Seit 2021 beschäftigt der Flughafentunnel und die Befahrbarkeit mit dem Rad das Bündnis Filder intensiv. Nun ist der Tunnel für sieben Monate für jeglichen Verkehr gesperrt, weil er renoviert werden muss.
Radfahrende wünschen sich, dass sie die kurze Verbindung zwischen Bernhausen/Filderstadt und Plieningen/Stuttgart unter dem Flughafen Echterdingen hindurch problemlos nutzen können. Aber für einen Radweg neben zwei Richtungsfahrbahnen ist kein Platz. Der Autoverkehr müsste auf eine Richtungsfahrspur verzichten. Dafür gab es bisher keine politische Mehrheit. Deshalb hat man den Radfahrenden eine Ertüchtigung der Feldwege um den Flughafen herum versprochen. Das aber ist illusorisch. Die Strecke ist zeitweise schlicht nicht befahrbar, weil die Wege auch landwirtschaftlich genutzt werden.
Die Ausgangslage: Auf der Fahrbahn darf man durch den 500 Meter langen Tunnel unter dem Flughafen nicht radeln. Es gibt auf einer Seite einen schmalen und über hunderte Meter nur ein Fahrrad breiten Gehweg, der für den Radverkehr freigegeben ist. Ein Begegnungsverkehr ist nicht möglich, nicht mal mit Fußgänger:innen (Siehe diesen Blogpost von 2024). Die Umfahrungsstrecken östlich und westlich um den Flughafen verlängern die Fahrzeit um bis zu 5 km und 20 Minuten. Bei schönem Wetter und tagsüber sind sie vielleicht akzeptabel, aber eine Zumutung sind sie bei schlechtem Wetter, im Winter (werden sie geräumt und gestreut?) und bei Dunkelheit. Die Wege sind einsam und bieten keinerlei soziale Sicherheit (Angststrecken für Frauen bei Duneklheit). Und wenn dann noch die Landwirtschaft ihre Felder bearbeitet, dann werden sie unbefahrbar, wie die Fotos von Blogleser Cornelius aus diesem Winter zeigen. Es sind landwirtschaftliche Wege, keine Radwege. Und sie können es auch nicht werden. Sie sind als Alltagsradstrecke - also zu jeder Tages- und Jahreszeit befahrbar - ungeeignet. Die Vorgeschichte: Landesverkehrsminister Hermann hatte sich 2023 hinter die Idee geklemmt, einen Radweg durch den Tunnel zu legen und ihn in eine Richtung für den Autoverkehr zu sperren. Es gab unter anderem in Bernhausen eine Sitzung mit Bürger:innen und politischen Vertreter:innen, in er eine radfreundliche Lösung diskutiert wurde. Doch die Gemeinden um den Flughafen herum waren im Grunde dagegen. Autofahrende fahren nicht gern Umwege, obgleich es sie keine Muskelkraft und oft nicht einmal mehr Zeit kostet. Die Stuttgarter Stadtverwaltung hat dem Gemeinderat sogar einen konkreten Vorschlag für einen Radweg im Tunnel vorgekegt. Der Tunnel wäre dann nur noch in eine Richtung für den Autoverkehr nutzbar gewesen. Eine Die Alternative, eine Freigabe der Fahrbahn für den Radverkehr und Tempo 30, lehnte das Regierungspräsidium ab. Immerhin führen 19.000 Autos täglich durch, und illegale Überholvorgänge seien wahrscheinlich und gefährlich. Einen zweiten Tunnel für den Radverkehr zu graben, ist technisch höchst aufwendig, unter anderem weil oben drüber die Start- und Landebahn liegt und der Flugverkehr nicht unterbrochen werden darf, die Röhre müsste weit in die Tiefe, was mit Steigungen verbunden wäre. Und das alles wäre sehr teuer. Würde man den Tunnel für den Autoverkehr sperren, müssten Autofahrende über die Schnellstraßen und Autobahnen um den Flughafen herum fahren. Der Weg ist zwar länger, kostet aber die Autofahrenden kaum mehr Zeit, wie damals schon die Stuttgarter Zeitung berichtete. Cornelius hat damals für die Hauptverkehrszeiten umfangreiche Umleitungsberechnungen angesellt, die das zeigen. Je kürzer der Weg (Bernhausen-Plieningen), desto eher verlängert sich die Fahrzeit. Sind Start und Ziel weiter weg vom Tunnel, dann verkürzt sie sich auf den Umfahrungsstrecken sogar um einige Minuten. Die Radwege um den Flughafen herum bedeuten für Radfahrende jedoch eine garantierte Fahrzeitverlängerung von zwanzig Minuten. Und sie müssen sie mit Muskelkraft bewältigen. Der Tunnel ist 500 Meter lang, die Umfahrung bis zu fünf Kilometer.
