Die vielen Radfahrenden, die die Alte Weinsteige hoch fahren, haben reichlich Gegenverkehr, der von oben runter kommt, und zwar nicht nur Radverkehr, sondern Autoverkehr.
Der darf von Haigst runter nur bis zu den Parkplätzen an der Wielandshöhe fahren. Weiter darf er nicht, denn da steht ein Einfahrtsverbot, das rote runde Schild mit dem weißen Querstreich, das auch am Ausgang von Einbahnstraßen steht. Dem Radverkehr und den Taxifahrenden ist die Einfahrt erlaubt. Es gibt sogar eine Halbschranke, die nur selten geschlossen ist und dann das Verbot verdeutlicht. Halbschranken sind für den Bergabradverkehr stets gefährlich. Zudem kümmert die Schranke recht viele Autofahrende nicht, die wissen, dass das eine unechte Einbahnstraße ist. Sie nutzen sie als Abkürzung von der Neuen Weinsteige ins Lehenviertel vor allem zu Hauptverkehrszeiten abends. Dann fahren zusätzlich noch viele Autofahrende hoch, obgleich das zwischen 15 und 19 Uhr ebenfalls verboten ist (hier ein paar Zahlen). Die Alte Weinsteige ist schon längst zu einem rechtsfreien Raum geworden.
Der verbotene Autoverkehr zwingt uns häufig in Konflikte.
Und die meisten Menschen wollen nicht permanent Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmenden austragen, sondern friedlich vor sich in radeln. Konflikthafte Situationen mit dem Autoverkehr sind auf der Alten Weinsteige so häufig, dass nicht wenige Radler:innen tatsächlich lieber woanders radeln und dafür sogar ziemliches Ungemach in Kauf nehmen. Etwa den Pfaffenweg hinauf durch die Kleingartenanlage, ein schmaler Weg, der teils sogar noch steiler ist als die Alte Weinsteige. Und er hat einen so steilen Stufenaufgang mit schmalem Asphaltstreifen, dass man absteigen und schieben muss. Ich habe da schon Lastenradfahrerinnen das Lastenrad hochschieben sehen. Und runter können und wollen nur sehr sportliche und wagemutige Menschen das Stück auf dem Fahrrad rollend nehmen. Gefährlich ist es allemal. Der Rest schiebt. Der Schimmelhüttenweg ist eine weitere Alternative und ein noch weiterer Umweg. Zudem ist auch er streckenweise noch steiler als die Alte Weinsteige. Und bergab ist er wegen Kopfsteinpflasters und ruppiger Wasserablaufquerrinnen nur schlecht befahrbar. Man muss sehr aufpassen, immer wieder sehr stark abbremsen und es hebt einen immer aus dem Sattel.Überholen geht nicht: Für Autofahrende es ist es bergauf kaum möglich, einen Radfahrer oder eine Radlerin zu überholen, denn bergab, also auf der linken Seite stehen Autos, und zwei Parklücken hintereinander reichen nicht für ein Überholmanöver. Ein Vorbeifahren ist im Grunde nur möglich, wenn wir Radfahrenden selber ein Manöver ausführen, nämlich das der Radlerin im obigen Dreierbild und des Radlers auf dem Foto rechts. Wenn ich mit einem Auto (dessen Fahrer nicht drängelt) hinter mir hoch radle, suche ich mir links eine längere Lücke in der Parkreihe und sage dem Autofahrer hinter mir mit großen Gesten, dass er an mir vorbei fahren kann, sobald ich nach links in die freie Fläche geschwenkt habe. (Die müssen sich darauf vorbereiten, sonst schalten und beschleunigen sie viel zu langsam.) Die meisten kapieren das und bedanken sich. Kritisch wird es für mich, wenn noch jemand mit dem Auto ebenfalls noch durch will. Dann nämlich reicht mir die Lücke nicht und ich muss stoppen und aus dem Stand neu antreten. Zu erkennen, wie viele Autos hinter mir hängen, ist mir trotz meines Rückspiegels meist nicht möglich. Wegen zu oft erlebtem unfreundlichen Verhaltens des zweiten Autofahrers bin ich mit diesem Manöver inzwischen sehr viel zurückhaltender geworden.
