1. Juni 2019

Radschnellverbindung Böblingen Sutttgart eröffnet

So, jetzt haben wir sie, unsere erste Radschnellverbindung nach Stuttgart und damit sogar den ersten Radschnellweg in Baden-Württemberg.

Am Freitagvormittag war Eröffnung und Anreadeln mit Landrat Bernhard, Verkehrsminister Hermann, dem Böblinger OB Belz, der ADFC-Vorsitzenden Zühlke, dem SWR und hundertünfzig Radfahrenden. Nach einer Vorführung auf Einrädern, wiesen der Landrat und der Verkehrsminister darauf hin, wie schnell es von der Idee zur Umsetzung ging. 
Der Weg wurde zu zwei Dritteln von Bund und Land gefördert. Auch das hat den Bau beschleunigt. Nun fehlen noch die Anschlüsse auf Böblinger und auch auf Stuttgarter Zeite. Darauf zu warten, hätte den Schnellweg sicher sehr verzögert. Und man kann ja auch radeln, die Waldburgstraße rauf und runter. (Rauf gibt es Schutzstreifen). Nur schön ist es nicht. Keine Lösung ist einach, aber die einfachste wäre es, die Waldburgstraße als Fahrradstraße auszuweisen (nur Anlieger dürfen fahren). Leider aber fährt hier auch der Bus. Und bei uns in Stuttgart heißt es dann immer, die Busfahrer wollten nicht langsamer (30 km/h) fahren, das gehe von ihren Pausenzeiten ab. Dieser Standpunkt, der bei uns bislang viele Tempo-30-Abschnitte verhindert, wird sich, denke ich, aber nicht auf Dauer halten lassen. Da werden auch die SSB und die Gewerkschaften umdenken müssen.

Die frische und glatte Radschnellverbindung ist auf jeden Fall schon ein Gewinn.
Als wir den langen Weg nach Vaihingen hinauf und von dort auf die Rohrer Höhe bewältigt hatten und nach der zu schmalen Brücke über die Autobahn auf das letzte Stück Kopfsteinpflaster einschwenkten (hier beginnt die Gemarkung Böblingen, Sindelfingen), da lag es vor uns, das lange Band superglatten Asphalts, und die Rennralder sausten los mit "Ist das cool!"

Doch, ist cool! Das alte Pflaster ist konservierend asphaltiert, ein Seitenstreifen ist gekiest und bietet sich für Fußgänger/innen an. Etwas verblüfft waren wir, als wir etwas später auf einen grün gestrichelten Schutzstreifen stießen. Was bedeutet das? Es dauerte eine Weile, bis wir begriffen, dass das nicht für uns Radler ist, sondern sozusagen ein Fußgängerschutzstreifen. Für uns Radler ist die Fahrbahn zwischen grünem Fahrbahnbegrenzungsstreifen und der grünen unterbrüchenen Linie gedacht. Grün ist überhaupt die Farbe für diesen Radschnellweg, der auch diese, rasch erfundenen Piktogramme bekommt.

Wollen wir hoffen, dass es Radfahrende und Fußgänger/innen auch rasch begreifen wie das hier alles gemeint ist und funktioniert. Da sollten auch wir Radler Geduld haben, mit uns und mit den Fußgänger/innen. Ich vermute, dass die Berufspendler/innen, die hier morgens und abends schnell fahren wollen, es weniger mit Spaziergänger/innen zu tun haben. Die sind am Wochenende unterwegs, wenn auch die Radfahrenden im Freizeitmodus Ausflüge machen. Das funktionert dann wie überall am Wochenende: chaotisch.

Ob die Beleuchtung schon funktioniert, weiß ich nicht. Die Laternenmasten stehen. Es handelt sich um eine Beleuchtung, die per Bewegungsmelder anzeigt, dass ein Radler kommt, und die ihn dann auf seinem Weg begleitet.  Sie funktioniert nicht die ganze Nacht über, sie ist wohl zwischen 22:30 Uhr und 5 oder 6 Uhr ausgestellt. Es wird sich ja auch mit den Spaziergänger/innen erst noch einpendeln müssen. Und Autos fahren da auch, schon weil der Kampfmittelräumdienst da irgendwo seine Arbeitsstätte hat.

