29. April 2019

Und wieder: Zum Teufel mit den Radlern - Untertürkheim

In der Arlbergstraße in Untertürkheim wird irgendwas unter der Bahnbrücke gebaut. Kurzerhand hat man dafür den Zweirichtungs-Radweg dicht gemacht. Ersatzlos. 

Wer hier linksseitig radelt, kommt nicht auf die rechte Fahrbahn rüber. Und auf der anderen Seite kommt man auch nicht vom Radweg runter auf die Fahrbahn. Radfahrende müssen sich hier in Luft auflösen. Oder schieben.

Nebendran verläuft eine Fußgängerunterführung. Da steht ein Fußgängerschild, das sagt, dass man hier nicht Rad fahren darf. Darunter hängt das Schild "Radfahrer absteigen". Darauf hat mich Blogleser Alex aufmerksam gemacht, der auch die Fotos geschickt hat.


Die ersatzlose Schließung eines Radwegs ist das eine, was nicht passieren darf, eine Schilderkombination wie diese aber das andere und genauso schlimm. Sagen wir damit den Radfahrenden nämlich nichts anderes als dass das Schild "Fußgänger" wertlos ist und nichts bedeutet. Es sei denn, wir hängen noch das Schild "Radfahrer absteigen" drunter. Ein Zusatzschild, das es in der StVO nicht gibt und das man nicht befolgen muss. Hier natürlich schon, aber nicht wegen dieses Schildes, sondern weil das das blaue "Fußgänger"-Schild steht. Und das steht für sich und bedeutet, was es bedeutet: Nicht Rad fahren, nicht mit dem Auto hier fahren.

Wenn man aber nun schon den Radweg sperrt, wäre hier ein nettes "Radfahrer frei" unter dem Fußängeschild angebracht gewesen. In der Regel kommen Radler und Fußgänger zurecht, auch wenn es nicht fair ist, bei jeder Baustelle die Radler in den Orkus oder unter die Fußgänger zu schicken.

Übrigens fordern wir im Zielbeschluss "Fahrradfreundliches Stuttgart" das Radfahranlagen ständig und ganzjährig freigehalten werden. Das heißt nicht nur Winterdienst, sondern auch, dass Baustellen Radwege nicht unterbrechen dürfen, schon gar nicht vollständig und ohne Umleitung. Und das gilt ab jetzt, nicht erst irgendwann.



Dieser Radweg wurde - nebenbei bemerkt - jahrelang von Tauben zugeschissen. Jetzt hat die Bahn - nach Jahren - ein Netz unter die Brücke gehängt. Allerdings nicht ganz und gar. Es finden immer noch ein paar Tauben den Weg hinein und ihr Kot den Weg hinunter.

Kommentare:

  1. Ich stand letzte Woche auch vor dieser Absperrung und war so dermaßen angepisst, dass ich kaum zuhause, erst mal eine gelbe Karte geschrieben habe. Eine Rückmeldung hab ich natürlich nicht bekommen.
    Diese Baustelle war schon die Wochen davor ein großes Ärgernis. Die Baugrube mitten auf dem Radweg war nämlich nur durch eine Metallplatte abgedeckt, inklusive Zentimeter hoher Kante. Im Halbdunkel der Unterführung kaum auszumachen, im Dunkeln sicher gar nicht zu sehen. Lediglich ein Schild "Radfahrer absteigen". Wenigstens konnte man da noch durchfahren.
    Die Stelle ist übrigens seit letzter Woche Freitag wieder frei!
    Sandy

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  2. Ich schlage vor, wir sperren einfach mal eine Autostraße ohne Ankündigung, ausgeschilderte Umleitung oder Alternative.

    Ja.
    Die Medien werden sofort und umfassend darüber berichten und es wird ganz viele Politiker geben, die aufs Trittbrett springen.

    In solchen Fällen muss dann halt auch mal einer von denen, die eigentlich die Aufsicht führen, gehen.

    Zu wenig für mein Geld.