Konflikte mit dem Begegnungsverkehr. Wenn ich Pech habe, kommt von oben ein Auto herunter, dessen Fahrer oder Fahrerin nicht daran denkt, sich auf seiner/ihrer Seite rechtzeitig eine Parklücke zu suchen, damit der Bergaufverkehr passieren kann. Dann hält das Auto, das ich gerade vorbeigelassen habe, an und beide Autos stehen Kühler an Kühler. Also muss auch ich anhalten und abwarten, bis die Fahrer:innen ausgehandelt haben, wer jetzt zurücksetzt. Ganz blöd wird es für mich, wenn der Bergauffahrer den Rückwärtsgang einlegt. Dann kann ich mich fragen, ob er (oder sie) sich noch erinnert, dass er eben eine Radlerin überholt hat, die nun hinter ihm steht, oder nicht. Meist muss ich absteigen und mein Fahrrad aus dem Weg zwischen zwei geparkte Autos schieben, wenn der Bergauffahrer zurücksetzt. (Und das wohlgemerkt, weil ein Autofahrer illegal am Einfahrt-verboten-Schild vorbei fahren will oder gefahren ist.) Danach muss ich am Berg wiederum aus dem Stand heraus antreten.
Die meisten Autofahrenden, die hier routinemäßig illegal die Alte Weinsteige runter fahren, wissen, wie sie sich verhalten müssen und suchen sich, wenn Autos hoch kommen, eine Lücke, meist auch, wenn ich mit dem Fahrrad hoch komme. Manchmal aber auch nicht. Es passiert mir alle paar Bergauffahrten, dass einer oder eine mich nicht ernst nimmt und glaubt, wir kämen aneinander vorbei. Der Platz reicht jedoch nicht zwischen Bordstein zu den Gleisen und den geparkten Autos (siehe Foto von einer Lenkerkamera). Ich muss mit dem Fahrrad in jedem Fall anhalten (und der Autofahrer muss extrem langsam machen), manchmal sogar das Rad nach rechts zum Gleisbereich hin kippen, damit sich Lenker und Außenspiegel nicht berühren. Danach muss ich bergauf wiederum aus dem Stand antreten. Und das, obgleich ich Vorrang gehabt hätte.
Zum Anhalten und wieder Antreten gezwungen: Mit dem Pedelec ist der Start am Hang ja noch einfach verglichen mit dem Start eines Standardrads oder Rennrads am Hang (und die fahren durchaus hier hoch). Ich habe schon Biobiker in Zickzacklinie anfahren sehen (diagonal ist die Steigung geringer), weil es anders nicht gegangen wäre. Einen Radfahrer oder eine Radfahrerin am Hang bergauf auszubremsen und zum Halten zu zwingen, ist jedenfalls ein extrem unfreundlicher Akt eines Autofahrers oder einer Fahrerin, die selbst bequem in ihren Sitzen sitzen und nur mit dem Fuß aufs Gaspedal tippen müssen. Das sollte bergauf auf der Alten Weinsteige wirklich nicht passieren. Und wohlgemerkt sie sind so gut wie alle ab dem Schild an der Wielandshöhe illegal unterwegs. Und die, die mir als Radfahrerin oberhalb dieses Schilds entgegenkommen, haben zu 90 Prozent vor, unberechtigterweise an dem Einfahrt-verboten-Schild vorbei zu fahren und tun das nicht zum ersten Mal.
