Stuttgart hat am vergangenen Donnerstag die Auftaktveranstaltung für eine umfangreiche Bügerbeteiligung an einem erweiterten Radverkehrskonzept abgehalten.
Die Stadt hat ein Beteiligungsportal, eingerichtet, dass bis 5. Juni offen ist. Hat man die Umfrage gestartet, kann man zunächst die Routen auf dem Stadtplan markieren, die man oft fährt. Anmerkungen zu Problemen auf der Strecke muss man nicht machen, denn in einem zweiten Schritt kann man jede Menge kritischer Punkte in der Karte eintragen, kategorisieren und Bemerkungen dazu machen, etwa wo Radwege plötzlich aufhören, wo es sich gefährlich anfühlt oder gefährlich ist, wo Hindernisse die Fahrt verzögern oder wo man gerne Radabstellanlagen hätte.
Damit kann man eine Vietelstunde verbringen oder aber vier Stunden, je nachdem wieviel man zu bemerken hat. Hat man das alles gemacht, werden ein paar statistische Daten (Alter, Fahrrad, Stadtteil) abgefragt und die Umfrage abgeschlossen. Falls es nun aber so ist, dass man am anderen Tag noch ein paar Wunschstrecken angeben, die einem über Nacht eingefallen sind, und Problempunkte markieren will, dann muss man leider mit der Umfrage noch mal von vorn beginnen und sie wiederum mit statistischen Daten abschließen. Das ist etwas unüberlegt, denn bei der Unmenge von problematischen Stellen, die allein ich kenne - und es gibt Leute, die jeden Fahrrad-Meter in Stuttgart kennen - wird man beim ersten Mal nicht fertig.
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| Mitte: Jonas Marwein, Fahrradbotschafter, rechts Peter Pätzold, Bürgermeister |
Ich habe gehört, dass die Stadt große Hoffnungen in dieses Modul setzt und gespannt auf die Informationen ist, die wir liefern. Auch ich bin gespannt, ob das so funktioniert.
Es mag sein, dass die eine oder der andere von uns sich jetzt fragt, wozu das alles, wo es doch das vom ADFC entwickelte Hauptradroutnnetz gibt, von dem einiges, aber nun auch wieder nicht so viel umgesetzt wurde, und die Mapathons des ADFC (eine Wunschradnetzplanung für viele Stadtteile) oder die Schulwegchecks der Cidical Mass. Da steckt schon sehr viel selbstlose ehrenamtliche Arbeit drin. Warum jetzt noch mal von vorn anfangen? Es ist doch alles da. Wozu so einen riesigen Beteiligungsprozess starten. Aber gut, er ist gestartet, und es liegt auch an uns, was wir daraus machen. Solche Büros produzieren in der Regel exzellente Vorschläge in dicken Druckerzeugnissen. Aber ob das dann auch jemals Wirklichkeit wird, das fragen sich sicher viele.
Und eigentlich wissen wir genau, was nötig ist, damit mehr Leute das Fahrrad nehmen, weil es das bequemste Fortbewegungsmittel in der Stadt ist: eine durchgängige Radinfrastruktur überall und über alle Kreuzungen hinweg, die den Autoverkehr auf Abstand zum Radverkehr hält, und niedrige Geschwindigkeiten für den Autoverkehr, wo der Platz knapp ist und wir im Mischverkehr radeln müssen. Genauso wichtig ist eine konsequente Trennung des Radverkehrs vom Fußverkehr. Dazu gehört auch, dass Radrouten oder Hauptradrouten (siehe Bild: Karte StuttgartMaps) nicht über viele Kilometer auf Gehwegen verlaufen, die fürs Fahrrad nur freigegeben sind und auf denen wir laut StVO Schrittgeschwindigkeit fahren müssten, was aber nicht geht. Wenn wir in Fahrradstädte wie Paris oder Kopenhagen oder in die Niederlande schauen, sehen wir, was man machen muss, damit 40 bis 70 Prozent der Menschen das Fahrrad nehmen anstelle eines anderen Verkehrsmittels. Die Politik müsste es halt nur wollen, beschließen und machen.Ich bin dafür, dass wir nicht zurückschauen, sondern mitmachen. Es liegt an uns, was wir daraus machen. Am Ende des Konzeptionsprozesses soll ein Gemeinderatsbeschluss stehen, der das Konzept dann hoffentlich billigt. Ich vermute, die Verwaltung hofft darauf, dass danach die konkreten Radwegplanungen weniger umstritten sind als derzeit. Zu wünschen wäre es.
