27. April 2019

45 Gründe fürs Radfahren

Die zählt Carlton Reid hier auf, darunter die üblichen wie, länger leben und attraktiver aussehen. 

Viele der Gründe kennen wir. Aber wussten wir schon, dass Radfahrer/innen auch die besseren Autofahrer/innen sind? Oder dass sich sogar dann bessere Luft atmen als Autofahrende, wenn sie an einer viel befahrenen Straße unterwegs sind? Oder dass sie fliegen können?

Ich habe die Liste aus dem Englischen weniger übersetzt als vielmehr ins Deutsche übertragen und dabei zusammengefasst und mir die ausführliche Nennung der Quellen für die Studienergebnisse gespart. Die findet ihr im Originaltext. Und hier meine Version:



  1. Länger leben. Einer britischen Lanzeitstudie zufolge senkte regelmäßiges Radfahren im Alltag das Risiko an einer Krankheit zu sterben um 41 Prozent und das, Krebs oder Herzkrankheiten zu bekommen um 45, beziehungsweise 46 Prozent. 
  2. Fett verbrennen. Wenn eine gesunde Frau eine Stunde mit knapp 30 km/h auf ebener Strecke radelt verbrennt sie ungefähr 500 Kilokalorien. 
  3. Vergnügt zur Arbeit kommen. Eine kanadische Statistik hat herausgefunden, dass unter den Radfahrenden 66 Prozent mit ihrem Weg zur Arbeit zufrieden waren. Bei denen, die mit Öffentlichen fahren, waren es nur 32 Prozent. 
  4. Den Horizont erweitern. Wer die Radfahrt zur Arbeit genießt, wird immer öfter auch andere Wege mit dem Fahrrad fahren und schließlich auch bei Regen radeln. 
  5. Nicht fürs Parken bezahlen.  
  6. Den Planeten retten. Auch das Herstellen von Fahrrädern belastet die Umwelt, ohne Frage, aber dabei wird weniger Stahl, Gummi und Plastik verarbeitet. Auch beim Bremsen produziert das leichte Fahrrad weniger Feinstaub als ein schweres Auto. Außerdem werden Fahrräder nicht mit Diesel oder Benzin gefahren, sondern mit einem Frühstücksbrot, Spaghetti oder Schokolade oder Ähnlichem. 
  7. Die Lunge stärken. Radfahren ist eine aerobe Sportart. Man atmet tiefer, das Herz schlägt schneller, jede Menge Sauerstoff wird in die Muskeln befördert. Der Stoffwechsel grunzt vor Vergnügen. 
  8. Geld sparen. Keine Benzinkosten, keine Parkplatzkosten, keine Versicherung und keine Kfz-Steuern. Keine teure Inspektion, den TÜV und allfällige Reparaturen, keine Ausgaben für Stadtbahntickets. Den Zweitwagen könnt ihr vielleicht abschaffen. 
  9. Schneller sein. Auf allen Strecken unter 5 bis 6 km ist man mit dem Fahrrad in der Stadt von Tür zu Tür immer schneller. Im Feierabendstau verlängert sich der Zeitvorteil auf Strecken von bis zu 12 km. Und das gilt für alle, auch die langsamen Radler/innen. 
  10. Sich treiben lassen. Wenn man sich mit dem Auto verfährt, also vom Weg abkommt, wird es stressig. Auf dem Fahrrad kann man immer irgendwohin abbiegen, wo es schön ist, der Nase nach fahren, sich herumtreiben, was entdecken. 
  11. Wie ein Kind lächeln. Die erste Erfahrung von Freiheit machen Kinder, wenn sie mit dem Fahrrad ihre Umgebung erkunden. Das Freiheitsgefühl findest du als Erwachsener auf dem Fahrrad wieder. 
  12. Gehirnleistung srteigern. "Ich bin beim Radfahren drauf gekommen", soll Albert Einstein über die Relativitätstheorie gesagt haben. Bewegung und Freiheitsgefühle kurbeln das Gehirn an. Studien zufolge steigt bei Radfahrenden in bestimmten Hirnregionen die Durchblutung um 70 Prozent. Außerdem macht Radfahren den Kopf frei und kurbelt die Kreativität an. 
  13. Das Durchhaltevermögen stärken. Das Leben ist wie Radfahren: Wenn du die Balance halten willst, musst du dich bewegen. Radfahren ist eine der Grundfertigkeiten des Lebens. 
  14. Mehr Sozialkontakte haben. Radfahren ist eine extrem individualistische Fortbewegung, aber Radfahrende treffen sich öfter in der Stadt und können stehen bleiben und reden. Radler bilden eine Community, real und in den sozialen Netzen. 
  15. Besseren Sex haben. Denn beim Radfahren werden die Muskeln gestärkt, die man auch beim Geschlechtsakt einsetzt, die oberen Beinmuskeln, die kleinen Gesäßmuskeln und der Glutäus maximus (Hinterbackenmuskel), der stärkste Muskel, den wir haben. Und bei Männern erhält Radfahren länger die Potenz. 
