2. März 2018

Sicher sein und sich sicher fühlen - so geht Radförderung

Immer wieder diskutieren wir hier über unsere Sicherheit. Es gibt eine objektive Sicherheit und eine gefühlte. Beide stimmen oft nicht überein.

Das ist die Krux vieler Radwege. Tatsächlich sollten Radfahrende sicher unterwegs ein. Schon das klappt oft nicht. Ein Radstreifen wird nicht angenommen, wenn wir uns auf ihm nicht auch sicher fühlen. Das Andere Bundesministerium für Verkehr weist auf die drei Arten der Sicherheit hin und schreibt:

"Niemand begibt sich freiwillig in eine für ihn offenkundig gefährliche Situation. Jeder ist um die Sicherheit seines Kindes oder Partners besorgt. Das ist der Grund, weshalb auch viele Kurzstrecken mit dem Auto statt mit dem Rad zurückgelegt werden. Es hilft nichts, über diese persönlichen Entscheidungen zu streiten oder sie lächerlich zu machen. Die Entscheidung für das Kfz beruht auf vordergründig rationalen und nachvollziehbaren Gründen. Das Vertrauen in das Fahrrad als sicheres Verkehrsmittel unter den jeweils gegebenen Umständen ist von Person zu Person verschieden. Will man mehr Leute für das Rad begeistern, muss man sich für Straßen einsetzen und diese bauen, auf denen Radfahren attraktiv ist. Genau das haben die Niederländer in ungeheurem Umfang getan. Das ist das Geheimnis hinter hohem Radanteil und hoher Radverkehrssicherheit."

Für Sicherheit gibt es demzufolge drei Maßstäbe:

  1. Die effektive Sicherheit: Das ist die durchschnittliche Strecke in km, die man zurücklegt, beovr man einen Unfall erleidet. 
  2. Die subjektive Sicherheit: Das ist das Gefühl, sicher unterwegs zu sein. Das Sicherheitsgefühl hängt davon ab, wie viel Fahrtwind von schnellem Autoverkehr zu spüren ist, ob ich leicht links abbiegen kann, oder mich durch viele Autospuren wursteln muss, und ob ich mich gezwungen sehe, schnell zu radeln, weil der nachfolgende Autoverkehr drängelt. Und wie eng überholen mich Autos? (Man kann sich also auch in Nebenstraßen unsicher fühlen.) 
  3. Die soziale Sicherheit: Die entsteht, wenn man nicht durch dunkle Wälder, abgeschiedene Grünanlagen oder endlose Unteführungen radeln muss, wo man nicht weiß, wer hinter der nächsten Ecke steht. Radfahrende dürfen nicht Angst haben, Opfer eines Überfalls zu werden. 
Radfahren ist allerdings viel sicherer als viele Menschen denken, die sich selber nicht aufs Fahrrad trauen. 


Radinfrastruktur muss für alle taugen.
Radfahrende sind sehr unterschiedlich. Die einen radeln lieber grüne Strecken, und ihnen ist Dunkelheit egal, sie haben ja ein Licht am Fahrrad. Die anderen haben genau dort Angst vor einem Überfall. Die einen wollen langsam und gemütlich radeln und sich wenig Gedanken über Verkehrsregeln machen, die anderen lieben es, wie ein Auto im Verkehr mitzuschwimmen und sich reaktionsschnell an Kreuzungen ihren Weg zu suchen. Die einen scheuen Konflikte mit Autofahrern nicht, die andern weichen ihnen ängstlich aus. Eine Radinfrastruktur darf nicht nur für erfahrende Radler (reaktionsschnelle, stressfreie junge Männer) ausgelegt sein, während man den unerfahrenen immer wieder Gehwege anbietet, wo sie zwar angstfrei aber viele unsicherer unterwegs sind als auf Radwegen und Radstreifen, die natürlich breit und bequem sein und an Kreuzungen objektiv sicher ausgelegt sein müssen. Eine gute Radinfrastruktur nützt auch erfahrenen Radlern und macht ihnen Spaß.

