18. Oktober 2017

ADAC empfiehlt Pendlern das Radfahren

 Critical Mass: So viele Menschen passen auf eine Straße,
wenn sie auf Fahrrädern sitzen. 
Die Feinstaub-Saison hat begonnen. Wieder werden Autofahrende gebeten, das Auto stehen zu lassen und ein anderes Verkehrsmittel zu nehmen. 

Die Stadt denkt dabei eher an öffentliche Verkehrsmittel, wir Radfahrenden denken natürlich ans Fahrrad. Dass wir so wenig wie möglich Auto fahren, ist wichtig für alle, die im Kessel wohnen. Feinstaub und Stickoxide sind wirklich ungesund vor allem für unsere Kinder und für Ältere. Wer viel Rad fährt, ist übrigens besser gewappnet gegen den Angriff der Luftgifte als Autofahrende und Fußgänger.

Stuttgart ist eine Pendler-Stadt. Viele kommen von außerhalb, für manche ist das Auto das Verkehrsmittel, mit dem sie immer noch am schnellsten rein und raus kommen, trotz Staus. Wer aufs Auto angewiesen ist, soll auch fahren, finde ich. Wir, die wir in Stuttgart wohnen und meist nur kurze Strecken zurücklegen müssen, können helfen, die Stadt zu entlasten, indem wir das Fahrrad nehmen. Mit dem Fahrrad ist man auf fünf Kilometern immer schneller als mit allen anderen Verkehrsmitteln, man muss nie Parkplatz suchen, man muss nicht an Haltestellen warten, man muss sich nicht über Zugausfälle im öffentlichen Nahverkehr ärgern. Wissen wir. Und da Feinstaubalarm meist an sonnigen Tagen ausgerufen wird, denn dann herrscht Inversionswetterlage, bietet sich das Fahrrad an.

Verkehrsleitzentrale Stuttgart: Staumanagement
Interessant ist, dass auch der ADAC erkannt hat, dass Autofahren für Pendler die stressigste und ungesündeste Art der Reise zur Arbeit und nach Hause ist, die es gibt. In einem langen Artikel stellt der ADAC die Möglichkeiten des Pendelns einander gegenüber. Auto-Stau und Bewegungsarmut, Unzuverlässigkeit von S-Bahnen und Zügen gegen die Freiheit des Radfahrens, das Pünktlichkeit garantiert, gesund ist, Spaß macht und den Verkehr entlastet. Tatsächlich nützt ein gut ausgebauter und lebendiger Radverkehr der Stadt enorm. Hätten wir früher damit angefangen, unsere Radwege auszubauen, hätten wir jetzt schon die zwanzig Prozent weniger Autoverkehr im Kessel, die nötig sind, damit die Gerichte keine Fahrverbote für Diesel aussprechen.

Grundsätzlich fahren Menschen nur freiwillig Fahrrad. Sie nehmen dann das Rad, wenn sie merken, dass sie damit bequemer und schneller zum Ziel kommen. Und wenn sie den Eindruck haben, dass sie sicher Rad fahren können. Dazu verlocken schöne Radwege, auf denen man gut vorwärts kommt. (In Stuttgart kann man gut Rad fahren, aber man muss sich extrem gut auskennen, um die Wege zu finden, auf denen man sich halbwegs sicher fühlt.) Dann fahren alle, von Kindern mit Senior/innen. Das zeigen Fahrradstädte wie Kopenhagen oder Amsterdam.

Kommentare:

  1. Liebe Christine,

    wie wahr. Die Stadt denkt dabei "eher" an öffentliche Verkehrsmittel ist noch stark untertrieben. Auf den Schildern und Anzeigen: kein Hinweis auf Fahrrad. In den Pressemitteilungen und Zeitungsartikeln: kein Hinweis auf Fahrrad. Dabei ist das Fahrrad das Verkehrsmittel mit dem größten Wachstumspotential in Stuttgart, das auch noch mit den geringsten Kosten ausgebaut und gefördert werden könnte.

