12. Dezember 2023

Stuttgarter Ecken warten sehnlichst auf Poller

In der Liststraße in Stuttgart Süd sind an zwei Kreuzungen die sogenannten Stuttgarter Ecken entstanden. Sie wurden schraffiert und im Anschluss mit kleinen Flächen für Lastenräder oder E-Scooter markiert. 

Mit dieser Maßnahme sollen die Ecken von Falschparkern freigehalten werden, damit Schulkinder, aber auch ältere Menschen und solche mit Kinderwagen leichter über die Straße gehen können, auch deshalb, weil sie besser sehen, was kommt. Auch uns Radfahrenden nützt das, denn wir sehen beim Heranrollen besser in die Seitenstraßen hinein. Grundsätzlich darf auf Ecken ohnehin nicht geparkt werden. Vom Schnittpunkt er Verlängerungslinien der beiden Straßen, die sich kreuzen, müssen 5 Meter Abstand gehalten werden. Die Sperrflächen verdeutlichen dies. Sperrflächen dürfen nicht überfahren werden, und zwar auch nicht beim Wenden oder so, also unter keinen Umständen. 

Auch Radparken auf Sperrflächen ist verboten. Wir sehen auf dem Foto oben (mehr schlecht als recht)  auch ein Lastenfahrrad auf der Sperrfläche parken, links neben dem Motorrad, das da ebenfalls steht. Auch das ist nicht erlaubt! Aber wieso hat man hier keine Fahrradparkplätze (mit oder ohne Bügel) eingerichtet?

An dieser Kreuzung Liststraße/Strohberg gibt es eine Apotheke und zwei Läden, aber keinen einzigen Fahrradbügel, dafür ohne Ende Autoparkplätze. Und ausgerechnet hier sind an den Enden der Sperrflächen keine Lastenradparkpätze markiert, anders als an den Ecken Liststraße/Römerstraße, sondern - warum auch immer - zwei mal E-Scooter-Abstellflächen (die zugeparkt sind). So sah es an einem Samstag gegen 13 Uhr aus (einschließlich  Foto ganz oben). 

Und das dort, wo die berühmte besondere Bäckerei ihren Laden hat, den auch viele gerne mit dem Fahrrad anfahren. Radfahrende können hier ihre Fahrräder nur auf dem Gehweg abstellen (was ja erlaubt ist) oder illegal auf der Sperrfläche oder, falls nicht zugeparkt auf der E-Scooter-Stellfläche. 

Noch parken zu viele auf den Sperrflächen. Immer, wenn ich an diesen neuen Stuttgarter Ecken vorbeikomme, hat irgendwer sein Auto auf mindestens einer abgestellt. Sonntagnacht stehen sie dann auch mal drei bis vier Ecken. Das zeigt das Foto von der Kreuzung Liststraße/Römerstraße. Der Fahrer des roten Transporters ist dabei auch noch auf den Gehweg hochgefahren, und der weiße Kleinwagen steht mit den Hinterrädern auf dem Gehweg und auf dem Zebrastreifen (allerdings nicht auf der Sperrfläche). 

Die Autofahrenden müssen sich offensichtlich erst daran gewöhnen, dass die Stadt will, dass Autos nicht mehr auf den Ecken abgestellt werden. Und zwar ernsthaft. Durfte man vorher natürlich auch nicht. Aber solche Flächen an Kreuzungen werden von den Autolobbyisten (auch den Recht-und-Ordnungs-Parteien) nicht als illegal, sondern als "inoffizielle" Parkplätze betrachtet. Sie stehen immer zur Verfügung für den kleinen Prozentsatz von frechen Autofahrenden, die ihre Karren im Grunde überall hinstellen und das für ihr gutes Recht halten. Ein Fahrzeug, das auf einer Sperrfläche parkt, kann bei Gefährdung übrigens kostenpflichtig abgeschleppt werden. 

Hier werden noch Poller hinkommen, die das Falschparken erschweren sollen. Darauf warten wir. Und dann schauen wir mal, wie es funktioniert. Ein paar Fahrradbügel wären aber schon noch ganz gut an der Ecke Strohberg/Liststraße. 