HRR 1, Radweg, Charlottenplatz.
 Hier möchte ich lieber auf der Fahrbahn fahren. 
Woran erkennt man eine mangelhafte Radinfrastruktur?  
Wenn Radfahrer, so wie hier in Stuttgart oft, lieber die Fahrbahn nutzen möchten als den Radweg nebendran - wenn wir uns also gegen die Benutzungspflicht wehren -, dann ist das ein Zeichen dafür, dass die Radwege (Radsteifen und Schutzstreifen) schlecht sind: zu schmal, zu dicht an geparkten Autos, zu dicht an Fußgängern und an Kreuzungen und mit zu vielen mehrzügigen Ampeln ausgestattet. Wenn Radler Ampeln auf Radwegen über Gehwege und Fußgängerampeln umfahren, ist dass ein sicheres Zeichen, dass die Wartezeiten viel zu lang sind. Entfalten Radfahrer an Kreuzungen arg viel Kreativität (fahren falsch, nutzen Fußgängerampeln, fahren als Geisterradler), dann ist das ein sicheres Zeichen, dass die Infrastruktur überhaupt nicht für Radfahrende taugt, sondern den Platz- und Fahrbedürfnissen des Autoverkehrs unterworfen wurde.

Kolbstraße: Möchte man Kinder da lang schicken?
Solange keine Kinder und Senioren radeln, haben wir keine echte Radinfrastruktur.
Wie himmelweit wir in Stuttgart von einer sicheren Radinfrastrktur entfernt sind, sieht man auch daran, dass nur sehr wenige Alte und Kinder auf ihren Rädern unterwegs sind. Im Kessel sieht man praktisch keine Kinder. Sie fühlen sich nicht nur nicht sicher, sie sind es vielerorts auch nicht, und zwar deshalb, weil Radwege und Radstreifen bei uns nicht durchgängig, die Radverkehrführung also nicht verlässlich ist. Man steht zu oft vor der großen Frage: Und wie geht es hier jetzt weiter?

Was also tun, damit Radfahren objektiv und gefühlt sicherer wird? Hier ein paar Vorschläge:

  • Eine verlässliche Verkehrsführung für alle Radfahrenden.
  • Radfahrer und Fußgänger trennen.
  • Radfahrer vom schnellen Autoverkehr trennen.
  • Radstreifen von der Fahrbahn so trennen, dass keine Autos darauf parken können.
  • Rad- und Schutzstreifen außerhalb der Dooringzone geparkter Fahrzeuge legen. 
  • Radfahrer an Kreuzungen vor abbiegende Autofahrern schützen (ein sicheres Kreuzungsdesign schaffen).
  • Breite Radwege anlegen (zwei nebeneinander Radelnde müssen von einem Dritten überholt werden können). 
  • Keine langen Wartezeiten an Ampeln für Radfahrer. Sie dürfen nicht immer die letzen im Umlauf sein und müssen in einem Zug hinüber kommen. 
  • Grünen Pfeil für Radler  einführen. 
  • Durchgängige und eindeutige Radroutenführung, am besten auf eigenen Trassen mit grüner Welle. 
  • Öffentlichkeitsarbeit starten, die bei Autofahrern für Respekt für Radfahrer wirbt und die Regeln erklärt (Überholabstand, Schulterblick vor dem Aussteigen, Fahrradstraßen, Parkverbote auf Radstreifen und Radwegen). 
  • Keine unbeleuchteten Strecken, keine engen und unübersichtlichen Kurven, keine einsamen Unterführungen. 
  • Radwege von Laub, Schnee und Eis frei halten, Gebüsch beschneiden, Schlaglöcher beseitigen, Bordsteine absenken. 
  • Die Polizei nimmt Radfahrer bei Beschwerden ernst. Bei Konflikten mit Autofahrern ist das Verständnis der Polizei für den Autofahrer nicht von vorn herein größer als das für den Radfahrer. 
  • Nicht den Opfern von Unfällen mit Autos eine Mitschuld geben, wo sie keine haben. 
  • Keine einseitige Skandalisierung des Verhaltens von Radfahrern (Rübelradler, rasende Radler) in Konfliktfällen. 
  • Die Stadt liebt ihre Radfahrenden, hört auf sie und sucht mit ihnen zusammen Lösungen. 