  16. Stress meiden. Wer mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmittel fährt, erleidet größeren Stress als ein Kampfpilot vor der Schlacht. Blutdruck und Herzschlag ähneln sich, aber der Pilot erlebt sich als Handelnder. Autofahrer oder Zugfahrer nicht, denn sie sitzen im Zug und können nichts tun. Wer mit Auto oder Öffentlichen fährt, fühlt sich oft frustriert und hilflos und ärgert sich. Radfahrende nicht, sie können ausweichen, abbiegen, anhalten, sich durchschlängeln. 
  17. Sich jünger fühlen und jünger aussehen. Einer Studie zufolge haben Leute, die regelmäßig Fahrrad fahren, ein Fitnessniveau wie ein zehn Jahre jüngerer Mensch, der das nicht tut. 
  18. Bessere Luft atmen. Autofahrer sitzen immer in der schlechten Luft, die sie selber produzieren, in der Fahrerkabine konzentrieren sich Feinstaub und Stickoxide sogar noch. Eine Studie hat in London Radler, Busfahrer, Autofahrer und Fußgänger mit Messgeräten auf eine viel befahrene Straße geschickt. Demnach waren Autofahrende einer fünf Mal höheren Luftverschmutzung ausgesetzt als Radfahrende. Die Filter filtern Feinstaub und Kohlendioxid nicht heraus. Die Lungen von Radlern reinigen sich schnell selber, die von Autofahrenden nicht. 
  19. Besser schlafen. Nach einer Tour von hundert Kilometern schläft man wie ein Baby, klar. Aber auch zwanzig bis dreißig Minuten Radeln jeden Tag verbessert den Schlaf. 
  20. Besser Auto fahren. Untersuchungen in GB haben festgestellt, dass Radler hinterm Steuer besser sind als Nichtradler. Sie bauen nur halb so viele Unfälle wie reine Autofahrer. Wer viel Rad fährt, hat ein besseres Reaktionsvermögen und sieht mehr Details im Straßenverkehr. 
  21. Die Temperatur bestimmen. Wenn du fröstelst, steig aufs Fahrrad und dir wird warm! Ist es zu heiß, dann verschafft dir das Radfahren eine kühle Brise. 
  22. Sich besser fühlen. Bewegung hilft gegen miese Stimmung und depressive Tendenzen. 
  23. Was gegen die Alzheimer tun. Schon fünf Prozent mehr Fitness steigert Gedächtnisleistungen um 15 Prozent. Ärzte glauben, dass es daran liegt, dass Bewegung dazu beiträgt, neue Gehirnzellen und Verbindungen im Hippocampus zu produzieren, der für das Erinnerungsvermögen zuständig ist. 
  24. Landschaft erleben. Auf dem Fahrrad sieht man nicht nur Landschaft, man erlebt sie auch besser, an Steigungen muss man sich anstrengen, Gefälle sind erholsam oder gefährlich. 
  25. Fliegen lernen. Radfahren ist oft Geschwindigkeit mit geringem Kraftaufwand, das kommt dem Gleiten nahe. Downhiller imitieren den Sturzflug des Raubvogels. Die rhythmische Bewegung des Pedal-Tretens ähnelt dem Flügelschlag. 
  26. Sich entspannen. "Ich entspanne mich, wenn ich mein Fahrrad auseinander nehme und wieder zusammensetze", sagte die Schauspielerin Michelle Pfeiffer mal. 
  27. Das Kribbeln auf der Haut spüren. In Autos, Bussen oder Zügen fährt man isoliert vom Draußen. Wer Rad fährt, spürt die Elemente, Wind, Wetter, Kälte, Wärme, Gerüche, Sonne, Schatten, hört Vögel, das Rascheln neben dem Weg, hört den Schnee knirschen. 
  28. Grün werden. Der Umweltschaden von motorisierten Fahrzeugen ist groß. Fahrräder sind Teil der Lösung, nicht des Problems. Ein Radfahrer ist vier bis fünf mal schneller als ein Fußgänger und verbraucht dabei nur ein Fünftel der Energie. 
  29. Die Wirtschaft ankurbeln. Auch die Fahrradindustrie ist ein Wirtschaftsfaktor. Gleichzeitig trägt Radfahren zum ökonomischen Gewinn einer Region bei, die Kosten für Gesundheit sinken, die Kosten für Parkplätze auch, und Radfahrende kaufen lokal ein und kaufen mehr ein. 
  30. Fast jeder kann Rad fahren. Um damit anzufangen, muss man nicht sonderlich fit sein. Man fängt langsam an. Die Fitness steigt dann schnell. Radfahren ist eine niederschwellige Form, sich langsam wieder etwas fitter und lebendiger zu machen. Wenn man nicht mehr kann, trägt einen das Fahrrad, anders als beim Joggen, wo man jeden Schritt selbst machen muss. 