    Die Freiwilligkeit ist der zentrale Punkt. Es kann doch niemand Fahrverbote wollen. Die treffen im Endeffekt nicht die Hauptverursacher (wer am häufigsten fährt mit einem steinalten Transporter oder Taxi, bekommt garantiert eine Ausnahme) und sind immer ungerecht. Warum nicht jedem einzelnen Bürger die Entscheidung überlassen? Die Rahmenbedingungen lassen sich doch leicht so anpassen, dass diejenigen ohne Alternative zum Auto weiter mit dem Auto fahren. Die nehmen auch in Kauf, wenn es deutlich länger dauert als mit anderen Verkehrsmitteln.

    20% Radanteil statt 5% erreicht man schließlich nur durch eine Reduktion des KFZ-Verkehrs um 40-50%.

    Ein Lösungsansatz klingt somit zunächst einmal radikal: Es müssten seitens der Stadt an Feinstaubalarm-Tagen die KFZ-Kapazitäten eben halbiert werden durch
    - Sperren von Spuren/Fahrstreifen für MIV und Freigabe für Fahrräder (und ÖPNV/Busse)
    - Ampelschaltungen, die den Fahrrad- und Fußgängerverkehr bevorzugen, bis hin zu Blockabfertigung, einem bewährten Mittel bei überlasteten Tunneln.
    - KFZ-Verkehr zu verflüssigen, ist dagegen nicht förderlich, denn dann fällt die individuelle Entscheidung wieder zugunsten des MIV aus (induzierter Verkehr).

    Christine, unterschätze bitte nicht den Beitrag, den Pendler leisten können. Bis 20 km ist man mit dem Fahrrad absolut konkurrenzfähig. Bei 5 km kommt es sehr auf die Strecke an. Auf der Hauptradroute Nr. 1 in der Innenstadt sind die Ampeln am Tagblattturm und am Charlottenplatz so geschaltet, dass sie den Radverkehr künstlich verlangsamen.

    Zum Stichwort "schöne Radrouten": ja, die gibt es in Stuttgart, mit hoch attraktiver Streckenführung, typischerweise als Gehweg mit Radfreigabe oder als gemischter Rad- und Gehweg. Sie sind nur zunehmend schlechter zu erkennen, da sie immer weiter zuwuchern (ausbleibende "Wildkrautentfernung") und unter Herbstlaub verschwinden. In dem Zusammenhang ist die Priorisierung der Stadt ein Affront, 600.000,00 € für das Reinigen von 4 km Autostraße zu verpulvern (und das bei nicht einmal messbarer Wirkung) und im Gegenzug auf Winterdienst auf Radwegen zu verzichten und die Reinigung der Radrouten dermaßen zu vernachlässigen, dass die Sicherheit beeinträchtigt ist.

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    1. Sehr gut analysiert mit prima Vorschlägen.

      Martin

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    2. Lieber Holger, sag ich doch. Mir scheint allerdings, dass viel in der Stadtpolitik den Beitrag mächtig unterschätzen, den die radfahrlustige Stadtgesellschft leisten könnte, um Fahrverbote zu verhindern. Es würden sicherlich auch im Winter noch viel mehr Leute ihr für Ausflüge neu gekauftes Pedelec nehmen, wenn sie nur wüssten, wo sie radeln können und wenn sie nur das Gefühl hätten, es ist alles für sie bestens geregelt. Nicht jeder hat eine Pfadfindermentalität. Ohne eine radgerechte Infrastruktur geht es nicht, wenn wir durchstarten wollen. Das heißt: massiv Radwege und Radstreifen, die ein Gefühl von Sicherheit auslösen und sicher sind. Das heißt, bessere Kreuzungslösungen, wo Radler nicht von Abbiegern tot gefahren werden. Das heißt Ampelschaltungen, wo Radler nicht drei Minuten warten, während der Autoverkehr rollt. Es heißt aber auch für uns Radfahrenden: Darüber reden, was wir wollen und brauchen, es fordern, zur Not auch mal demonstrieren. Der Politik helfen zu erkennen, dass es echt viele Radler gibt und noch mehr geben könnte, wenn die Infrastruktur leichter verständlich und sicherer wäre und Radler immer wüssten, wo sie nun lang fahren sollen.

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    3. Klasse Liste von euch beiden! Bin mal gespannt, ob Zuständige der Stadt Stuttgart hier mitlesen und so das eine oder andere daraus Schlussfolgern...