Und weil auch bei der Auftaktveranstaltung die Frage kam, was das alles kostet, und ob man für eine Minderheit im Verkehr, die Radfahrenden, überhaupt Geld ausgeben solle in diesen Zeiten, deshalb noch mal: Verglichen mit der Infrastruktur für Autos und den Schienenverkehr ist Radinfrastruktur sehr, sehr preisgünstig. Je besser und einladender die Radwege sind, desto mehr fahren Rad. Und je mehr Leute Rad fahren, desto weniger fahren Auto und die unbedingt Auto fahren wollen oder müssen, stehen weniger im Stau. Radfahrende sind im Durchschnitt gesünder als Autofahrende, sie leiden vor allem weniger oft an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die unser Gesundheitssystem belasten und die Krankenkassenbeiträge für alle teuer machen. Man schätzt, dass jeder Radfahrende eine Gemeinde zwischen 15 und 40 Cent pro Kilometer einbringt, also Kosten, die wir derzeit haben, nicht entstehen lässt) darunter Kosten für Schäden durch Lärm und Luftverschmutzung, Bewegungsmangel, Lärmschutzmaßnahmen, aber auch Verkehrsunfallkosten, Reparatur von Straßenschäden, Unterhalt von Abstellplätzen für Autos im öffentlichen Raum und Maßnahmen gegen notorische Regelverstöße etc., während Autofahren die Stadt immer Geld kosten (16 Cent pro Kilometer), das die Autofahrenden nicht selbst bezahlen, sondern wir alle, die wir Steuern zahlen.
Wenn eine Stadt nicht viel Geld hat für Verkehrsinfrastruktur, dann sollte sie in den Radverkehr investieren, das kommt sie wesentlich billiger als der Bau von Straßen für den Autoverkehr, hat einen großen Effekt, wenn man es richtig macht ,und bringt viele Menschen in Bewegung, macht die Städte lebendiger, sozialer und ruhiger und ist zudem noch klimafreundlich.




Die Umfrage funktioniert bei mir bis heute nicht, anstelle der Karte bekomme ich nur eine graue Fläche. Wenn ich in die Entwicklerkonsole schaue, sehe ich dass der Tile-Server, der das Kartenmaterial ausliefern soll, alle Anfragen mit HTTP 500 beantwortet.
AntwortenLöschenMein workaround ist, alle Anfragen an einen öffentlichen Tile-Server umzuleiten, z.B. mit CyclOSM funktioniert es bei mir einwandfrei:
```
const observer = new MutationObserver(mutations => {
mutations.forEach(m => {
m.addedNodes.forEach(node => {
if (node.classList?.contains('leaflet-tile') && node.src?.includes('/api/public/maps/tiles/')) {
const match = node.src.match(/\/(\d+)\/(\d+)\/(\d+)\.png/);
if (match) {
node.src = `https://a.tile-cyclosm.openstreetmap.fr/cyclosm/${match[1]}/${match[2]}/${match[3]}.png`
}
}
});
});
});
observer.observe(document.querySelector('.leaflet-container'), { childList: true, subtree: true });
```
Das Problem mit der fehlenden Karte scheint an der Spracheinstellung des Browsers zu liegen. Normalerweise verwende ich Chrome mit Englisch als 1. Sprache für Inhalte. Damit bekomme ich eine leere Karte. Stelle ich Deutsch als 1. Sprache ein, wird die Karte korrekt angezeigt. Vielleicht hilft das anderen Interessierten beim Ausfüllen der Umfrage.
AntwortenLöschenDanke für den Hinweis. Ich hatte diese Probleme ja selber nicht.
LöschenDanke für den Tipp, das hatte ich noch nicht probiert. Leider behebt das den Fehler mit der Karte bei mir nicht, aber vielleicht hilft es ja bei jemand anderem.
