21. Oktober 2016

Autofahrer bitte aussteigen und mit dem Rad weiterfahren

An der Ludwigsburger Straße in Zuffenhausen kommen und gehen die Baustellen und wechseln die Schilder für Radfahrende. Jetzt steht da eine tolle neue Kombination. 

Der Radfahrstreifen ist wegen Baustelle unterbrochen. Ein Schild, extra gemalt für diese Situation, bedeutet den Radfahrenden, dass sie auf dem roten Radstreifen nach links abbiegen dürfen. Sie dürfen aber NICHT auf der Fahrbahn die Baustelle umfahren. Stattdessen müssen sie sie rechts auf dem Gehweg umrunden.



Das Symbol des eigentlich blauen Rad-/Fußwegschilds ist in die Umleitungsspur gemalt. Doch keine zwanzig Meter später stoßen Radler auf das blaue "Nur für Fußgänger"-Schild mit dem darunter angebrachten Zusatz: "Radfahrer absteigen."

Dieser Radstreifen ist die Fortführung des durchgehenden Radwegs vom Pragsattel nach Zuffenhausen. Und er war in letzter Zeit immer mal wieder unterbrochen. Meist ohne kunstvolle Schilder.

Ich habe das Fotos beim Halten an der Linksabbiergerampel aus dem Auto heraus gemacht und mich gefragt, was eigentlich los wäre, wenn man Autofahrer an einer Baustelle auf einen Parkplatz leitet, ihnen Fahrräder hinstellt und sie auffordert, mit dem Fahrrad weiterzufahren. Oder wenn sie ihre Autos schieben müssen (wozu sie sich natürlich Hilfe holen müssten).

Aus Radfahrern Fußgänger zu machen, ist offenbar eine Reisenversuchung. Aus ihnen Vehikel zu machen, die die paar Meter auf der Fahrbahn die Baustelle umfahren, erscheint offensichtlich als Zumutung und zwar für Autofahrer, die da mal kurz langsamer tun müssten. Vermutlich ist das Argument, Radfahrer seien hier auf der Fahrbahn in Gefahr. Doch für diesen Fall gäbe es eine ganz einfache Möglichkeit: Die Geschwindigkeit für Autos auf dem Abschnitt auf 30 km/h reduzieren.

Ich finde ganz grundsätzlich: Baustellen auf Radstreifen, Radwegen und Radrouten müssen Radfahrenden eine befahrbare Umleitung anbieten. "Radfahrer absteigen" ist eine Verhöhnung des Radverkehrs. 

Kommentare:

  1. Das hat Methode in Stuttgart. Ähnliche Situation ist momentan in Stuttgart-Ost. Die Haltestelle Wangener-/Landhausstraße der U4 wird umgebaut. Folge: Hauptradroute 2 unterbrochen. Eine Umleitung ist natürlich nicht ausgeschildert.

    Keine neue Situation, ähnlich war es im Mai letzten Jahres wegen Schienenarbeiten kurz vor dieser Haltestelle aus Richtung Stadtmitte.

    Die Alternative ist entweder Richtung Stadt der illegal angelegte Geh-/Radweg mit ca. 1m Breite, Richtung Wangen auch gesperrt. Oder am Neckar entlang. Aber nicht auf der Seite Stuttgart-Ost (gesperrt wegen Baustelle), sondern auf der Seite Untertürkheim und am Wasen entlang. Aber nur für Ortskundige, denn wie gesagt: ausgeschildert ist nichts. Bedeutet aber auch mehrere Kilometer Umweg.

    Eine Mail vom Montag an SSB, Ordnungsamt, Tiefbauamt, cc Fahrradbeauftragte, Bezirksvorsteherin Wangen und OB Kuhn brachte bisher nicht mal eine Antwort.

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  2. http://bernd.sluka.de/Radfahren/absteigen.html

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    1. Dass die Kombi Fußgängerschild und "Radfahrer absteigen" sinnlos it, habe ich hier mal nicht erörtert. DAs habe ich hier gemacht. http://dasfahrradblog.blogspot.de/2016/01/radler-in-deutschen-schilderwaldern.html

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  3. Auch an dieser Stelle gilt:
    Radler gehören zum Freiwild.

    Doch letztlich interessiert’s kein Schwein,
    schon gar nicht den Herrn Köhnelein.

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  4. Es fahren ja auch Leute Rad, die ganz schlecht oder gar nicht gehen können und/oder ihr Rad nicht tragen oder über ein Bordstein oder sonst eine Stufe anheben können, dass muss öfter und besser berücksichtigt werden. Von der regulären Planung, aber auch bei der Genehmigung und Überwachung von Baustellen.
    Zur Zeit werden ÖPNV Haltestellen überall umgebaut, weil inzwischen jedem klar ist, dass ÖPNV barrierefrei sein MUSS: alles andere stellt eine schlimme Diskriminierung dar. Einzelne Schwachstellen im ÖPNV-Netz können dazu führen, dass der Zugang zum ganzen Netz für manche Leute kaum möglich ist. Deswegen gibt man gerne Geld aus, um solche Schwachstellen zu beseitigen. Das ist Pflicht und nicht Kür (Gleichberechtigung!).
    Beim Radverkehr ist die Lage ähnlich: Einzelne Schwachstellen (und dass man nie weiß, wo man plötzlich wieder mal eine findet!) können ganze Netze für einige Menschen unbenutzbar machen. Das stellt eine doppelte Diskriminierung dar: einerseits hat man dann erschwerte Wege oder muss gleich zuhause bleiben, anderseits ist man von Radfahren an sich ausgeschlossen (Spaß, gesundheitliche Vorteile, unterwegs frische Luft schnappen und den Wind im Haar spüren).

