2. Juni 2019

Eine erschreckende Geschichte

Liebe Autofahrer/innen, kommt zu euch! Haltet Abstand! Es sind Kinder! Auf Twitter hat Marie folgende krasse Geschichte erzählt: 

"Zwerg (Laufrad) fährt neben mir auf der Straße, der Fußweg wird durch Schüler verstopft, die ihm keinen Platz machen. Wir fahren in einer Tempo 30 Zone. Auf der anderen Straßenseite parken Autos. Ich fahre mittig (auf) unserer Spur, habe den Anhänger hinter (mir). Es sind nur wenige Meter! Der Zwerg fährt ordentlich neben meinem Rad. Von hinten nähert sich ein Auto mit hoher Geschwindigkeit. Bremst und lässt hinter uns mehrfach den Motor aufheulen. Es ist kein Platz zum Überholen. Ich zeige an, das wir (nach links) abbiegen wollen. Noch 4 Meter, dann sind wir weg. Kaum ist die Reihe der parkendes Autos vorbei, quetscht sich das hinter uns fahrende Auto links an mir vorbei. Wir sind schon am (links) Abbiegen. Ich schreie dem Zwerg sein Stoppsignal zu, er steht, 30 cm von dem Auto entfernt. Eine Frau sitzt darin, auf dem Beifahrersitz ein Kind.
Sie gestikuliert wild und fährt mit quietschenden Reifen davon. Wir fahren in unsere Straße, halten am Rand. Beide am Weinen. Ich nehm mein Kind in den Arm. Danke an den Autofahrer der gehalten hat und gefragt hat ob alles ok ist. Danke für die Taschentücher. Scheiße!"

Hier ihre Zeichnung mit Fotos der Staße in der Nähe von Berlin, wo sich das ereignet hat. Die Autofahrerin ist sogar über den Grünstreifen gebrettert, nur um an den beiden Radfahrenden vorbei zu kommen, die mitten im Abbiegevorgang waren. Am Gullideckel (Bild in der Collage rechts unten), kamen Auto und das Kind 30 Zentimeter von einander entfernt zum Stehen.

Abgesehen von diesem Ungedulds-Wahsinn: Überholen, wenn jemand anzeigt, dass er links abbiegen will, ist verboten.

Leider sehe auch ich immer wieder (wenn auch selten) Situationen, wo ich Angst um die Kinder auf den Rädern kriege. Wenn ich Eltern mit Zwergen auf kleinen Rädern etwa in der Fahrradstraße Tübinger Straße sehe, radle ich inzwischen oft langsam als Puffer hinter ihnen her, damit Autofahrer dem Gespann nicht zu nahe kommen. Und wenn ich sehe, dass von vorn einer im Auto deutlich zu schnell entgegenkommt, dann fahre ich etwas nach links raus, damit er bremsen muss. Mir ist in so einer Situation auch schon der rote City-Bus entgegen gekommen, viel zu breit und viel zu schnell und mit einem fluchenden Fahrer hinterm Lenker.

Ich frage mich dann immer, was in den Köpfen der Menschen am Gaspedal vor sich geht. Haben sie Lust, ein Kind zu überfahren? Oder erscheinen ihnen Kinder so mausklein, dass sie sie gar nicht bemerken? Checken sie nicht, dass die Wesen auf der Fahrbahn Menschen sind, verwechseln sie sie mit Robotern aus Blech? Und offensichtlich macht das Auto manche Menschen zu Tempo-Sklaven.

Das Auto vermittelt offensichtlich den Eindruck, man müsse so schnell wie möglich vorwärts kommen, man habe ein Recht darauf, nicht bremsen zu müssen, man müsse Sekunden herausschlagen, man dürfe durch nichts aufgehalten werden. Würde man diese Fahrerin fragen, warum sie das gemacht hat, würde sie vermutlich brüllen, "diese Scheiß-Radler, ein Kind darf nicht auf der Fahrbahn radeln." Würde ein Richter sie fragen, warum sie das gemacht hat, nachdem sie dieses Kind überfahren hat, würde sie keine rationale Antwort geben können, würde vermutlich, entsetzt über sich selbst, keine Erklärung anbieten können, sich selbst nicht mehr verstehen. Wie bei Taten im Zorn oder unter Drogen.

Die Fahrerin stand unter dem Einfluss einer fürchterlichen Droge, die den Verstand beeinträchtigt: dem Auto.

Kommentare:

  1. Und dann sind viele auch noch stolz darauf, dass solche Drogen hier produziert werden...

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  2. Ja, es werden leider von Jahr zu Jahr mehr MPU Kandidaten die Radfahrer absichtlich gefährden. Und wie man sieht nicht mal vor Kindern auch nur ein Fünkchen Respekt haben.
    Für die Polizei besteht da leider kein Öffentliches Interesse gegen solche KFZ Fahrer mal durchzugreifen.
    Ich befürchte es muss leider noch viel Blut fließen, bevor hier was endlich was passiert, und nicht immer den Radfahrer gesagt wird, man hätte ja wo anders fahren können, oder besser gleich im Bett bleiben, ist doch sicherer.

