19. November 2013

Cannstatt sperrt sich ein bissle


Die Hauptroute 1 soll den direkten Weg von der König-Karls-Brücke zum Wilhelmsplatz in Cannstatt mit einem Schlenker umgehen. Hinweisschilder wird es im kommenden Frühjahr geben. 

Nur lassen sich Radfahrer ungern von der direkten Route ablenken. Es wird ihnen nicht einleuchten, nach der König-Karls-Brücke nach rechts geschickt zu werden, wenn der Wilhelmsplatz nur ein paar hundert Meter entfernt liegt. Man muss nur unter der Eisenbahnbrücke durchfahren. Das aber war und ist seit je her die Schwachstelle des Fahrradwege-Systems von Stuttgart. 

Blogleser Sebastian hat sich ausführlich mit der Situation am Wilhelmsplatz auseinandergesetzt und schreibt: 

Ausgehend von einer größeren Verkehrsinsel an der Mercedesstraßeneinmündung in die König-Karl-Straße beginnt der stadtauswärtigen Ast der neuen Hauptroute 1 durch Bad Cannstatt Richtung Fellbach. Hier gibt es zwar eine rote Markierung des Überweges dennoch wird man häufig als Radler übersehen, weil die allgemeine Situation auch für Autos ehr unübersichtlich ist und dieser vielleicht auch schon entnervt am parallelen verlaufenden Zebrastreifen hat warten müssen.  Der nun folgende Abschnitt ist ein im Grund ausreichend breiter Radweg zwischen den beiden Autofahrspuren und dem Gehweg mit vorgelagerten Parkplätzen. Leider wird dieser furchtbar gerne als Park- und Halteplatz benutzt. 

Kritisch wird es vor der Eisenbahnbrücke, an der Einmündung der Kleemannstraße: hier hört der leicht abschüssige Radweg auf und man wird als beschleunigter Radler geradeaus auf den noch schmaleren Gehweg mit Radfreigabe geschickt. Davor gibt es auch noch das Problem, dass an der Einmündung der Radweg nicht rot gekennzeichnet ist und man häufig von Autofahrern übersehen wird.

Nachdem man die Gleisunterführung verlassen hat, muss man sich zuerst mal ordentlich umschauen wie es weitergeht, klare Schilder gibt es nicht. 

Zwar sieht man, dass die Busspur auch von Radlern genutzt werden kann, dort kommt man aber nur hin, wenn man eine auch für Fußgänger riskante, weil für Autofahrer unerwartete, Ampel überquert hat. Nun zweigen sich auch die grünen Radwegsrichtungschilder und man bekommt mehrfach den Hinweis, die Busspur zu nutzen. Der Gehweg ist nicht für Radler freigegeben. 

Hier angekommen, freut man sich zuerst über den wiedergewonnen Platz, teils bis zwei Spuren, wird allerdings gleich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, denn dies ist der Hauptknotenpunkt von drei SSB-Buslinien, wovon zwei hier enden. Alle diese Busse müssen letztlich nach links, der Radler jedoch geradeaus

Wenn nun aber mal ein Gelenkbus ausschert, weil der vorderste Bus in der Reihe noch steht, ist auch diese extrem breite Rad/Busspur dicht und gibt kein Vorankommen mehr. Irgendwo in diesem Wirrwarr ist aber der neue, sich selbstorganisierte Hauptradweg Richtung Fellbach. Also das kann es ja wirklich nicht sein, das führt doch nur zu Stress für die Radler als auch die Busfahrer, wenn die Zahl der Radfahrer zunimmt. 

Hat man diesen Teil überwunden, kommt man automatisch auf den neuen Radwegabschnitt, der an den schon bestehenden Radweg: Nürnberger Straße-Richtung Fellbach anschließt. Er ist zwar bergauf (ab der Daimlerstraße) mit der Blechlawine neben sich nicht gerade der attraktivste, aber es gibt im Grund keine Negativpunkte, mal abgesehen von konventionell motorisierten Zweirädern, die hierin eine hervorragende Abkürzung sehen.