Auch Bergabfahrten mit dem Fahrrad sind schwierig: Die Straße ist steil, man nimmt schell Fahrt auf und hat die Hände immer an den Bremsen, auch weil der Asphalt schlecht und uneben ist. Kommt von unten ein Auto entgegen, müssen wir uns die Parklücke auf unserer Seite suchen (wer das Hindernis auf seiner Seite hat, muss dem Gegenverkehr Vorrang geben). Dies mit einem Handzeichen anzeigen ist unmöglich, denn ich brauche beide Hände an den Bremsen. Das erfordert weite Vorausschau und ein Runterbremsen auf Schrittgeschwindigkeit, manchmal sogar anhalten. Nachmittags zwischen 15 und 19 Uhr sind alle Autofashrenden (augenommen Taxifahrer und Anwohner:innen) hier verbotenerweise unterwegs. Das ist aber eben auch die Zeit, in der viele Radpendelnde die Alte Weinsteige runter fahren. Blockieren sich zusätzlich Autofahrende, die bergauf und bergab unterwegs sind, gegenseitig, blockieren sie die Strecke auch für den Radverkehr.
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| links Schild unten, rechts Schild Wielandshöhe |
Es ist mir unbegreiflich, wie Stadt, Gemeinderat und Ordnungsbehörden ihren Radfahrenden eine solch konfliktreiche Situation zumuten können, nun schon über viele Jahre und auf unabsehbare Zeit.
Autofahrende haben so viele Straßen zur Verfügung, auf denen sie anstrengungslos ihre Wege zwischen Stuttgart Süd/Mitte und Degerloch bewältigen können, wir Radfahrenden aber haben bislang nur diese eine, und sie ist überdies steil und verlangt von uns viel ab. Durch den Wald, über den Pfaffenweg oder über den Schimmelhüttenweg zu radeln bedeutet Umwege und weitere Erschwernisse. Autofahrende brauchen die Alte Weinsteige nicht, aber wir brauchen sie. Und wir bräuchten sie als gut asphaltierte Fahrradstraße ohne Durchgangsautoverkehr.
Ernsthafte Versuche, den unberechtigten Autoverkehr auf der Alten Weinsteige wirklich zu unterbinden, sehe ich bisher nicht.
Technische Lösungen sind kompliziert. Vorschläge wie modale Filter, etwa mit versenkbaren Pollern (mit Einfahrtberechtigung für Feuerwehr, Krankenwagen, Polizei und Anwohnende und meinetwegen auch Taxis) oder Blitzer, die die illegalen Autofahrenden herausfiltern und bebußen, werden regelmäßig abschlägig beschieden. Versenkbare Poller machen den Anwohner:innen mit Autos Mühe, und Blitzer werfen Datenschutzfragen auf. Halbschranken wiederum können dem Radverkehr gefährlich und von Autofahrenden frech umfahren werden. Die Idee, die Alte Weinsteige an der Wielandshöhe (oder irgendwo anders) durch einen festen modalen Filter, der nur Fahrräder durchlässt, für den Durchgangs-Autoverkehr zu sperren, scheint undenkbar. Dann müssten Anwohnende jeweils mit dem Auto Umwege fahren, je nachdem, wo sie hin wollen. (Komischerweise ertragen Autofahrende Umwege nicht, obgleich sie sie keinerlei Anstrengungen kosten. Umleitungen sind auch die einzige Gelegenheit, wo Autofahrende mit CO2-Ersparnis argumentieren.) Diese Idee wird auch deshalb rasch verworfen, weil man zu beiden Seiten der Schranke eine Wendemöglichkeit schaffen müsste. (Wer will findet Wege, wer nicht will, findet Gründe,)
Alte Weinsteige als Einbahnstraße? Wenn man die Alte Weinsteige für den Durchgangs-Autoverkehr nicht sperren kann, gäbe es noch die Möglichkeit, sie zwischen Pfaffenweg und Haigst zur echten Einbahnstraße (mit Radfreigabe) zu machen. Bergab Einbahnstraße hätte den Vorteil, dass der Radverkehr schneller ist und Autofahrende nicht so aufhält. Außerdem parken die Autos in Fahrtrichtung rechts. Der Radverkehr müsste entgegenkommenden Autos nicht mehr ausweichen. Das hätte allerdings zugleich den Nachteil, dass bergabfahrende Autofahrende vermehrt gar nicht in Parklücken ausweichen, wenn Fahrräder von unten entgegen kommen, weil sie sie nicht ernst nehmen. Mir passiert es oft, dass ich hochradelnd denke "Oh, der ist aber vorausschauend" und dann im Rückspiegel sehe, dass ein Auto von unten hoch kommt, dem vor allem der Autofahrer ausgewichen ist, mir womöglich gar nicht. (Viele Autofahrende werden sich vermutlich korrekt verhalten, aber es reichen ja immer die 20 Prozent, mit denen es zu Konflikten und Konfrontationen kommt, um einem eine Strecke zu vergällen.) Einbahnstraße bergauf hätte den Nachteil, dass Radfahrende bergab immer wieder dem Autoverkehr in Parklücken ausweichen müssten und dass Autofahrende bergauf hinter den aus ihrer Sicht langsamen Bergraufradler:innen festhängen und sie in Stress bringen. Ein Vorteil fällt mir nicht ein.