26 Kommentare:

  1. Ich warte sehnlichst darauf, dass sich das AfÖ endlich wieder um die StVO kümmert, ich warte nicht sehnlichst darauf die ganze Stadt zu verpollern und diese häßlichen, und auch für Radfahrer nicht ungefährlichen Hindernisse, an jeder möglichen und unmöglichen Stelle aufzustellen. Die Probleme mit der städtischen Akzeptanz von Falschparkern sind doch ein politisches Problem und mangelnder Respekt vor der StVO seitens der handelnden Personen in der Verwaltung. Wir müssen von Maier&Co Respekt für den Fuß- und Radverkehr, auch im Gemeinderat, einfordern, nicht immer mehr Poller.

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    1. Na ja, über die Sperrfläche dürfen ja auch keine Radfahrenden fahren, sie geraten also mit Pollern nicht in Kontakt. Ich würde die Dinger übrigens so hinstellen (Radbügel wären auch eine schöne Möglichkeit) dass das Aufparken auf den Flächen unterbunden wird. Wenn sich jemand dann mitten auf die Ecke und die Sperrfläche stellt, dann ist das eh ein Fall für die Polizeil..

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    2. Mit den Anarchos von CDU, FDP und FW ist es schwierig, Recht und Ordnung auf unseren Straßen herzustellen.
      Thomas

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  2. Poller, Poller, Poller. Ohne Poller geht gar nichts in Stuttgart. Zum Glück sieht das auch die Stadtverwaltung mittlerweile. Übrigens wird in der Sophienstrasse vor dem Gerber Samstags Abends auch alles illegalerweise zugeparkt, so dass das Kreuzen mit den entgegenkommenden Fahrrädern nicht mehr möglich ist. Da braucht es also auch mehr Poller, Poller, Poller

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  3. Ich fühle mich hin- und hergerissen. Die Poller und schraffierten Flächen sind eine Lösung endlich die Ecken frei zu halten. Allerdings ist es auch eine Katastrophe die Botschaft zu senden: keine Poller = Parkplatz.
    Das Durchsetzen der Regeln wäre nachhaltiger, weitgreifender und wirtschaftlicher. Grüße Thilo

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    1. Stimmt. Aber so ist das mit dem Verkehrszeichen "Überholverbot von Zweiradfahrenden" auch, das nur dort steht, wo man ohnehin nicht überholen darf. Wir müssen offenbar die Verkehrsregeln dann durch weitere Maßnahmen bekräftigen, wo wir wollen, dass sie eingehalten werden. Denn die Polizei kommt zu selten an die Stellen, wo sie gebrochen werden. So viel Polizei kann man gar nicht mehr einstellen und in die Verkehrswelt schicken, wie man bräuchte. Und auch wir Radfahrenden halten uns ja keineswegs alle immer an die Regeln.

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  4. Es macht ja Sinn, wenn man eine Sperrfläche markiert. Zur Not kann die Feuerwehr oder die Müllabfuhr trotzdem mal drüberfahren. (Zickzacklinie gibt es nur in gerader Ausführung) Einentlich ist das Aufmalen einer Sperrfläche in der Kurve, im 5m-Bereich, doppeltgemoppelt. Man darf da sowieso nicht halten/parken nach allgemeiner Verkerhsrgel, trotzdem machen es Leute, also malt man zur "Erinnerung" eine Sperrfläche auf (theoretisch unsinnig, praktisch auch, wie man sieht).
    Das Ganze abzupollern hilft dann nur der Sichtbeziehung und den Fußgängern. Einem gescheiten Abbiegen stehen die Poller dann auch wieder im Weg. Der 5m Bereich ist auf der Fahrbahn schließlich auch "Rangierfläche" (Aufstellen beim Abbiegen, Warten beim Einfahren, etc.) Um diese Bereiche freizubekommen, helfen nur Strafen über Kontrollen und Abschleppen (und zwar immer) und es muss klar werden, dass, wer im 5m Bereich steht, kriegt auf jeden Fall bei einem Unfall Mitschuld. Das muss dann auch bei der Polizei verinnerlicht werden.
    Karin

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  5. Ein Fest für die World Bollard Association!
    https://www.instagram.com/worldbollard/

    Ansonsten bin ich mit Thomas und Rainer einverstanden, die Polleritis ist ein Armutszeugnis.

