19. Juni 2018

Die spinnen, die Prager

In Prag ist der Konflikt zwischen Radfahrenden und Fußgänger/innen zugunsten der Fußgänger ausgegangen, und natürlich zugunsten des Autos. 

Weil die Prager Altstadt zu eng ist für drei Verkehrsformen - Auto (Busse/Bahnen), Fußgänger und Fahrrad - hat man das Radfahren zwischen 10 und 17 Uhr verboten. Und zwar, weil in den letzten zehn Jahren in Prag zu viele das Fahrrad als Alternative zum Stau für sich entdeckt haben, man aber keine Radinfrastruktur angelegt hat. Mit der Folge, dass sich Radfahrende ihre Wege suchten und in der Altstadt auch über große Plätze fuhren (nach Einschätzung von Fahrrad-Aktivist Vratislav Filler ohne große Konflikte) und oftmals auf Gehwegen.


Quelle: Google-Maps
Jetzt lebt Prag auch von Touristen, also von Menschen, die zu Fuß durch eine Altstadt wandern, eher orientierungslos und im Urlaubsmodus, also ohne große Achtsamkeit für den Verkehr und immer wieder plötzlich stehen bleibend. Diesen Touristen hat man übrigens auch Segways in der Altstadt verboten.

Blöd nur, dass man sich in Prag nicht entschließt, die Innenstadt teilweise für den Autoverkehr zu sperren, sondern kurzerhand das jüngste Element verbietet, das Fahrrad, das dritte Element zwischen altbekanntem Autoverkehr (der immer stört und immer alles verstopft) und dem Fußverkehr, der sich nach Ruhe und freie Flanierflächen sehnt, mit Sicherheit auch in der Prager Altstadt.

Das Foto ganz oben stammt aus Google-Maps vom Juni 2017 und zeigt noch ein Segway auf dem Gehweg und einen Radfahrer auf der Fahrbahn. Das zweite Foto, auch aus Google-Maps entnommen, ist aus dem Mai 2018. Man sieht gar keine Radler (sieht man überhaupt wenige), abe viele Autos und viele Touristen, für die die Gehwege zu schmal sind und die vielfach auf die Fahrbahnen quellen.

Mal sehen, wie lange so ein unsinniger Beschluss Bestand hat. Legt er doch denen, die bislang mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhren, nahe, wieder das Auto zu nehmen. In jeder Innenstadt, sicher auch in der Prager, heißen aber zwei bis fünf Prozent mehr Autoverkehr bereits Verkehrs-Kollaps.

Kommentare:

  1. Zitat:
    "Mal sehen, wie lange so ein unsinniger Beschluss Bestand hat.
    Legt er doch denen, die bislang mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhren,
    nahe, wieder das Auto zu nehmen."

    Die Prager Entscheidung kann man durchaus nachvollziehen und gilt nur täglich von 10-17 Uhr, die Fahrrad-Berufs-Pendler sind also gar nicht betroffen. Man hat erkannt, dass Fußgänger und Radfahrer, welche schnell unterwegs sein wollen (Pendler eben), so dicht beieinander nicht zusammen passen sobald sich die Fußgängerzone füllt. Warum wohl heißt es Fußgängerzone?

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  2. Ja und nein.

    Ja, das wurde auch schon in der Presse ziemlich aufgebauscht.

    Meines Wissens zielt das Verbot aber eigentlich primär auf die Touristenströme. Segway und Co sind ja schon länger verboten. Folge: Touristen konnten dann Fahrräder mieten.

    Soweit Tschechen bzw. Pendler durch die Fussgängerzone radeln bzw. radelten hat das aber wohl auch damit zu tun, dass auf den verstopften Strassen rund um die Altstadt Radfahren fast unmöglich ist und insbesondere so gut wie keine Infrastruktur für Radfahrer existiert.

    mfG
    Andreas

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