Mehr Kontrollen? Wenn Stadt, Gemeinderat und Ordnungsbehörden das alles für unmöglich halten, dann braucht es Polizeieinsatz, um die routinemäßigen Falschfahrten zu ahnden und zu unterbinden. Das geschieht auch manchmal, aber viel zu selten. Dabei gab es dann auch schon einen derartig gigantischen Stau der Illegalen, dass die Polizei die Kontrollen abbrechen musste. Und die Polizei ist ja nun auch personell nicht gerade überbesetzt. Der Städtische Vollzugsdienst darf sich da übrigens nicht hinstellen, weil er für die Kontrolle des Einfahrtverbots (VZ 267) nicht zuständig ist, sondern nur die Polizei des Landes. (Der Vollzugsdienst darf nur das Durchfahrtsverbot durchsetzen.) So lasen wir es zumindest etwas erstaunt in einer Antwort auf eine Gelbe Karte.
Egal, wie kompliziert eine Lösung erscheint, für uns Radfahrende ist diese Stecke in jedem Fall viel komplizierter. Und solange die Neue Weinsteige nicht auf ganzer Länge sowohl bergauf als auch bergab im gesicherten Modus mit dem Rad befahrbar ist (Radweg/Radstreifen), ist die Alte Weinsteige halt die einzige und ausschließliche Verbindung für den Radverkehr zwischen unten und oben. Und nein: Sich und das Rad mit der Zacke hochbringen lassen, ist keine Option, denn erstens kostet es Geld, zweiten wollen wir Rad fahren und nicht an Haltestellen warten, drittens kann man nur am Marienplatz Räder aufladen, nicht am Pfaffenweg, und nur an der Endstation Degerloch ausladen und nicht etwa am Haigst, und vietens sind die Radtransportplätze begrenzt.







Erst gestern wieder gesehen: Autofahrer fährt eiskalt durch gleich zwei Fußgängerbereiche hintereinander...
AntwortenLöschenSehr schöne und treffende Beschreibung der Situation! Danke.
AntwortenLöschenWenn ich dort noch radle (ohne Motor), weiche ich meist auf den Gehweg aus - verbotener Weise, klar. Hab es auch schon auf der Straße durchgezogen, aber das ist selten angenehm.
In Cannstatt vor dem Bahnhof wird die Fahrradstraße doch durch einen Blitzer kontrolliert, oder? Auch manche Parkplätze funktionieren via Kamera und Kennzeichen. Ich verstehe nicht, warum es immer noch nicht möglich ist, Anwohnergebiete oder Einfahrtsverbote per Blitzer zu kontrollieren.
Anlieger und Anlüger sind schlecht per Blitzer zu unterscheiden
LöschenWeil man Anlieger und unberechtigte unterscheiden muss, werden Daten gespeichert, die dann ausgewertet werden können. Das jedoch hat beim Blitzer in der Fußgängerzone am Bahnhof in Cannstatt der Datenschutzbeauftragte des Landes bemängelt. Wie der Stand der Dinge dort ist, weiß ich nicht. Auch wurde der Blitzer von Leuten sabbotiert. Ist keine einfache Sache mit solchen Blitzern.