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  5. In Stuttgart sind Radfahrer eigentlich doch auch nur Fußgänger.
    Wie sonst lässt es sich erklären, dass ich mir so viele Wege
    mit ihnen teilen muss. Und wo nicht gemeinsamer Geh-/Radweg,
    da wird einfach ein Fußweg, Radfahrer frei drangepappt!

    Das man Umleitungen für Radfahrer nicht ausschildern muss, kennen
    wir ja schon. Ich erinnere mich an die Sperrung des Neckarradweges
    entlang des Wasens diesen Sommer (warum eigentlich). Fast täglich
    musste ich Gruppen von Radlern die möglichen Umleitungen erklären.
    Bei der zweiten Sperrung einige Wochen später war wenigstens ein
    Schild dran. Vermutlich weil sich doch einige beschwert hatten.
    Jetzt ist schon wieder seit Monaten die Radwegseite an der B10
    gesperrt (warum eigentlich). Auch mit Schild zwar, aber während
    des Volksfestes war auch die andere Neckarseite gesperrt, ohne
    Hinweis natürlich.

    Aber man bemüht sich ja im Stuttgarter Rathaus. Hier darf ich mal die Neckarradweg-Umleitung von Untertürkheim in Richtung Esslingen erwähnen. Die muss ja aufgrund der Bahn-Bauarbeiten über mehrere Jahre so bestehen bleiben. Nicht nur das es viele Radtouristen gibt, die die Schilder nicht verstehen (liegt's an den Touristen oder an den Schildern?), bei schönem Wochenendwetter waren radfahrende Gruppen zu beobachten, die, statt der extra aufgemalten Schutzstreifen an der Immstraße in Obertürkheim, den Gehweg befahren haben. Auf den neuen Radstreifen auf den Otto-Hirsch-Brücken
    hab ich noch die Radfahrer gesehen. Und das sind ja nur mal Beispiele für den touristischen Radverkehr. Der Alltagsradler, ja gibt's den überhaupt?

    Stuttgart kann übrigens nicht nur Radfahrer nicht, sondern auch Fußgänger nicht! Seit nunmehr drei Wochen gibt es eine kleine Baustelle in S-Luginsland an der Fellbacher Straße gegenüber der Move-Factory. Der komplette Gehweg ist hier gesperrt. Fußgänger mögen bitte die andere Straßenseite benutzen. Leider ist das Schulweg für die Grundschüler und leider können die jetzt ihre Fußgängerampel direkt nach der Baustelle nicht mehr erreichen.

    Sandy

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    1. Es kann nur besser werden. Im Ernst: Die Stadtgremien bemühen sich ja schon sehr, auf Fußgänger und Radfahrer zu achten. Aber die Stadt ist groß und eine Baustelle wird zuweilen von Privatleuten dann halt so ausgeschildert. Im Fall der Baustelle in Luginsland würde ich dir dringend empfehlen, eine Gelbe Karte an die Stadt zu schreiben. Online gehen "Gelbe Karte Stuttgart" in Google eingeben, dann das richtige Online-Formular suchen. Diese gelben Karten werden auf jeden Fall gelesen, es gibt auch eine Antwort darauf, die aber etwas dauern kann. Um den geschilderten Fall wird sich jemand kümmern.

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    2. Die Situation mit dem Neckartalradweg in S-Ost entlang der B10 ist wirklich eine Katastrophe. Seit knapp einem Jahr macht man jetzt da rum, offenbar baut die EnBW da an einer Kabelbrücke. Zwischenzeitlich war der Weg zwar wieder frei, doch jetzt ist er auch schon wieder seit Wochen gesperrt. Und um zu verhindern, das Radfahrer illegal die Baustelle kreuzen, hat man sogar extra die Durchfahrt unter der Brücke mit einer Barrikade versiegelt.

      Würde man Fahrradfahrer mal wie Autofahrer behandeln, hätte man für diese Zeit einfach eine provisorische Ampelanlage oben auf der Brücke eingerichtet, sodass man nicht wegen 100 m einen umständlichen Umweg in Kauf nehmen müsste. Klar, auf einer Seite befindet sich nur eine Treppe wo man zwangsläufig das Rad hochtragen müsste um auf die andere Seite zu gelangen, also für jeden wäre diese Lösung nicht geeignet. Trotzdem hat man es sich hier eher einfach gemacht.