LöschenTop, das hat bei mir das Problem gelöst. Danke!
LöschenIch wohne nicht in Stuttgart, bin aber letztes Jahr den Neckarradweg von Esslingen kommend durch S gefahren. Und ich kann mir anhand des Zustands dieser wichtigen Route beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich in der Stadtverwaltung Stuttgart irgendjemand auch nur im Geringsten für die Anliegen von Radfahrern (m/w/d) interessiert.
AntwortenLöschenDeshalb habe ich hinsichtlich dieser Maßnahme keinerlei Hoffnung für Stuttgart.
Thomas
Thomas
Dass ein "Radweg aufhört" ist doch eigentlich nur dann bzw. dadurch problematisch, dass zusätzlich auf der allgemeinen Fahrbahn aggressive Autofahrende für Gefährdung und Bedrängung sorgen?
AntwortenLöschenÜber was gälte es also sich zu beschweren?
Nur über einen 'fehlenden' oder aufhörenden Radweg, oder über den aggressiven und von der 'Obrigkeit' i.d.R. (noch?) nicht sanktionierten Bodensatz der gefährdenden Autofahrer?
Evtl. auch über Beides, wobei allerdings auch bei vorhandenen Radwegen die 'Gefährder' ein dickes Problem darstellen, spätestens wenn der nächste Knotenpunkt, die nächste Einmündung kommt.
Der aktuelle Fahrradmonitor gibt da durchaus Auskunft bezüglich der Probleme, die vom Radfahren abhalten:
- zu viel Autoverkehr
- zu aggressiver Autoverkehr
Zusätzlich natürlich das Top 1 Problem der oft zu schlechten Reisezeiten durch große Entfernung infolge von Ampeln, miesen Oberflächen, Umwegigkeiten, und dergleichen.
Irritierend ist dabei, dass das Problem der (nicht sanktionierten / nicht kontrollierten) Auto-Aggressionen, die Probleme von Umwegen, miesen Oberflächen und zu geringen Entwurfsgeschwindigkeiten der Infrastrukturen, etc. bei solchen Bürger-Befragungen von den nicht repräsentativen Teilnehmenden kaum genannt werden, obwohl bei repräsentativen Umfragen wie dem 'Fahrradmonitor' diese Mängel als Hinderungsgrund des Radfahrens klar vorne liegen.
Internalisierte Denkverbote durch die 'Hauptsache separierter Radweg' - PR?
Stockholmsyndrom?
Oder einfach nur Doppelmitgliedschaft in der Gemeinschaft der Autofahrenden und der Auch-Radfahrenden, weshalb dann alle Nennungen vermieden werden, die bei Abstellung des Problems zu Einschränkungen ('Push') gegen den Autoverkehr führen würden?
Eher unwahrscheinlich, da auch beim Fahrradmonitor die meisten Befragten ein Auto besitzen oder fahren. Eher wahrscheinlich ist ein Bias durch nicht repräsentative Auswahl, und sich dabei die Gruppe der Antwortenden eher an der PR des Bundes-ADFC und der Radentscheide orientiert. Tja.
Ansonsten:
Bei der offenbar auch in Stuttgart beteiligten PTV ist m.E. durchaus zu spüren, dass die PTV-Group schon vor einigen Jahren (2017) von Porsche gekauft wurde. Regelmäßig werden 'Push' Möglichkeiten gegen den steigenden Autoverkehr sehr weit hinten gehalten, und es ist zu merken, dass 'pull&pull' sowie das geschickt umformulierte Motto 'Antriebswende statt Verkehrswende' in die Endfassungen wandern.
Oder so bizarre Sachen wie 'Parkraumreduktion außer es gibt eine zu hohe Nachfrage, dann müssen Quartiersgaragen gebaut werden'
;-) bzw. :-(
Obschon von öffentlichen Mitteln finanziert wird den zahlenden Bürger:innen bei diesen Bürgerbeteiligungen nicht selten die Einsicht in die Rohdaten verwehrt, so dass die treuhänderische in Teilen intransparente Auswertung quasi in der Hand der Porsche-AG gelegt wird.