Kommentare:

  1. Schöner Beitrag, so sehe ich das auch. Wenn sich Kinder und Senioren auf dem Radweg sicher fühlen, dann ist er gut. Sonst nicht.

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  2. Und gute Radwege brauchen keine blauen Lollies. Gerade bei den Senioren wird die mangelhafte Qualität unserer Radwege deutlich. Die Hälfte der getöteten Radfahrer innerhalb eines Jahres ist über 65. Diese Altersgruppe fällt eben nicht durch besonders riskantes und regelwidriges Verhalten auf. Und trotzdem sind sie hier überproportional stark vertreten.

    Damit beginnt auch ein Teufelskreis. Die Information "jeder zweite getötete Radfahrer ist über 65" erzeugt das Gefühl "Radfahren ist gefährlich". Denn selbst die defensiven und regelkonformen Senioren würden trotz ihrer langjährigen Erfahrung im Straßenverkehr zu Opfern.

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    1. @Christine: Den Beitrag halte ich von der Perspektive her für etwas "großstädtisch" verzerrt. ;) Nicht jede Stadt oder jeder Ort ist irgendwann dem "Radwegewahn" verfallen. Grade auf dem (auch hügligeren) Land dürfte es die Regel sein, dass schlicht gar keine "Radwege" existieren - und wenn, dann oft nur außerorts. Wenn hier überhaupt etwas den Radverkehr verdrängt, dann ist es der motorisierte Verkehr.

      Daher wird es oft schon räumlich betrachtet niemals möglich sein, überall "Radwege" einzurichten - ob nun freiwillig nutzbar oder nicht. Ganz davon ab, dass meiner Ansicht nach grade Senioren auf Radwegen oft Opfer "gefühlter Sicherheit" werden. Und ebenfalls "Senioren" sind es, die mir sehr oft als Gehwegradler auffallen. Die verunfallen dann an meist den "klassischen" Stellen. Es würde auch nix bringen, diese Gehwege durch Schilder oder Bepinselung zu legalisieren.

      Außerdem ist die Information, dass es grade Ältere sind, die im Straßenverkehr tödlich verunglücken, wichtig! Schließlich widerlegt sie die ganz pauschale Behauptung, Radfahren sei für die Mehrheit besonders gefährlich. Es gibt ja sogar Gerichtsurteile, die Rennradfahrern über die Haftung einen Helm aufnötigen - obwohl jene grade nicht unter den besonders was Unfallhäufigkeit betrifft auffälligen Radfahrergruppen vertreten ist.

      Dass ältere häufiger bei solchen Unfällen sterben, ist auch nix besonderes - da man im Alter aufgrund nachlassender Reflexe grade Stürze betreffend eben besonders gefährdet ist. Das Risiko insgesamt ist aber immer noch verschwindend gering - und jeder Senior, der überhaupt noch in der Lage ist, sich im Alter mit dem Rad fortzubewegen - hat bis dahin alles richtig gemacht.

      Das Hauptübel liegt meiner Ansicht nach im psychologischen Bereich: Solange die Menschen (von Kind bis Rentner) ihre völlig falschen Ängste was das Fahrbahnfahren betrifft nicht hinterfragen wollen - wird sich daran auch nix ändern. Klar - das ist schwierig in einer Gesellschaft, in der vor allem die Autofahrer jeden zum Selbstmörder abstempeln, der mit dem Rad auf den Fahrbahnen rumfährt.

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    2. Es sind aber halt auch die Älteren unter den Fußgängern, die häufiger verunglücken. Das liegt am Alter. Für mich wichtiger ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit dem Fahrrad fahren (von ihren Eltern fahren gelassen werden). Die Radinfrstruktur muss für Kinder und Jugendliche taugen. Und da taugt unsere nicht.

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    3. Und wenn es keine "Radinfrastruktur" gibt, sollen Kinder dann gar nicht Radfahren? Ich bezweifle, dass es je eine taugliche Radinfrastruktur geben wird - weil sich das Knotenpunktproblem auch mit Radwegen nicht lösen lassen wird.

