27. Februar 2026

Die Autos im Schwabtunnel bleiben wohl

Am vergangenen Dienstag war der Schwabtunnel Thema im Gemeinderatsausschuss und in einer Bezirksbeiratssitzung von Süd und West. 

Die Entscheidung über den beantragten Verkehrsversuch fällt vermutlich im Sommer. Die Stadtverwaltung stellte ausführlich dar, dass eine versuchsweise Sperrung des Tunnels von Süd nicht nach West nicht erlaubt und nicht möglich sei, weil die Autoverkehrsmengen dann auf den anderen Strecken so enorm zunehmen würden, dass es zu Problemen käme, beispielsweise auch auf der Hohenzollernstraße, die gerade einen neuen Radfahrstreifen bergauf bekommen hat. Er werde dort um 63 Prozent (ich schätze, um 3.400 Autofahrten) zunehmen. Der Einwand, man müsse für einen zukünftigen reduzierten Autoverkehr planen und bei einer Tunnelsperrung suchten sich Autofahrende auch völlig andere Wege in den Westen, wiesen die Vertreter der Stadt mit dem Argument zurück, dass die Verkehrsmengen so groß seien, dass auch bei angenommenen verringertem Autoverkehr die Straßen überlastet seien, die als Alternative zur Verfügung stünden, etwa die Böheimstraße, der Marienplatz, die Hohenzollernstraße und die Hasenbergsteige (siehe Foto 3). 

Durch den Schwabtunnel fahren - so die Zahlen der Stadt - innerhalb der 16 Stunden eines Tages, 11.000 Autos (in beiden Richtungen). Zu Fuß gehen 1100 Menschen und mit dem Rad fahren ebenfalls 1100 Menschen. Im Bus lassen sich 4.400 Menschen transportieren. Einer anderen Statistik zufolge hat sich der Radverkehr im Tunnel im Vergleich zu 2017 im Jahr 2025 nahezu verdoppelt. Doch feiern mag ich diese Verdopplung nicht, denn die Ausgangszahl für den Radverkehr ist sehr niedrig. Er stieg von 433 Radelnden auf 846. Der Autoverkehr verringerte sich im selben Zeitraum um 22 Prozent, was immerhin gleich 2.600 Fahrten weniger waren. 

Dass der Autoverkehr nicht funktioniert wie Wasser, ist der Stadt nicht bekannt, deshalb modelliert sie den Autoverkehr wie Flussläufe. Doch Autofahrende können denken und suchen sich bei einer Straßensperrung längerfristig andere Wege oder wählen andere Verkehrsmittel. Das regelmäßig vorher prognostizierte Verkehrschaos stellt sich in der Regel nicht ein, der Autoverkehr reduziert sich insgesamt. Man nennt das Verkehrsverpuffung. Auch in Stuttgart hat das schon mal funktioniert, als man die Königstraße für den Autoverkehr sperrte. Der Stau war auf einmal weg. 

Auch wenn die von der Stadt genannten Automengen beeindruckend bis erschlagend sind, bin ich nicht so überzeugt, dass eine Sperrung des Schwabtunnels Richtung Westen zu dem als katastrophal prognostizierten Verkehrschaos führt, vor allem längerfristig nicht. Die Stadt will den Tunnel jedoch so lassen wie er ist und empfiehlt dem Gemeinderat die Ablehnung des Verkehrsversuchs. Es soll regelmäßig und oft Polizeikontrollen wegen illegaler Überholmanöver geben. Und man prüft, ob man auf der Schickardtstraße bergauf einen Schutzstreifen und teilweise Radfahrstreifen anlegen kann, ebenfalls auf der anderen Seite in der Schwabstraße. wofür Parkplätze wegfallen würden. Schutzstreifen nützen uns allerdings nichts, weil Autofahrende meinen, die Verkehrsflächen seien ja getrennt, und viel zu dicht an uns vorbeifahren. Übrigens, Blitzer, die Überholvorgänge und Geschwindigkeitsübertretungen registrieren und in diesen Tunnel mit runder Decke passen, gibt es derzeit nicht, beziehungsweise, sie sind noch nicht zugelassen. 

Die Angst vieler Radfahrender bei jetzt rund 15 Prozent (von der Stadt methodisch wohl korrekt gezählten) illegalen Überholvorgängen zählt für die Stadt nicht. Sollen sie eben woanders radeln, beispielsweise über die Hohenzollernstraße. Dass viele gar nicht das Fahrrad nehmen, weil sie sich nicht trauen, wird nicht mitgedacht. Und das tatsächliche Risiko für Radfahrende, bei einem unvorsichtigen und illegalen Überholmanöver verletzt oder getötet zu werden, ist offenbar keines, das man vermeiden muss. Verkehrsversuche sind jedoch erlaubt bei Gefahren, auch dann, wenn sie noch nicht streng belegt sind. Doch auch das sieht die Stadt anders. Sie hält einen Verkehrsversuch hier für illegal. Und da wird es der Gemeinderat schwer haben, ihn per Abstimmung doch zu fordern. Sie müssten den Argumentationsgang der Stadt auch juristisch in Frage stellen.  



8 Kommentare:

  1. 1894 gab es noch keine Tunnel aus Stahlbeton....

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    1. wenn es für die Beleuchtung langt, klappt es auch mit einem Fotoapparat

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    2. Häh? Auch Tunnel aus Stahlbeton haben meistens runde Decken. An denen alles mögliche befestigt ist...

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  2. Warum wurde der erste Beitrag gelöscht?
    Jetzt hängt alles in der Luft.

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    1. Sorry, ein technisches Problem, das ich zu eilig und deshalb falsch gelöst habe.

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    2. Mal in Erwägung gezogen, einen demokratiefreundlichen Blog-Platz im Netz zu wählen?

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    3. Hier geht es demokratisch zu.
      Dass mal eine Panne passiert ist verständlich. Ich lese und kommentiere hier nun seit Jahren, das ist das erste Mal, dass nicht nur der eventuelle motonormative Unsinn gelöscht wird, sondern auch der sinnvolke Urprungsbeitrag dran glauben muss.

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  3. Beim ersten mal Hohenzollernstraße meinst du sicher die Hohenstaufenstraße, oder? Dort gibt es den neuen Radfahrstreifen.
    Ich wäre sehr dafür, an der Kreuzung Hasenbergsteige, Wannenstraße, Hohenzollernstraße eine Diagonalsperre einzurichten (so, dass Kfz entweder im Süden oder im Westen bleiben müssen), dann könnte es diesen Schleichverkehr schonmal nicht mehr geben. Zudem sollte man die Hohentwielstraße für Kfz in eine Sackgasse umwandeln, so dass auch dieser Schleichweg Vergangenheit wäre.
    Was die Achse Silberburgstraße, Hohenstaufenstraße betrifft, gab es auch schon den Vorschlag, diese für den MIV in eine Einbahnstraße umzuwandeln, andersherum als den Schwabtunnel.

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