22. März 2018

Die unsichtbare Radfahrerin


Der Radfahrer ist männlich. Wenn über Radfahrtypen geschrieben wird, bleiben Frauen gerne mal völlig außen vor

Es gibt in geschriebenen Texten viele Rennradler, Montainbiker, Lastenradler, Pedelec-Radler, aber kaum Downhillerinnen oder Trekkingradlerinnen. Kinder übrigens auch nicht. Würden Politik und Medien mehr an Kinder oder Mütter mit Kindern denken, gäbe es so manchen so genannten Schutzstreifen so nicht.  Die Radinfrastruktur geht vom sportlichen Mann zwischen 20 und 50 aus, der auch mal im Verkehr mit Tempo 50 die Neue Weinsteige hinunter "mitschwimmt".

In Realität fahren fast genauso viele Frauen wie Männer Fahrrad. Exakte Zahlen sind dazu allerdings schwer zu finden.
Überall in Deutschland gibt es fast so viele Fahrräder wie Einwohner, was dafür spricht, dass auch den Frauen ein Fahrrad zur Verfügung steht.

Für das Jahr 2008 gibt es eine Untersuchung des Bundesverkehrsministeriums aus dem Jahr 2014, aus der hervorgeht, dass beim Radverkehr die Zahl der Frauen, in Altersklassen unterteilt, meist nur einen Prozentpunkt unter der der Männer liegt. Bei den zwischen 40- und 64-Jährigen liegt sie um einen Prozentpunkt darüber.
Dem Fahrrad-Monitor Deutschland 2015 zufolge fahren 25 Prozent der befragten Frauen und 29 Prozent der Männer im Alltag täglich oder wöchentlich mit dem Fahrrad. Auch hier sind es ungefähr gleich viele Frauen wie Männer, die wir demzufolge ja auch auf unseren Straßen radeln sehen, falls wir sie sehen wollen.

Frauen radeln allerdings womöglich tendenziell auch eher auf anderen Wegen, zu anderen Zeiten und zu anderen Zielen als Männer. Der allgemeinen Lebenserfahrung und einer Untersuchung in Österreich zufolge sind sie in Teilen eher als Teilzeitarbeitnehmerinnen, Mütter und Hausfrauen mit dem Fahrrad unterwegs, nutzen es also eher als Männer zum Einkaufen, zum Shoppen und für kürzere Wege, was nicht ausschließt, dass auch sehr viele Frauen weite Wege zum Arbeitsplatz mit dem Fahrrad zurücklegen, sowohl mit Rennrädern als auch mit Pedelecs.

Wobei Frauen ein drastisch geringeres Risiko haben, im Straßenverkehr zu verunglücken, egal, ob sie Auto fahren, mit dem Fahrrad unterwegs sind oder zu Fuß gehen.  Aus den Statistiken geht hervor, dass von 100.000 Radfahrenden rund 430 Frauen, aber ca. 550 Männer verunglücken, und das, obgleich in der Bevölkerung Frauen mit rund 51 Prozent eine Mehrheit ausmachen. Bei den tödlichen Unfällen ist der Unterschied noch deutlicher. Im Jahr 2014 starben 280 Radfahrer und 116 Radfahrerinnen (in Baden-Württemberg 37 Radler und 16 Radlerinnen). Frauen verhalten sich offensichtlich im Straßenverkehr klüger als Männer, zumindest riskieren sie weniger, legen es nicht auf einen Konflikt an und fahren seltener zu schnell oder alkoholisiert.

Frauen fahren anders Fahrrad als Männer, nicht alle, aber viele. Sie legen weniger Wert auf Wettkampf, Wettrennen und Imponiergehabe, sie suchen eher konfliktfreie Wege und sie fahren toleranter. Der Straßenverkehr wird eher von Männern geplant und demzufolge auch hauptsächlich für Männer. Daraus resultiert nicht nur die Dominanz der Planung fürs Auto, sondern auch, dass die Art der Radinfrastruktur. Frauen bringen sich nur in Erinnerung, wenn sie lauthals dagegen protestieren, dass eine Radroute durch Wälder und über abgelegene Felder geführt wird. Männer haben keine Angst vor Einsamkeit und Finsternis oder geben es zumindest nicht zu. Unter den Männern gibt es vermutlich auch mehr Radler, die das Fahrbahnradeln im Stellungskampf mit dem Autoverkehr bevorzugen, während Frauen sich eher geschützte Bahnen wünschen, wo sie keine Konflikte austragen müssen.

