20. Juli 2026

Bordsteine und Rüttelstrecken sind ein großes Thema unter Radfahrenden

Unebene Untergründe, Bordsteine, Gullideckel und Wurzelaufwürfe kosten Radfahrende viel Energie und verringern nicht nur ihren Spaß, sondern auch ihre Reichweite. 

Und das Thema beschäftigt doch etliche Radler:innen, wie sich an den Kommentaren auf meinen kleinen Blog-Post über einen neuen Bordstein, der die Situation verschlechtert, zeigte. Bordsteine, Querrillen und vielfach geflickte Asphaltdecken in Nebenstraßen rütteln nicht nur das Fahrrad ordentlich durch, einige haben auch berichtet, dass bei der Fahrt zur Arbeit die Laptops in den Satteltaschen Schaden nehmen können. Auch auf den Energieverlust durch Schläge und Stöße und ständiges Abbremsen und wieder Anfahren verweist ein Kommentar. Es geht also nicht nur um Komfort, sondern auch um Materialschutz und Energieaufwand bei der Verkehrsform, die sich nicht durch einen Motor ziehen lässt, sondern sich durch Muskelkraft voranbringt (was auch für Pedelecs gilt). Jede Unebenheit schlägt übers Fahrrad durch den ganzen Körper und erzwingt Muskelanspannungen, jede Unebenheit bremst das Fahrrad ab, was mit mehr Tretkraft kompensiert werden muss. Auf langen Strecken kostet das Kraft. Je unebener der Untergrund, desto langsamer muss ich fahren, desto anstrengender wird meine Fahrt und desto länger dauert mein Weg. Gute Untergründe verkürzen die Fahrzeit und erweitern den Radius für Radfahrende.

Wie sensibel Radfahrende auf Untergründe reagieren, sieht man an der Umgehungspur auf der Platanenallee am ersten und schlimmsten Schmuckpflaster nach dem Rosensteinschloss. Obgleich auch die Erdspur alles andere als glatt ist, ist sie immer noch besser als das Pflaster, das man im Reisetempo (zwischen 18 und 23 km/h) nur überfahren kann, wenn man mit dem Hintern aus dem Sattel geht und den Lenker sehr fest hält. Sonst muss man stark abbremsen. Solche Nebenwege bilden sich (wo Platzt dafür ist) schnell, wenn ein schlechtes Pflaster das Radeln mühsam macht. Und alle Radfahrenden merken sofort, wo sie weniger Energie investieren müssen. Das UPI-Institut in Heidelberg hat den Energieverbrauch beim Fahrradfahren auf unterschiedlichen Untergründen untersucht und stellt fest, dass Radler:innen auf einer in höchster Oberflächenqualität ausgeführte Radverkehrsanlage nur 60 Prozent der Energie aufbringen müssen, die sie für eine Oberfläche aus Beton brauchen, und damit in ein einer Zeit X auf ihrem Arbeitsweg auch deutlich weiter kommen. Der Radel-Radius erhöht sich also mit der Qualität der Untergründe und vergrößert den Einzugsbereich für Radpendelnde rund um ein Stadtzentrum. 

In Stuttgart wurde die Hauptradroute 1 auf der Möhringer- und Burgstalltraße über eine Länge von insgesamt 1500 Metern als Fahrradstraße neu asphaltiert. Eine ausgesprochen sinnvolle Investition in den Radverkehr. Der Unterschied zu vorher ist spürbar. Es radelt sich leichter. Allerdings gibt es noch reichlich Unterbrechungen durch Hoppelpflaster, Bordsteine und unebene Übergänge: so an der Matthäus-Kirche durch Bordsteine, Schmuckpflaster (und Schrittgeschwindigkeit), die Ampelanlage an der Schreiberstraße, ebenfalls mit Bordsteinen und einem Gullideckel im Radstreifen, dann eine Unterbrechung mit Bordsteinen und Ampeldrücker an der Querung der Böheimstraße und schließlich den Hopser über einen schlecht angepassten Blindenleitstein. 