      Denn wie man ja seit Anfang der Woche sieht, bringen die bisherigen Maßnahmen bezüglich Feinstaub wieder mal kaum etwas.

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    4. Liebe Christine, ich kann dort nur zustimmen, dass so etwas helfen würde. Gesundheitliche und Umweltbedenken fallen oft unter die zwei folgenden Kategorien:
      - Ich würde ja, aber ...
      - Prinzipiell bin ich für, aber...

      Effektiv ist das wohl Faulheit und Festgefahrenheit in Gewohnheiten, äußern tut sich das dann in Gesprächen, in denen sich zwei Autofahrer! über den starken Verkehr trotz Feinstaubalarms beschweren, völlig unbewusst über die Ironie dieses Gespräches.

      Das gleiche gilt auch für Mülltrennung (ich habe gehört, dass...) und Komfortkamine.

      Wobei in den letzten drei Tagen die Zahlen bei den Radzählstellen sehr hoch waren. Ich frage mich ob das nur am Wetter oder sogar am Umweltbewusstsein mancher lag. Ich muss mal schauen, ob man die Daten (Radfahrzahlen, Feinstaubalarmdaten, u.U. Wetter?) irgendwo gut herbekommt und eine Korrelationsanalyse davon machen kann. Das wäre interessant.
      KaivK

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  2. Wenn die Stadt, gerade jetzt im Herbst und Winter "Feinstaubsaison, die Radfahrerquote auch nur ansatzweise aufrechterhalten will, muss sie dafür sorgen, dass die Radwege auch benutzbar bleiben. Das ist aber oft nicht einmal jetzt der Fall. Ich jedenfalls radle nicht auf feuchtem Laub etwa eine Rotenwaldstraße herunter.

    Und ja, ich fühle mich auch verulkt, wenn ich den städtischen Radetat mit kostenträchtigen, aber ziemlich sinnlosen Pseudomaßnahmen wie Mooswand, Neckartorstraßenreinigung, etc. vergleiche.

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    1. Das müssen wir ändern, das ist klar. Leider ist der Gemeinderat, der über alle Verkehrsmaßnahmen entscheidet, und auch darüber, wofür Geld ausgegeben wird, ziemlich genau hälftig gespalten, was eine energische Radförderung betrifft. Falls der Gemeinderat ein Spiegel der Stadtgesellschaft ist, die ihn ja wählt, dann ist auch die Stadtgesellschaft polarisiert und zwar ziemlich genau fifty-fifty. Was kann man dagegen tun? Wir Radfahrenden müssen überall lauter und deutlicher einfordern, dass wir sichere Wege brauchen, weil wir der Stadt helfen, beim Feinstaub, bei der Attraktivität und beim Image.

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    2. Volle Zustimmung und großer Applaus sowie volle Unterstützung zu den bisherigen Beiträgen. Aber! Zwar sind die Mehrheitsverhältnisse pari-pari im Gemeinderat und in der Stadtgesellschaft, aber der grüne OB Kuhn und die anderen grünen Honoratioren tun exakt nichts gegen die Benachteiligung des Radverkehrs in unserer Stadt. Unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen ist eine politische Kritik der Grünen in der Spitze des Rathauses notwendig. Sie könnten sich wenigstens mal zum Konkreten bekennen, außer politisch völlig irrelevante Sonntags- und Beschwichtigungsreden zu halten. Die Spitze der Grünen ist inzwischen eine Ursache der anhaltenden Misere: Keine Klarheit, kein Bekenntnis, keine Entscheidungen, nur Beschwichtigungen und Ausreden. Schwach, schwach, schwach, sehr, sehr schwach. Projektmanagement mangelhaft. Leistung ungenügend. Kuhn ist eine Schnarchnase. In Berlin kann man schwätzen und muss nichts machen. In der realen Welt muss man handeln und Richtlinienkompetenzen wahrnehmen.