Wenn Medien (und Politik) nicht lernen, Frauen als Radfahrende wahrzunehmen, dann läuft es darauf hinaus, dass wir Frauen in die SUVs stecken und als Mama-Taxi verunglimpfen und die Männer auf die Fahrräder in den Straßenkrieg als Rüpelradler. Und das ist eine bewusste Verfälschung der Realität.

Und das ist auch der Grund, warum ich nicht nur von "Radlern" oder "Radfahrern" spreche, sondern immer wieder auch von "Radfahrenden"  oder "Radler/innen". Es macht mir und meinen Leser/innen bewusst, dass es auch Radfahrerinnen gibt, die womöglich andere Bedürfnisse haben als Radfahrer, in jedem Fall aber die Hälfte der Radfahrenden auch in Stuttgart ausmachen.



Kommentare:

  1. Hui, hätte den Text (unter vielleicht andren Vorzeichen) ein Mann verfasst, wäre das Sexismus-Geschrei sicher gewaltig! Kann ja im Zuge der folgenden Kommentare noch nachgeholt werden! ;)

    Die Radinfrastruktur geht vom sportlichen Mann zwischen 20 und 50 aus, der auch mal im Verkehr mit Tempo 50 die Neue Weinsteige hinunter "mitschwimmt". (...) Der Straßenverkehr wird eher von Männern geplant und demzufolge auch hauptsächlich für Männer.

    Das stimmt doch so nun überhaupt nicht! (Vor allem benutzungspflichtige) Radinfrastruktur (als Teil der Straßenverkehrsplanung, oft genug Mischwege) geht grundsätzlich vom ängstlichen, langsam fahrenden Gelegenheitsradler bzw. vor allem: der -radlerin sowie den dann oft auch bemühten Kindern aus! Es sind auch deshalb überwiegend "furchtlose" Männer (und ein paar wenige "furchtlose" Frauen), die deshalb (oft rechtswidrig) auf die Fahrbahn ausweichen, weil sie anders gar nicht zügig vorankommen, weil auf dem tollen Radweg ständig irgendwer vor ihnen herumtorkelt.

    Wie sähe denn eigentlich "weiblich" geplante Straßenverkehrsinfrastruktur aus? Gibt es einen Beleg dafür, dass es hauptsächlich nur Männer sind, die in der Verkehrsplanung tätig seien? Und dass hauptsächlich deren Geschlecht Einfluss auf die Planung hätte...? :P

    Immerhin stellst du fest, dass in Sachen "Gleichberechtigung" bei Getöteten und Verletzten noch Spielraum (von Seiten des Mannes, nach unten) zu sein scheint. ;) Frauen mögen allgemein Konflikten eher aus dem Weg gehen und eher auf Vorrechte verzichten - damit erweisen sie der Sache, den Radverkehr auf eine gleichberechtigte Stufe zu stellen, auf lange Sicht einen Bärendienst! Hier sind es (wenn man sich z. B. auch die Bloggerszene anschaut) doch auch überwiegend Männer, die sich überhaupt in dieser Form engagieren.

    Das kann man natürlich auch ins Lächerliche ziehen, indem man Männern pauschal unterstellt, sie seien tendenziell eher Machos, die vorwiegend Wettkampf und Imponiergehabe im Sinn hätten. :P

    Nein, nicht "wir" stecken Frauen in SUV - die machen das von sich aus! Ich seh in einigen der angeführten Begründungen eher, dass (auch radfahrende) Frauen sich selbst sehr gerne in die Opferrolle verkriechen ("ich muss den SUV nehmen", "ich will nicht durch den einsamen Wald radeln", "auf der Fahrbahn ist es zu unsicher", "Die Autofahrer sind zu aggressiv"), anstatt sich schlicht mal etwas selbstbewusster zu verhalten!

    In Pirmasens dürfte die Radfahrer-Radfahrerinnen-Quote wohl etwa bei 90 zu 10 % liegen.

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    1. Interessanterweise sind es bei Artikeln, die Frauen stärker in den Fokus rücken oder sogar abgrenzen gegen das Allgemeine, Männer, die plötzlich mit dem wertenden Begriff "Sexismus" kommen. Du antwortest mir sehr stark aus einer männlichen Perspektive. Ich habe sehr stark aus einer weiblichen Perspektive geschrieben. In den Niederlanden kann man sehen, wie eine Radinfrastruktur aussieht, in der sich Frauen wohl fühlen: Breite Radwege, auf denen man langsam, aber auch schnell fahren kann. In den Niederlanden fahren Mütter mit ihren Kindern, ältere Frauen und alle ohne Helm. Bei uns in Stuttgart sieht man kaum Mütter mit Kindern in der Stadt herumradeln, man sieht kaum Grundschulkinder radeln, nur wenige Schülerinnen und Schüler auf Rädern, weil die Infrastruktur (oftmals übrigens von den Müttern, die ihre Kinder nicht aufs Rad lassen wollen) als zu gefährlich betrachtet wird. Vielleicht kannst du dich dazu durchringen, die weibliche Wirklichkeit, die ich hier mit meinem Blick beschreibe als eine Wirklichkeit zu akzeptieren, die du selbst nicht wahrnehmen kannst, weil du ein Mann bist. Tut mir ja leid, ist aber halt so.