      Meine Eltern waren damals so ziemlich das Gegenteil von dem, was man heute Helikopter-Eltern nennt. Die ließen mich einfach meine Wege gehen / fahren. Mein Drang, mit dem Rad schnell und unkompliziert wohin zu wollen, war größer als die Sorge, auf den Straßen wahllos von "bösen" Autofahrern über den Haufen gefahren zu werden.

      Wenn man das in die Köpfe mancher Eltern, bekäme, wär schon viel geholfen. Ich bin mir sicher, dass nicht wenige Kids selber ohne systematische Angstmacherei zum Fahrrad finden würden.

      Und: Mal ehrlich - grade wenn Kinder auf der Fahrbahn unterwegs sind, ist die Hemmschwelle bei Autofahrern doch nochmal wesentlich größer, irgendwas gefährliches zu vollführen - als wenn da ein 30-Jähriger Rennradler rumfährt. Die Verkehrserziehung schon in der Schule wäre natürlich ausbaufähig. Es nützt aber nix, wenn die Kleinen dann an den Knotenpunkten vermeintlich sicherer "Radwege" trotzdem (oder grade deshalb) in vermeidbare Unfälle verwickelt werden.

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    4. Stimmt das für die Niederlande überhaupt so in dieser Pauschalität? Also fuhr da vor dem Bau dieser "Radwege" kaum jemand Rad? Grade bei Niederlande denke ich eher, dass das viele eher mit Gewohnheit und der Mentalität zu tun hat. Dazu ist das Land quasi topfeben - eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass Leute das Fahrrad benutzen. Umgekehrt reichen ja oftmals schon ein paar Höhenmeter, um von der Alternativlosigkeit eines Autos überzeugt zu sein.

      Mit den größten Nutzen der Separation in den Niederlanden hat doch meiner Ansicht nach dort trotzdem sehr hohe Anteil an KFZ-Verkehr. Der wird da kaum von Fahrbahnradlern "belästigt".

      Lösung für Stuttgart? Es fahren einfach so viele Leute mit dem Rad auf der Fahrbahn rum, dass im Autofahrer irgendwann die Erkenntnis reift, dass er sich die Kohle für das Auto sparen kann, weil er mit dem Rad oftmals schneller unterwegs ist!

      Nennen wir die Bewegung doch "Occupy All Streets"? ;)

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  3. Sehr guter Artikel, vielen Dank.

    @Matthias: Senioren sind aber oft, wenn sie denn zur regelverletzenden Fraktion gehören, die Ignorantesten. Ich habe durchaus schon Senioren stur über rote Ampeln fahren sehen, langsam und ohne zu gucken. Gepaart mit einer langsamen Reaktionszeit ist das eine gefährliche Mischung.

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    1. An der Stelle hast du wohl recht. Dass Senioren mit zunehmenden Alter vermehrt Unfälle und Schäden verursachen, wird in einem anderen Kontext sichtbar, nämlich den steigenden Prämien für die KFZ-Haftpflichtversicherungen ab ca. 70 Jahren.

      Mir geht es hier aber um was ganz anderes. Solange eine zahlenmäßig deutlich unterrepräsentierte Gruppe so dominant die Statistik beherrscht, ist es mit der Sicherheit unserer Radinfrastruktur nicht weit her und es besteht deutlicher Handlungsbedarf.