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    3. Lieber Stefan, ich weiß ja nicht, wie gut du dich in der Politik auskennst und wie gut du über die Arbeit der Gremien Bescheid weißt, die beispielsweise in Stuttgart die Stadtpolitik machen. Aber ich kenne mich aus. In Stuttgart hat der OB keine Richtlinienkompetenz, er ist im Gemeinderat einer von 61 Menschen, die die Hand für oder gegen ein Projekt heben, das Geld kostet. Der Gemeinderat kann mit seiner S21-Mehrheit (CDU, SPD, FDP, Freie Wähler) und AfD jedes Vorhaben ablehnen, das der OB einbringt. Die Bürgermeister dürfen in Stuttgart auch weitgehend autark arbeiten. Der OB kann ihnen nicht befehlend (also mit Richtlinienkompetenz) dreinreden. Auch die Bürgermeister stellen all ihre Projekte, Pläne, Vorhaben und Entscheidungen, die Geld kosten oder größere Eingriffe bedeuten, dem Gemeindrat zur Abstimmung. Meist passiert das übrigens in den zuständigen Ausschüssen. Der Radverkehr wird meist im UTA (Ausschuss für Umwelt und Technik) diskutiert und abgestimmt. Falls der Stadtist gegen eine Radverkehrsmaßnahme stimmt (zuletzt bei den Radspuren Hedelfingen HRR 2, die deshalb noch immer nicht gebaut sind), dann reichen Grüne, SPD und SöSLi nicht aus, um die Mehrheit zu bekommen. Da kann kein Oberbürgermeister und kein Bürgermeister eingreifen. Wir leben in einer Demokratie. Egal, ob der Gemeinderat prinzipiell für den Ausbau der Hauptradrouten stimmt (das ist geschehen), die Gemeinderäte können dann ebensogut jede Einzelmaßnahme wieder ablehnen und zum Scheitern bringen. Und genau das passiert auch. In der Politik kann niemand gegen eine Mehrheit irgendetwas durchbringen, und die Grünen haben im Gemeinderat nicht die Mehrheit (sie sind nur 15 von 60). Sie haben übrigens auch im Land nicht die Mehrheit, sie befinden sich in einer Koalition mit der CDU.

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    4. Und Nachtrag, Stefan: Ich finde es manchmal schräg, dass die Leute, die gerne eine fortschrittliche und umweltgerechte Politik haben - beispielsweise einen besseren Radverkehr - bevorzugt auf die Grünen schimpfen. Das sind die, die echt arbeiten, um es hinzukriegen. Gerechter fände ich es, die Leute würden mal auf die anderen schimpfen, die CDU oder die FDP zum Beispiel oder den Stadtisten, die konkrete Verbesserungen für die Radfahrer konsequent ablehnen, wenn es den Autoverkehr ein paar Parkplätze oder eine Abbiegespur kostet. Das sind die Verhinderer und Bremser, nicht die Grünen. Die Grünen sind die Sisiphusse, die immer wieder anfangen, von unten den Stein den Stuttgarter Berg hinauf zu rollen.

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    5. Ja, liebe Christine, ich stimme deiner Darstellung einschließlich der Kritik an meinem Beitrag vollständig zu. Die Mehrheitsverhältnisse sind mir bekannt und auch in diesem Blog habe ich dich oder beispielsweise unseren Verkehrsminister Winnie Herrmann wiederholt und begeistert für die sehr, sehr gute Arbeit gelobt. Meine exemplarische Kritik am OB Kuhn betrifft nicht die politische Sisyphusarbeit hinter den Kulissen, also innerhalb der Gremien, sondern das Defizit an öffentlicher politischer Kommunikation.