LöschenWenn man die Eierstr. bis fast zum Ende fährt, kann man dann nach rechts in den Wald abbiegen und mit moderater Steigung nach Degerloch hoch fahren, man kommt dann am Start des Woodpecker-Trails wieder auf reguläre Straßen. Dort kann man auch an verschiedenen Stellen dann die B27 überqueren.
AntwortenLöschenEs ist eine schöne Strecke durch den Wald, es ist wenig los. Für mich die deutlich bessere Alternative.
Ja, ich kenne auch Waldstrecken, die allerdings umwegig sind. Ich bin nur der Meinung, sie taugen nicht als Alltagsstrecken von und zur Arbeit zum Einkaufen etc., bei Regen sind sie matschig, Rad und Fahrer:in verdrecken, bei Dunkelheit sind sie stockfinster und als Frau ist mir da auch noch unheimlich.
LöschenHier hilft nur kontrollieren, kontrollieren, kontrollieren. Die Bereitschaft Regeln und Anordnungen zu akzeptieren, sinkt immer weiter.
AntwortenLöschenIch habe hier auch so eine Strecke. Dauerhaft für KFZ gesperrt, nur Bus und Anlieger. Bei jeder Durchfahrt mehrere KFZ, kein Bus, eher auch keine Anlieger, einfach nur Durchfahrer und dann auch noch Belehrer, die einen auf einem freigegebenen Gehweg sehen wollen, weil da ja ein "Radweg" ist.
Da habe ich auch schon mehrfach an die Stadt geschrieben, man möge das doch bitte abstellen. Erfolg? keiner. Es hat einfach niemand Interesse daran, dass sich an Anordnungen gehalten wird. Erst wenn was passiert, ist das Geschrei groß.
Christine, schick doch mal eine Anfrage und Deine Photos an die Polizei und frag mal, ob die da nichts machen können. Aber an die zentrale Stelle im Präsidium, da wird das nämlich registriert, man hat Anrecht auf eine Antwort und es verschindet nicht beim örtlichen Revier.
Karin
Liebe Karin, das Problem Alte Weinsteige ist der Lokalpolitik und der Polizei nur zu gut bekannt. Der Bezirksbeirat hat immer wieder versucht, die Strecke für Radfahrende befahrbarer zu machen, nichts wollte funktionieren oder es gab keine Mehrheit oder abschlägige Bescheide der Verkehrsbehörde. Niemand braucht mehr nachzuweisen, dass hier zu viele Autofahrende rechtswidrig unterwegs sind. Das ist bekannt. Und es gibt ja so unendlich viele Ecken in Stuttgart, wo die Regeln ebenfalls missachtet werden.
LöschenOben neben dem Text ist ein Bild mit Linienverkehr frei. Das Doppelbild weiter unten läßt nur Taxen und Fahrräder zu. Von Anliegern kann ich auf den Schildern nichts lesen.
AntwortenLöschenDer Linienverkehr biegt vermutlich irgendwo ab.
christo.
Stimmt, Christo, fein beobachtet. Und ich habe es übersehen, weil ich ja weiß, dass Anlieger:innen da mit zu beantragender Sondergenehmigung von der Stadt runter fahren dürfen.
LöschenIn so Städten wie London stünde da eine Kamera und jeder, dessen Automnummer nicht im System als erlaubt stünde, bekäme automatisiert eine Buße von 200€.
LöschenJa. Die Frage, die ich mir stelle ist allerdings: Wollen wir eine so lückenlose Kameraüberwachung des öffentlichen Raums. Sie hilft bei der Verbrechensbekämpung und Verfolgung von Straftäter:innnen, kann aber bei Übernahme eines autoritären Regimes sofort gegen uns verwendet werden, so wie sie in China der ideologisch ausgerichteten Wohlverhaltenskontrolle eingesetzt wird.
