11. Mai 2018

Radfahrende und Fußgänger ganz vergessen - Baustelle Wolframstraße

Wenn die Planung der Bahn aus Zeiten stammt, als man Fahrräder auf Stuttgarter Straßen noch gar nicht kannte, dann fehlt bei der Umleitung die Fahrradinfrastruktur. 

Es ist seit vielen Jahren bekannt, dass die Wolframstraße wegen der S-Bahn- und S21-Bauarbeiten für den Autoverkehr kompliziert wird, und das für sieben Jahre. Über den wohl reichlich unsensiblen Auftritt der Bahnvertreter im Bezirksbeirat Nord haben die Stuttgarter Zeitungen berichtet.

Ich finde, es ist ein gutes Zeichen, dass die Bezirksbeiräte auch vehement angemahnt haben, dass man die beiden Autospuren heute nicht mehr ohne Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer anlegen kann. Und die fehlt. Die muss jetzt nachgeplant werden. Auch wenn die Bahn den Kopf schüttelt. Die brauchen wir. Und wenn es letztlich nur geht, indem man eine Fußgänger- und Radlerbrücke übers Gleisfeld schlägt. Die Umleitungen sind unzumutbar.


Grün: Umweg Radler, Blau: Umweg Fußgänger, Rot: bisherige Wege
Hellblau: Vorschlag für eine Radler- und Fußgängerbrücke
Wie sollen denn Fußgänger und Radler anders aus dem Gebiet Rosensteinstraße, Nordbahnhofstraße auf die andere Seite des Gleisfelds in den Schlossgarten kommen?

Radlern (grüne Linie) kann man vielleicht den riesigen Umweg über das Mileneo und den für Radler ausnehmend schlecht gemachten Bahnhofsvorplatz (Klettstraße) gerade noch zumuten, Fußgängern aber gar nicht. Für die (blaue Linie) ist auch der etwas kürzere Umweg durch den Bahnhof zur Fußgängerbrücke in den Schlossgarten zu weit.

Wenn es um einen Zeitrum von sieben Jahren geht, in denen hier Baustelle herrscht, dann sollten die Bahn und die Stadt ihren Fußgänger/innen und Radfahrenden eine Behelfsbrücke (hellblaue Balken) spendieren, die von der Nordbahnhofstraße in den Schlossgarten führt, oder wenigstens die Baustelle überbrückt.

Der Budapester Platz an der Stadtbahnbrücke wird übrigens nach den Bauarbeiten ganz anders aussehen. Die Eisenbahnbrücke ist dann weg. Er wird auch höher liegen. Das könnte zum Beispiel so aussehen. Aber bis dahin werden noch viele Jahre vergehen.

Kommentare:

  1. Liebe Christine, ich muss widersprechen: der Bahnhofsvorplatz ist absolut nicht zumutbar. Schau Dir allein die Strava-Heatmap an. Auf der Klettstraße "zerfasern" die tatsächlich gafahrenen Spuren. Die Infrastruktur da funktioniert überhaupt nicht. Wer kommt schon auf die merkwürdige Idee, eine Radverkehrsanlage als Taxistand zu mißbrauchen? Einseitige Zweirichtungsradwegeführung ist bekanntlich sowieso schon gefährlich und zu vermeiden. Der Taxistand ist dann vollends absurd.

    Die Pläne und Modelle aus Deinem Link sind ja wirklich ein sehr früher Entwurf. Da sind offensichtlich noch nicht einmal Verkehrsbelange und -Anforderungen und die entsprechenden technischen Regelwerke berücksichtigt:

    - keine Radverkehrsanlagen an der Wolframstraße.
    - wieder mal ein einseitiger Zweirichtungsradweg am Rand des Schlossparks, der nach meinem Eindruck auch noch unzulässig schmal ist, da die Netzplanung hier sicher kein niedriges Radverkehrsaufkommen vorsieht.

    Insgesamt bin ich erschüttert: Da wird angefangen, in den Umweltverbund zu investieren (darum geht es ja eigentlich bei S21), und dann verlieren die Verantwortlichen das Gesamtziel völlig aus den Augen und planen einen jahrelangen und möglicherweise dauerhaften Rückschritt gegenüber dem Ist-Zustand?