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    2. Ich wollte durch meinen Kommentar eigentlich nicht erreichen, dass primär (ad hominem / ad personam) auf das Geschlecht des Äußernden abgezielt wird. Den "Sexismus" (die divide-et-impera-Totschlagkeule unserer Zeit...) habe ich nicht wegen der Tatsache angeführt, weil du Frauen in den Fokus gerückt hast (das ist prima), sondern weil du z. B. der Verkehrsplanung ganz allgemein männliche (negative) Attribute verliehen hast! ;)

      Allgemein scheint es grade für Frauen wesentlich wichtiger zu sein, sich sicher zu "fühlen" (man kann auch "glauben" sagen - dann wäre man bei einer Form von Religion), denn sich sicher zu "wissen"! Bist du der Ansicht, man muss das so akzeptieren oder meinst du nicht, man müsse viel mehr daran arbeiten, dass Menschen in erster Linie Sachverhalte (wie u. a. die Sicherheit von Radverkehrsanlagen oder die Gefährlichkeit der Fahrbahnnutzung) nach objektivem Wissen - und nicht nach subjektivem Glauben beurteilen sollten?

      Die flache Niederlande ist sicher generell schwer mit einer Stadt wie Stuttgart vergleichbar. Aber auch dort ist nicht alles gold, was glänzt.

      weibliche Wirklichkeit (...) Weil du ein Mann bist.

      Puh, harter Tobak. Sorry! Ich hab (als Mensch, nicht als Mann!) grundsätzlich ein Problem, einen objektiven Unterschied zwischen "weiblicher" und "männlicher Wirklichkeit" festzustellen! Es sind ja nicht nur Frauen, Senioren und Kinder, die der Überzeugung sind, Radwege seien auf jeden Fall um Welten sicherer als die Nutzung der Fahrbahn.

      Selbstbewusstsein ist keine Frage von Mann oder Frau! Grade dann nicht, wenn vorwiegend Radfahrerinnen sich durch Nichtteilnahme am Straßenverkehr, "defensive" Fahrweise oder konfliktscheues Verhalten ihre eigene "Wirklichkeit" basteln. Um dann auch hier wieder "den Mann" (in seiner Rolle als bösen Verkehrsplaner) als Ursache anführt. Ich persönlich sehe meinen Kampf, Radfahrer (und -innen) als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahrzunehmen, daher auch als Emanzipation fort von einer vom Automobil dominierten Gesellschaft! Das erreicht man aber nicht, indem man sich widerstandslos (im wahrsten Sinne), als stets nachgebendes "Opfer" an den Rand (eben jener Gesellschaft) drängen lässt!

      Man kann es also auch (etwas überspitzt) so sehen, dass (auch schuldlos bei Vorfahrtverstößen) verunfallte Männer ihr Leben für die Sache gaben. Ja; ist sicher auch eine sehr "männliche" Sichtweise! :P Pauschales, nicht minder sexistisches vicitim-blaming ("weniger klug, schnell, Wettrennen, Imponiergehabe") sollte man sich dann vielleicht einfach verkneifen.

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    3. >Frauen verhalten sich offensichtlich im Straßenverkehr klüger als Männer, zumindest riskieren sie weniger, legen es nicht auf einen Konflikt an und fahren seltener zu schnell...<

      Ja, vielleicht ist das wirklich so. Jedenfalls interessant und nachdenkenswert und jedenfalls selbstkritisch-individuell betrachtet muss ich das bestätigen. Wenn wir paarweise unterwegs sind, bin ich es, als männlicher Part, der sich über Fehlverhalten und Gefährdungssituationen anderer aufregt; sie findet eher gut, dass trotzdem nichts passiert ist.

      Eine solide Datenbasis ersetzt das natürlich nicht und ich bin auch weiterhin der Meinung, würde ich mir beim Radfahren eine lange, blonde Perücke aufsetzen, dann würde ich vermutlich weniger eng überholt und geschnitten werden. Dafür stecke ich jetzt auch gerne einen Euro ins Macho-Kässle *pling*.

