28. Juli 2026

Autos machen unsere Straßen eng

Die Zahl der Autos nimmt zu, die Za hl der Fahrräder aber auch. Das rtiObgleich die Mehrheit Rad nur in der Freizeit fährt, nutzen deutschlandweit 10 Prozent die Röder auch für den Weg zur Arbeit. Das könnten viel mehr sein, wenn die Politik es wollte.e 

Unsere Verkehrsinfrastruktur hält mit der Zunahme des Radverkehrs nicht Schritt, und weil die Autos immer größer werden, wird es vor allem in städtischen Nebenstraßen eng für alle, sowohl für Autofahrende als auch für Radfahrende. Viele Stadtverwaltungen wissen, dass eine Förderung des Radverkehrs die Verkehrsprobleme in den Städten lösen würde. Ein durchgehehendes Netz an sicheren Radwegen bringt sehr viele Menschen aufs Fahrrad, die sich das jetzt nicht trauen. Das Herstellen des Radwegnetzes ist nicht nur sehr viel billiger als Autostraßen, es amortisiert sich auch oftmals schon binnen eines Jahres und bringt ab dann einer Stadt finanzielle Vorteile. Laut einem Bericht des Institute for Transportation and Development Policy auf das sich ein Post von Cycling Week bezieht, sind Netzwerke aus geschützten Radwegen sehr kosteneffizient. In den untersuchten Städten (welche das sind, habe ich noch nicht rausgefunden), zeigte sich, dass Radwege mehr wirtschaftlichen Wert generieren als ihr Bau gekostet hatte. Mit eingerechnet werden Ersparnisse bei den Transportkosten und gesundheitliche Vorteile durch mehr Bewegung. Der Effekt tritt auf, weil ein gutes Radwegenetz viele Menschen ermutigt, Rad zu fahren. Und viel Radverkehr erspart einer Stadt stets viele Kosten für Gesundheit, Straßenbau, Lärmschutz und Umweltschutzmaßnahmen. Außerdem kurbeln Straßen, in denen weniger Autos und mehr Fahrräder fahren, den lokalen Handel und die Gastronomie an. Radfahrende sind meist gute Konsument:innen. Und sie haben mehr Geld übrig, weil ihre Mobilität billig ist. 

Bekannt ist das seit Jahren.

Bekannt ist auch seit Jahren, dass die Masse von Autos sich gegenseitig blockiert. Wie die FAZ  2021 ausführlich darstellte,  kommen Autos in Großstädten zu Stoßzeiten nur noch mit unter 27,6 km/h voran, in Stuttgart nur mit 26,4 km/h womit die Stadt noch zu den drei schnellsten gehört. Das Ergebins sind nicht nur gestresste Autofahrende, sondern auch gestresste Radfahrende und Fußgänger:innen. Alle ärgern sich übereinander. Wenn deutlich mehr Leute Rad fahren würden, wäre auch der Autoverkehr entlastet, und die, die Auto fahren müssen, kämen besser voran. Dazu aber braucht es nicht nur Fahrradstraßen (wo sich leider Autos gegenseitig und damit auch den Radverkehr blockieren), sondern eine durchgängige und weitestgehend vom Autoverkehr und vom Fußverkehr getrennte Radinfrastruktur. Und die muss so geschützt sein, dass Autofahrende sie nicht als Abstellflächen für ihre Autos benutzen können und Radfahrende sich in den fließenden Verkehr einfädeln müssen, wenn sie drum herum wollen (Bild rechts). 

Geparkte Autos nehmen irrsinnig viel Platz im öffentlichen Raum weg. Illegal abgestellte noch mehr.  Wenn Autofahrende dann auch noch Straßensperren nutzen - was relativ oft passiert -, um ihre Autos zu parken, so wie hier in der Tübinger Straße, dann verengen sie den wenigen Raum, den sich hier Fußgänger:innen mit Radfahrenden teilen müssen. Die Fahrer:innen dieser Fahrzeuge machen sich darüber überhaupt meine Gedanken. Eine Fahrbahn, die von Autos nicht befahren werden kann oder darf, dient sofort als Parkplatz. Andere Verkehrsarten wie Fuß- oder Radverkehr werden einfach missachtet. Radfahren und zu Fuß gehen wird dadurch sichtbar riskanter. 

Autos mit ihren Geschwindigkeiten machen vor allem Menschen Angst, die das Radfahren in der Stadt noch nicht gewohnt sind. Und Autos machen das Rad Fahren und zu Fuß Gehen auch gefährlich. Stuttgart gehörte zumindest vor fünf Jahren zu den gefährlichsten Städten für Radfahrende. Hier gab es 12 schwerwiegende Crashs mit dem Rad pro einer Million Fahrten. In Berlin gab es 10,2, in München 9,3, in den Fahrradstädten Amsterdam jedoch nur 1,2 und in Kopenhagen 0,7.  