Zwischen Stuttgart und der Eisenbahnbrücke beim Musberger Sträßle gibt es außerdem eine Zählstelle.

Schauen wir mal, wie es sich entwickelt. Ich bin auf die ersten Bericht eund Bilder gespannt.

Kommentare:

  1. Ich finde es ein wenig schade die schöne alte straße unter bitumen zu legen. Bin schon so oft nach böblingen gefahren - ja schön ist es nicht mit dem rad gewesen. Allerdings muss man erst mal nach von rohr hinauf und kommt dann an der panzerstrasse rauß. Danach geht es auch noch mal steil hinauf. Und nachts würde ich da nicht unbedingt alleine fahren wollen.
    Persönlich hätte mir ein radweg auf der straße neben der autobahn besser gefallen. dort ist es ebener und man spart sich die beiden berge auf dem weg nach Böblingen...

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    1. Ja, Marc, es gab etliche, die eine andere Strecke besser gefunden hätten. Manchmal hängt es auch davon ab, wo man so radelt. Und die Römerstraße ist schon eine recht viel beradelte Strecke gewesen. Der Vorteil, den die Böblinger und der Landrat wohl sahen: Hier muss man nicht groß bauen, hier muss nur Asphalt drauf (was der Denkmalschutz übrigens gut findet, weil die Steine so konserviert werden, Lücken hatten sie ja schon, wären schwer und nur teuer zu erhalten gewesen). Ich selber bin der Meinung, dass Radler nicht nur eine Strecke brauchen, sonderen mehrere. Aber irgendwo muss man halt anfangen, und man muss auch mal so anfangen, dass binnen weniger Jahre der Radschnellweg dann auch mal sichtbar ist und fertig wird. Es werden rund um Stuttgart noch viele Radschnellverbdingungen gebaut werden müssen. Ich beobachte leider oft, dass sich gerade auch die Radler/innen verstreiten über die Frage, wo die Strecke nun hin soll. Bei der Hauptradroute 2 war das auch das Problem. Die einen schworen auf die Nätherstraße, die anderen wollten auch Radstreifen entlang der Hauptstraße. Ich sage immer: beides. Aber irgendwo muss man anfangen, und ich halte direkte Verbindungen zwischen Stadtteilen für notwendig. Ich würde die Römerstraße nur zu mehreren auch bei Dunkelheit radeln. Aber sie ist ja eingerichtet für Pendler/innen in den Morgenstunden und unter der Woche am Abend, und die dürften da nicht allein unterwegs sein. Ich bin gespannt, wie sie sich entwickelt.

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  2. Michael Mehling1. Juni 2019 um 17:06

    Liebe Frau Dr. Lehmann,
    es ist Ihr Blog und da bestimmen Sie selbstverständlich die Rechtschreibregeln. Spannend wird die Frage sein wie der Radweg auf Vaihinger Seite fortgeführt wird. Der Bezirksbeirat Vaihingen hat hierzu eine Anfrage an die Stadt Stuttgart gestellt, welche bislang unbeantwortet geblieben ist. Leider wurde auch dem aus unserer Sicht besseren (fraktionsübergreifenden) Vorschlag den Radweg auf der alten B14 zu führen keine Beachtung geschenkt.
    Es ist richtig, der Seitenstreifen ist gekiest allerdings bietet er sich deshalb nicht automatisch für Fußgänger/innen an. Zu diesen zähle ich nämlich auch Mütter/Väter mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer. Glücklicherweise ist auf den Hinweisschildern ausdrücklich vermerkt, dass Fußgängern der Rand des Weges vorbehalten ist. Und einen weiteren wichtigen Hinweis finde ich auch sehr wichtig: "Nehmt Rücksicht aufeinander!".