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  4. Ich bin einer dieser Menschen, die am liebsten keine Radinfrastruktur in Stuttgart hätten. Denn der aktuelle Zustand übernimmt nur das Schlechte von beiden Alternativen: es existiert keine sichere und verlässliche Radinfrastruktur, aber da es eben den Flicketeppich aus Radwegen gibt nehmen Autofahrende an, sie müssten keine Rücksicht auf Radfahrer nehmen und rechnen auch oft nicht mit ihnen, weil "die ja auf dem Radweg fahren sollen". Somit sorgt gerade das Vorhandensein unseres Radinfrachaos' (100m Benutzungspflicht, 40m freigegebener Fußweg, 5m Schutzstreifen, dann wieder gar nichts) für die Unsicherheit aller Beteiligten. Und zwar ist das eben wie beschrieben eine effektive (keiner weiß, wo Radfahrer auftauchen), gefühlte (ich bin verwirrt, ob ich jetzt gerade richtig fahre) und ja, auch soziale Unsicherheit, da ich nie weiß, ob der Fahrradweg nicht plötzlich endet und in eine Bundesstraße mündet, sodass ich mich fernab allen Verkehrs durch Hinterhöfe schlängeln muss.
    In Rom - wo es keine nennswerte Radinfra und außerhalb des Zentrums noch nicht einmal Fußwege gab, habe ich während meines Auslandsstudium alle Wege mit dem Rad gemacht. Und siehe da: die Verkehrsteilnehmer haben aufeinander geachtet und niemand hat mich jemals ohne Abstand überholt, wie allzuoft hierzulande. Die Radinfrastruktur in Münster oder sogar München mag sicher sein, weil seit Jahrzehnten gepflegt und ausgebaut, die Stuttgarter Wege machen schon durch ihr Vorhandensein Strecken für Radfahrende gefährlicher. Gehen wir hier nicht komplett den falschen Weg und sollten konsequent auf gemeinsame Verkehrsräume, Einfahr- und Geschwindigkeitsbeschränkungen für Autos setzen? Ich möchte eigentlich nicht weitere zwanzig Jahre auf dem Rad durch schlechte Radinfra gefährdet werden, nur um darauf zu hoffen, dass sie einmal besser werden könnte. Viele Grüße, Jakob

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    1. So wie du das formulierst, leuchtet mir zum ersten Mal ein, dass Mischverkehr besser ist. Allerdings bleibt die Frage: Würdest du deine 12-jährige Tochter so radeln lassen? Und: Es setzt eine massive Kampagne für mehr friedliches Miteinander auf unseren Straßen voraus, eine sehr massive Kampagne. Dann wäre das sicher sehr schön. Der Weg der Niederlande war allerdings auch ein anderer: Massiv Radwege bauen, dann fahren sehr viele Fahrrad. Das schafft die Sicherheit und Rücksicht, die Radler sich wünschen. Die Frage, die sich mir immer stellt: Was ist für Deutschland, insbesondere Stuttgart der Weg, der schnell viel mehr Radler auf die Straßen bringt? Diese Frage stelle ich mir so ernsthaft und pragmatisch wie möglich.

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    2. Sorry. Dieser Kommentar hätte eigentlich hierher gesollt. ;)

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    3. Wieso kommt immer wieder diese Frage, ob man die eigenen Kinder so fahren lassen würde. Also auf der Fahrbahn. Ja wo denn sonst? Man hat für sich die Gefahr erkannt, schickt aber seine Kinder dort hinein?

      Martin

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    4. Meine Kinder fahren langsamer als ich. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich, wenn ich langsamer fahre (also eher 15 statt 25 km/h) von Autofahrern enger überholt werde. Außerdem machen meine Kinder öfter Mal einen Schlenker. Daraus ergibt sich für mich, dass Fahrbahnradeln für meine Kinder gefährlicher ist als für mich.
      Gleichzeitig ist das Problem auf klassischen Radwegen, dass Radfahrer zu spät gesehen werden. Fährt man schneller Rad, ist das gefährlicher, weil dann alle schneller reagieren müssen, um Zusammenstöße zu vermeiden.
      Mein Fazit: bin ich mit meinen Kindern unterwegs, fühlt sich ein Radweg sicherer an. Bin ich alleine unterwegs, ziehe ich den Mischverkehr vor.

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    5. @Christine
      2 konkrete Vorschläge für deine angesprochene "sehr massive Kampagne":

      1. Radwege werden so angelegt, wie es die VwV und die ERA2010 vorsehen. Und zwar als Netz und nicht als Flickenteppich.

      Das kann man sofort umsetzen, wenn man nur wollte.

      2. Dort, wo Radler auf der Straße fahren sollen/müssen: Konsequente Überwachung von zum Beispiel der Seitenabstände beim Überholen durch die Polizei. Inklusive Sanktionierung. Schließlich ist die Aufrechterhaltung der Sicherheit eine Kernaufgabe der Polizei.