Radfahrende spüren alles, sie spüren die Radzeichen oder andere Markierungen, die auf den Asphalt aufgetragen wurden, einen rauen Belag, jede Rille zwischen Pflastersteinen, um so mehr schief stehendes Pflaster, Bodenerhebungen durch Wurzeln, alle sogenannten drei-Zentimeter-Bordsteine, die manchmal niedriger oft aber höher sind. Auf all das reagieren sie mit ihrem ganzen Körper. Auf langen schlechten Strecken ist das anstrengend. Unebene Untergründe sind aber nicht nur anstrengend, sie bergen auf Gefahren. Wer beim Radeln auf den Boden achten muss, guckt weniger weit voraus, fährt also weniger vorausschauend. Wer von Verkehrssituation (Baustelle, Auto, Fußgänger) vom Untergrund abgelenkt wird, übersieht vielleicht ein Schlagloch oder verschätzt sich bei einem Bordstein. Auf schlechten Untergründen kommt es zu den Vorfällen, die niemals den Weg in die Statistik finden: Stürze, schnelles Abspringen, Ausrutschen, Abrutschen. Das trifft weniger die erfahrenden Radler:innen, aber deutlich mehr diejenigen, die wieder anfangen mit dem Radfahren. Viele stürzen im ersten Jahr mindestens einmal, weil sie als Autofahrende nicht gewohnt sind, auf Untergründe zu achten und vorherzusehen, wo es sie aus dem Sattel lupft. 

7 Kommentare:

  1. Besonders schönes Beispiel: Die Strecke der HRR1 an Landtag/Oper. Jede Platte mit Höhenunterschied, das Pflaster mit riesigen Dellen drin, gerade am Übergang zu den Platten, und die Löcher im kleinen Pflaster Richtung Charlottenplatz werden entweder überhaupt nicht mehr repariert oder mit Sand/Schotter aufgefüllt (diese Unsitte findet man auch im Schlossgarten zwischen Verkehrsschule und Kiosk). Ob Schlaglöcher in Landstraßen künftig auch nur noch so ausgebessert werden?

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    1. Stimmt, da fahre ich seit Jahren so oft, dass ich das schon gar nicht mehr als besonders schlecht wahrnehme. Ist es aber.

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    2. Ich hab mir mittlerweile angewöhnt auf der Seite der B14 an Oper und Schauspielhaus vorbeizufahren. Gerade am Wochenende ist das weitaus entspannter weil man sich weniger durch die Fußgänger schlängeln muss. Ist zwar nicht für den Radverkehr freigegeben, aber bis auf unerlaubt abgestellte Autos ist auf der Rückseite eh wenig los.

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  2. Aufgrund des generell schlechten Starssenbelags in Mannheim habe ich mir vor Jahren ein vollgefedertes Fahrrad zugelgt, weil mir die ständigen Schläge auf die Arme auf den Keks gegangen sind.
    MIttlerweile sind die Beläge so schlecht, dass selbst die Federung es nicht mehr bringt.
    Auf manchen Strassen muss man Schlangenlinien um die Schlaglöcher fahren und sich zudem noch irgendwelcher Unfähiger erwehren, die einen dann noch überholen wollen.
    Abgesenkte Bordsteine sind immer noch 20mm hoch und damit auch immer wieder eine Stolperkante.
    Lose gefahrene Plastersteine sind auch immer wieder nett. Sie hinterlassen so ein schwammiges Gefühl beim Fahren und klappern dazu noch.
    Ich glaube mein nächstes Fahrrad wird ein vollgefedertes Mountainbike. Mal sehen, ob mir der Fahrradhändler da auch noch Schutzbleche, Beleuchtung und einen ordentlichen Gepäckträger dranbasteln kann.
    Karin

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  3. Bei unebenen Belag helfen dicke Reifen mit entsprechend niedrigerem Luftdruck mehr als Federungen. Für richtig breite Reifen gibt es aber keine ordentlichen Schutzbleche mehr und dann leidet die Alltagstauglichkeit halt an einem anderen Ende. Und bei größeren Unebenheiten wegen Wurzeln unterm Belag (egal ob aufgeplatzt oder nur Wellig) hilft eh nichts wirklich. Damit die von einer Federung weg geschluckt werden müsste man wohl mit 40+ drüber rauschen und das ist aus anderen Gründen keine wirkliche Option.
    Manchmal merkt man erst wie schlecht eine Strecke war, wenn sie mal saniert wird, plötzlich läuft es auf dem Abschnitt der immer anstrengend war. Leider haben wir das Erlebnis viel zu selten.

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    1. Schutzbleche gibt es hier z.B. bis zu 60 mm breit, also für bis zu 50 mm breite Reifen. Das federt schon gut.
      https://berthoudcycles.fr/fr/147-largeur-60mm
      Das soll allerdings kein Plädoyer dafür sein, am Straßenzustand zu sparen, denn der ist mittlerweile nur noch gefährlich!

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    2. ... für manch eine Strecke hier bräuchte man die vollen 60mm die man so für Gravel oder MTB bekommt. und die Passen halt auch nur auf solche Räder.

      Beim individuellen Aufbau kann man sicher da mehr optimieren als wenn man was (älteres) von der Stange hat, aber das will ich eigentlich nicht machen müssen nur weil der Weg seit 1972 nur vergammelt und nicht wieder hergestellt wird.

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