      Der OB wurde nicht nur von der Mehrheit der Bürger gewählt, sondern er ist auch der exponierteste Repräsentant unserer Stadt. Und seine politische Heimat sind die Grünen, nicht die anderen Parteien. Er sollte als grüner Impulsgeber öffentlich sichtbar sein und grüne Diskussionen über die Gestaltung unserer Stadt anstoßen. In unserem Fall also die Verkehrspolitik für Radfahrende. Die Stuttgarter Zeitung und viele andere Medien sind offen für Interviews mit OB Kuhn zu Fragen der Verkehrs- und Radverkehrspolitik. Er kann dort Stellung beziehen und seine Vorstellungen darlegen. Er könnte beispielsweise sagen, dass sich der Gemeinderat aufgrund der Mehrheitsverhältnisse in der Radverkehrspolitik selbst blockiert. Er könnte sagen, dass die Zeit reif sei für große Veränderungen und große Schritte. Er könnte sagen, dass eine umweltverträgliche Entwicklung der Stadt zwingend eine gegenüber dem Auto gleichberechtigte Ermöglichung des Radverkehrs erfordert. Er könnte so vieles sagen. Und warum sollte er es auf der großen Bühne sagen? Damit die Leute darüber reden, sich streiten, diskutieren. Damit die Radverkehrspolitik in der öffentlichen Wahrnehmung eine höhere Relevanz erhält. Das ist das, was ich sagen wollte und das ist die Kritik an „den Honoratioren“. Ich erwarte von der höchsten Ebene mehr Mut in der politischen Kommunikation, mehr Prägnanz, mehr Standpunkt.

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    6. Ganz so machtlos wie du, Christine, darstellst ist der OB nicht. Davon zeugen nicht nur die zahlreichen Meldungen in der Tagespresse, was Kuhn nun schon wieder zur "Chefsache" erklärt hat (und dann nichts passiert), sondern auch solche Artikel dert Landeszentrale für politische Bildung: http://www.kommunalwahl-bw.de/buergermeister.html
      Zwei Sätze daraus: "Unabhängig von der Gemeindegröße wird die Stellung des Bürgermeisters als sehr stark eingeschätzt. Nirgendwo in der Bundesrepublik verfügt der Bürgermeister über soviel Macht, oder positiv gesehen: Gestaltungsmöglichkeiten. "

      Das gerade die Grünen verstärkt Kritik ausgesetztt sind liegt an ihren Wahlversprechen. Egal ob jetzt Bundespolitik, Landespolitik oder eben wie hier Kommunalpolitik, versprochen wird viel, gehalten wenig. Gerade in Stuttgart sollte eigentlich viel mehr passieren, dank Unterstützung durch die Landespolitik. Und was passiert? Bei den Radschnellwegen z.B. muss der Gemeinderat geradezu getrieben werden von den Bürgern.

      Kritik gibt es auch an anderen Parteien, speziell die CDU mit ihren radverkehrsfeindlichen Protagonisten Rudolph und Kotz muss doch viel einstecken. Aber im Unterschied zu den Grünen haben die auch nichts versprochen. Die SPD... naja..

      Aber fällt dir eigentlich auf, dass du genauso gerne über Schertlen schimpfst? Ja, er hat gegen die geplante Trasse der Hauptradroute 2 gestimmt. Du weißt auch wieso, dfazu gab es ja eine Route. Hast du dich mit den Kritikpunkten mal auseinander gesetzt? Die sind nämlich nicht einfach von der Hand zu weißen. Mit bloßem Fingerpointing "der hat dagegen gestimmt" kommt man nicht weiter. Mit Argumenten oder noch besser alternativer Streckenführung dagegen sehr.

      Das gleiche gilt für den schon öfters erfolgten Hinweis auf die Mehrheitsverhältnisse. Mehrheiten suchen lautet das Stichwort.

      Generell empfinde ich die Arbeit von SÖSLinkePlus übrigens viel zielführender und gehaltvoller als das von den Grünen. Nur nebenbei.

      Martin

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    7. Ich hätte hier am liebsten überhaupt keine Schuldzuweisungen. Und du kannst davon ausgehen, dass ich mich zusammen mit den Stadtisten und Ralph ausführlichst mit den Routen auseinandergesetzt haben. Wir haben im Frühjahr eine lange Testfahrt auf beiden Strecken gemacht. Die Nätherstraße ist keine echte Alternative zu Radstreifen auf einer Hauptstraße. Sie ist nicht beleuchtet, sie verläuft fern von Menschen (nachts ein Graus für Frauen), sie ist steil, sie wird morgens und nachmittags gerade am Anfang (von Ost her) von Parkplatz suchenden Autos enorm frequentiert (diese Parkplätze müssten dann eingezogen werden, ungefähr 20), sagt das Ordnungsamt, weil es gefährlich wird für Radler dort, und sie liegt für alle, die vom Neckar her kommen, umwegig fern der Route, die man nehmen würde, um nach Hedelfingen zu radeln. Und so weiter. Die Stadt wird das darstellen. Was ich darstellen wollte ist: Die Grünen haben nicht die Mehrheit. Auch Angelegenheiten, die Chefsache sind, werden im Gemeinderat Punkt für Punkt abgestimmt. Zum Glück regiert weder ein OB noch ein Bundeskanzler in Stuttgart autoritär und alleinbestimmend, für alles braucht er (oder sie) ein Mehrheit im Parlament oder im Gemeinderat. Wir leben in einer Demokratie. Und da kann es auch passieren, dass Abgeordnete plötzlich anders entscheiden als erwartet und gewünscht. Das bedeutet für uns: Wir müssen als Stadtgesellschaft positive Forderungen stellen und mitreden. Und natürlich suchen wir Mehrheiten. Ist doch klar. Aber es klappt halt nicht immer.