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    4. Lieber DS-Perspektiven, wir verirren uns hier auf ein anderes Sachgebiet. Ich staune allerdings manchmal und auch jetzt gerade wieder, wie bestimmt viele Männer bestreiten, dass es für Frauen eine andere Wirklichkeit (andere Wichtigkeiten, andere Erfahrungen, andere Gefahren, andere Bewertungen, andere Prioritäten etc.) gibt. Du kannst die Welt nicht als Mensch sehen (wobei ja auch der Mensch männlich ist und das Wort sehr oft auch genau so, nämlich mit männlicher Perspektive gebraucht wird), sondern nur als Mann. Natürlich kann man sich in andere hineinversetzen, und so kannst du dich vielleicht in Frauen hineinversetzen. Tätest du das, wärst du vielleicht ganz still oder würdest sagen: Ja, stimmt, Frauen radeln nicht gern in nachtfinsteren Wäldern, egal wie real die Gefahr dort ist. Oder die meisten Frauen haben keinen Spaß am Stellungskampf mit dem Auto. Zuhören und sich erklären lassen, wäre hier eine Reaktion, die ich als Frau mal besser fände, als gleich urteilen und sagen, "Frauen sollten lernen, dass ..." Übrigens ist die Erkenntnis, dass Fahrradpolitik (wie die ganze Verkehrspolitik) fast nur von Männern gemacht wird (die meisten Radbeauftragten sind männlich) nicht meine, sondern eine, die bereits ein Mann formuliert hat. (Hier nur mal ein Beispiel, dass ich mit dieser Auffassung nicht alleine dastehe: http://velocityruhr.net/blog/2017/10/19/aeltere-maenner/) Im Radforum in Stuttgart (ein Treffen von Radlern mit der Verwaltung) sitzen meist zwanzig radfahrende Männer und drei bis fünf Frauen. Ich war auch schon die einzige Frau dort. Der Fahrradbeauftragte ist ein Mann. Wenn es um Radpolitik geht, diskutieren hauptsächlich die Männer mit Männern. Und es geht darum, dass man Radstreifen oder Radwege ablehnt. Die meisten Frauen lehnen Radwege nicht ab, sie finden sie gut, egal, wie groß die reale Gefahr dort ist. Die übrigens nimmt ab, wenn Radwege die Hauptinfrastruktur für Radler sind und wenn sie durchgängig sind und jede Kreuzung bestimmen.

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    5. Lieber Anonymus, danke fürs Pling im Machokästle. Stimmt ja auch. Untersuchungen in London haben gezeigt, dass die blonde Frau ohne Helm von Autofahrern sehr viel rücksichtsvoller behandelt wird als der über den Rennlenker gebeugte Radler mit Schutzweste und Helm. Der wird öfter geschnitten und absichtlich übersehen. Es gibt Unterschiede, das versuche ich ja hier auch gerade zu sagen. 😊

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    6. (...) während Frauen sich eher geschützte Bahnen wünschen, wo sie keine Konflikte austragen müssen.

      Hey Christine. Ich kenne auch Frauen, die bestreiten, dass es für jene eine "andere Wirklichkeit" gäbe. Und die selbstbewusst genug sind, sich ihren Platz nicht nur auf der Straße von irgendwem (ob Männ- oder Weiblein) streitig machen zu lassen!

      Aber in der Tat, wir schweifen ab. Mir scheint jedenfalls, dass dir die Frage nach dem Geschlecht wesentlich wichtiger erscheint als mir...? ;)

      Die "Gefahr" in "finsteren Wäldern" ist (wie viele andere populäre Ängste auch) schlicht irrational. Da brauch ich gar nicht groß drüber zu diskutieren. Das ist noch paranoider als die Angst vor der gefährlichen Fahrbahn! ;)

      Tja, warum ist Fahrradpolitik (oder Politik allgemein) denn so sehr von Männern dominiert? Weil Männer Frauen etwa aktiv daran hindern würden, sich zu engagieren...? Oder weil Frauen offenbar allgemein (auch aufgrund von Konfliktscheue) eher dazu neigen, auch diesem "Ärger" aus dem Weg zu gehen? Dass dort Männer überwiegen - ist doch nicht die Schuld der Männer. Sondern in erster Linie die Schuld der Frauen selbst, die sich mit Zuständen eher als gegeben arrangieren (also z. B. sich auch still und leise auf Radwege verdrücken...) - als an diesen Zuständen auch aktiv etwas verändern zu wollen.