LöschenHab noch nie beobachten können, dass Fahrer:innen von Treckern, von großen landwirtschaftlichen Gefährten, etc. ein derart schlechtes Gewissen bezüglich der Wahrnehmung ihres ja zweifellos vorhandenen Straßenbenutzungsrechtes haben.
AntwortenLöschenSchlechtes Gewissen stellt sich üblicherweise - außer bei Psychopathen und/oder 'BMW-Fahrern' - ein, wenn wir uns im klaren sind Handlungen trotz Verbotes oder wider ein Tabu zu vollziehen.
Ziemlich genau dies dürfte der Grund sein, warum Radfahrende den simplen Vorgang der Wahrnehmung des zudem sehr umweltfreundlichen Befahrungsrechtes im Gegensatz zu Treckerfahrern als 'Tat' empfinden, deren Folgen so es irgendwie möglich ist, untertänigst abgemildert werden müssen.
Ein inneres tief in die Eingeweide vernetztes Gefühl des grundlegenden Nicht-Berechtigtseins!
Die Dynamik von 'Herr und Knecht', wie wir es gut aus anderen Zusammenhängen von rassistischen Regimes, von Sklavenhaltergesellschaften und feudalen Strukturen kennen.
Interessant dabei ist, dass es in Fällen wie dem obigen nicht einmal rechtliche Diskriminierungen sind, sondern die Wirkmacht von internalisiertem Prekaritätsgefühl der Position des 'Knechtes', die zum Vollführen der Unterwerfungsgesten (-> https://de.wikipedia.org/wiki/Gesslerhut) 'zwingt'.
In Einzelfällen mag es mal 'Freundlichkeit' sein, die uns zum selbstgefährdenden Einlenken in Parklücken treibt, in den meisten Fällen aber m.E. das schlechte Gewissen ein 'Hindernis' für den Automobilimus darzustellen, das die Aufrechterhaltung des Machtgefälles zwischen Blechkistencyborg und Bio-Mensch von seiten des 'Knechtes' aus verfestigt.
Wir haben vielfach längst das Berechtigungs-Gefühl bei der Nutzung des (ehemals?!) allgemeinen Straßennetzes verloren und fühlen uns in immer größerem Ausmaß als rechtlich oder moralisch illegal, wenn wir nicht auf Gehwege, Parkanlagen, Wälder und Wiesen ausweichen, um dem 'Herrn', dem 4rädrigen Mensch-Maschine Symbiont die freie Bahn zu gewähren.
Den Anfang des automobilen Exklusivrechtes bildeten von 100 Jahren die Autostradas und Autobahnen von Mussolini und Hitler, dann folgten die Kraftfahrstraßen, und mittlerweile ist die Metastasierung soweit vorangeschritten, dass selbst Landstraßen oder gar Kreisstraßen bereits rechtlichen und/oder gefühlten Exklusivstatus als 'Auto-Only' besitzen oder zugeschrieben bekommen.
Die Autobahnisierung des allgemeinen Straßenetzes sitzt nicht nur an den Tischen der Planer:innen und Politiker_innen, sondern vor allem auch mitten in den Eingeweiden der Radfahrenden.
Rechte von Diskriminerten mussten schon immer gegen Widerstände erkämpft werden.
Der 'verinnerlichte Knecht' der Diskriminierten stellte dabei stets eines der Haupthindernisse dar.
Es braucht:
Weniger Gesslerhut, mehr Rosa Parks:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Parks
Alfons Krückmann
Ja, genau. Allerdings wollen die meisten Menschen andere nicht aufhalten, das gilt auch für Fußgänger:innen, die den Jogger:innen ausweichen oder mir Radfahrerin Platz machen, obgleich ich auf dem Gehweg gar nicht fahren darf, oder für Leute, die losrennen, wenn sie sehen, dass ihnen jemand die Tür aufhält. Wir wollen andere grundsätzlich nicht gern warten lassen, also dieses Regiment über andere übernehmen, sie zu einem anderen Weg oder einer langsameren Gangart zu zwingen. Zwischen Auto-Rad mag es auch ein empfundenes Machtgefälle geben, aber zwischen Fußgänger-Rad nicht und schon gar nicht zwischen Fußgänger-Fußgänger/in. Wir sehen ja oft auch, dass der letzte in einer Autoschlange anhält, um den Linksabbieger fahren zu lassen. Solange er andere Autos hinter sich hat, macht er das nicht. Auch er will andere nicht warten lassen. Und wir kennen das Phänomen, dass langsame Landstraßenfahrenden sich permanent über den Rückspiegel nach hinten orientieren und sich gestresst fühlen wegen des Überholdrucks, den sie auslösen und so weiter.
