22. Januar 2019

Autofahrer fährt Radler auf Radweg an

Wie Blogleser Jörg berichtet, hat am vergangenen Mittwoch (16.1.) ein Autofahrer, der aus der Quellenstraße einbiegen wollte,  einen Radfahrer auf dem Radstreifen des Radwegs an der Pragstraße angefahren. 

Demnach kam der Radfahrer von oben, fuhr also linksseitig (gegen die Fahrtrichtung der Autos) hinunter. Für den Autofahrer, der aus der Quellenstraße herausfahren wollte, kam er von rechts. Vermutlich hat der Autofahrer aber eben nur nach links geschaut, um auf der Pragstraße die Lücke in den Autos zu finden, in die er hineinfahren kann. Der Radfahrer wurde, dem Bericht zufolge, von einem Krankenwagen abtransportiert.

Wobei der rote Streifen auf der Fahrbahn genau an der Straßeneinmündung dem Autofahrer signalisiert, dass hier Radfahrer queren. Allerdings stand ich, als ich das Foto macht, Autofahrende sitzen etwas niedriger und sehen womöglich den roten Radstreifen nicht so richtig.

Zusätzlich steht da natürlich ein Vorfahrtachten-Schild mit dem Zusatzschild, dass Radfahrende von beiden Seiten queren. Das Schild hängt wiederum sehr hoch, und etliche Autofahrende sehen es nicht, weil sie mit der Gesamtsituation überfordert sind oder nicht auf Verkehrszeichen achten.
StuttgartMaps

Das sind leider eben auch die typischem Gefahren von Radwegen, die per Blutstreifen über eine Einmündung gelegt werden und in beide Richtungen befahren werden dürfen.

Hier fahren wohl auch Autos eines Autovermieters heraus. Das sitzen Leute drin, die sich erst an den neuen Wagen gewöhnen müssen und ohnehin gestresst sind. Stress verengt die Perspektive und macht unflexibel. Offenbar war es genau so ein Mietwagen, dessen Fahrer den Unfall verursacht hat.

Hier die Polizeimeldung. Sie stellt es so dar, als habe der Radfahrende den Unfall verursacht ("er kollidierte mit einem Opel-Zafira eines ..."). Dabei ist es genau umgekehrt. In den Facebook-Kommentaren hat auch bereits das Blame the Victim begonnen.

Früher konnte man auf der rechten Seite der Pragstraße den Radweg hinunter fahren, aber der ist in Bauarbeiten ertrunken. Übrigens ist hier das Fahrbahnradeln keine echte Alternative. Hier sind viele Autos unterwegs. Der linksseitige Radweg bergab ist übrigens ziemlich vernachlässigt und wird weiter unten durch eine Baustelle verstellt, wo man sich durch die Gerüststangen fädeln muss. Sauschlecht und extrem lieblos den Radfahrenden gegenüber.
Perspektivisch wird die Pragstraße auch deutlich weniger Autos befördern müssen, wenn der Rosensteintunnel fertig ist. Dann wird sie für Radfahrende ausgelegt und für Autofahrende schmaler.
Bis dahin bleibt uns nur: Vorsicht! Langsam fahren, wenn Einbiegungen sichtbar sind, und mit den  für uns lebensgefährlichen Fehlern von Autofahrenden rechnen.

Auch bei der Einmündung der Badstraße am Rosensteinbunker zur Rosensteinbrücke Richtung Wilhelma gucken Autofahrende regelmäßig nicht nach Radfahrenden, die aus ihrer Sicht von rechts kommen, weil sie nur auf den von links kommenden Verkehr achten und schnell einbiegen wollen. Da bin ich zum Beispiel mal von einem Autofahrer angefahren worden. 




Kommentare:

  1. Die Beschilderung für die Ausfahrenden ist ja eindeutig. "Radfahrer aus beiden Richtungen". Entschuldigung, aber wer mit einem Mietwagen überfordert ist, und dann einen Radfahrer anfährt, sollte besser nicht fahren. Den Mietwagen kennenlernen sollte man auf dem Hof und nicht beim Fahren. ansonsten funktionieren die meisten Autos ziemlich gleich.
    Ich finde die Zweirichtungsradwege eine Pest. Zum Einen kann man als Autofahrer nur immer zuerst in die falsche Richtung sehen, dann verleiten sie Radfahrer dazu auch sonst in falscher Richtung unterwegs zu sein, für Begegnungsverkehr sind sie meist zu schmal und als Radfahrer muss man an jeder Einmündung aufpassen wie ein Schieshund, dass man nicht erwischt wird. Bei uns gibt es einen Zweirichtungsradweg, da kann man den Radfahrer von rechts erst sehen, wenn man hinter der Hecke vorgefahren ist und schon fast quer auf der Radfurt steht. Gaaanz tolle Planung. Ich halte dort immer vor der Furt (mit dem Auto, kann nichts sehen) und taste mich dann weiter, andere machen das nicht. Dass es dort noch keinen erwischt hat, liegt wohl daran, dass dort nicht so viel Verkehr (Rad) ist.
    Ich glaube die meisten Autofahrer sind mit solchen Situationen einfach überfordert. Und zusätzlich sind sie nicht auf Radfahrer geimpft. Da hilft nur immer wieder ins Bewustsein bringen.
    Gruß
    Karin