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    1. Stimmt schon. Vielleicht müssen wir uns aber eingestehen, dass wir alle ziemlich oft die Regeln verletzen - auch wir Radfahrenden - weil wir in dem Moment meinen, es gehe nicht anders. Ich persönlich wäre eher für Sensoren und für Kameras, aber das ist in Deutschland halt schwierig, weil wir immer gleich Datenschutz schreien. Was wäre die Lösung?

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    2. @Christine: Zu deinem Datenschutzexkurs: Ich finde Datenschutz echt gut (und für eine Demokratie essentiell). Und dies sage ich ganz ruhig und sachlich.
      Zu den StVO-Verstößen: Es macht m. E. einen Unterschied, ob ich mit dem Fahrrad, dem Kraftrad , einem Lkw oder mit dem Pkw gegen die StVO verstoße. Die Betriebsgefahr, welche von den verschiedenen Fahrzeuggattungen ausgeht, liegt Dimensionen auseinander.
      Um Parkverstöße von Pkw-Fahrern zu erkennen, reicht die Sensorik eines jeden Mitarbeiters des Ordnungsamtes völlig aus. Sie sind halt weder eigenmotiviert noch angewiesen, nach Parkverstößen zu gucken (geschweige denn, sie zu ahnden).
      Ist in Tübingen genau das gleiche.
      Thomas

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    3. Ich glaube, es ist nicht richtig, dass die Mitarbeitenden der Stadt nicht angewiesen seien, nach Parkverstößen zu gucken. Ich sehe oft und viele die Falschparkenden kontrollieren, in manchen Straßen so oft, dass sie regelrecht von Falschparkern freigehalten werden. Diese Armada von Parkkontrolleur:innen, die wir bräuchten, um alles zeitnah abzuarbeiten, kann eine Stadt aber gar nicht einstellen. Ich finde auch, dass die Betriebsgefahr von Autos immens viel größer ist als die von Fahrrädern, jedoch sehen dass die Fußgänger:innen anders. Sie fühlen sich von Radfahrenden auf Gehwegen bedroht, alte Menschen trauen sich nicht über die Fahrradstraße, weil sie das Gefühl haben, Radfahrende halten auch an Zebrastreifen nicht an. Ich habe erst kürzlich gehört, dass in einem Altenheim die Rede geht, es seien schon zwei Ältere von Radfahrenden tot gefahren worden. Deshalb appelliere ich an uns, uns den Fußgänger:innen gegenüber tatsächlich aufmerksamer und zuvorkommender zu verhalten.

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    4. Ich behaupte mal: Parkkontrolleur:innen haben gute Chancen mindestens Kostenneutral zu arbeiten. Zwar nicht so profitabel wie die Steuerfahndung, aber es könnte sich rentieren.
      Gruß, Georg

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    5. Die meisten "Politessen", die ich zu Fuss sehe, bewegen sich meist im Schnecken/Schlendertempo. Wenn die Briefträger in demselben Tempo laufen würden, bekäme kaum mehr jemand Post.
      Bei etwas mehr Tempo könnte man auch mehr kontrollieren. Zügig ist für mich jedenfalls anders.
      Karin

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    6. "Bei etwas mehr Tempo könnte man auch mehr kontrollieren"
      Das würde man einfach hinbekommen bei einem fixen Grundgehalt und einem höheren Anteil an erfolgsabhängigen Provisionen.

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    7. @Christine, um welche Strasse in Stuttgart handelt es sich, wo so stark kontrolliert wird, dass sie regelrecht von Falschparkern freigehalten wird?

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    8. Strohberg zwischen Tulpenstraße und Zellerstraße (der Strohberg überquert auch die Liststraße, der Vorteil, hier ist der Asphalt neu, die Fahrbahn schön glatt, deshalb radle ich da gern). Anfangs Gehweg total zugeparkt, jetzt meistens total frei. Manchmal steht einer und wenn da einer steht, steht schnell ein zweiter, aber der Gehweg (der komplett zugeparkt werden muss, wenn man bergab parken will) ist fast immer frei, wenn ich da lang radle, und das ist beinahe vier Mal die Woche.

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  6. Man Stelle sich einmal vor, in Stuttgart dürften nur 10% der Haushalte ein Kfz besitzen und Fahrbahnparken wäre strikt verboten. Dann und nur dann, gäbe es diese Probleme nicht. Diese Gretchenfrage ist beantwortet, die meisten unserer Mitbürgerinnen möchten Auto fahren. Nur leider: Appelle fruchten nicht, Verbote auch nicht, es sei denn mit drakonischen Strafen, aber möchten wir so leben?