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  3. Ich verstehe es eigentlich auch nicht mehr. Es muss doch im Tiefbauamt und im Ordnungsamt inzwischen ein Bewusstsein dafür entstanden sein, dass man den Radverkehr, den wir doch unterstützen wollen, nicht einfach unterbricht. Es gibt regelmäßig gelbe Karten deshalb, Radfahrende beschweren sich, es gibt Aufregung. Und warum mögen die, die die Baustellen einrichten, beaufsichtigen und kontrollieren eigentlich uns Radfahrende so gar nicht. Hier wäre doch ein Gehweg-frei möglich gewesen. Woanders schicken sie uns auch unter die Fußgänger, aber hier soll das auf einmal zu inakzeptablen Konflikten führen? So viel Lieblosigkeit uns Radfahrenden gegenüber nervt.

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    1. ich meinte ein Gehweg-Rad frei ...

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    2. Meiner Meinung nach wäre genug Platz da gewesen, die Radfahrer auf einer separaten Spur auf der Straße an der Baustelle vorbei zu führen. Die Absperrung war mehr als großzügig!
      Sandy

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  4. Diese Situation gab es vor Wochen schon einmal, wurde einfach gesperrt, ohne sich Gedanke darüber zu machen.

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  5. man müsste die Leute in diesem Amt oder Ämtern mal besuchen - mal sehen was das für Leute sind, die so gedankenlos Radwege sperren und keine Alternative anbieten.... außer schieben :-(
    Liebe Christine, diese Leute sitzen so gesichtslos auf ihren Ämtern und wissen sicherlich gar nicht wie schlecht sie den Radverkehr behandeln. Sollten sie es mit Absicht machen, wäre das umso schlimmer und müsste Konsequenzen haben. Ich denke immer erst mal im Zweifel für den Angeklagten!!!
    LG Uschi

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  6. Gedankenlosigkeit kann man vorwerfen, wenn es "mal" passiert. Was die Stadt Stuttgart hier macht, hat aber offensichtlich System. Es nennt sich: #scheißRadfahrer. Das Gleiche Trauerspiel war vor kurzem an der Heilbronner Str. zu bestaunen. Oder aktuell Flachter Str. und Neu: an der Hemminger Str. in Weilimdorf.

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  7. Ein wenig müssen sich da einige Persönlichkeiten aus der Szene ADFC und Radentscheid an die eigene Nase fassen?
    Wer propagiert, dass Radverkehrsförderung "auch dem Autoverkehr nutzt" oder betont "diese Initiative richtet sich nicht gegen den Autoverkehr"(NRW) sollte sich nicht wundern oder grämen, wenn dann Lösungen, die vieleicht den Autoverkehr behindern könnten nicht realisiert werden, und stattdessen das alte Dogma "alles geht, wenn es bloß den Autoverkehr nicht stört" unverändert die verkehrspolitische Landschaft bestimmt.

    Pelz waschen heisst: nass werden!

    Alfons Krückmann

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    1. Da greifst du die Falschen an, Alfons. Das Argument, dass ein gut organsisierter Radverkehr, auch dem Autovekrehr nutzt, ist eines von denen, die wir benutzen, um den Autofahaenden und ihren Lobbyisten klar zu machen, dass man nicht gegen jeden RAdweg kämpfen muss. Im Zielbeschluss für ein fahrradfreundliches Stuttgart steht ganz klar drin, dass der Radverkehr aufkosten des Raums für den Autoverkehr ausgebaut werden soll.

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  8. Der Radweg wird Autofahrbahn, weil auf der Autofahrbahn eine Baustelle ist, die völlig naheliegende Umleitung durch den Fußgängertunnel wird mit demonstrativ mir "Nur Fußgänger - Radfahrer absteigen" beschildert und keinerlei Hinweis auf eine Umleitung (die kompliziert würde) - deutlicher kann Stuttgart die Haltung gegenüber Radfahrern nicht ausdrücken.

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