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  3. Letzten Donnerstag habe ich den Weg ausprobiert (von Stuttgart nach Böblingen).

    Der Radweg selber ist phantastisch! Früher war die gepflasterte Hoppelpiste immer das langwierigste und ätzendste Stück auf dem Weg nach Holzgerlingen, jetzt fährt man mit Karacho durch zwei "Wellen" und ist schon am Ende des ausgebauten Abschnitts angekommen. Es geht gefühlt drei mal so schnell.

    Die Begrenzung auf 30 km/h ist natürlich eine Frechheit und widerspricht einem RadSCHNELLweg! Mit meinem alten Mountainbike erreiche ich auf dem ehemals gepflasterten Abschnitt locker 35 km/h. Am anschließenden Gefälle erreicht man sogar bis zu 50 km/h. Mit dem Schwung kann man die anschließende Steigung wieder gut hinaufrollen. Da mit 30 km/h hinunterzuschleichen ist höchstens was für Stromfahrräder, denen die Steigung danach nichts ausmacht.

    Besagte Steigung ist dann als "Fahrradstraße" ausgewiesen - der nächste Schildbürgerstreich! Abgesehen davon, dass die Straße sehr breit ist und dort selten Autos fahren, müssen die Autos jetzt den Radfahrern hinterherschleichen, die doch mit 10-12 km/h den Berg hinaufschleichen. Machen sie natürlich nicht (vernünftigerweise) - also wieder eine Beschilderung, die zum Missachten von Verkehrsregeln erzieht.

    Ich bin dann nach Böblingen den nicht ausgebauten Sandweg gefahren, weil mir der gesamte Anstieg zu unnütz mühsam war. In die Gegenrichtung mag es sinnvoller sein, die offizielle Streckenführung zu nehmen, weil bergauf auf geschottertem Waldboden mühsamer ist. Aber Richtung Böblingen war das wunderbar!

    An der Stelle, wo der Sandweg wieder auf den Radschnellweg trifft, sind zwei 90°-Knicke unmittelbar hintereinander, zudem ist der Weg dort recht schmal. Auch hier fragt man sich: Was soll der Quatsch? Man kommt mit Schwung den Berg herunter und muss abbremsen. Auch das erinnert mehr an einen RadSCHLEICHweg. Es wäre anders gegangen, Platz ist da und man hat den Abschnitt ohnehin neu gebaut.

    Die Beleuchtung habe ich nicht ausprobiert, finde sie aber überflüssig. Welchen Vorteil soll das bringen? Höchstens für den, der mich überfallen will, denn der sieht aus der Ferne, dass ich komme, wo ich bin und wer ich bin, während er selbst im Dunkeln auf mich warten muss. Vorteil für mich sehe ich keinen einzigen. Sowas macht Radwege unnötig teuer. Das Geld kann man besser an anderen Stellen sinnvoll anlegen (z.B. einen neue Brücke über die Autobahn).

    Das ist jetzt also ein guter Vorgeschmack, was uns bei den anderen Radwegen erwartet: Viel heiße Luft um wenig Verbesserung. Die einzige Verbesserung ist, dass man jetzt nicht mehr auf Pflaster sondern auf Teer fährt, aber dazu brauchts eigentlich nicht so viel Tamtam.

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    1. @Steffen Die Beleuchtung ist für die Nacht gedacht. Da ist es nämlich meistens dunkel. Jedenfalls mitten im Wald. Und ich selbst fahre ungern im Stock dusterem Gebiet- vor allem, weil Fahrradlampen maximal als Orientierungslicht dienen.

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  4. Gibt es Daten von der Zählstelle die öffentlich einsehbar sind?

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    1. Da die Zählstelle auf Böblinger/Sindelfinger Gemarkung steht (Stuttgart endet ja an der Autobahn) müsste man dort nach Informationen suchen. Habe ich jetzt noch nicht gemacht. Nachzufragen lohnt sich vermutlich nach einem guten halben Jahr.

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