9. Oktober 2018

Sinnfreie Ausschilderung, enge Baustellenumleitung - Vaihingen

An der Breitwiesen- und Nord-Süd-Straße in Vaihingen gibt es eine Baustelle. Kann vorkommen. Was bei uns dabei gern auch vorkommt: eine verwirrende Beschilderung und kaum Platz für Radler. 

Man sieht dass die Radfahrenden ihren gewohnten Weg über die Nord-Südstraße hinweg Richtung Rohrer Straße und Möhringen nicht fahren können. Kommen sie die Breitwiesenstraße entlang, sehen sie an der Einmündung in die Nord-Süd-Straßen diese Barrieren. Sie sollen hier nach links über die Breitwiesenstraße hinüber. Das ganze ist als gemeinsamer Geh-/Radweg ausgeschildert. Seit wann sind Zebrastreifen Radwege? Eigentlich endet der Radweg doch genau hier.
Der Radler erkennt an dem Schild für Fußgänger, dass auch er hier nach links über den gelben Zebrastreifen soll. Die Autos kommen aus seiner Sicht von links hinten. Als Radler hat er auf dem Zebrastreifen keinen Vorrang vor Autofahrenden. Wollen wir hoffen, dass das alle wissen (und die Autofahrenden wiederum nicht so genau wissen). Der Taxifahrer hat jedenfalls für mich ordentlich gebremst, fast notgebremst.

Ist man drüben, kommt man an die Nord-Süd-Straße. Man muss jetzt die eine Autospur zu Mittelsteifen überqueren. Es gibt eine Ampelanlage. Danach wird es gaaaaaaanz eng. Wir sehen mit Lupenaugen den Eingang dem Durchgang. (Die falschen Ampeln stehen da übrigens auch, die ohne Radzeichen, die für Radfahrende nicht gelten. Man darf also rüber, wenn frei ist.)

Ich bin an die Stelle von der anderen Seite gekommen, von den Feldern des Möhringer Freibads her. Da stellt sich das etwas klarer dar, aber nicht radfreundlicher. Der Geh-/Radweg ist im Grunde an der Ampel aufgehoben, was aber kein Schild anzeigt. Er ist als Radweg ausgeschildert.
Mitten im Übergang, dort wo sich Radler und Fußgänger aufstellen sollen, stehen zwei Baken einfach so herum. Sie sollen Radler, die von drüben kommen vermutlich aufhalten, denn auch die sehen ja nur eine Fußgängerampel vor sich, keine Radlerampel, und könnten fahren, wenn frei ist. Oder es hat einen anderen Grund. Fußgänger müssen sich Grün über einen Drücker holen. Und dann kommt die hohle Gasse auf dem Mittelstreifen (Collage unten lins).

Hier kommen wir zwei Radlerinnen schiebend nicht ohne Gehäkel aneinander vorbei. Begegnet man Eltern mit Kinderwagen, Lastenrädern oder auch nur Rädern mit Kinderanhängern (oder begegnen die sich), wird es ein Geschramme. Wobei geschobene Räder ja auch noch mehr Breite beanspruchen als gefahrene.

Das ist sehr lieblos gemacht. Die Beschilderung der Anlage als Radweg ist eher Hohn. Es ist keiner. Die Beschilderung wirkt deshalb auch ziemlich sinnfrei und beliebig, auch wenn man sich gedacht haben mag, dass man unbedingt den Radweg hier als Geh-/Radweg ausweisen muss, damit den Radlern klar ist, dass sie sich den Platz mit den Fußgängern teilen. Aber es kann eben gar nicht geradelt werden und die Ampeln sind auch verkehrt für einen Radweg.

Wann werden Baustellenumfahrungen für Radfahrende so geplant und eingerichtet, dass sie erstens sinnvoll ausgeschildert und zweitens vor allem auch befahrbar sind? Ich weiß, die Ämter kommen mit der Kontrolle der Baustelleneinrichtungen nicht hinterher. Aber komischerweise geht es für Autofahrende immer, die kriegen auch keine sinnlosen Schilder hingestellt und haben genug Platz.

Kommentare:

  1. Wofür die Bakem sind, ist doch klar: da soll keiner parken.
    ;-)

    Christoph

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  2. Haha. Tatsächlich habe ich nicht herausgefunden, was da gemacht werden soll.

