30. Oktober 2013

Abwarten - Radweg Waiblinger Straße

In der Stuttgarter Zeitung (Print) lese ich heue, dass wegen des neuen Radwegs an der Waiblingen Straße in Cannstatt/Fellbach Stau herrscht. "Besser wäre dran, wer mit dem Fahrrad unterwegs wäre." 

Anwohner aber beobachten nur wenige Radler auf dem Radweg und finden die Baumaßnahme sinnlos. Radler finden, es gebe grünere und schönere Wege von Fellbach nach Cannstatt. Und viele Radler sind offenbar auch noch auf den Gehwegen unterwegs.

Gescheitert? Nein. Ich schlage vor: Abwarten.
Neue Wege etablieren sich langsam. Wer bisher täglich andere Strecken geradelt ist, muss erst einmal merken, dass er oder sie auf dem Radweg vielleicht schneller vorankommt. Falls es denn so ist. Denn der schönste Radweg nützt nichts, wenn er die Radler mit Ampeln und Unterbrechungen immer wieder zum Halten und Fußabstellen zwingt. Wir es auf diesem Radweg ist, weiß ich noch nicht. Ich bin ihn noch nicht gefahren.

Grundsätzlich gilt. Wenn der Stau in Stuttgart  abnehmen soll, müssen wir alle, Autofahrer und Radfahrer, uns umstellen. Wenn wie in Stuttgart, Radfahrer fast immer unter die Fußgänger geschickt werden, dann fällt es ihnen halt schwer, sich auf Radwege umzustellen. Die sollten dann übrigens auch nicht von Lieferanten zum Be- und Entladen oder als Abstellfläche für Baugerät missbraucht werden. Sonst klappt das nicht. Radler fahren nur Wege, die sie auch schnell voranbringen!

Und nächstes Jahr, sobald das Wetter wieder besser wird, wird dieser Radweg zunehmend stärker befahren werden. Das ist sicher. Gut sichtbar Radwege locken nämlich Autofahrer aufs Rad, wenn sie entlang der Straße verlaufen, in dem sie jeden morgen und Abend im Stau stehen.

Radwege sind die Vorleistung der Stadt, damit mehr Leute vom Auto aufs Rad umsteigen. Und das ist dann wieder gut für die Leute, die aufs Auto angewiesen sind. Sie haben dann weniger Stau.

Also Geduld bitte!

P.S. Übrigens sind gerade im Herbst, Winter und Frühling gebahnte Radwege oft besser als die "grünen Strecken" durch Parks und Nebenstraßen, denn erstens besteht Aussicht, dass sie vom Schnee freigehalten werden (Hoffentlich!!!!) und zweitens - ganz wichtig für Frauen - bei Dunkelheit oder echt spät in der Nacht fahren wir lieber dort, wo Licht und Verkehr ist. Einsame dunkle Parks sind nichts für die Nacht.

Kommentare:

  1. ich musste vergangene Woche geschwind nach Fellbach und war begeistert davon, dass es jetzt (fast) durchgehend eine separate Fahrspur für Fahrradfahrer gibt. Bisher fuhr ich auf der "Rennstrecke" mit dem Autoverkehr auf der Straße und das immer mit einem etwas unguten Gefühl. Leider ist die Passage von der KK-Brücke bis zum Wilhelmsplatz noch miserabel gelöst. Und ab Stadtgrenze wird es dann auch wieder "interessant" für Fahrradfahrer. Fazit: Vielleicht schafft man es in Stuttgart bei noch weiteren 4-spurige Straßen, die außerhalb der Spitzenzeiten nur wenig Verkehr aufweisen, Fahrradspuren in dieser Art einzurichten - man soll die Hoffnung nie aufgeben.

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  2. Ja, die König-Karls-Brücke und vor allem die König-Karlsstraße zur Eisenbahnbrückenunteführung sind inakzeptabel. Auch der Umweg über den Kreisverkehr ist keine Lösung. Aber es ist ein Anfang. Und wenn sich die Aufregung der Autofahrer gelegt hat, wird man den Radweg gut finden. Es geht ja auch nicht ändere, wenn Stuttgart eine lebenswerte Zukunft haben will. :-)

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  3. Der neue Radweg ist ein richtiger Schritt um den Radverkehranteil in Richtung 20% am Gesamtverkehr in Stgt. zu bringen (Gemeinderatsbeschluss zu Zeiten einer schwarz-gelben Gemeinderatsmehrheit). Zudem ist beabsichtigt, den Durchgangsverkehr zu reduzieren, und das geht nur mit dem Rückbau (der alten B 14). Leider ist die Weiterführung durch die KK-Bahnunterführung nicht vorhanden und der Umweg über den Kreisel am Carree ein Krampf weil ein Umweg von mehreren hundert Metern. Die Weiterführung in Fellbach von Cannstatt kommend fehlt und ist gefährlich, schon oft wurde ich von überholenden PKW auf die Seite gedrängt.
    Eine wesentliche Ursache für den Stau stadtauswärts ist die Ampel am Augsburger Platz, die oft rot zeigt, obwohl weder Fussgänger noch Straßenbahn queren. Und eine andere Ursache sind trödelnde Autofahrer, manchmal zieht sich die Schlange (übrigens auch stadteinwärts) so weit auf, dass mehrere Lücken von 40 bis 50 Meter entstehen.
    Was die Fahrer/innen wohl da machen? Schlafen, daddeln, Zeitung lesen?
    Ein Problem infolge der Staus sind ungeduldige Motorrad und Rollerfahrer, die plötzlich eine nie gekannte Liebe zu Radwegen entdecken und diese verbotenerweise als Überholspur nutzen.
    Ein Wort an die Anwohner: Jeder Radler ist ein Auto weniger mit all den Folgen wie Lärm, Abgase und Dreck. Schon jetzt erkennbar ist die Aufenthaltsqualität in der Wasiblinger Straße gestiegen, auch dadurch, dass die Spritzwände an den Gehwegen weg sind und das Straßenprofil nicht mehr eingeschachtelt ist.
    Wird der Durchgangsverkehr reduziert, profitieren die Cannstatter Anwohner, sie waren die letzten ~ 60 Jahre lange genug die Leidtragenden des massiven Verkehrs.