Azenbergstr. Foto Blogleser Simon
Kein Wunder, denn bei uns in Deutschland und insbesondere in Stuttgart gibt es halt nur wenige vom Auto- und Fußverkehr abgetrennte Radwege, unsere Radnetze sind extrem lückenhaft und der Autoverkehr zu schnell. Man kann sich nie darauf verlassen, dass man sich mit dem Rad nicht unversehens mitten im Autoverkehr wiederfindet. Die zunehmende Größe und Breite von Autos machen auch den Begegungsverkehr von Auto und Fahrrad in Tempo-30-Straßen heikel. Sicher fühlt sich das Radeln in Nebenstraßen auch nicht unbedingt an. Dennoch neigen Städte dazu, sich aus der Verantwortung für eine eigenständige Radinfrastruktur zu stehlen, indem sie Tempo 30 ausweisen oder - wie in Stuttgart - darauf verweisen, dass auf 70 Prozent unserer Straßen Tempo 30 gilt. Das aber ermutigt gerade diejenigen nicht zum Rad Fahren, für die es eigentlich eine wunderbare Chance auf autonome Mobilität und weiträumige Teilhabe darstellt: Kinder und Jugendliche, Ältere, Leute, die keinen Führerschein haben, weniger Wohlhabende. 

Auch wenn der öffentliche Nahverkehr wichtig ist und ausgebaut werden muss, so neigen wir in Deutschland dazu, ihn als einzige echte Alternative zum Autoverkehr zu sehen. Den Radverkehr haben wir nicht wirklich auf dem Schirm, obgleich gerade das Pedelec ein extrem guter Ersatz für die meisten alltäglichen Autofahrten ist (die meisten Autofahrten auch auf dem Land sind kürzer als 5 km). Weniger Autos und mehr Fahrräder helfen, den engen Stadtraum zu weiten, schaffen mehr Platz für Fußgänger:innen und geben einer Stadt Ruhe und Luft zum Atmen. 

Wenn wir Menschen  einladen wollen, mit dem Fahrrad zu fahren, brauchen wir eine einladende Radinfrastruktur. Immer noch staut sich in Stuttgart am Samstag der Autoverkehr an den Einfahrten zu den Parkhäusern. Fahrten mit dem ÖV sind nur dann nicht teurer als vier Stunden Parkhaus, wenn man alleine oder zu zweit ist. Ansonsten kostet die Mobilität mit Autos oder Stadtbahnen und Bussen halt Geld, nicht nur ihre Nutzer:innen, sondern auch die Stadt: Sie muss breite Straßen und Gleise vorhalten. Und Parkhäuser nehmen der Stadt den Wohnraum weg. Straßenrandparkplätze schaffen Blechmauern entlang der Fußwege, der Parkplatzsuchverkehr macht Lärm und Abgase. Und wo viele Autos fahren, sind weniger Menschen insgesamt unterwegs. Dabei wäre die Familienfahrt mit Fahrrädern am Samstag nach Stuttgart hinein durchaus eine gute und billigere Alternative für alle. Dafür aber müssten Eltern und Kinder eine durchgängig befahrbare Radinfrastruktur vor sich sehen, die sicher ist und sich sicher anfühlt. Den Stadtbummel mit einer Radfahrt zu verbinden hat auch den Vorteil, dass man mit Rädern weiter herum kommt als zu Fuß. Und mann muss nicht wieder zum Autoparkplatz zurückmarschieren. 



5 Kommentare:

  1. Es muss zudem ein Konsenz sein, dass Radfahren etwas gesellschaftlich akzeptiertes ist. Es gibt ganze Bevölkerungsgruppen, die sind der Meinung, dass Radfahren ein "Armeleutefortbewegung" ist. "Die können sich kein Auto leisten". So fahren die auch (siehe Poser), als ob gegenseitige Rücksichtnahme vom Geldbeutel abhängen würde.
    Eine gescheite Radinfrastruktur, intuitiv, konsistent, würde mit der Verkehrswende echt helfen. Nimm das Rad heißt ja nicht, ich will dir das Auto verbieten. Für kurze Strecken reicht doch auch das Rad. Wo ich mit dem Rad hinfahren, brauche ich auch schon keinen Autostellplatz. Dann hätte ich aber gerne eine gescheite Radabstellmöglichkeit.
    Mehr Rücksichtnahme wäre auch von Nöten und Kontrolle wäre zudem wichtig. Eine Entwicklung hin zu einer wieder lebenswerten Stadt. Autos in Parkhäuser und nicht neben oder auf den Gehweg. Hin zu mehr Platz. Und dann sichere Infrastruktur.
    Ich empfehle hier mal den Youtube-Kanal Stadt.Land.Rad. Dort wird gezeigt, wie es ist und wie es aussehen könnte. Und wie alles sicherer werden könnte.
    Karin

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    1. Liebe Karin, manchmal habe ich - zumindest in Stuttgart - den Eindruck, dass bestimmte Leute das Radfahren mit grün und bürgerlich und wohlhabend assoziieren und als demonstrative Kritik am Autoverkehr, also an ihnen, empfinden und deshalb so dagegen sind. Der Hass auf Radfahrende ist jedenfalls verbreitet. Kürzlich habe ich eine Frau auf dem Afrika-Festival (Ort von Offenheit und Zusammenhalt der Kulturen) einfach so sagen hören: "Ich hasse Radfahrer!". Und es störte niemanden.

