26. Juni 2019

So wird die Eberharstraße (fast) autofrei

Am Montagabend hat die Stadtverwaltung die Pläne für die autofreie Eberhardstaße im Bezirksbeirat Mitte vorgestellt. 

Das ist bereits beschlossen, eine Diskussion darüber, ob man das überhaupt will oder nicht, gab es nicht. Allerdings gab es dann doch eine längere Diskussion über das genaue Wie und Wann. Und einen Änderungsantrag.

Losgehen soll es nach Angaben der Stadt nicht wie geplant in den Sommerferien, sondern im September.
Dann werden die Parkplätze weggenommen und durch anderes ersetzt, Bänke, Bäume, Parklets, Radständer. Im Oktober sollen dann die Schilder aufgestellt werden, die es allen Kfz und Motorrädern verbieten, in die Eberhardstaße hineinzufahren. Neben diesem Schild stehen die Ausnahmen: Taxis frei, Lieferverkehr frei, Behindertenparkplätze frei.

Alle zehn normalen Parkplätze fallen weg. Von den derzeit 16 Taxistellplätzen sollen  noch 7 bleiben, 7 kommen an die Hauptstätterstraße. Von den 7 Behindertenpärkplätzen fällt einer weg, der nie genutzt wird. Die beiden Elektoladeplätze werden an den Wilhelmsplatz verlegt, alle 6 Motorradparkplätze verschwinden.

Die Einmündungen in die Eberhardstaße werden mit blauem Asphalt und und dem Radstraßenzeichen markiert. Was helfen soll, den Autofahrenden zu zeigen, dass sie hier nicht mehr fahren dürfen. Die Ausfahrt aus der Eberhardstaße Richtung Tübinger wird etwas schmaler gemacht und mit einem Stahlfahrrad geschmückt. Das soll Autofahrenden signalisieren, dass sie hier nicht reinfahren können und dürfen (was sie derzeit auch nicht dürfen, aber dennoch tun).

Und wenn ihr hier "Einmündungen" gelesen habt, so ist das leider richtig, denn der Plan sieht auch vor, dass man noch von der Holzstraße (bei Breuninger) aus einbiegen kann (dürfen darf das natürlich nur der Lieferverkehr, die Taxis und die Behinderten in ihren Autos). Begründung der Verwaltung: Da die Behindertenparkplätze auf beiden Seiten der Straße sind, müsste ein Teil wenden (Behinderte können womöglich nicht zum Gehweg aussteigen, wenn sie linksseitig in Einbahnstraßenrichtung parken). Es kam zu längeren Diskussionen darüber, warum es nicht möglich sein soll, den Lieferverkehr zeitlich zu begrenzen (offenbar geht das nur bei Fußgängerzonen, dies sei aber immer noch eine Straße, so die Verwaltung). Und man wollte wissen, warum Lieferfahrzeuge von beiden Richtungen reinfahren dürfen sollen. Da stehen sie dann so wie jetzt und halten die Radler auf, wenn sie im Begegnungsverkehr aneinander vorbei wollen. Ich habe auch die Ansicht vertreten, dass man dort den Resttaxistand auch nicht braucht, denn Taxis können ihre Kund/innen zum Sozialamt oder zu Ärzt/innen oder zur Apotheke fahren, so wie sie das auch in den Fußgängerzonen rund um die Königstraße tun. Wenn man eines braucht, kann man es vom nahen Taxistand in der Hauptstätterstraße (später auch Torstraße) rufen. Die Behindertenparkplätze könnte man ürbigens auch in Fahrtrichtung rechtsseitig anlegen.

Der Bezirkbeirat verabschiedete einstimmig sogleich einen Antrag, in dem gefordert wird, dass die Eberhaststraße Einbahnstaße mit Radfrei wird und dass der Lieferverkehr zeitlich begrenzt wird. Auch die Idee, dass hier mal der Nesenbach sichtbar gemacht werden soll, soll bei der vertieften Planung weiterverfolgt werden.