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    8. Ich möchte nur noch auf einen Punkt eingehen:

      Du erwähnst die Punkte, die gegen die Nähterstraße sprechen. Bis auf die Parkplätze, der Parkplatzsuchverkehr dort ist illegal. Aber die Punkte, die gegen die Ulmer Straße/Hedelfinger Straße sprechen sind für mich als Anwohner mit Kindern viel interessanter, weil schwerwiegender.

      Martin

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    9. Hallo Martin, jetzt bin ich aber als Alltagsradler aber sehr neugierig, welche Punkte von dir als schwerwiegend in der Abwägung zwischen Pro und Contra betrachtet werden. Ich meine das nicht spöttisch, sondern ganz ernsthaft an der Sachlage orientiert. Ich würde mich sehr freuen, wenn du ein paar Stichpunkte antworten würdest.

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    10. Klar, gerne.
      Ri. Wangen/Hedelfingen:
      - Belieferung VW-Autohaus ungeklärt. Bisher halten die Autotransporter am rechten Fahrbahnrand.
      - VW-Autohaus, Mercedes-Niederlassung, Möbelhaus/Moschee, Tankstelle, etc. (quasi bis Bozelen): Viel Rechtsabbieger und ausfahrender Verkehr, mit erwartbar niedriger Aufmerksamkeit.
      - Kirschenweg: Decker+Mayer wird mit Sattelschleppern beliefert, die rechts von Ulmer Str. in Kirschenweg einbiegen, und ausfahren.
      - Ulmer Str. innerorts.: durch vorhandene Umfahrung Ortsmitte über Inselstraße eher ruhige Straße. Tempo 30 (keine Zone, aber Streckenlimit möglich) statt 50. Viele fahren schon jetzt unter 50.
      - Wangen Marktplatz: jetzt schon einspurig und eng, quasi nicht mal Schutzstreifen möglich. Weil Schutzstreifen sollen nur bei Bedarf von Kfz befahren werden, aber so eng, das quasi immer Bedarf.
      - Sowieso ungeklärt wie Schulkinder aus Wangen zur Wilhelmsschule kommen sollen. Die fahren bestimmt nicht bis Kemptener Str./Otto-Konz-Brücken und wenden da.

      Ab da Ri. Hedelfingen: fällt mir auch nichts besseres ein. Jedenfalls nicht "hinter" Obi und Campus.

      Gegenrichtung:
      - Ulmer Str. innerorts: siehe oben.
      - Ab Inselstraße: nach dem Aldi ist die S21-Baustelle, wohl noch für Jahre. Das bedeutet Schwerlastverkehr mit Sattelschleppern. Die rechts abbiegen zur Baustelle.
      - Aldi-Parkplatz ist auch Gefahrenquelle, wie quasi alle Parkplätze der Firmen.
      - Langwiesen: nagelneue Waschstraße + Zufahrt zum Großmarkt.

      Wangener Str. ist dann unauffällig, bis auf eins: wie kommen die Radfahrer von der Wangener Straße auf die Landhausstraße? Oder ist dort wieder indirekt links abbiegen geplant?

      Hm.. Mag sein ich hab noch ein, zwei Punkte übersehen. Aber sollte eigentlich langen.