      Du persönlich bist da also offenbar eine (lobenswerte) Ausnahme. Da du ja scheinbar einen wesentlich besseren Draht zu deinen Geschlechsgenossinnen hast: Frag die doch mal, warum die die ganze Arbeit einfach hauptsächlich den Männern überlassen, anstatt sich selber aktiv mit einzubringen? ;P

      Gruß

      Dennis

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    7. Lieber Dennis, warum eigentlich so aufgeregt? Aber ich weiß ja schon, du bist so. Ich finde, es müssen nicht immer die Männer sein, die als erste sagen, definieren, bestimmen, was Frauen fühlen sollten und ob es rational oder irrational, begründet oder unbegründet und so weiter. Ich habe Männern in diesem Artikel keinerlei Vorwurf gemacht. Die Welt ist wie sie ist, und es dürfte beispielsweise auch nicht so viele Frauen geben, die Diskussionen in einem Blog und auf Facebook so aushalten wie ich das tue. Wobei die hier im Blog ja sehr sehr sachlich und interessiert sind, verglichen mit denen auf Facebook. Auf FB hat sich nur heute ereignet, dass viele Frauen Gefällt mir geklickt haben und einige sich bedankt haben. An den Zugriffszahlen merke ich auch, dass genau dieser Artikel heute, viele sehr interessiert. Es ist auch nciht schlimm, wenn Frauen in diesem Blog hier innerhalb der fast fünf Jahre, die ich den mache, mal einen Artikel für sich bekommen. Gell?

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    8. Zum Kommentar von Christine um 10:29:
      "Bei uns in Stuttgart sieht man kaum Mütter mit Kindern in der Stadt herumradeln,"

      Einspruch. Auf meiner Strecke zur Arbeit (Wangen -> Stadtmitte) sehe ich sehr wohl Mütter mit Kindern. Bevorzugt mit Lastenräder. Überhaupt ist auf der Strecke morgens das Verhältnis Männer zu Frauen (beide mit und ohne Kinder) über mehrere Tage hinweg ca. 50:50.

      Generell werden aber nur wenige Kinder mit dem Rad vonden Eltern gebracht. Weil schlicht und einfach die meisten entweder in fußläufiger Entfernung wohnen, oder doch leider mit dem Auto kurz "abgeworfen" werden. Rad fahrende Schulkinder werden eher nicht von den Eltern gebracht. Das ist uncool.

      Martin

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    9. Schön, dass du Mütter (vielleicht auch Väter) mit Kindern radeln siehst. Ich habe ja auch nicht gesagt, dass es keine sind, sind sondern wenige. Wenn man unser Straßenbild mit Fahrräder mit denen aus den Niederlanden vergleicht, dann fällt vor allem auf, dass dort mehr Kinder, Jugendliche und Mütter mit Kindern radfahren als bei uns. Wenn ich mir überlege, wie viele Kinder so unterwegs sind und zur Schule müssen, dann müssten mir in der Tübinger Straße Wolken von radelnden Kindern aus allen Richtungen entgegenkommen, das tun sie aber nicht. Auf den Fildern (Möhringen, Vaihingen, etc.) wird, wie mir scheint, etwas mehr geradelt, weil Kinder da oft Feldwege für sich haben und außerdem oben auf der Ebene bleiben können. Aber im Stadtgetümmel, sind Kinder und Jugendliche auf Fahrrädern doch eher in der Minderheit.

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    10. Hey Christine,

      Aber ich weiß ja schon, du bist so.

      Ich bin die Ruhe in Person! Wissen kannst du es (wegen der paar Kommentare, die ich bislang hier hinterlassen habe) wohl eher nicht! Den Rest erledigen dann wohl die Vorurteile...? ;)

      es müssen nicht immer die Männer sein, die als erste sagen, definieren, bestimmen, was Frauen fühlen sollten

      Also dürfen Männer falsche Annahmen (hpts. von Frauen) nicht kritisch hinterfragen, nur weil sie Männer sind?

      Ich habe Männern in diesem Artikel keinerlei Vorwurf gemacht.

      Doch, hast du - zumindest indirekt. Dass dir das selber (trotz Hinweisen) nicht auffällt oder auffallen will, ist ein Teil dessen, was ich mit meinem Hinweis auf die in unseren Zeiten doch oft recht einseitigen Sexismus-Vorwürfe gemeint hatte.

      Es ist auch nicht schlimm, wenn Frauen in diesem Blog hier innerhalb der fast fünf Jahre, die ich den mache, mal einen Artikel für sich bekommen. Gell?