      Ich frag mich nur, was da so lange dauert. Als der Weg mal frei war hab ich dort nie jemanden arbeiten gesehen, da herrschte monatelang Stillstand. Woanders werden in dieser Zeit ganze Häuserblocks gebaut.

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    3. Ich fahre dort regelmäßig (muss nur bis zum Gaskessel, bin also nicht betroffen): Die bauen da überhaupt nicht! Es ist eine Baustelle eingerichtet und deshalb der ganze Weg gesperrt, aber wenn ich vorbei komme liegt die Baustelle prach und verändert sich auch nicht sichtbar.

      Solange man auf den der Radweg am anderen Ufer ausweichen kann finde ich es verschmerzbar, während des Volksfests war die Achse quasi abgeschnitten. Aber was solls, sind ja nur Radfahrer, die helfen kein bisschen, die Feinstaubwerte nach oben zu bringen!

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  6. Das Problem mit den Baustellen ohne Umleitung, Hinweise o.ä. ist kein alleiniges Stuttgarter Problem. Das gibt es hier in Mannheim zuhauf. Plötzlich auf dem Radweg auftauchende Baustellen werden mit "Radweg Ende" beschildert, auch bei Gegenverkehrsbetrieb, ohne Umleitung, ohne Abfahrt, ohne Gehwegfreigabe. Frei nach dem Motto, "ist nicht mein Problem", oder "soll der Radfahrerdoch sehen, wie er weiterkommt", "er hält sich ja sowieso an nichts". Sperrung ganzer Routen ohne Umleitung. Die besten Schilderstielblüten photographiere ich immer. Zwei waren besonders bemerkenswert. Einmal "Durchfahrt für Radfahrer verboten" mit Ende-Schild darunter, vor einer Baustelle, und einmal das Schild "Radweg" mit Zusatz "Radfahrer absteigen". Bei der letzten Version hat die Stadt nicht mal eingesehen, das zu ändern. Beschilderung für Radfahrer kann hier sowieso keiner. Es ist also immer lustig und es macht einen Heidenspaß diese Stilblüten im Mängelmelder zu posten, da wird der Schwachsinn dann öffentlich.
    Viele Grüße
    Karin

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  7. Noch ein Fall: Münzstraße gesperrt. Aus Richtung Karlsplatz ist Umleitung ausgeschildert, aus Richtung Eberhardstraße nicht.

    Man hat nicht das Gefühl, es wird besser, sondern immer schlechter. Plakativ ausgedrückt: die Verwaltung sabotiert bewusst das Ziel, den Radverkehrsanteil zu erhöhen. Der Eindruck drängt sich leider auf.

    Wenn man etwas erreicht, dann indem man auf private Bauherren direkt zu geht. Mit Wüstenrot habe ich in der Urbanstraße Verbesserung erzielt, schnell und unkompliziert. SSB: siehe oben, ein städtisches Unternehmen halt.

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  8. Hallo Radfahren in Stuttgart,
    du schreibst, dass an dieser Stelle das Radfahren auf der Fahrbahn verboten wäre. Auf dem sehr schön gemalten Schild mit den Umleitungen sieht es auch so aus, aber steht zusätzlich an dieser Stelle noch ein Einfahrverboten Schild oder irgendein anderes welches Radfahren auf der Fahrbahn verbieten würde. Bei dem o.g. Schild dürfte es sich meiner Meinung nach nicht um ein offizielles Verkehrszeichen handeln und damit wäre meiner Meinung nach das Fahrbahnradeln erlaubt.

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  9. Grins! Allerdings ist das Radverbotszeichen farbig wie ein echtes Schild. Und so was geht. Ist hier nur sehr klein. Da könnten sich Juristen vermutlich endlos streiten. Blöd nur, dass wir Radler keine Volljuristen sind.

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  10. "Radfahrer absteigen" ist mit Abstand meine Lieblingsanweisung. Bei Baustellen und Co. kann ich das noch mit einem routinierten Lächeln quittieren. Auf offiziellen Radwegen und Radrouten kollabiert bei den vielen grundlosen und baustellenfreien "Radfahrer absteigen"-Anweisungen mein Schmunzeln zu einem fassungslosen Kopfschütteln. "Radfahrer absteigen" ist und bleibt ein Klassiker der Behördenkultur und Versicherungswirtschaft.

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    1. Übrigens übersetze ich diese Radfahrer-absteigen-Kultur nicht mit "Autofahrer bitte aussteigen und mit dem Rad weiterfahren", sondern "Autofahrer bitte aussteigen und schieben"

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    2. Stefan, ich frage mich, ob das das Äquivalent ist. Schließlich kann man ein Auto nicht alleine schieben. Deshalb habe ich mich für ein "Downgrading" um eine Stufe entschieden. Autofahrer müssen Radfahren (Radfahrer müssen zu Fuß gehen). Aber passen tut ja nichts, denn Radfahrer können ihr Rad ja mitnehmen und hinterher wieder aufsteigen. Autofahrer können das mit ihrem Auto nicht. Also hinkt da jeder Vergleich.

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    3. Ich hatte ja auch meinen Smiley vergessen :-)

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