      Martin

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    11. Vielen Dank Martin, das ging aber schnell :-) Jetzt verstehe ich deine Bedenken und ich vermute, dass diese Bedenken auch deshalb so groß und so gravierend sind, weil deine Kinder auch in den von dir genannten Bereichen radeln oder radeln wollen. Und deshalb sind die Anforderungen an die Sicherheit selbstverständlich noch höher, als wenn "nur du und ich" da lang fahren würden. Oder sehe ich das falsch?

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    12. Meine Meinung ist ja, dass beide Streckten entwickelt werden, also Beleuchtung für die Nätherstraße und Wegweisung für alle, die lieber Nebenstraßen und Grünwege radeln. Ich bin aber mit meinem Fahrrad im ganzen Stadtgebiet unterwegs (nicht nur auf ein bis drei Strecken, auf denen ich mich gut auskenne), und gerate dabei in Gebiete, wo ich mich nicht auskenne. Da wäre eine gute Wegweisung hilfreich. Die haben wir aber nicht und sie kann auch nicht alle Ziele berücksichtigen, die ich als Radlerin habe. Haupsttraßen heißen Hauptstraßen, weil sei die schnellste und direkteste Verbindung zwischen zwei Orten sind. Früher gingen auf ihnen die Fußgänger und fuhren Pferdewagen. Der Autoverkehr hat alles andere von Hauptstraßen vertrieben. Als Radlerin fahre ich gerne Hauptstraße, wenn ich mich in einem Stadtteil noch nicht auskenne und schnell von A nach B muss. Deshalb bin ich der Ansicht, dass die HRR 2 durch Wangen und Hedelfingen entlang der Hauptstraße gelegt werden muss. Auch weil nicht alle Radler immer nur ein Ziel haben, das nahe an der Näther Straße liegt. Von Hauptstraßen lässt es sich in der Regel in jede Richtung eines Ortes abiegen (es gibt auch Schilder (für Autofahrer), die mich auf Binnenziele hinweisen). Wer da nicht radeln will, kann ja anders radeln, aber es sit für Radfahrer, die wie ich das Rad fast immer benutzen, um schnell zu Terminen zu kommen, ein Segen, wenn sie sich an die Verkehrsschneisen halten können, die dem Autoverkehr gebahnt wurden, ganz praktisch und pragmatisch und völlig unideologisch. Einfach nur da fahren, wo man Autos schnellstmöglich von A nach B schafft. Das möchte ich nämlich auch. Die Radstreifen sind in Wangen und Hedelfingen gut geplant, und viel weniger dramatisch, als Martin es hier schildert. Es ist einfach eine Notwendigkeit, dass Räder überall dort in einer Stadt fahren dürfen, und zwar auf eigenen Spuren, wo der Autoverkehr unterwegs ist. Übrigens dürften sich auch Autofahrer darüber freuen, wenn die Radler nicht mehr vor ihnen auf der Fahrspur fahren, sondern neben ihnen und überholbar auf einer Radspur oder einem Radweg.

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    13. Die HRR2 soll ja größtenteils entlang der Stadtbahn führen. Könnte man nicht die jeweils linke Spur abtrennen (oder die linken 2m) und einen geschützten, kreuzungsarmen Radweg schaffen. Diese Lösung hätte den Vorteil, dass es keine Konflikte mit Rechtsabbiegern gibt, keine Konflikte mit Türöffnern, keine Konflikte mit Falschparkern. Für Linksabbieger gibt es sowieso heute schon eigene Ampelphasen.

      Es gibt dort einige Fußgängerüberwege, sodass Radfahrer den Weg nach rechts oder links verlassen können um Ziele in der Ulmer/Hedelfinger Str. zu erreichen. Auch die Ein-/Ausfädelungen an der Inselstraße und am Wangener Marktplatz sind heute schon ampelgeregelt.

      Dieser separierte, kreuzungsfreie Radweg wäre sehr attraktiv, schnell und objektiv wie subjektiv sicher.

      Was haltet ihr davon? Eine ähnliche Lösung könnte man auch anderswo wählen, z.B. Cannstatt Wilhelmsplatz Richtung Neckar, unter der Eisenbahnbrücke durch bis zum Linksabbieger auf die Neckarbrücke.

