12. Dezember 2017

Vernünftige laufen im Winter, oder?

Also im Winter, bei Regen und Schnee, gar bei Eis, sollte man nicht mit dem Fahrrad fahren. Das meint der Stern in seinem Artikel mit dem Titel "Radeln bei Eis und Schnee? Nur für Profis!"

Welche "Profis" meint der Stern wohl? Pizza-Radfahrer, Fahrradboten und Rennradler? Egal. Der Artikel gefällt mir sogar, weil er nichts beschönigt, was das Radfahren im Winter schwieriger macht: gefährlicher und teuerer. Das Licht muss anständig sein, und ohne eine Markenlampe geht es nicht, die Reifen sollten gut sein, und für Eis braucht man ein Zweitrad mit Spikes (auf trockener Straße fährt man schlecht mit Spikes). Die Radwege sind selten geräumt, der Schnee auf die Radstreifen geschoben, und (Zitat:) "ein Ausweichen auf die Autofahrbahn ist aus Sicherheitsgründen aber nicht zu empfehlen, da bei Schnee oft nur schmale Fahrgassen zur Verfügung stehen und Konflikte mit Autos programmiert sind!"
(Grins: Ein Grund fürs Räumen von Radrouten.) Gemeint sind hier wohl auch nicht Autos (mit Gegenständen kann man keine Konflikte haben), sondern die Autofahrer, aber bezeichnend ist dieses Versehen, weil es zeigt, dass wir im Auto keine Menschen mehr wahrnehmen, oder dass das Auto den Menschen, sein Denken und Handeln bestimmt, nicht umgekehrt.

Teuer sind außerdem Regenklamotten. Bis zu 800 Euro, so der Stern, gibt man für Regenhose, Regenjacke, Regenschuhe, Regenkappe, Handschuhe, Polarunterwäsch etc.aus. Also ich habe noch nicht so viel ausgeben, aber Regenhose und Regenmantel kosten schon Geld (was man aber nur einmal für viele Winter ausgibt), allerdings immer noch weniger als Winterreifen für ein Auto und die Jahresinspektion, aber was man als teuer empfindet, ist ja sehr relativ, gell.

Deshalb klare Empfehlung: Verfünftige Menschen fahren nur bei schönem Wetter Fahrrad.

Oder sagen wir lieber, der Artikel meint: Wer im Winter Fahrrad fährt, sollte wissen, was er tut, welche Reifen er oder sie braucht, wo die Gefahren stecken (in der einen Eisplatte auf 5 km trockener Fläche), welches Licht man braucht und wie man fahren muss, um Stürze zu vermeiden und wie man das Fahrrad pflegt. Das ist kein Spaziergang, stimmt. Und dieser Artikel ist in jedem Fall mit Sachkenntnis geschrieben und ohne jegliche aufmunternde Beschönigung geschrieben. (Hier noch mal der Link.)

Vielleicht sollte man allerdings auch mal den Autofahrenden ganz klar sagen: "Autofahren bei Eis und Schnee? Nur für Profis!"

Auch das ist nicht harmlos oder leicht oder ungefährlich, auch wenn man selber nicht stürzt und sich selbst bei eigenen Fehlern nur selten verletzt. Aber auch bei Auto muss die Beleuchtung und die Bereifung stimmen, man sollte warm angezogen sein und schneefreie Schuhe anhaben, die nicht vom Bremspedal abrutschen, man muss vorausschauend und langsamer fahren als üblich und  in Kurven aufpassen, und zwar weil man sonst ganz schnell in Gefahr gerät, einen anderen Menschen - einen Fußgänger oder Radfahrer - zu töten. Und niemand kann gut damit leben, einen Menschen getötet zu haben.

Kommentare:

  1. Also das mit dem Zweitrad würde ich so nicht unterschreiben: Ich fahre im Sommer Marathon Racer in 30-622 auf dem Alltagsrennrad im Winter Schwalbe Winter in derselben Größe. Der Rollwiderstand ist spürbar höher aber immer noch besser als billige 47-559 "Sommerreifen".