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    1. Leider ist die Polizei ja selten dabei, wenn so etwas passiert. (Und leider haben wir auch die Erfahrung gemacht, dass sie nicht so oft aufseiten der Radfahrenden steht.) Ich vermute, hier könnte auch der Druck eines nachfolgenden Fahrzeugs eine Rolle gespielt haben. Manche Autofahrenden denken, der hinter ihnen hält sie für einen schlechten, langsamen Autofahrer (Autofahrerin), wenn sie nicht überholen. Das kommt dann zum von Hast vernebelten Verstand noch dazu: im Grunde will der Autofahrer/die Autofahrerin hier irgendwas beweisen, was nach: Ich kann fahren, ich fahre schnell, ich beherrsche Straße und mein Fahrzeug. Auf kosten von Radfahrenden. Eine eigenartiges Tunnelverhalten von Autofahrenden.

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    2. Sehr geehrte Frau Christine Lehmann
      Ich fahre meistens auf der Straße mit dem Fahrrad.Ich wurde schon mehr mals von der Polizei an gehalten.Mir wurde geraten die Straße zu verlassen.Begründung es wäre zu gefährlich.Auch in Stuttgart ist dies mir das schon passiert auf der B27 höhe Pragsattel schon vorgekommen!Ich wurde kontrolliert Ausweiß und Führerschein den wollte ich aber nicht zeigen.Das kam der kontrollierende Polizistin spannisch vor.und mir auch.Seit wann konntrolliert man Füherschein bei Radfahrer!Ich zeigte ihr mein Führerschein!Auch wurde ich über die Kreuzung geleitet zum Radweg!Ich befolgte ihre Anweisungen unter Protest!Ich wollte kein Verfahren wegen Widerstands gegen Saatsgewalt!Die Polizei ist ganz eifrig wenn es gilt ein Verkehrshindernnis nach ihrer Meinung (Radfahrer)von der Straße zumoppen!Mit der Begründung es wäre zugefährlich!
      Mit freundlichen Gruß
      Der Straßenradler

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  3. Wer mit Kindern radelt, hat sowieso eine andere Sicht auf die Dinge als Stand-Alone-Kampfradler, die es toll finden, wenn man Radstreifen zwischen parkende Autos und Autobahn klatscht, nur weil sie da Höchstgeschwindigkeiten erreichen. Schutzstreifen verschlimmern jede erdenkliche Situation für Radfahrende sowieso. Jeder, der nicht nur an sich und sein Vortrieb denkt, wird mir zustimmen: Ohne getrennte Infrastruktur geht es nicht. "Radwege" auf Gehwegen sind übrigens keine Infrastruktur.

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  4. Sehr gehrter Herr Michael Sche
    Ach ja die Radverkehr muß von der Straße damit die Autofahrer ungehindert fahren können.Eine Autobahn bis vor die Kita wär das beste!
    Mit freundlichen Gruß
    Der Straßenradler

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    1. Lieber Straßenradler, vielleicht hast du das ja ironisch gemeint, aber Ironie kommt auch leicht als Angriff an. Ich möchte, das wir hier im Blog freundlich miteinander umgehen und die Dinge sachlich diskutieren. Es wäre schade, wenn uns hier unser respekvoller Ton verloren ginge.

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  5. Sehr geehrte Christiene Lehmann
    Wenn man die Thesen die sie in ihrem Blog favorisieren weitert spinnt.Also die beste Lößung,Gehweg, Radweg,Straße.Die Straße wird dann ausschließlich nur vom Kraftverkehr befahren.Dann taucht dann das Problem wie quert man diese Straße dazu werden Bettelampel oder Zebrastreifen notwendig.Bessere Lößung wäre Unterfühungen oder Brücken.Die würden den Kraftverkehr,Fußverkehr Radverkehr weniger behindern.Hier werden die verschiedene Verkehre getrennt.Sowas wird dann auch als Kaftfahrstraße oder Autobahn bezeichnet!Ich favorisiere nicht das drennen von den verschiedene Verkehre sondern die Vermischung dieser: Fußverkehr Radverkehr und Kraftverkehr.Ich stelle mir das sovor Radfahrende und der Kraftverkehr sollten auf der Straße fahren hier darf es keine Verbote für den Radverkehr geben wie zur Zeit in Stuttgart durch die Kraftfahrstraßen oder Verbotsschielder geschieht.Der Gehweg ist allein für den Fußgänger.Der Fußgänger sollte überall die Möglichkeit bzw. gesattet werden die Straße zu queren und die Fahrende müssen mit Rücksicht dies gewähren.Durch diese Anordnung wird Kraftverkehr von den Fußverkehr und Radverkehr behindert.Ich hoffe das dies zur folge hat das der Kraftverkehr sich nicht Maßlos in der Stadt ausbreitet!Diese Anordnungen wäre auch Demokratischer!
    Mit freundlichen Gruß
    Der Staßenradler

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