man eine der Fragen nicht befriedigend beantworten kann sollte man das so nicht bauen...

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    1. Zitat "Ich frage mich bei solchen Führungen immer:" ...
      Spätestens an dieser Stelle steigen Verkehrsplaner und Verwaltung aus.

      Zitat: "Wenn man eine der Fragen nicht befriedigend beantworten kann sollte man das so nicht bauen..."
      Nein, ALLE diese Fragen sollten zufriedenstellend beantwortet werden um Verkehrsinfrastruktur zu planen und bauen - oder wer darf ansonsten bestimmen, welcher Personenkreis diskriminiert wird? Blinde Beifahrer, Hängerfahrer oder die Radfahrer ohne Spikes? [allesamt natürlich auch als -innen]

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    3. Ups, verlesen, Du hattest ja schon angemerkt, dass ALLE Fragen zufriedenstellend beantwortet werden sollten ... Mein Lesefehler :(

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  3. Das Foto stammt aus 2014.
    Seit 2012 steht ein grüner Bürgermeister der Stuttgarter Verwaltung vor.
    Die Themen waren damals schon bekannt. Zumal in einer Partei, die aus einer ökologischen Protestbewegung hervorging.

    Nun kann man sagen:
    aber wir haben nicht die politschen Mehrheiten, um Großes zu wagen.

    Wenn aber nicht mal mehr Bordsteine abgespitzt, oder eine Handvoll Eimer Kaltbitumen verbaut werden können, ist es wohl Zeit sich nach Alternativen umzusehen.

    Schade.

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    1. Da kann doch auch ein Grüner OB nichts richten, wenn die Mehrheit des Gemeinderat und die gesamte Verwaltung weiterhin am schwarzen Parteibuch klebt und lediglich das KFZ als würdiges Fortbewegungsmittel betrachtet.

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  4. Jörg
    ja es ist schwer sichere, vernünftige Wege an den Hauptstrasse zu kriegen. Und diese brauchen wir auch. Aber denkt bitte gleichzeitig an die Wege die wirklich gefahren werden und verbessert diese auch.
    Löwentor Kreuzung
    Wie kommt man von Linksseitig runter kommend weiter.
    Antwort: Rechtzeitig am Samarsteg die Seite wechseln und die Straße verlassen. Man kommt z.B. vom Pragsattel über den Samarsteg über die B10 und oder die B27 unten am Löwentor geht es weiter über den Lodzer Steg in den Park, an der Haltestelle Rosensteinpark kann man zurück wechseln. Der Lodzer Steg ist übriges stark befahren.
    Das ist der Weg der Masse der Radfahrer.
    Wir brauchen beide Varianten.


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  5. Passend zu der überdimensionierten Kreuzung mit katastrofaler Radwegeführung ist die Löwentorstraße, bei der die Gelegenheit für einen geschützten, breiten Radweg vertan wurde, indem man die zweite Fahrspur zurück baute und die Gosse mit einem weißen Strich für Radfahrer abtrennte. Den selben Murks präsentiert uns gerade die Stadt Ludwigsburg an der Marbacher Straße. Auch dort ist es KFZ-Lenkern unmöglich, beim Überholen Abstand zum Radler zu halten- dank Grüninsel zwischen den Fahrbahnen. Manche Verkehrsplaner lernen einfach nicht dazu.

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  6. Ich sehe einen hohen Bordstein als Grund einen benutzungspflichtigen Radweg zu ignorieren. Um ihn siche zu erreichen müsste ich ja absteigen und mein Rad hochlupfen. ( zermatschte Kuchen sind wohl nicht zuzumuten).
    Christoph.

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  7. Jörg
    Lustigerweise war am Freitag Abend ein Kölner in unserer Runde. Unabhängig vom diesem Artikel hat er gesagt: "Ihr habt hier noch gannz schön dicke Bretter zu bohren. Schon alein diese Bordsteine. Und dann soll man auf dem Gehweg fahren. Das ist für einen Kölner schwer, auf dem Gehweg fahren ist in Köln ein Unding."
    Und dann liefen die Themen in der Runde weiter. So blieb es bei dieser bemerkenswerten Aussage.

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