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    14. Lieber Rolf, wären wir ein paar Jahre weiter mit unserer Radinfrastruktur, wäre vermutlich für Ordungsamt, Stadtplanung und Verkehrsexperen dein Vorschlag denkar. Abe wir haben bisher noch nie einen Radweg auf die jeweils linke Fahrbahn gebaut. Es geht ja eigentlich auch nur um Radstreifen. Ich finde deine Idee sehr charmant, es wäre schön, wir könnten Radinfrastruktur so neu denken, nämlich als eine, die mitten auf der Straße verläuft oder optimal für Radler verlegt wird. Aber ich fürchte, so weit sind wir alle hier noch nicht, schon gar nicht die Gemeinderäte, die dem ja zustimmen müssen. Vielleicht sollten wir (du und ich) mal einen echten Plan, beispielsweise für den Wilhelmsplatz in Cannstatt entwerfen und vorstellen. Was meinst du?

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    15. @Stefan K.: Das siehst du teils falsch, teils richtig. Die schlimmsten Unfälle mit Radfahrern sind mit rechts abbiegenden LKWs. Und genau solche Situationen wird es zumindest zwischen Landhausstraße und Inselstraße zuhauf geben.

      Meine Kinder lernen gerade erst Rad fahren, werden aber in ein wenigen Jahren dann in die Wilhelmsschule kommen. Und dann werden sie auch betroffen sein.

      @Christine: ich verstehe schon deine Intention mit dem Anbieten von Routen. Nichtsdestotrotz halte ich an dieser Stelle die Planung wegen den beschriebenen Punkten für brandgefährlich. Aber ehrlich gesagt habe ich auch diesmal nicht erwartet, dass du auf die Punkte eingehst oder sie gar entkräften kannst.

      Aber mit dem Punkt, dass der Radstreifen gut geplant sei, hast du bei mir ein sarkastisches Grinsen erreicht. Als Stuttgarter hat man ja so seine Erfahrung mit gut bzw. bestgeplanten Projekten.

      Achja, wer wird später sich bei den Verletzten entschuldigen? Hoffentlich nicht bei den Hinterbliebenen.

      Martin

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  3. Hm, "wenn es Geld kostet" oder "Baumaßnahmen" oder "solange es mit dem Auto bequemer ist", usw.
    Die oben angedeutete Maßnahme, "Sperren einer Spur für MIV" und freigabe derselben für ÖPNV und RadVerkehr, würde Quer durch den Talkessel deutlich weniger Verkehr bringen, nichts kosten und für Radler eine feine, gute, schnelle und sofort verfügbare Spur vom Schattenring bis Fellbach bringen. Es bräuchte "nur" ein paar Schilder und anfänglich eine Konsequente Überwachung mit sofortigen Konsequenzen für Nichtbeachter der Regeln.
    Das Reduziert den Verkehr innerhalb der Stadt nach wenigen Tagen um mindestens 25% (und hilft mir schneller an den Arbeitsplatz), es düften sich auch einige sicherer fühlen wenn plötzlich ein 3 Meter breiter Radweg da wäre, auch wenn ab und an ein Auto queren würde.

    Die Stadt sollte Außerdem für Bürogebäude (neue bzw. im Bau befindliche Komplexe über 1000m² neben Parkplätzen für diverse Fahrzeuge auch Sanitäre Einrichtungen für's Umkleiden und oder Duschen für Radfahrer in die Bebauungspläne Integrieren, die 10m² je 100 Beschäftigte sollten auch bei knappem Budged realisierbar sein. Das wäre eine Langfrist-Maßnahme als Invest in die Zukunft, gerne auch auf Kosten der Kunst am Bau.

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  4. Guten Tag,
    du hast einen sehr tollen Blog. Ich schaue öfters vorbei, denn die Seite ist sehr gut gestaltet und ausgeprägt! Ich würde mich freuen von dir zu hören.
    Viele Grüße, Alex von Fahrrad - Fahrradteile

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    1. Eine recht charmante Art der Werbung, lieber Alex. Eigentlich lösche ich Werbe-Kommentare sofort, aber wie gesagt: du machst das hier charmanter als üblich. Du hast dir mein Blog offenbar wirklich angeschaut. Aber bitte übertreib es nicht, ja?

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