    Klar, Klamotten braucht man, aber einiges davon (z.B. Handschuhe) kauft man halt so, dass es auch bei anderen Sportarten wie Langlaufen nutzbar ist.

    Und was die "Konflikte mit Autofahrern" angeht: Da muss man halt selbstbewußt mit genügend Abstand zum Fahrbahnrand fahren und erst zu gegebener Zeit zum Überholen frei machen. Ich hab (wenn ich Auto fahre) kein Problem mit Radfahrern vor mir, weil ich weiss, dass jeder die Straßen ein wenig entlastet.

    AntwortenLöschen
  2. Oder so:
    https://bicycledutch.wordpress.com/2017/12/12/cycling-in-a-winter-wonderland/

    AntwortenLöschen
  3. Ich trage auf dem Rad nichts anderes, als ich auch sonst im Winter trage. An sehr kalten Tagen tausche ich meine normalen Handschuhe gegen Skihandschuhe. Und ich gönne mir den "Luxus" eines "Schneerads". In der Winterzeit steht das fahrbereit auf Spikes bereit, falls sich morgens eine weiße Pracht zeigt. Ansonsten gehts auf Slicks los. Am unangenehmsten finde ich pers. übrigens diese festgefrorenen Schneehaufen am Rand der meist von Autos freigefahrenen Fahrrinnen. Besonders, wenn diese mit Neuschnee überdeckt wurden und nicht so gut zu erkennen sind. Und natürlich unter Schnee verdeckte Kanten im Verlauf von sog. Radinfrastruktur.

    AntwortenLöschen
  4. Nicht zu vergessen, die Autos sollten vom Schnee befreit werden, bevor sie auf die Straße losgelassen werden. Meiner Meinung nach sind auch die Strafen für verschneite Windschutzscheiben nicht streng genug, 10€ ist da echt lachhaft. Das ist einer der versteckten Gefahren, die im Winter von Autos ausgehen. Wer blind durch die Gegend fährt ist mMn weit gefährlicher als jemand, der keine Winterreifen aufgezogen hat (60€, 1Punkt). Der eine bremst schlechter, der andere gar nicht.

    KaivK

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

      Löschen
    2. Meine Meinung: https://plus.google.com/+MattiasSchlenker1/posts/drZmTQetbnM Dieser Blindflug ist vor allem beim Überholen fies. Die antizipieren Deine Geschwindigkeit falsch, sehen rechts nichts und schwupps biste wech und keiner hat etwas gemerkt...

      Löschen
  5. „Wer sich aber bei spiegelglatter Fahrbahn im Berufsverkehr auf die Straße und unter die Autos begibt, ist einfach leichtsinnig.“
    Einspruch, trotz vieler richtiger Aussagen im Artikel: bei spiegelglatter Fahrbahn, sei es durch Eisregen oder fest und glatt gefahrene Schneedecke, macht es besonderen Spaß. Wenn die Autos nur noch schleichen und in Kurven und auf abschüssiger Fahrbahn rutschen, dann auf Spikereifen vorbeiziehen - natürlich mit ausreichend Sicherheitsabstand und angepasster Geschwindigkeit - das ist einer der schönsten Momente im Winter. Bei solchen Verhältnissen ist Spike-Radfahren sogar sicherer als zu Fuß gehen, besonders wenn es heftige Gefällstrecken hat, wie in meiner Heimatstadt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Exakt. Sonntag vor einer Woche waren Junior und ich im Auwald unterwegs. Papa mit 30-622 und zwei Reihen Spikes und Junior mi 42-406 und vier Reihen Spikes. Der Kleine ist um die Ecken geschrotet, ich musste ihn mehrmals ermahnen, nicht zu fahren, als wäre es trocken (hat ihn nicht interessiert).

      Löschen