LöschenUnterschied ist, dass man selber Schuld ist, wenn man meint, sich in ner meterbreiten Blechdose auf Kosten anderer kutschieren zu müssen. Fußgänger kommt an Fußgänger leicht vorbei.
AntwortenLöschen-Tim
Ich fand auf 'quäldich .de' zu Routenvarianten den Degernloch-Hügel hoch in einem Kommentar:
AntwortenLöschen"Auch in den 90er Jahren war die Neue Weinsteige in der Rush-hour kein Vergnügen. Zu diesen Zeiten gab es noch kein Internet und GPS, anhand derer man die wenig befahrenene Nebenstrecken erjunden (sic!) hätte können - da fuhr man mit dem Renner eben auch auf der Bundesstraße, wenn es sein musste."
Bedenkend, dass die 'Neue Weinsteige' bereits seit 1831 in Betrieb ist, welche ja eigens gebaut wurde um die zu starken Steigungen der Alten Weinsteige umgehen zu können, wäre es mal interessant zu erfahren, wie sich die Verkehre auf dieser von vornherein sehr breit konzipierten Straße im Laufe der letzten fast 200 Jahre entwickelt haben; ab wann wurde die allgemeine Straße eigentlich auf faktischer oder 'gefühlter' Ebene zu einer 'reinen' Autostraße?
Wieviele 'strong&fearless' fahren da noch Rad, oder sind es eher ganz 'normale' Radfahrende, die halt nur die zu starken (>13%) Steigungen der angeblichen 'Rad-Strecken' vermeiden wollen, welche mittlerweile von den 'strong&fearless' aus sportlichen Gründen präferiert werden?
Der gleiche Kommentator formuliert auf 'quäldich' dann weiter:
"Aus heutiger Sicht wundere ich mich jedoch immer noch über Zeitgenossen, die auch auf vielbefahrenen Straßen unterwegs sind, obwohl es viele Alternativen mit ruhigen Nebenstraßen gibt ..."
Dieser Kommentar von 'Kletterkönig120' gibt m.E. die Problematik der 'Autobahnisierung' recht gut wieder. Wird die Fahrbahnberechtigung nicht genutzt und verteidigt, geht sie sukzessive immer weitergehend, immer stärker auch flächendeckend für den Radverkehr verloren, was für das Klientel der ausgesprochen sportlichen und muskulär leidensfähigen Rennsportler auf 'quäldich' in Ordnung geht, aber für das verkehrspolitisch relevante Gros der Alltagsradfahrenden doch komplett dysfunktional ist.
Wir brauchen doch statt sportlicher Herausforderungen auf unsicheren Nebenwegen steigungsarme Strecken mit guter Oberfläche und ausreichender Breite, also im Prinzip genau das, wofür die 'Neue Weinstiege' vor knapp 200 Jahren konzipiert wurde.
Und wohin hat die mittlerweile auch von etlichen Radfahrenden präferierte Verdrängung aus den breiten guten steigungsarmen Strecken hin zu Nebenrouten eigentlich am Ende geführt?
Zu miesen Oberflächen, viel zu großen Steigungen, und - TUSCH - zu noch mehr Konflikten ausgerechnet mit den auch in diese Strecken hinein metastasierenden weiter und weiter ansteigenden Autoverkehren.
-> Finde den Fehler !
Alfons Krückmann