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  2. "Wenn deutlich mehr Leute Rad fahren würden, wäre auch der Autoverkehr entlastet, und die, die Auto fahren müssen, kämen besser voran."

    Das ist zweifellos richtig, und es ist i.d.R. zentraler Bestandteil der Verkehrspolitiken sogenannter 'Fahrradstädte' und 'Fahrradländer'.
    Münster ist ein gutes Beispiel, wo durch Aufteilung der Gehwege in zwei schmale separierte Bereiche für Rad und Fuß der Autoverkehr 'entlastet' bzw. in der Nachkriegszeit erst mal erfolgreich angeschoben werden konnte, was nicht leicht war in einer Stadt mit engen Querschnitten der Straßen.
    Vor allem der auswärtige Autoverkehr wurde durch die Radseparation erfolgreich zum dominanten Verkehrsmittel ausgebaut. 'Klima' war halt damals noch kein Thema, so dass die Förderung ausgerechnet der langen MIV-Strecken auf wenig Kritik stieß.
    Noch heute schauen Medien und 'Radlobbys' auf die vielen Räder in der engen Binnenstadt, während der werktägliche Pendelverkehr nach und nach eine tägliche(!) MIV Fahrleistung von 7 x Erde Mond und zurück erreichen konnte.
    In der 'guten Stube', dem Stadtkern sowie an den Schnittstellen von Stadt und Umland wird bis heute durch die Verlagerung des Binnen-MIV auf die separierten Radwege der 'Autoverkehr entlastet'.
    Exakt diese Strategie wurde und wird auch in vielen NL-Städten, sowie in Kopenhagen angewendet, wobei das erwartbare Resultat eintrat und eintritt:
    die landesweite Autodichte stieg und steigt beständig an, die Zersiedelung schreitet voran und die MIV-Fahrleistung nimmt zu, während in den 'grünen' Zentren die Mieten unerschwinglich werden, was gerade junge Familien in die Auto-Vorstädte und das Auto-Umland treibt, weswegen dann Autodichte und Autofahrleistung weiter ansteigen, etc.
    Der klassische 'Automobile Teufelskreis' also, nur mit dem Unterschied, dass dieser Wahnsinn jetzt sehr erfolgreich als 'Fahrradstadt' und 'Verkehrswende' vermarktet werden kann, ungeachtet der damit einhergehenden steigenden CO2 Ausstöße, ungeachtet der steigenden Zersiedelung und Versiegelung.
    Ob das angesichts der planetaren Situation noch zeitgemäß sei, wird nicht gefragt, warum auch, läuft doch alles bestens.
    Warum auch sollten wir uns mit dem Phänomen von induzierten Autoverkehren auseinandersetzen, mit den steigenden MIV-Erreichbarkeiten, wo es doch viel bequemer und konfliktfreier ist die 'subjektive Sicherheit' und den steigenden 'Radverkehrsanteil' auf die Plakate zu drucken, den autoarmen Innenstädten als Vorbild nachzueifern und Augen wie Ohren vor den ansteigenden Mittel- und Langstrecken Autoverkehren in unseren 'Vorbildregionen' Randstad (Utrecht etc.) und Metropolregion Kopenhagen zu verschließen.
    Das höhere Rad-Todesrisiko pro KM in NL wird bei der Gelegenheit auch gern mal verschwiegen oder mit unbelegten Mutmaßungen angezweifelt.
    Schöne neue 'RADvolution' sozusagen?
    Alternative?
    Radverkehrsförderung Klima-gerecht, statt Auto-gerecht betreiben!
    Alfons Krückmann

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  3. Auf die Gefahr hin, als besserwisserisch dazustehen, aber teilweise muss ich widersprechen.
    Nein, Autos werden nicht größer. Die Menschen kaufen nur größere (als die, welche sie vorher gehabt haben). Das müssen sie nicht. Und dabei scheren sie sich kein bissle um den knappen Platz, von welchem sie dann noch mehr beanspruchen.
    Nein, Autos machen keine Straße eng. Es sind deren Fahrer (m/w/d), welche sie dort abstellen.
    Thomas

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  4. Nun ja, nenn' mir bitte mehrere Hersteller, die noch Autos mit Abmaßen wie vor 40 Jahren bauen und zwar sowohl hinsichtlich der Länge als auch der Breite. Ich habe keines, aber wenn ich mich umschaue, sehe ich nur aufgeblasene Kisten, auch z B. ein Dacia ist relativ gesehen groß.

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