      Das könnte man als "Strohfrau-Argument" betrachten...? ;) Nö, ist überhaupt nicht schlimm! "Schlimm" ist daran höchstens, pauschalisierend "den Mann" im Wesentlichen dafür verantwortlich zu machen. Und an victim-blaming grenzende Klischees zu bemühen, warum Männer im Straßenverkehr öfter verunglücken als Frauen.

      Diese Kritik solltest du eigentlich aushalten können, ohne gleich ad hominem oder ad personam anzuwenden. Wie du es in deiner Antwort ("du bist so") bereits gleich zu Beginn erneut getan hast...

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    11. Hey, woher weißt du, dass ich diese Kritik nicht aushalte. Was täte ich, wenn ich sie nicht aushalten würde. Wenn du einen Vorwurf heraushörst, dann ist das vielleicht eine leichte Empfindlichkeit deinerseits und hat mit den Feststellungen, die ich treffe, nichts zu tun. Du argumentierst wie viele Männer argumentieren, wenn ein Frauenthema in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt wird. Tut mir leid. Ich bin seit vierzig Jahren Feministin. Und ich wundere mich dennoch immer noch, wie viel Wertungen weibliche Perspektiven auslösen. Ich habe nicht erfunden, dass Frauen weniger Unfälle haben, wobei sie ja auch durchaus Unfälle haben. Ich habe auch nicht erfunden, dass Verkehrspolitik hauptsächlich von Männern für Männer gemacht wird, und das habe ich hier im Blog auch vielfach dargestellt. Wird halt Zeit, dass wir das ändern.

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  2. "Bei uns in Stuttgart sieht man kaum Mütter mit Kindern in der Stadt herumradeln, man sieht kaum Grundschulkinder radeln, nur wenige Schülerinnen und Schüler auf Rädern, weil die Infrastruktur (oftmals übrigens von den Müttern, die ihre Kinder nicht aufs Rad lassen wollen) als zu gefährlich betrachtet wird."

    Diese Aussage ist weitgehend falsch.
    In Stuttgart radeln keine Schüler, weil es die Stadt "ausdrücklich nicht wünscht" und in diesem Wortlaut per Ranzenpost verbreitet.

    #bisheuteunwidersprochen

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  3. Lieber Anoymus, deine Aussage ist auch falsch. (Schöner wäre es, wenn wir hier alle mit unseren Urteilen und Bewertungen nicht so schnell wären),denn es ist nicht "die Stadt", die Kindern das Radfahren verbietet. Es gab einzelne Schulleiter/innen, die den Eltern erklärt haben, die Kinder dürften nichtt mit dem Fahrrad zur Schule fahren, bevor sie den Fahrradführerschein gemacht haben, aber das war falsch. Und ist ist nicht die gängige Meinung.

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    1. An der Schule meiner Kinder ist es definitiv so: Ohne Rad-Führerschein Radfahren untersagt. Natürlich bin ich darüber genau so empört wie über die Meinung der Polizei in der Fahrradprüfung, Kinder sollten sich im Straßenverkehr so unauffällig wie möglich verhalten und den Autofahrern den Raum nicht wegnehmen. Ich war der Meinung, die Polizisten sind selbst noch nie Fahrrad gefahren. Zum Glück haben meine Kinder einen klugen Papa, der aus der harten Praxis und nicht aus der MickyMaus-Theorie erzählt und beibringt :)

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  4. Die Gefahr einen Unfall zu haben, hängt wohl weniger an Besitz eines Fahrrades und Einwohnerzahlen. Sondern viel mehr an der Kiöometerleistung. Ohne diese svheint es mir nicht seriös über Unterschiede der Unfallhäufigkeit zwischen Mann und Frau zu philosophieren.
    Hier wurde such schon festgestellt, dass Gehwegradeln gefährlicher als Fahrbahnradeln ist.
    Zusammen mit den Geschlechtsspezifika ergibt sich ein Widerspruch.

    Gruss, Christoph.

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    1. Wie kommst du darauf, dass die Kilometerleistung von Frauen geringer ist, als die von Männern? Könnte sein, muss aber nicht sein. Leider kann ich ja die Statistiken selber nicht nachprüfen, aber es ist seit langem beim Autoverkehr bekannt, dass Frauen weniger Unfälle haben und bauen als Männer. Beim Radfahren ist das offenbar ähnlich. Und die höhere Gefahr des Gehwegradelns heißt nicht zwangsläufig, dass auf Gehwegen nun auch mehr Frauen verunglücken müssten, während die Männer auf Radstreifen und Fahrbahnen ungestreift davonkommen. Ihr müsst gelassen damit leben, liebe Jungs, dass eure oft höhere Risiko- und (Wett-)Kampfbeitschaft im Straßenverkehr ein höheres Unfallrisiko mit sich bringt.

