24. Juni 2019

Autofreie Innenstadt mit Autos?

Autofreie Innenstädte sind möglich. Und ein Drittel der Deutschen scheint sie sich zu wünschen. Ein Drittel ist dagegen und ein Drittel hat keine Meinung dazu.

Das ist ein Ergebnis einer Umfrage von Norstat vom Februar. Wobei die Jüngeren und die Städter/innen der Autofreiheit von Städten deutlich politiver gegenüber stehen. Die Gegner fürchten nicht nur um ihre Freiheit, jederzeit mit dem Auto in die Innenstadt fahren zu können, sondern machen sich auch Sorgen um den Lieferverkehr. Auch die Befürworter finden die freie Fahrt für den motorisierten Lieferverkehr sehr wichtig.

Bei der Frage, wie man nun die Autos in den Innenstädten reduziert, wird es allerdings wieder typisch deutsch irrational. 
Am meisten Zustimmung bekam nämlich die Aussage, der öffentliche Nahverkehr müsse dafür ausgebaut werden. Auch der Ausbau von Fahrradwegen (Gehwegen und Fußgängerzonen) bekam noch Zustimmung. Dieser Ausbau (auch von Zebrastreifen oder besseren Ampelschaltungen für Fußgänger) ist so eine Art Draufsatteln auf den Status Quo und scheint niemandem weh zu tun. (Bilder per Click vergrößern. Quelle)

Bei der Wegnahme von Vorteilen für Autofahrer/innen kippt die Stimmung dann. Die tatsächiche Sperrungen, also Fahrverbote, fanden die Befragten nicht mehr so gut, genausowenig wie eine Erhöhung von Parkgebühren oder gar eine Verringerung des Parkplatzangebots.

Also: Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass! Radlern und Fußgängern was geben, gern, aber den bisher Privelegierten was wegnehmen, Nein.

Immerhin 21 Prozent der Befragten glauben, dass autofreie Inennstädte schon heute möglich wären, dass aber die Politik zu feige ist, das Thema anzugehen. Eigentlich kein Wunder, dass die Polik zögert, wenn man sich anschaut, wie tief dann doch die Überzeugung sitzt, dass dem Auto kein (Park-)Platz weggenommen werden darf.

Wir haben in Stuttgart mit dem Zielbeschluss "Stuttgart laufd nai" vor zwei Jahren die autofreie City innerhalb des Cityrings bereits beschlossen. Aber bisher ist noch keine einzige Straße für den Autoverkehr gesperrt worden. Vielleicht auch deshalb regt sich bei uns gar kein Widerstand dagegen. Der kommt erst, wenn die erste Straße dicht gemacht wird, entlang derer sich fünf Parkplätze befinden, wie in der Eberharstraße. Heute Abend soll im Bezirksbeirat Mitte um 18 Uhr im Mittleren Sitzungsaal des Rathauses der Plan für die autofreie Eberhardstraße vorgestellt werden (Tagesordnung).

Ich habe ein Foto (links) von der Eberhardstraße schon mal so retouchiert (rechts), dass die Autos verschwinden. Da sieht man, wie breit die Starße ist und wie viel Fläche sie hergibt für Bänke, Cafés und Aufenthalt.



Kommentare:

  1. Braucht Stuttgart (und dies frage ich mich bei vielen weiteren Städten ebenfalls)
    tatsächlich noch mehr Cafes und/oder Aussengastronomie? Nur mache (und dies auch
    nur bei sehr gutem Wetter und an Wochenenden) sind soweit ausgelastet dass der
    Betreiber leidlich davon leben kann ...

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    1. Ich überlege mir das auch immer wieder. Ich sehe allerdings, dass dort, wo keine Autos unterwegs sind, die Cafés und Restaurants mit Außengastro voll sind. Und umgkehrt: Dort, wo sie fehlt, sind auch die Plätze nicht sonderlich belebt wie etwa der Südheimer Platz. Da gibt es zwar eine Kneipe, aber die ist völlig abgeschlossen zum Platz hin. Nach meiner Efahrung sind die Außentische gut besetzt, wo es halbwegs schön ist. Und sie hilft, Plätze zu beleben. Letztlich aber werden das die Restaurantbetreiber selber entscheiden. Außengastro kann man nicht ansiedeln, sie siedelt sich selbst an, wo sie es für aussichtsreich hält.

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    2. Genau so sehe ich das auch. Meines Erachtens (ich könnte natürlich falsch liegen) würde lediglich eine Umverteilung stattfinden so denn sich noch mehr Aussengastro in Stuttgart etablieren würde. Die besten Chancen hätten dann wohl die, welche viel "for free" bieten, z.B. WLan, Abstellplätze (auch für KfZ, Motorrad!), Fahrradstation, evtl. sogar "umsonst laden" der Fahrrad-Akkus?!

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  2. Jörg
    mir fehlt im Bild rechts der 2-Richtungsradweg z.B. in der Mitte oder leicht außer mittig. Das wäre die holländische Variante. Auf der HRR 1 mit ca. 600 Radfahrenden in der Spitzenstunde ist eine Trennung für beide Seite angenehm. Vor allen da sonst wild Hindernisse aufgestellt werden und eine schmale konflikträchtige Fahr- und Gehrinne übrig bleibt. Siehe als negativ Beispiel dazu Kronprinzstraße super breit und doch beengt und konflikträchtig ohne Ende.

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    1. Auf Fahrradstraßen legen wir in Deutschland keine Radstreifen an. Die Eberhardstraße wird, wenn die Pläne umgesetzt werden, die erste Fahrradstraße in Stuttgart, auf der Kfz verboten sind (nur der Lieferverkehr und Taxis zum Sozialamt dürfen noch).

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  3. Jörg
    Zur Frage: Sind längere Grünphasen für Fussgänger sinnvoll steht 3,0.
    Längere Grünphasen helfen uns wenig. Entscheidend sind kürzere Sperrzeiten, sprich Rotphasen. Die Ampel muss in einem kurzem Zyklus umlaufen. Dann wartet man nie länger als 20 oder 30 Sekunden.
    Lange Ampelphasen helfen den Autofahrern nicht den Fussgängern, deshalb müssen wir häufig 40 sec bis 60 sec und mehr Sekunden warten.

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  4. Alexander Müller24. Juni 2019 um 22:38

    Vielleicht sollten wir die Umfrageergebnisse etwas differenzierter sehen: es wurden 1000 Menschen in Deutschland befragt, representativ. Also Städter und "Dörfler".
    Letztere interessieren uns in der Stadt jedoch nicht, die können gerne mit dem Auto in die Stadt fahren wollen, aber wenn wir Städter in unserem Gemeinderat beschließen, dass es jetzt nur noch die Hälfte der Parkplätze und Fahrspuren gibt weil es unsere Lebensqualität ist, dann haben die "Dörfler" halt Pech gehabt.

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    1. Ich sage ja immer (auch wenn es unserem Lokal-Egoismus widerspricht), wir in der Stadt könnten alle das Auto stehen lassen, dann haben die, die reinpendeln oder samstags von weit draußen zum Einkaufen kommen, die Chance, das mit dem Auto zu tun, vorausgesetzt (was leider oft der Fall ist), es fehlt die S-Bahn- oder bequeme Zugverdindung nach Stuttgart heinein. Dann würde auch die Wirtschaft in Stuttgart brummen. Die "Dörfler" kommen im Familienverband mit dem Auto, und die Stutgarter/innen radeln oder fahren mit der Stadtbahn.

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