  31. Die Stadt schöner machen. Heute blockieren Autos alles, jeden Straßenrand, jede Straße, jede Kreuzung, jeden Platz, so gut wie jede Fußgängerzone. Sie brauchen sehr viel Platz, der Kindern zum Spielen fehlt. Autos machen die Stadt laut und dreckig und voll. Räder brauchen nur ein Zwölftel des Platzes und sind leise. 
  32. Sich wie Buddha fühlen. Radfahren hat auch was Meditatives. Treten, Treten und Treten macht den Kopf leer und hebt deinen Geist (vielleicht) auf ein höheres Niveau.
  33. Keine Tiere tot fahren. Weltweit sterben auf Straßen durch Autos schätzungsweise Billionen Tiere. Radfahrende erwischen seltener (bis nie) Katzen, Füchse und Igel. Und weil sie nur zwei Reifen haben, nicht vier, verringert sich auch das Risiko, Kröten zu überfahren. 
  34. Ein Fahrzeug mit Muskelkraft bewegen. Auf dem Fahrrad ist der Passagier der Motor. Deshalb blicken Radfahrende mit Stolz auf die Strecke zurück, die sie gefahren sind. 
  35. Geschwindigkeit erleben. In modernen Autos spürt man die Geschwindigkeit nicht mehr. Auf dem Fahrrad aber signalisiert einem der eigene Kraftaufwand und bergab der Gegenwind, wie schnell man ist. 
  36. Sich selbst genügen. Früher mussten Autofahrer auch mal was selber reparieren. Das geht heute gar nicht mehr. Radfahrer aber müssen mal einen Platten ausbessern oder eine Schraube nachziehen. "Diejenigen, die ihr eigenes Leben kontrollieren und mehr sein wollen als nur Konsumenten und Kunden, die fahren Fahrrad", behauptete Wolfang Sachs, ehemaliger Vorsitzender von Greenpeace.  
  37. Weniger Platz beanspruchen. Achtzehn Fahrräder können auf deinem Parkplatz stehen, dreißig Räder können auf der Fläche rollen, die ein einziges Auto rollend für sich braucht. Wenn man 40.000 Menschen in einer Stunde in Zügen über eine Brücke bringen will, braucht man drei Spuren, vier, wenn man sie in Bussen rüber schafft und zwölf, wenn sie in eigenen Autos drüber fahren, aber nur zwei, wenn die Leute auf dem Fahrrad sitzen. 
  38. Spontan sein. Wer hält sein Auto an, um einem Hasen auf der Wiese zuzusehen? Ein Fahrrad kann man fast immer überall anhalten. Radfahrende sind der Natur nahe. 
  39. Sich auf seine Stärke verlassen. Autofahrer fahren im Tran eines falschen Sicherheitsgefühls, denn sie kommen meistens unfallfrei an. Radfahrende dagegen wissen, dass nichts sicher ist. Radfahrende sind sich ihrer Verletzlichkeit immer bewusst. Sie entwickeln einen Sinn für Selbstschutz und sie nutzen ihre Sinne, sie fahren vorausschauend, sie spüren ihre Verantwortung für sich selbst und lernen, sich auf sich zu verlassen. 
  40. Ortskenntnis entwickeln. Fußgänger /innen und Radfahrer/innen kennen im Detail ihre Umgebung (Bordsteine, Bäume, Ecken, Kanten, Gullideckel, Kreuzungen, Abkürzungen). Die Umgebung, in der sich Radfahrer ziemlich gut auskennen, ist allerdings viel größer als die von Fußgängern, denn sie legen weitere Strecken auf dem Rad zurück. 
  41. Das eigene Wunder schaffen. "Das ist so leicht wie Radfahren", heißt es immer wieder. Radfahren mag einfach erscheinen, aber es ist etwas Geheimnisvolles, das Menschen nicht verstehen, die nicht Rad fahren. 
  42. Mit Radfahren Geld verdienen. Wer am liebsten Rad fährt, kann sich als Rikschafahrer, Lastenradlieferant oder Pizza-Auslieferer und Fahrradkurier verdingen.  
  43. Die Innenstadt retten. Fußgänger und Radfahrer geben mehr Geld in Geschäften in den lokalen Zentren aus als Autofahrer. Und zwar ungefähr 40 Prozent. 
  44. Die Fußgängerzone retten. Überall gibt es gebrochene Pflastersteine, klappernde Platten. Sie wurden nicht von Radfahrern zerstört, sondern von den Autos, die in Fußgängerzonen hineinfahren und auf Gehwegen parken. 
  45. Was unternehmen. Früher machte man Ausfahrten mit dem Auto, nur um Auto zu fahren. Heute macht man das mit dem Fahrrad. Da dreht man eine Schleife von A nach A. "Nichts ist vergleichbar mit dem einfachen Vergnügen einer Radfahrt", stellte Kennedy fest. 