Eigentlich hätte genau jetzt, da der Tunnel für Sicherungsarbeiten für Monate gesperrt werden muss, der Umbau zu einem Fahrrad- und Autotunnel stattfinden sollen. Aber die Lokalpolitik mochte sich einfach nicht entscheiden. Im Land war auch die CDU gegen mehr Platz für Radfahrende und weniger für Autos. Oft tauchte das Argument auf, es führen ja kaum Radler:innen durch den Tunnel - Kunststück, man kann ja auch kaum - und die Feldwege seien ja auch schön, so als ob Radfahren immer ein Freizeiterlebnis wäre, nicht auch eine Alltagsmobilität. Bei schönem Wetter und langen Tagen im Sommer mag es nett sein, um den ganzen Flughafen herum zu radeln, aber bei Dunkelheit und im Winter ist es das nicht. Das hat Cornelius mit eindrucksvollen Fotos dokumentiert, und auch das war der Stuttgarter Zeitung ein Artikel (Bezahlchranke) wert. Die Landwirtschaft braucht diese Wege, und es ist ihr auch nicht zuzumuten, die Wege nach der Arbeit auf den Feldern gleich wieder zu säubern.
Nun aber ist der Flughafentunnel tatsächlich von Ende Januar bis Ende August gesperrt. Nicht nur Radelnde, auch Autofahrende müssen jetzt drum herum fahren. Der Autoverkehr wird sich andere Wege suchen, und einige Autofahrende womöglich merken, dass sie sie sie weniger Zeit kosten und einfacher sind. Das ist für die Behörden eine gute Gelegenheit, zu untersuchen, ob und wo und um wieviel sich Fahrzeiten für Autofahrende verlängern und wo nicht, ob also der Autoverkehr diesen Tunnel tatsächlich braucht. Da sich die Lokalpolitik leider nicht zu einer radfreundliche Lösung hat durchringen können, die man genau jetzt hätte umsetzen können, wird der Flughafentunnel nach der Bauzeit leider wieder in genau der Gestalt geöffnet werden, wie er jetzt ist.






Ich will ganz offen sein: Ich ertrage den ADFC nur noch sehr schwer. Statt auf Konfrontation zu gehen hat der ADFC seinerzeit die Umgehung abgesegnet! Jetzt heult man wieder rum: Wie bestellt, so geliefert. Der ADFC will es einfach nicht verstehen: Mit Kumbaya-Gesängen und 'wir tanzen unseren Namen', erreicht man bei den autozentrierten Verwaltungen: NICHTS!
AntwortenLöschenWillst du nicht deinen Namen nennen?
Löschen"illegale Überholvorgänge seien wahrscheinlich und gefährlich" - und davor kapitulieren die Kommunen, das RP und die Polizei. Anstatt die Gefährderinnen und Gefährder zu sanktionieren, werden die Gefährdeten einfach verboten bzw. verbannt.
AntwortenLöschenDa muss ich mir schon die Frage stellen, wofür wir einen Staat haben.
Thomas
... kaum zu glauben wie autozentriert hier wieder argumentiert wird.
AntwortenLöschenKein Mensch der Radverkehr als Verkehr sieht, käme auf die Idee eine Verzehnfachung eines Weges als akzeptablen Umweg zu definieren, selbst wenn das alles Sahneasphalt wäre. 5km zusätzlich pro Richtung machen aus einer typischen Fahrraddistanz etwas was man dann doch lieber mit dem KFZ Fährt, und das auch ohne dass man mit dem KFZ einen deutlich kürzeren Weg hat.
Bei uns im Münchner Umland ist es aber ähnlich, die Verantwortlichen in den Gemeinden verstehen Radverkehr als reine Freizeitbeschäftigung und da kann man schon mal ein bisschen Umweg fahren und nachts oder bei Schlechtwetter fährt da eh keiner.
und die CSU macht Wahlkampf damit die Radfahrer wieder mehr von den Hauptstraßen zu verdrängen und die Zielgruppe glaubt tatsächlich dass damit Autos wieder schneller vorankommen. Die info dass wir jetzt deutlich mehr KFZ Verkehr am Tag haben als vor 30 Jahren als sprübar weniger Stau war, geht leider immer unter.