Nochmals zurück zu der in Teil 1 beschriebenen Möglichkeit, besser gesagt Irrfahrt, die Waiblinger Straße Richtung Stuttgart Innenstadt, an der Kreuzung der Daimlerstaße geradeaus zu befahren. 

Man kann den Umweg vermeiden, wenn man geradeaus auf die Eisenbahnbrücke zufährt. Ist man nach einigem Warten bis vor zum Eingang der Markstraße gelangt, findet man wieder einen Radoption neben der Straße: der Gehweg zwischen der beiden SSB-Haltestellen ist für Radler freigegeben. Hieraus man aber tatsächlich Schrittgeschwindigkeit fahren, weil viele Fußgänger unterwegs sind. 

Kurz vor der Eisenabahnunterführung gibt es zwei Möglichkeiten, in die Innenstadt zu kommen: entweder rauf- oder runterfahrend. Die Erste wäre nach rechts durch Eisenbahnstraße und die Brücke hoch über die Schönestraße an den Neckarradweg oder weiter geradeaus bis zur Kreuzung der König-Karl-Straße mit der Schönestraße und runter in die Unterführung und auf den Neckarradweg.

Meines Erachtens, schreibt Sebastian, ist dieser neue Radweg eine etwas kostspielige Investition. Mit der aktuellen Umsetzung gibt es keinen Mehrwert für das gesetzte Ziel eines neuen Hauptwegs Richtung Fellbach, weil das Hauptproblem,  der Wilhelmsplatz, kaum gelöst wurde. Der Platz wurde eben für den Autoverkehr konzipiert. Für Radler gibt es gerade mal einen Nord querenden Weg und eben den neuen Radbereich in der Busspur. Eine weitere Anpassung des Platzes mit Wegnahme einer Fahrspur Richtung Stuttgart, wie für den oberen Teil der Waiblinger Straße würde jedoch den Infarkt bedeuten, da  selbst zusammen mit der Entlastung durch die B14-Umgehungsstraße das Autoverkehrsaufkommen hier jetzt schon auf ein Nadelöhr trifft. Als Kompromiss mit einer sinnvollen Integration der neuen Teilstücke ins aktuelle Radwegenetz würde ich von Fellbach her kommend nur den ganzen Radweg herunterfahren wenn ich nach Bad Cannstatt müsste. Wäre das Ziel Stuttgart kann man durchaus bis zur Taubenheimstraße fahren und dann nach links abbiegen bis vor zur Deckerstraße. 

Ab hier ist man auf dem alten, ruhigen und von der Straße getrennten Gehweg mit Radfreigabe und fahrt hinunter bis zur Jugendherberge und das neue Stück weiter nach Stuttgart. So umgeht man die Staus Richtung Wilhelmsplatz als auch das Teilstück in der Daimlerstraße mit seinen zwei Kreiseln am Carré, wie bereits beschrieben.

Stadtauswärtig kann man den neuen Radweg auf jeden Fall nutzen, wenn man nichts gegen bergauf Fahren mit Feinstaupartikeln hat. 

Ich greife da lieber auf die bestehende Lösung der Deckerstraße, über  die Stadteile „Winterhalte“ und „Im Geiger“ zurück. Hier hat man zwar keinen privilegierten Streifen für sich, aber es ist ruhiger und entspannter. Gravierendster Unterschied zwischen diesen Wegen ist, dass der soeben Beschriebene wegen seine Schlangenei ein etwas holpriges Höhenprofil hat, der neu Radweg dagegen eine konstante Steigung hat, weil er der Autospur folgt. 

Es ist jedoch ist schon mal eine richtige Tendenz  für Stuttgart,  nicht Radweg dort zu bauen „wo ´s halt noch passt“ sondern sie zielgruppenorientiert zu planen. 

Hier die Karte mit den kritischen Stellen:


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