20. Januar 2020

So kann das nicht bleiben

Die Dorotheenstraße, das ist die an der Markthalle, soll verkehrsberuhigt werden. Das sieht der Zielbeschluss für eine autofreie Innenstadt so vor. 

Der Umbau beginnt in diesem Jahr und soll bis 2023 abgeschlossen sein. Schon in diesem Jahr sollen 40 Kurzzeitparkplätze wegfallen. Nach anfänglichem Aufschrei ist der Protest der Markthallenbeschicker abgeflaut. So wie des derzeit vor der Markthalle aussieht, kann es wirklich nicht bleiben. Das ist Schmuddelecke mit Blechbergen. Blogleser Matthias hat sich das mal angeschaut.

Er hat mir Fotos (Bild oben) von der Situation vor der Markthalle in der Dorotheenstraße geschickt. Sie stammen von einem Samstag und zeigen, dass viele Autofahrende in die Sackgasse (die zugleich Zufart zu einer Tiefgarage unterm Schillerplatz ist) hineinfahren, schauen, ob es einen freien Parkplatz an der Markthalle gibt, wenden und wieder hinausfahren. Der Parkplatzsuchverkehr, den diese Stellplätze erzeugen, ist enorm. Die parkenden Fahrzeuge nehmen außerdem den Arkaden der Markthalle das Licht. Hier geht zu Fuß nur lang, wer muss, nicht wer Lust hat. Für Fußgänger/innen ist diese Seite der Markthalle verloren.

Matthias schreibt dazu: "Als ich gestern mit etwas Zeit zum Rumschauen in der Stadt unterwegs war, ist mir aufgefallen, wie unberücksichtigt diese Seite der Markthalle bisher ist. Ich gehe da eigentlich auch nie lang, weil es schönere Wege gibt als zwischen Tiefgaragenzufahrt, Stellplätzen und etwas gammligen Markthallen-Arkaden entlang zu gehen. Da nehme ich sonst immer die nächste Straße. Geht man aber mal bewusst dort entlang, sieht die vielen Markhallen-Zugänge, die Fassade mit den Gemälden, das Alte Schloss auf der Gegenseite, dann ist es überraschend, dass man dieses Feld bisher einem Hinterhofparkplatz überlassen hat."

Es ist ohne Zweifel Konzept etlicher Markthalleneinkäufer, mit dem Auto da hinein zu fahren. Dann stellt sich der Mann an den Straßenrand, wo ein Halteverbot herrscht, die Frau läuft in die Markthalle, kauft ein und kommt zurück. Manche finden auch zufällig einen Parkplatz, weil jemand rausfährt, und gehen dann gemeinsam einkaufen. Andere fahren wieder weg, weil sie keinen Parkplatz finden und auch im Halteverbot alles zugestellt ist. In die Tiefgarage wollen sie nicht reinfahren. Das ist schon wieder viel zu umständlich. Sie hängen der Illusion an, dass Einkaufen ein davor Parken, Austeigen, Kaufen, Einsteigen, Wegfahren sein muss. Aus diesen rieisigen Autos steigt aber immer nur jeweils ein Einkäufer aus. Das sind dann vielleicht hundert am Tag. Und wo viele Autos sind, sind jedoch kaum Fußgänger/innen unterwegs. Die fehlen der Maerkthalle als Kund/innen. Barcelona zeigt, wie eine Markthalle funktioniert. Sie steht frei, Autos dürfen nicht an sie heranfahren. Fußgänger/innen sind unterwegs. Es gibt Radabstellplätze. Wenn wir als Touristen dort sind, genießen wir das.

Matthias schreibt: "Die Markthallen-Ansicht wird vielleicht später mal so ein Foto sein, wie der Schillerplatz (oder der Marktplatz, Anmerkung RiS) voller Autos oder die Königstraße mit Fahrzeugen: Stell Dir vor, so sah das damals mal dort aus! Klar, die Denkweise muss sich erstmal durchsetzen, dass die Steigerung an Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer, die durch den Wegfall der Autoparkplätze entsteht, letztlich mehr Kunden bringt als durch die Parkplätze unter Umständen wegfallen. Diese Parkplätze sind ja nicht zwangsläufig frei, wenn gerade ein Markthallenkunde kommt, und die dort parkenden Leute können ja auch wo ganz anders hingehen. Habe ich hingegen dort eine Außengastronomie, dann sind die Leute bei mir. Und dass Autofahrer nicht die einzigen Kunden sind. Die Innenstadt kann ja kein Cash&Carry-Markt auf der grünen Wiese sein, sie hat andere Vorzüge."

Allerdings ist es ein Kampf, den die Polizei allein gar nicht leisten kann, die neuen Funktionen der Innenstadtstaßen auch gegen die Autofahrenden - einige davon absolut uneinsichtig - durchzusetzen. Momentan ist die Eberhardstraße die einzige,  die neu autofrei geworden ist. Man merkt es kaum. Autos dominieren immer noch. Es gibt allerdings doch inzwischen auch schon Momente, da merkt man es, und dann ist es ganz schön. Aber darüber schreibe ich ein andermal. 

Kommentare:

  1. dazu habe ich einen schönen artikel gelesen:
    https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kurioser-vorgang-in-bietigheim-bissingen-bordcomputer-macht-autofahrer-auf-unfall-aufmerksam.d38745bb-b4cb-4e7b-aeb3-f33033cbe098.html

    Die Technologie der Eigenüberwachung ist also angekommen und im Einsatz. Die Politik muss nur noch ein einfaches Programm auflegen, auf dass die Fahrzeuge eigenintelligent gar nicht mehr da hin fahren, geschweige denn falsch parken können.

    digital 1st!

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  2. Zudem biegen viele Autofahrende viel zu schnell nach rechts über den Zebrastreifen (vgl. Bild 1) ab. In der Vorweihnachtszeit wurde ich auf diesem Zebrastreifen fast überfahren, hat die anwesende Polizeiwache dort aber auch nicht wesentlich interessiert.

    MFG
    Jan

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  3. Ein Polizist, der Autofahrer in der Eberhardstraße kontrollierte, meinte, dass es sehr viel schöner geworden ist, seit dem die Straße nicht mehr von Park- und Parkplatzsuchverkehr doniniert wird. Und der Marktplatz- ein häßliche Ecke, wo Bäume und Gastro fehlen. Ich konnte nur zustimmen. Auch die Markthalle wird es schaffen, von allen Seiten ansehnlich zu werden.

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