Kommentare:

  1. Alte Fahrräder retten. In den Kellerverließen in Stuttgart stehen überall noch alte Stahlrahmenräder eingekerkert. Für wenig bis überschaubar viel Geld kann man diese retten und sich oder anderen gutes tun. Für den Anfang werden keine neuen Discounträder, Chinaräder und auch keine Pedelecs benötigt. Die Stuttgarter Berge waren schon immer da, daher liegt es an jedem selber ob er den Mut aufbringt Sie zu bezwingen.

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  2. Lieber Anonymus, es ist keine Frage des Muts, ob man die Alte Weinsteige (täglich) ohne E-Motor hochradelt, sondern eher des Alters und der persönlichen Fitness. Du bist wahrscheinlich ein junger Mann, der es herausfordernd findet, sich mal ein bisschen anzustrengen. Aber Leute, die sich ein E-Rad gekauft haben (die zwischen 40 und 70 Jahren) fahren damit viel viel viel mehr als sie es jemals auch in ihrer Jugend mit Normalrädern in Stuttgart getan haben. Erst die Pedelecs haben Stuttgart zu einer Fahrradstadt gemacht. Also nicht E-Räder verteufeln, aber trotzdem die schönen alten Stahlräder retten.

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  3. Liebe Frau Lehmann, vorab danke für die günstige Altersschätzung und tatsächlich liegen wir wenige Jahre auseinander. Der Beweggrund für meinen Kommentar war sicherlich meine Persönliche Situation. Es ist nicht mein Interesse Pedelecs oder sonstiges schlecht zu reden. Meine Herausforderung liegt tatsächlich in der Anstrengung. Und die Anstiege sind sicher nicht alle wie die Alte Weinsteige, zudem kann jeder natürlich auch mit dem Pedelec fahren. Aus Gesundheitlichen Gründen versuche ich soviel wie möglich mit dem Fahrrad zu fahren. Der Berg war schon vorher da und daher hab ich die Übersetzung der Situation angepasst. Die Erdanziehung sollte also für uns kein Hindernis sein. Die Kimbern, Römer und der Hannibal haben sich von den Alpen auch nicht beeindrucken lassen. Als ich vor 2,5 Jahre mit dem Fahrradfahren wieder begonnen habe, bin ich innerhalb der ersten 200 Meter insgesamt fünf man hingefallen und hatte Wunden an beiden Knien, Arm und am Körper. Für den ersten Tag reichte das erst mal. Mit der Zeit ging es dann besser. Ich fahre mit dem Rad überall hoch und wenn der Körper nicht mehr kann schiebe ich (mittlerweile selten). Aus der Technik hab ich das machbare raus geholt. Für die Technikfreaks: 13-34T Kasette, 20/32/42T Kettenblatt, 7 fach, 28" (alpine Übersetzung). Und ich muss nicht als erster irgendwo ankommen sondern ich möchte fahren. Das Wort "Mut" habe ich bewusst benutzt, denn es bedarf Überwindung und Mut egal ob Jung oder Alt, sich im Stuttgarter Verkehr zu bewegen. Zum Schluss noch der Hinweis, dass mein Rad nicht Gewichtsoptimiert ist, denn die Gewichtsoptimierung ist für meinen Körper wichtiger.

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