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    1. Ja, ich gebe dir Recht, die Umleitung ist zwar gerade noch zumutbar, aber der Weg über den Bahnhofsvorplatz ist es nicht. Das habe ich nicht deutlich genug herausgestellt.

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  2. Rainer Dobrinkat11. Mai 2018 um 13:40

    Das Problem ist die schlechte Planung der Bahn. Plan war, den S-Bahntunnel am Ende zu bauen, 2019 also und 2021 geht der Tiefbahnhof in Betrieb. So wurden die Verträge mit den Baufirmen gemacht. Da sich jetzt aber die Inbetriebnahme auf mindestens 2025 verschieben soll, es aber bereits Verträge mit Baufirmen gibt in 2019 anzufangen, verschärft sich das. Wenn man von 7 Jahren schreibt, ist das auch nur eine Annahme für den günstigsten Fall. Realität ist, es gibt bisher keine Planung für das "danach". Diese kann erst gemacht werden, wenn der Abriss der Brücken planfestgestellt ist. Das wiederum kann erst geschehen, wenn der Kopfbahnhof entwidmet wurde. Gegen die Entwidmung klagen private Eisenbahnunternehmen, die diesen oberirdischen Teil weiter nutzen wollen. Man sieht, aus den 7 Jahren können auch 10, 12, 15 Jahre werden. Gerade weil die Dauer so unsicher ist, muss die Stadt eine Alternative anbieten. Das ist sie den Anwohnern schuldig! Die Bahn macht sich da einen schlanken Fuß, weil sie das so planfestgestellt bekommen hat vom Eisenbahnbundesamt und reicht den schwarzen Peter an die Stadt Stuttgart weiter. Fakt ist, so wie in der Sitzung des Bezirksbeirats vorgeschlagen darf die Lösung nicht aussehen. Bemerkenswert war das Schweigen des Vertreters des Tiefbauamts Rotermund und der Bürgerbeauftragten für S21 Frau Kaiser. Da kam nichts, aber auch gar nichts. Dass man alle Alternativen untersucht hätte behauptete Rotermund ohne zu sagen welche denn. Ich hätte da von beiden mehr Engagement erwartet und dass sie nicht alles einfach so gottgegeben hinnehmen.
    Bemerkenswert, als die Stimmung hochkochte, weil Radler zusammen mit Fußgängern nur bahnhofseitig einen Weg bekommen und es keine Trennung zwischen Fußgängern und Radfahrern geben soll wurde Florian Bitzer, der Bahnvertreter, laut. Er würde immer auf dieser Seite problemlos fahren und wenn Fußgänger da wären, müsse man eben langsam und vorsichtig fahren. Peinlich daran, mit dieser Aussage outete er sich als Kampf- und Gehwegradler. Auf dieser Seite ist unter den Brücken das Radfahren nämlich verboten! Legal, illegal, sche…egal fällt mir dazu nur ein..
    @Holger, mit dem Bahnhofsvorplatz hast du recht. Wer auf diese merkwürdige Idee kommt? Mir hat der Radbeauftragte der Stadt Stuttgart, Herr Köhnlein in einer Mail geschrieben, dass das die offizielle S21 Umleitung für Radfahrer ist. Die Bürgerbeauftragte der Stadt Stuttgart Frau Kaiser ging in einer Mail an mich sogar noch einen Schritt weiter und empfahl den Bahnhofsvorplatz als Schulweg für Kinder die mit dem Fahrrad ins Katzenstift fahren wollen.
    Die Idee mit der Brücke auf beiden Seiten finde ich gut. Das sollte weiterverfolgt werden.

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    1. Lieber Rainer, vielen Dank für deine ausführliche Schilderung aus dem Bezirksbeirat. Da müssen wir jetzt mit Anträgen weitermachen.

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  3. Der Bahnhofsvorplatz ist so Radfahrfreundlich wie schön. Das Teil gehört abgeschafft.

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