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    1. Ich habe manchmal den Eindruck, wir müssen unseren Autoverkehr grundsätzlich neu organisieren. Es gibt so eine Unmenge von Verkehrszeichen und Schildern, dass viele (vermutlich vor allem sehr junge und ältere) sie gar nicht so schnell erfassen können wie sie fahren. Und wenn dann noch Druck herrscht, also der, sich so schnell wie möglich in den quer fließenden Verkehr einzureihen, dann geht der Blick nach links unten, nicht aber nach rechts oben, wo die Schilder stehen. Für Radler sind die Verkehrsziechen sowieso alle viel zu hoch, weil sie ja nach vorne gebeugt sitzen, während der Autofahrende zurückgelehnt sitzt und nicht den Kopf in den Nacken legen muss. Aber der Autoverkehr erscheint mir inzwischen so dicht, so eng, so gehetzt, dass das Übersehen von Verkehrszeichen und Schildern (sogar Ampeln) immer mehr zur Regel wird, nicht bei allen, aber doch bei erstaunlich vielen. Etliche scheinen in der Tat überfordert. Doch nun zu sagen, sie dürften nicht fahren, geht ja auch nicht. Zumal, wie überprüft man das? Schlimm ist, dass wir Radfahrende das ausgleichen müssen, und noch schlimmer finde ich, dass damit wiederum Kinder und Jugendliche eigentlich überfordert sind. Sie radeln beispielsweise nebeneinander schwatzend nach der Schule heim und sind an der Kreuzung unaufmerksam, sehen ihr Grün und sehen das abbiegende Auto nicht. Diese fortwährende Wachsamkeit müssen nur Radfahrende aufbringen, weil sie zwischen Autos und Fußgängern durchgeschleust werden.

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  2. Ja, aber ...
    Natürlich ist es wichtig, wenn alles einfacher und übersichtlicher wäre, um den Schilderlesestress zu minimieren.
    Aber wenn schon ein breiter roter Streifen auf der Strasse nicht wahr genommen wird, was denn noch? Lediglich ein rechts-links-Pfeil auf der Strasse wäre NOCH deutlicher.
    Das Problem könnte sein, dass der erste der gelb markierten Privatparkplätze besetzt war und dann sieht man im Auto viel weniger. Der muss weg! Meiner Schätzung nach liegt der innerhalb der 5m-Zone und daran sieht man, dass die 5m-Regel ihren Sinn hat. Praktisch immer.

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  3. Die Formulierung der Pressemitteilen ist wirklich der Hammer. Es steht nicht drin, wer die Schuld trägt (die Vorfahrt ist zweifelsfrei geklärt) - dafür aber, dass sich der liebe Autofahrer ach so arg auf den Verkehr konzentriert hat.
    Kein Wunder, dass victim blaming betrieben wird. Wenn man die Pressemeldung ganz losgelöst liest, kann man überhaupt nicht auf die Idee kommen, dass der Radfahrer Schuld ist.
    Eine Frage dazu: "wollte die Quellenstraße überqueren" - überquert man eine Straße, wenn man auf dem Radweg einer Straße fährt und dort eine weitere Straße einmündet?

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  4. muss natürlich "dass der Autofahrer Schuld ist" heißen, sorry

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  5. Die Pragstraße ist ein Paradebeispiel für verfehlte Verkehrspolitik. Während der MIV sich auf mindestens 4 Fahrspuren stapeln darf, hat der Radfahrer die Wahl zwischen Pest und Cholera. Der Zweirichtungsradweg ist nicht nur sehr schmal, er ist ausserdem in einem erbärmlichen Zustand und endet am Mahle-Parkhaus im Nirvana. Dazu kommt eine offensichtliche #scheißRadfahrer- Klatsche hinzu: Es herrscht nicht mal Platzmangel: Der MIV hat endlose, kaum genutzte Abbiegespuren oder parkt auf 3,50m Breite. Die Alternative für Radfahrer läuft durch den Rosensteinpark, wo die Wege schon für Fußgänger zu schmal sind.

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