Es wäre natürlich trotzdem - auch und vor allem im Sinne von Klima/Umwelt - sinnvoll bei solchen Befragungen mitzumachen und (#Wunschtraum) eher in Richtung umweltgerechter (Rad-)Verkehrspolitik zu antworten, als in Richtung der von cDU und Porsche präferierten 'Autogerechten Radverkehrsförderung' ? !
Alfons Krückmann
... ich finde schon, dass es ein Problem ist wenn ein Radweg einfach so aufhört. Denn wenn es ein stumpfes Ende des Radwegs ist, dann kommt der Radfahrer von einem "anderem Straßenteil" auf die Fahrbahn und darf dabei den dort fließenden Verkehr nicht behindern. D.h wenn auf der Fahrbahn einigermaßen was los ist, muss man stehen bleiben und auf eine Lücke warten. Da ich als Pendler oft mit ca 30 km/h unterwegs bin, wechsle ich auf die Fahrbahn wenn es gut möglich ist, auch weit vor solchen Radweg enden. Die Aggresivität der Autofahrer ist ein Problem, aber wenn man durch die Gestaltung des Straßenraumes, als Radfahrer alle paar hundert Meter mal einen zusätzlichen Stop einlegen muss obwohl man eigentlich nur der vorrangigen Straße folgt, ist das eben eine massive Beeinträchtigung der Flüssigkeit des Radverkehrs.
LöschenUnd an den Stellen kommt es dann zu Konflikten die dann Aggressionen fördern.
Danke Alfons für die Info zur Beteiligung von Porsche. Das ist ja echt ein Knaller...
LöschenKurz noch zu:
AntwortenLöschen"Wenn wir in Fahrradstädte wie Paris oder Kopenhagen oder in die Niederlande schauen, sehen wir, was man machen muss, damit 40 bis 70 Prozent der Menschen das Fahrrad nehmen anstelle eines anderen Verkehrsmittels. "
Ich halte das für eine grundfalsche Zielsetzung.
Von Fuß auf's Rad, oder von ÖPV auf's Rad umzusteigen ist i.d.R. nicht im Sinne einer ökologischen sozialen inklusiven Verkehrswende.
Richtiger bzw. sinnvoller wäre es stattdessen vom MIV auf den Umweltverbund umzusteigen, mit einem starken ÖPV und Fußverkehr als Basis, und einem gut entwickelten Radverkehr quasi als drittes Bein des Umweltverbundes.
Nur dann ist es realistisch der 'Vorhaltenotwendigkeit' des eigenen Autos bei Ausfall des Radfahrens (grippaler Infekt, Hagel/Gewitter, 40°C, etc.) zu begegnen, und so die immer noch ansteigende Autodichte zu senken.
Ansonsten haben wir das alte Problem der sogenannten 'Fahrradstädte' wie Utrecht oder Kopenhagen:
zwar hoher 'Radanteil (Einwohner-Wege-Modal-Split), aber parallel einen weiter in Dichte und Fahrleistung steigenden Autoverkehr.
DAS sollte angesichts der Problemlagen des 21.Jhd. nicht mehr Ziel sein dürfen.
Ist doch eigentlich nicht so schwer zu begreifen?
Alfons Krückmann
... bei mir hat das Rad das Auto ersetzt und nach einigen Jahren auch so weit, das der Zweitwagen der Familie verkauft wurde.
AntwortenLöschenDen öPNV hier so gut auszubauen, das der den MIV ersetzen könnte wird nicht stattfinden. Außerhalb der Stoßzeiten fahren hier zu wenige mit dem gleichen Ziel zur gleichen Zeit. Aber mit dem Rad kommt man zu jeder Zeit wieder nach Hause.
Sodele, jetzt auch an der Umfrage teilgenommen. Habe mir eine gute halbe Stunde Zeit genommen, meine verschiedenen Pendelroutenvarianten mit Vor- und Nachteilen eingetragen und ein paar Ideen formuliert. Eine Fahrradbrücke über das Ramsbachtal dürfte ein Traum bleiben, aber vielleicht könnte mal ja mal den ein oder anderen von Fahrrädern häufiger genutzten Schleichweg asphaltierten, damit eine ganzjährige Nutzung möglich wird.
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