    Gruß von Fellbächer

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    1. Vielen Dank, Anonymus. Ich bin zwar kein Fan von diesen schmalen Radstreifen, aber irgendetwas muss man tun, damit den Autofahrern bewusst wird, dass es auch Radfahrer gibt, und dass die den Autoverkehr entlasten. Ein Rad braucht nur ein Vierzehntel des Platzes, den ein Auto braucht.

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  4. Der Radweg ist mein persönlicher Favorit auf den Titel beschissenster Radweweg in Stuttgart. Es geht schon damit los daß er der Verkehrsberuhigung dient laut einem SPD-Bezirksbeirat. Und genauso ist er auch angelegt. Der Verkehr durch die Waiblinger wird nicht weniger, denn wer dort fährt will nach Cannstatt oder Fellbach.

    Selbst wenn das nicht dser Fall wäre, die Idee, dem Autoverkehr eine Spur zu nehmen und dem Radverkehr zu geben ist mangelhaft umgesetzt. Denn es wurde nicht einfach eine Spur als Radstreifen ausgeschildert, sondern er wurde, natürlich, schmaler gemacht. Ein Überholen von langsameren Radfahrern ist nicht möglich, denn kaum ein Autofahrer im Stau daneben lässt einen die durchgezogene Linie überfahren. Andersrum geht das natürlich. Deswegen hat es auch schon einen Motorradfahrer an der Kreuznacher Straße erwischt. Der Mototrradfahrer hat illegal den Radstreifen benutzt, der abbiegende Autofahrer illegal ohne Schulterblick abgebogen. Wie immer halt, das übliche Problem wenn eine Geradeausspur rechts neben einer Spur mit Rechtabbiegern ist.
    An der Stelle ist es auch schon Usus daß Autofahrer kurz mal auf dem Radstreifen zum Abbiegen vorfahren.

    Der nötige Seitenabstand wird von Autofahrern auch nicht eingehalten, das übliche Problem bei Radstreifen. Der Radfahrer ist ja in seiner eigenern Spur, da gibt es bestimmt keinen Seitenwind, keine Dohlen, keine Schlaglöcher, keine Windschleppe.

    Als Parkstreifen wird der Streifen auch gerne genommen. Und sogar an einmündenden Straßen, wie ich schon an der Einmündung der Oberen Wwaiblinger Straße am Augsburger Platz feststellen konnte.

    Das ist ja noch nicht alles. An mehreren Stellen wird der Radstreifen zum handtuchbreiten Schutzstreifen. Autofahrer nutzen das aus um Radfahrer noch enger als an anderen Stellen zu Überholen.

    Das beste ist dann noch wie Radfahrer links abbiegen sollen. Nämlich nach rechts fahren, dann stehen bleiben, bis die Radampel grün zeigt., Die ist vielleicht nur für linksabbiegende Radfahrer, aber so wie sie aufgestellt ist gilt sie auch für den gerade aus fahrenden Radfahrer.

    In den Wohngebieten daneben hat der Verkehr auch spürbar zugenommen. Klar, so umgeht man wenigstens etwas den Stau. Da wird dann auch nicht mehr so auf Tempo 30 geschaut. Besser man hätte den Radverkehr durch die Wildunger Straße geleitet, und für die 1,5 Millionen eine benutzbare Unterführung am Ebitzweg geschaffen.

    Christine, da ich in der Gegend wohne: ich lade dich ein mal mit mir den Radstreifen abzufahren.

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    1. Ja, ich werden den Radweg radeln, gerne auch mit dir, Martin. Es ist jetzt schon interessant, wie unterschiedlich er bewertet wird. Ich bin kein Fan von diesen schmalen Radwegen und Sicherheitsstreifen, die an kritischen Stellen aufhören. Aber man bekommt die Radler nicht dazu, zwischen den Autos auf der Straße zu fahren. Sie weichen auf Gehwege aus. Und das muss halt auch aufhören. Radfahrer gehören nicht unter die Fußgänger. Mein Favorit sind Fahrradstraßen-Streifen. Das bedeutet, eine Spur von zwei Fahrspuren in eine Richtung wird als Fahrradstraße markiert. Dort haben Radfahrer Vorrang. Doch alles, was wir tun, um Stuttgart umzustellen auf mehr Fahrräder wird einen Gewöhnungsprozess bedeutet. Es dauert schon einige Zeit, bis sich Autofahrer und Radfahrer daran gewöhnt haben, dass sie künftig anders fahren sollen. Radler nicht mehr auf Gehwegen und Autos nicht mehr im Tempo 50 auf vierspurigen Stadtautobahnen. Vielen Dank jedenfalls für diese ausführlichen Schilderungen.

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