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    2. Liebe Christine,

      "liebe Jungs". Ich bin völlig gelassen, obwohl ich von dir in eine Ecke gestellt werde, in die ich nicht gehöre.

      Aber so ist das halt, wenn man/frau mit Klischees und Vorurteilen um sich wirft. Dann trifft frau eben auch die, die möglicherweise auf ihrer Seite stehen.

      Und dass Frauen die bessere Strategie im Straßenverkehr haben, stimmt grundsätzlich, aber eben nicht generell. Ja, sie sind in den Unfallstatiatiken besser. Und ja, sie sind in der Flensburger Punktestatistik deutlich unterrepräsentiert. Meinen Glückwunsch hierzu. Und wenn sich die Männer, die hier negativ auffallen, sich eine Scheibe abschneiden würden, wäre uns allen geholfen.

      Achso, und dann gibt es noch diese rücksichtslosen, sicherheitsbedachten Frauen, die mit ihren (Mini-)-SUVs auf Radwegen und Behinderten-Parkplätzen stehen und sich mit roher Gewalt in Weg durch den Verkehr pflügen. Sie fühlen sich ja sicher in ihrem Panzer. Sie sitzen ja höher, haben nen guten Überblick, sie sind durch viel Stahl und Alu geschützt.

      Tja, diese Frauen entdecken "männliches" Verhalten für sich und adaptieren es. Aber es sind einige und nicht alle.

      Ein wenig Differenzierung hätte ich mir von dir schon gewünscht. Wir leben in einer Welt, in der viele - vor allem männliche(!!) - Politiker mig vereinfachenden Parolen die Welt "beglücken". Warum du dieses Verhalten kopierst und adaptierst?

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  5. Lieber Mathias, wenn du den Text genau liest, dann würdest du viele Wörter lesen, die die Aussagen relativieren. Bisher haben hier für mich erkennbar nur Männer kommentiert. Ich mag euch Kommentatoren auch, ihr seid wichtig für meinen Blog. Aber jetzt gerade sind einige vo euch ein bisschen zu aufgeregt bei diesem Thema. Was ist geschehen? Ich habe weibliche Radfahrerinnen in den Mittelpunkt gerückt und dabei entdeckt, dass viele von ihnen anders radeln als Männer, dass Frauen und Kinder bei der Verkehrsplanung weniger berücksichtigt werden und dass Frauen auf Fahrrädern im Straßenverkehr weniger Unfälle haben als männliche Radfahrende. Nicht mehr und nicht weniger. Ich habe nicht behauptet, dass Frauen die besseren Menschen sind oder niemals Fehler machen. Es geht auch nicht darum, jemanden zu beschuldigen, weder Männer noch Frauen. Es geht darum, dass wir alle gemeinsam ein paar Erkenntnisse gewinnen, und hier geht es halt mal darum, dass Verkehrsplanung von Männern für Männer vielleicht Frauen zu kurz kommen lässt.

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    1. Vielleicht es so, dass Verkehrsplanung von Männern für Männer gemacht wird. Und vielleicht kommen hierbei Frauen zu kurz. Und vielleicht ist es sogar Absicht. Die Beweisführung überlasse ich dir.

      Das eigentliche Problem ist, dass Verkehrsplanung für KFZ und gegen Menschen gemacht wird. Ich werde als Radler an den Rand gedrängt. Ich werde als Füßler an den Rand gedrängt. Es gibt Gehwege, die sind so schmal, dass zwei Fußgänger nicht an einander vorbeikommen. Aber für die Autos gibts jede Menge Platz. Und wenn der nicht reicht, weichen die KFZler auf die Gehwege aus.

      Die jetzige Verkehrsplanung ist nicht auf Radler ausgerichtet und gegen Radlerinnen. Sie ist gegen alles nicht-motorisierte gerichtet.

      Ich fühle mich in vielen Situationen auch nicht wohl. Aber ich passe mein Verhalten an die Verhältnisse an. Und da es für mich keine ausreichende Rad-Infrastruktur gibt, fahre ich dort, wo es der Gesetzgeber vorsieht. Und das hat nichts mit "Stellungskampf" oder "höherer Risikobereitschaft" zu tun. Sondern damit, dass ich mich mit dem Rad mit der gleichen Selbstverständlichkeit auf Deutschlands Straßen bewege wie wenn ich mit dem Auto unterwegs bin.