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  3. Ich fahre dort auch öfters vorbei... und war neulich etwas irritiert: Auf dem ersten Foto sieht man rechtes den Gehweg mit einer weißen Linie. Für mein Verständnis einer Trennung des Fuss- und Radwegs. Neulich war rechts der weißen Linie alles zugeparkt (hatte wohl das Autohaus irgendein "Event").... also doch ein Parkstreifen??? Zugegeben ich bin nicht zurückgefahren um mir die Beschilderung anzuschauen.

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  4. Wenn eine Firma sich nicht an die Vorschriften hält beim Aufstellen der Absperrungen und Verkehrsschilder bzw. wenn sie diese ohne Genehmigung aufstellt, wie hoch sind denn dafür die Strafen? Mit den Einnahmen kann man doch sicher sinnvolle Verbesserungen an der Fahrradrouten-Infrastruktur vornehmen.

    Wie breit ist denn der Durchschlupf? Ich nehme an, hier gelten die Regeln bei einem einseitigen Zweirichtungs-Radweg bei gemeinsamer Nutzung mit Fußgängern, also links und rechts ein Sicherheitsstreifen von jeweils 25cm, damit man an den Absperrungen nicht hängenbleibt und einer Mindestbreite von 2.5m. So eng, wie es da ist, darf eine Benutzungspflicht gar nicht angeordnet werden. Wer hat da versagt und was wird unternommen zur Korrektur und welche Maßnahmen stellen sicher, dass sich so etwas nicht wiederholt?

    Schon ein Armutszeugnis für Stuttgart, dass nicht einmal im Umfeld der Uni eine halbwegs passable Fahrradinfrastruktur eingerichtet wird. Studenten machen in anderen Universitätsstädten einen Großteil der Fahrradfahrer aus. In Stuttgart wird sogar diese Zielgruppe vernachlässigt bzw. sogar abgeschreckt und am Fahrradfahren gehindert.

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    1. Lieber Holger, das mit dem Überprüfen von Baustellen stellt die Stadt vor große, vor allem personelle Herausforderungen. (Siehe hier: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.personalnot-im-rathaus-stadt-sucht-haenderingend-mitarbeiter.604c7a15-a157-4d0d-8ba6-f3a8a35f8ef2.html), wobei das Schimpfen auf die Stadt und ihre Ämter wohlfeil ist. Es ist nämlich nicht mehr leicht, Personal zu finden. Wenn aber jemand der Stadt schreibt (eine gelbe Karte schickt), wenn er so was sieht, dann wird jemand losgeschickt und kümmert sich darum. Im Grunde sind es auch wir selber, die helfen können, solche Stellen zu entdecken. Man kann sich das selber ja auch mal vorstellen, wenn man sieht , wie unendlich viele Bausstellen wir in der Stadt haben. Ich finde auch, dass Radler schon viel mehr berücksichtigt werden als noch vor ein paar Jahren, aber manches missglückt halt. Und da ist eine Rückmeldung von uns durchaus sinnvoll.

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    2. Deinen Optimismus in allen Ehren, Christine, aber mit Gelben Karten ist es nicht getan. Aktuelles Beispiel: in der Schloßstraße war bisher ein nicht benutzungspflichtiger Radweg in beiden Richtungen am Landesarbeitsgericht vorbei. Jetzt wird das Gebäude renoviert, die Fußgänger auf den Radweg "geleitet" (es ist einfach eine Absperrung da). Und am ehemals nicht benutzungspflichtigen Radweg prangt Zeichen 240, gepaart mit dem allseits beliebten "Radfahrer absteigen". Es wird also mal ben eine Benutzungspflicht eingeführt, aber man soll absteigen.

      Auf meine Gelbe Karte deswegen wurde nur schwer reagiert, letzter Stand: das sei so angeordnet. Na Prost Mahlzeit. Ist wohl nicht nur Personalnotstand, sondern qualifiziertes Personalnotstand.

      Martin

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    3. Niemand sagt, dass es leicht ist. Aber wenn wir gar nichts tun, wenn ich nicht berichte, wenn wir uns nicht beschweren, wenn wir nicht immer wieder solche Dinge thematisieren und mehr Respekt für Radfahrende fordern, dann geschieht nichts. Ich habe gelernt, dass man nicht still abwarten kann, man muss sich einmischen. Aber nichts flutscht dann einfach so. Es ist mühselig, ja. Aber stillhalten bringt Stillstand.

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