Ich sehe immer wieder Radfahrende den Innenkurvenfuß auf den Boden setzen, wenn die Kurve sehr eng ist. Das ist auch nicht verkehrt. Enge Kurven radeln muss man üben. Üblicherweise übt man das in der Kindheit (siehe Foto). Kindern muss man nichts erklären, ihr Körper lernt beim Probieren, wie er sich auf dem Rad verhalten muss, damit man gut durch die Kurve kommt. Wenn man aber dreißig Jahre nach der eigenen Kindheit wieder mit dem Radfahren anfängt, hat man zwar das Radfahren nicht verlernt, denn das verlernt man nicht, aber dem Körper fehlt die Routine, beim engen Kurven Fahren.
Beispielsweise, wenn man durch eine enge Umalufsperre radeln will. Durch eine Z-Sperre an Stadtbahngleisen das Rad schieben ist übrigens sehr okay und sogar wesentlich ungefährlicher, weil sie so eingerichtet sind, dass nur Fußgänger:innen tatsächlich immer in die Richtung gucken, aus der die Stadtbahn kommen kann. Kurvt man mit dem Fahrrad durch, dreht man den Kopf meist zu spät in die Richtung, aus der die Bahn kommen kann, und ist schon zu weit auf die Gleise gefahren.
Tatsächlich kann man eine enge Kurve nur dann sicher radeln, wenn man Kopf und Schultern komplett und konsequent in die Richtung wendet, in die man will. Dabei dreht sich der Lenker automatisch mit. Da man aber stets auf den Kurvenausgang schaut, dreht man Kopf und Schultern etwas weiter als gerade in der Kurve nötig. Deshalb winkelt man automatisch den äußeren Arm an, mit dem ma den Lenker sensibel in die Richtung schiebt, die man fahren will. Das macht der Pizzafahrer auf dem Foto genau so.
Fährt man in eine enge Kurve hinein, darf man übrigens unter keinen Umständen auf den Kurvenscheitel gucken, denn man radelt so gut wie immer dorthin, wo man hinguckt. Man muss auf den Kurvenausgang schauen, ab besten ein paar Meter weiter. Genauso wie man nie auf das Hindernis schauen darf, das man umfahren will, sondern immer daneben gucken muss, dort wo man hinfahren will. Und das muss man üben, damit man es im Ernstfall richtig macht.
Mit starrem Oberkörper nur an der Lenkerseite ziehen, die auf der Innenseite der Kurve liegt, die man fahren will, führt eher zu Instabilität und enthält das Risiko, dass man zu sehr einschlägt und gewissermaßen übers quergestellte Vorderrat bremst und stürzt, zumindest kippelt und abspringen muss. Für Leute (oder Kinder beim Radfahren Lernen), die dazu neigen, den Lenker zu weit einzuschlagen gibt es übrigens Lenkeinschlagsbegrenzer.


Was vielleicht ganz hilfreich ist beim Kurvenfahren, ist den physikalischen Prozess zu verstehen. Wobei es auch ohne geht, weil man es eigentlich intuitiv richtig macht, aber ich finde es immer interessant zu wissen, was genau man da eigentlich tut
AntwortenLöschenEin Fahrrad stabilisiert sich durch Rotationskräfte selbst, es gibt schöne Videos im Netz, die das gut zeigen. Deshalb fährt ein Fahrrad auch ohne Radler drauf geradeaus. Fürs Kurvenfahren bedeutet das, dass man das System aktiv destabilisieren muss, natürlich nur momentan. Und das tut man, indem man das Vorderrad - Achtung kontraintuitiv - in die entgegengesetzte Richtung auschwenkt als die in die man kurven möchte. Der Schwenk ist sehr klein und geschieht so unbewusst, dass es sehr schwer ist, sich selbst dabei zu überraschen. Das Rad, das sich nun wieder stabilisieren möchte, neigt sich dadurch in die intendierte Richtung, und nun verstärkt man diese Neigung, indem man den Lenker etwas in diese Richtung dreht, je enger die Kurve desto mehr. Am Ende der Kurve richtet sich, auch aus o.g Grund, das Rad von selbst wieder auf. Das läuft alles völlig unbewusst ab, denn man ist ja beschäftigt, zu schauen wo man hin möchte. Und auf den Boden, vor allem um eventuelle Unebenheiten, Sand oder Kies, Laub etc. rechtzeitig zu sehen, und die Fahrt anzupassen.
Das Kurvenverhalten ist je nach Lenkgeometrie unterschiedlich, verschiedene Räder sind für verschiedene Zwecke gebaut, und lehnen sich mehr oder weniger leicht in die Kurve. Demnach brauchen sie auch mehr oder weniger Fahrerinput und spätere Korrekturen sind mehr oder weniger leicht. Aber das lernt man mit Erfahrung.
Persönlich finde ich enge Kurven nicht so schwer, was sicher auch an der recht wendigen Geometrie meines Rades liegt. Am wenigsten mag ich Kurven, die nach außen abfallen. Meine große Schwäche beim Kurvenfahren ist es, auf die Haftung der Reifen zu vertrauen, und das fällt mir bei falsch geneigten Kurven, z.B. in Kreisverkehren, besonders schwer.
Schönes Detail. Danke.
LöschenDa gibt es in der schönen Stuttgarter Nachbarstadt Esslingen ein perfektes Übungsobjekt: Die einzige im Stadtbereich mit dem Rad sinnvoll befahrbare Neckarbrücke (Pliensaubrücke) hat auf der Stadtseite eine Rampe mit 180°-Kehre. Innen scharfkanting. Manchmal kommen da Radler entgegen oder es sind Fußgänger / Kinderwagen / Rollkoffer / E-Scooter auf dem Weg. Super ist auch, dass man wg. der Gestaltung des Geländers kaum erkennen kann, ob jemand auf der anderen Hälfte der Rampe entgegenkommt. Zu allem Überfluss steht einem am unteren Auslauf der Rampe ein Betonpfeiler vor der Nase. Also auch dort: sehr eng und unübersichtlich auf den Radweg einbiegen.
AntwortenLöschenWie zu fahren? Seeehr langsam, maximalen Radius ausnutzen, bremsbereit, inneren Fuß in Bereitschaft, jederzeit auf den Boden zu gehen. Man sollte die Planer täglich 2x da rauf und runter jagen, am besten bei Regen oder Schnee. Aber die fahren vermutlich alle nur Auto.
So ne Rampe gibts hier auch, abweichend aber mit Spiegel, um um die Kehre zu sehen. Aber sonst gestaltet, als ob Fahrzeuge keinen Wendekreis haben. Selbst mit Kinderwagen schwierig und eng. Ich glaube, man sollte in der Schule sowas wie Physikunterricht einführen (so wie man einen Führerschein für KFZ einführen sollte).
LöschenKarin
(kann Spuren von Sarkasmus enthalten)
Schick mir doch mal ein paar Fotos. Dann schreibe ich darüber,
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