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    1. Lieber Hansjörg, woher hast du denn deine Grundannahme? Aus den Fingern gesaugt?

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    2. Ich kann - ganz im Gegensatz zu den Einwohnern der US-Südstaaten sehr gut damit leben, dass hier ein allgemeines Schusswaffenverbot herrscht, und ja: ich möchte sehr gern damit leben, dass der Autoverkehr in Dichte und Fahrleistung um mindestens 90% zurückgeht.
      Natur- und allgemeine Stadtgeräusche statt Autolärm schreckt mich nicht wirklich, Kinder, die draußen spielen statt drinnen mit Playstation, Nacharschaften, die sich wieder kennenlernen statt anonym nebeneinander her zu leben, ein Fahrbahnnetz, das wieder für pünktlichen Busverkehr und Radverkehr zur Verfügung steht, freie Gehwege, Kinder die ohne Elterntaxi zu Schulen und Kita kommen, höhere Lebenserwartung mit mehr gesunden Jahren, Rückgang von Asthma und Neurodermitis bei Kindern, weniger Reifenabrieb in Böden und Gewässern, ... usw usw usw usw
      Für mich ehrlich gesagt alles keine wirklichen Horrorvorstellungen.
      Alfons Krückmann

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    3. Lieber Hansjörg, es würde schon viel helfen, wenn die Leute, die Garagen und private Stellplätze haben, ihre Autos dort abstellen würden, dann wäre schon mal die Hälfte weg vom Straßenrand. Und dann hätten es die Handwerker:innen und Pflegedienste auch leichter mit dem Parkplatzfinden in Wohngegenden.

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  7. Lieber Hansjörg, wie kommst du denn auf 10 %? Und woher hast du "die meisten"?
    Thomas

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  8. Auf den Bildern "irritiert" mich, dass die Straßen so wenig zugeparkt sind. Ein paar Meter weiter (auf der Fahrradstraße Böblinger Str./Hauptradroute 1), und vor dem Bürgerbüro stehen eigentlich "immer" unzählige Autos in zweiter Reihe -- und da sind die vorhandenen Poller eher schlecht, weil die Autos dann noch weiter auf der (Fahrrad) Straße stehen. Es parken an vielen Stellen mehr Autos illegal in zweiter Reihe als auf den regulären Parkplätzen. Ich frage mich, wie der Gemeindevollzugsdienst mit seinen Autos da vorbei kommt ... .

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    1. Ich radle die Tübinger beinahe täglich. DA ist zu viel Autoverkehr und es stehen zu viele in zweiter Reihe, was übrigens verboten ist. Aber es sind nicht mehr als am Straßenrand legal parken. Das ist eine Übertreibung. Nicht gut ist übrigens auch, dass etliche Autofahrer vom Marienplatz durch fahren bis zur Silberburgstraße, obgleich sie das nicht dürfen, weil in der Tübinger nur Anlieger fahren dürfen.

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  9. Wie schaffen es die Niederlande, mit einer, wie es uns A.K. immer wieder ins Gedächtnis ruft sehr hohen Autodichte, sowie einer sehr hohen Besiedelungsdicht, diese Probleme zu beseitigen.
    Antwort: zu allererst mit politischem Willen. Nicht mit Pollern. Die sind zwar vorhanden, aber nicht mehr als anderswo.

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    1. Sie haben vor allem vor dreißig Jahren damit angefangen. Wir sind 30 Jahre hinterher. Was auch für Kopenhagen gilt. Und auch da war anfangs der Widerstand groß. In dreißig Jahren sieht es bei uns verkehrsmäßig auch anders aus als jetzt. Vorausgesetzt, wir haben keine lange Phase einer autoritären ultrarechten Regierung, die alles auf 19. Jahrhundert drehen will.

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  10. Poller sind als Notlösung doch erstmal okay. Schönere Stadtgestaltung von Kreuzungen sieht natürlich anders aus, aber auch dafür gibt's ja längst Blaupausen, z.b. diese https://www.radentscheid-frankfurt.de/2022/01/siglinde-unser-modell-fuer-kleine-kreuzungen/

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