7. April 2020

Abstand! - Geht's noch, Alte?

Wir erfahrenen Radler:innen wissen genau, wie breit der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern ist. Halten wir ihn auch zu Fußgänger:innen ein!

Derzeit sind mehr Leute zu Fuß unterwegs als sonst, allemal bei dem schönen Wetter und allemal zu Ostern. Es sind auch mehr Menschen auf Fahrrädern unterwegs, viele von ihnen ungeübt. Sie sind unsicher. Sie kennen sich nicht aus. Sie radeln auf Gehwegen. Sie radeln nebeneinander auf unseren teils nur zwei Meter breiten Waldwegen. Dann haben Fußgänger:innen keinen Platz mehr, den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zu halten.

Wir müssen uns klar machen: Wenn wir auf dem Rad Power geben (auch wenn wir joggen), sind wir die Virenschleudern für alle anderen, denn wir holen tiefer Luft und atmen heftiger aus. Unsere Aerosole verbreitet sich als große Wolke um uns herum. Und die kann andere infizieren. 

Deshalb fordere ich uns alle auf, die wir es gewohnt sind, Rad zu fahren und uns gut auskennen:


  • Fahren wir auf den Fahrbahnen, nicht auf Gehwegen!
  • Wenn wir sportlich radeln, achten wir peinlich auf den Sicherheitsabstand zu Fußgänger:innen,
  • Wir überholen niemals knapp! 
  • Wir bremsen, wenn der Platz nicht ausreicht, und nehmen Kontakt (per Blick, zur Not verbal) mit Fußgänger:innen auf, die zu zweit oder als Familie zu dritt unterwegs sind, und geben ihnen und uns bewusst den nötigen Platz. 

Ich frage beispielsweise: "Na, geben Sie mir Raum?" Dann gucken zwar manche völlig entgeistert, aber die meisten checken, dass jetzt gerade andere Regeln herrschen, wenn wir uns draußen begegnen, nämlich: "Abstand halten."

Diejenigen, die derzeit erste Erfahrungen mit dem Radfahren in Stuttgart machen, erreiche ich hier auf dem Blog nicht. Sie begegnen mir leider, wenn ich zu Fuß unterwegs bin (was ich derzeit viel bin), viel zu oft auf Gehwegen. Sie radeln auf dem so schon äußerst schmalen Gehweg die alte Weinsteige empor, und ich weiche dann auf die Fahrbahn aus, wo ich von einem Autofahrer wütend angehupt werde. Da denke ich dann: "Scheiß Autofahrer, Scheiß Radler!"

Sie radeln nebeneinander auf Waldwegen und wenn ich frage: "Abstand?" preift mich einer an: "Geht's noch, Alte!" Ja, es sind unter den Menschen auf Rädern und zu Fuß leider auch eine Menge unterwegs, die es nicht checken. Ist halt so. Aber wir checken es und verhalten uns anders. Es sind ja auch viele unterwegs, die vorausschauend fahren und sich bedanken, wenn ich beiseite trete, damit sie mit dem nötigen Raum um sich herum, weiterradeln können.

Wir müssen uns alle derzeit neu aufeinander einstellen. Andere können wir nicht erziehen, aber wir können uns selber rücksichtsvoll und umsichtig verhalten. Auch wenn wir selbst uns vielleicht gar nicht schützen wollen, so sollten wir andere schützen. Dafür lohnt es sich, auch mal zu bremsen und abzuwarten. Dies ist keine Zeit des Egoismus und des jeder gegen jeden, sondern extremer Rücksicht und großer Verantwortung für uns alle.

Noch eine Bemerkung: 
Mein Bemühen um temporäre Radstreifen auf unseren Straßen, ist existent. Allerdings muss ich respektieren, das das Ordnungsamt gerade ganz viel zu tun hat. Dieses Amt aber muss jede neue Verkehrsplanung, auch die von temporären Radstreifen und entsprechenden Kreuzungsregelungen prüfen und genehmigen.

Und mir ist bekannt, dass sich entlang der Hofener Straße am sonnigen Wochenende Fußgänger:innen und Radler:innen auf dem Gehweg gedrängt haben (ein Kind ist beim Ausweichen vom Gehweg auf die Straße gefallen, zum Glück kam gerade kein Auto). Ich verfolge die Idee, dass die Hofener Straße - in diesen besonderen Zeiten - schon zu Ostern für Autos gesperrt wird. Ob es gelingt, weiß ich nicht. Derzeit fehlen die demokratischen Instanzen, dies schnell per Gemeinderatsbeschluss hinzukriegen. Aber die Stadt hat das Problem auf dem Schirm.


Kommentare:

  1. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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    1. Dieser Kommentar wurde von mir gelöscht, weil er anonym war und die Anonymität für unsachliche Angriffe genutzt hat.

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  2. Hallo Christine, hier fehlt eindeutig ein Button, mit dem man besonders dumme, natürlich anonyme Kommentare bei dir melden kann. Dann könntest du gleich entsprechend reagieren.
    Gruß
    Stephan

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    1. Miestens lösche ich die. Und das werde ich auch mit diesem machen. Die Alternative ist, dass ich anonymes Kommentieren nicht mehr zulasse (oder jeden Kommentar erst freigebe), und das finden viele meiner Kommentator/innen auch nicht gut.

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  3. Von den neuen Radfahrenden werden sich viele nicht auf die Straßen trauen...
    Die meisten Autofahrer wissen auch nicht was 1,50 sind.
    Ich habe sogar den Eindruck dass zur Zeit noch enger überholt wird als sonst.
    Sehr schade

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    1. Ich finde das Radeln zurzeit eher angenehm, weil weniger Autos unterwegs sind. Leider ist Stuttgart nicht auf viele neue Radler:innen vorbereitet, es gehlt die Infrastruktur, die wir schon lange fordern, und jetzt ist die venehmeigende Behörde, das Orndungsamt, leider auch überlastet.

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  4. Ein spazierngehen ist in den Nachmittag/Abendstunden am Schloss Solitude und Umgebung im Moment nicht mehr möglich. Grund hierfür sind nicht die Gassigeher und Spaziergänger, sondern die Radfahrer. Ich bin selber Berufspendler, aber das was dort abgeht ist nicht mehr normal. Da wird mit dem Pedelec die max Unterstützung ausgereizt, egal ob es Personen im/am Weg gibt oder nicht. Die Formel hiezu ist ganz einfach: Je teurer das Rad, desto rücksichtsloser der Fahrstil. Ich kann jeden "Fahrrad-Hasser" verstehen wenn man so etwas sieht.

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    1. An der "Formel" scheint was dran zu sein. Als Alltagsradler war ich diese Tage abends mal etwas müde, bergauf schiebend auf einem engen Waldweg unterwegs, als mich genau so ein Gefährt mit einem eher kräftigen Fahrer rasant überholte: auf meinen Vorschlag "bitte Klingeln und Abstand" kam rückwärtsgewandt die Antwort "bleib doch zuhause - Corona-Spießer".

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  5. Sicher nicht schön, was da zur Zeit auf den Waldwegen abgeht. Aber eine Übertragung in so kurzer Begegnungszeit und noch dazu draußen, wo derzeit immer ein Lüftchen weht, ist extrem unwahrscheinlich. So sind diese neu entwickelten corona-tracking-apps zum Beispiel so programmiert, dass sie bei flüchtigen Begegnungen gar nicht "anspringen". Also kein Grund zur Panik

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