      Und das hat nichts mit männlich zu tun. Eher mit menschlich. Ich bin nämlich derselbe Mensch, egal auf welche Art ich mich fortbewege. Derselbe Mensch, mit den selben Rechten.

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    2. Nein, ich unterstelle nicht, dass es Absicht ist. Es ist nur eine gewisse Blindheit den Bedürfnissen von Frauen und Kindern auf Fahrrädern gegenüber, weil sie nicht gefragt werden und nicht mitreden (übrigens oft aus eigener Schuld, sie gehen halt nicht zu den Radveranstaltungen hin). Und wie ich in einem anderen Post einen Wissenschaftler habe sagen lassen: Niemand fährt Rad, wenn er oder sie es für sich für zu gefährlich hält oder wenn es zu unangenehm wird. Den Radverkehr in Stuttgart steigern wir nur nennenswert, wenn wir nach dem Pedelec-Boom jetzt die Lastenräder, Räder mit Kinderanhängern, Kinder und Seniorinnen und einkaufenden Frauen (natürlich auch die Frauen, die lange Strecken zur Arbeit fahren) berücksichtigen, wenn wir es ihnen schön und friedlich machen. Die die heute schon Rad fahren, fahren, egal wie die Infrastruktur ist. Aber wir wollen ja auch die auf dem Fahrrad haben, die es heute noch für zu gefährlich halten, weil die Radinfrastruktur nicht durchgängig ist, und leider sind es oft eher die Frauen, die ein größeres Schutz- und Sicherheitsbedürfnis haben und nicht den Stellungs- und Platzkampf mit dem Auto austragen wollen. Um nichts anderes geht es hier. Ich möchte gerne an dich appellieren: Hör doch einfach zu, was Frauen über sich und das Radfahren zu sagen haben. Es erweitert unser aller Horizont, wenn wir zuhören. Eine andere Sichtweise auf Situationen (zum Beispiel im Straßenverkehr) ist kein Angriff auf deine Erlebniswelt und Erfahren, es ist nur eine Perspektive mehr, die uns weiterhilft, besser zu werden.

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  6. Liebe Christine,
    ich finde Du hast recht. In den meisten Planungsetagen sitzen Männer. Wo Männer sagen "das geht doch" sagen Frauen oft, " das geht überhaupt nicht". Ich kann es verstehen, dass Frauen lieber auf dem Gehweg fahren, aber nicht auf idyllischen, mit Bäumen und Büschen gesäumten einsamen Wegen, dass Sie es sich nicht geben wollen, sich in den Kampf auf der Straße zu begeben. Auch ich denke immer darüber nach, ob ich mit dem Rad fahren soll, ob ich mir das geben soll, doof geschaltete Ampeln, Radwegparker, Schlaglöcher, etc. etc. oder ob ich ganz gemütlich das Auto nehme, ins Parkhaus fahre und nicht weiter mich aufregen muss. Andere denken sicherlich darüber noch mehr nach, wenn sie Kinder durch die Gegend kutschieren. Kinder fahren selbst? oder im Anhänger und wie komme ich dann durch die Drängelgitter? Und wo stelle ich das Teil dann hin?
    Ja, Frauen denken auch anders. Das ist auch wissenschaftlich bewiesen. Sie denken emotionaler, Männer denken mehr geradlinig. Besser oder schlechter gibt es da nicht, beides hat Vor- und Nachteile. Beim Verkehr ist das auch eher so, Frauen denken da mehr in Strecken (von Bäcker, zur Kita, dann in den Supermarkt, dann zur Arbeit, auf dem Rückweg noch sonstwohin etc.). Auch genau dazu gibt es wissenschaftliche Untersuchungen.
    Wenn man Planungsausschüsse paritätisch besetzen würde (Frauen, Männer, auch andere Gruppen, wie Behinderte) würden auch zusätzliche Aspekte bei der Planung hinzukommen, da ja jeder seine eigenen Bedürfnisse hat. Wir sollten uns doch bemühen, dass mit der Infrastruktur auch alle zurechtkommen. Das darf auch mal ein Kompromiss sein. Der sollte dann aber auch kommuniziert werden.
    Viele Grüße
    Karin

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  7. Christine schrieb: "[...] Untersuchungen in London haben gezeigt, dass die blonde Frau ohne Helm von Autofahrern sehr viel rücksichtsvoller behandelt wird [...]"

    Das konnte in Australien nicht bestätigt werden: " The results do not support the findings of previous studies that drivers give more space when overtaking female cyclists."
    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2214140517306254

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