Die Pläne der Verwaltung sehen eine ziemlich reichhaltige Möblierung des Staßenraums mit Baumbänken (Bänke an Baumtrögen), Sitzgelegenheiten, einem Gemüsegarten-Parklet vor. Es wirkte auf uns alle etwas übermöbliert. Allerdings wissen wir aus Erfahrung, dass dort, wo nichts ist, sofort ein Auto steht. Ich bin auch sehr gespannt, wie wir letztlich verdindern werden, dass zum Beispiel am Sonntagnachmittag Leute mit ihren Autos da reinfahren, beim Bäcker halten und Kuchen kaufen und dann drüben wieder rausfahren. Es wird zwar verboten sein, aber unsere Autofahrenden sind ja bekanntermaßen nicht so gut im Schilder-Lesen und -Verstehen. Und wenn sie sie verstehen, dann setzen sie sich auch gern mal darüber hinweg.

Ich denke, wir werden uns noch öfter darüber unterhalten, wie die Eberhardstaße als Fahrradstraße und Aufenthaltsbereich für Fußgänger/innen dann tatsächlich funktioniert, und ob nachgesteuert werden muss, um zu verhindern, dass Unberechtigte mit ihren Autos da reinfahren und an den Wochenenden abends die Poser ihre Motoren  in der Häuserschlucht heulen lassen. Übrigens plant das Stadtplanungsamt an einem Cityring für Radfahrende herum, der bei guter Streckenführung womöglich auch als Pender-Ersatz für die häkelige HRR1 in der Eberhardstaße und die schlechte Weiterführung über die Holzstraße dienen könnte.

Kommentare:

  1. Ich bin gespannt, sie sollte ja jetzt schon "fast autofrei" sein. Schön, das es eine Einbahnstraße für Motoristen wird - das wird einiges bringen. Offenbar sind Einbahnstraßen-Schilder etwas, das noch respektiert wird.

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    1. Wenn ich sehe, wie oft das Einfahrt verboten-Schild an der Ecke Nadler-/Dornstraße ignoriert wird hab ich da so meine Zweifel.

      @Christine: ich vermute mal ins Blaue dass die Taxistände eher Abends/Nachts für die Partygänger benötigt werden.

      Martin

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    2. Im Grunde will man genau das nicht. Die Party-Gänger können auch zur anderen Seite raus, wo die Taxis dann an der Haupstätter Straße stehen. Es gab lange Verhandlungen mit den Taxifgahrern, und das war der Kompromiss. Das Argument der Stadt: Zum Sozialamt müssen viele mit Handycap, also mit dem Taxi oder mit Autos mit Behindertenparkberechtigung. Ich weiß nicht, ob der Taxistand da entscheidend ist, ich vermute eher nicht. Aber jetzt warten wir mal ab, wie sich das entwickelt, denke ich.

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  2. Es wird sich also nichts ändern. Ein Verkehrsschild wird Autofahrer nicht davon abhalten, in die Straße einzufahren und auf der Fahrbahn zu parken. Ein Ordnungsamt wird das auch nicht überwachen-haben die noch nie gemacht und werden jetzt auch nicht damit anfangen.

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    1. Es hängt auch von uns ab, ob es respektiert wird. Wir werden das ja beobachten. Vielleicht können wir an einem Samstag auch mal mit Infoblättern Autofahrenden auf die Sprünge helfen. Schaun wir mal. Eigentlich müssten auch die Fußgängerverbände ein Interesse daran haben, dass das klappt, denn für die ist ja "Stuttgart lauf'd nai" und die autofreie Innenstadt.

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  3. Ralph Gutschmidt26. Juni 2019 um 21:53

    Irgendwie schade, dass man da jetzt nicht mehr mit dem Stella Roller reinfahren kann. Das ist eben der Preis. Zur Not kann man hier ausnahmsweise auch eins von diesen unpraktischen Callabike nehmen, es gibt ja zwei Stellplätze.

    Und vermutlich darf man auch mit dem E-Scooter rein, wenn es die in Stuttgart mal gibt.

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    1. Du bist aber vorbildlich: Ich beobachte sehr oft, dass Rollerfahrer auf Radwegen fahren, gegen Einbahnstaßen düsen und sich überhaupt an gar keine Regeln halten, die für den motorisierten Verkehr gelten. E-Tretroller dürfen, denn sie dürfen überall, wo Radler dürfen. Vielleicht findest du für deinen Stella-Roller einen anderen Weg. Vielleicht eine gute Gelegenheit, generell aufs Fahrrad umzusteigen. :-)

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