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    6. Leider ist halt genau das nicht banal, Matthias. Den Flickenteppich haben wir, weil der Gemeinderat (oft angestiftet von den Bezirksbeiräten) dem Bau von Radstreifen oder Radwegen nicht zustimmt, wenn dafür Parkplätze wegfallen oder eine Abbiegespur. Es ist ja nicht die Verwaltung, die das nicht will, es ist die Lokalpolitik, die im Moment, da es konkret wird, etwas nicht will. Und in Sachen Polizei lerne und beobachte ich, dass für eine Rückerziehung der Autofahrenden zur Verkehrsregeltreue ungefähr das dreifache an Personal notwendig wäre. Die Polizei ist ja nicht nur für die Sicherheit im Verkehr zuständig, sondern auch für die Sciherheit im Alltag, sie wird bei Streitigkeiten gerufen, bei Ruhestörung, sie muss Vekehrsunfälle in unfassbar hoher Zahl aufnehmen. Eine sehr massive Kampagne müsste eher eine Plakat-, Medien- und Diskussionskampagne sein, die uns allen ins Bewusstsein zurückruft, dass der Straßenvekehr weniger aufs Töten aus sein darf als derzeit.

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    7. Na ja, es ist ja beileibe kein Stuttgarter Phänomen, dass in der Kommunalpolitik persönliche Interessen einen großen Stellenwert haben.

      Also: wir haben VwV und ERA2010, die die Ausgestaltung und die Merkmale von Radwegen definieren. Und wir haben Paragraf 45.9 der StVO. Und den kann man doch nutzen:

      Wenn es eine besondere Gefährdung für Radler gibt, dann ist die Ausweisung eines Radweges möglich. Und wenn es keine besondere Gefährdung gibt, dann besteht die Möglichkeit, Gehwege für Radler freizugeben. Und dann hat jeder Radler die Wahl.

      Was die Polizei angeht. Ja, die hat viele Aufgaben. Sie hat unter anderem auch Zeit dafür, Jagd auf Rüpel-Radler zu machen. Schutz für die Mehrheit der Normal-Radler darf ich mir an dieser Stelle einfach mal wünschen.

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    8. Das wünsche ich mir auch. Deshalb setze ich mich auch dafür ein. Ich beobachte, dass wir Radfahrenden lauter und öffentlich präsenter werden müssen, um der Politik Beine zu machen. Leider. Denn eigentlich würde es die ökonomische und ökologische Vernunft gebieten, den Autoverkehr in Städten zurückzudrängen zugunsten leiser und langsamerer Mobilität auf Rädern und den eignen Füßen. Also radeln wir es an!

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    9. @Mirjam: ich stimme eher mit DS-Pektiven überein, dass Kinder, bzw. generell unsicher erscheinende Radfahrer, mit mehr Abstand von Autofahrern überholt werden, als welche die sicher fahren und die Spur halten. Das wird auch so von Anderen berücksichtigt.

      Ich habe als Tipp übernommen gelegentlich leichte Schlangenlinien zu fahren wenn ich mächte das mehr Abstand gehalten wird. Autofahrer reagieren eben wenn der Lack gefährdet ist.

      Martin

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    10. Stimmt, je unsicherer man fährt, desto mehr Abstand halten die Autofahrenden. Übrigens glaube ich nicht, dass es denen immer nur um den Lack geht. Autofahrer möchten keine Radfahrer zu Fall bringen. Ich vermute, dass diese knappe Überholerrei eher einer inneren Hast entspricht, die sich keine Gedanken darüber macht, woran man gerade vorbeifährt, und dass es diesmal atmende Menschen sind, nicht irgendwelche Blechkisten. Den Tipp mit "leichte Schlangenlinien fahren" finde ich gut. 😊

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    11. Das mit den Schlangenlinien mache ich auch. Aber es gibt trotzdem immer wieder Autofahrer, die offenbar nicht nachdenken oder abgelenkt sind (Stichwort Handy). Ich bin schon mit Kind im Kindersitz zu eng überholt worden, und mein 8jähriger Sohn wurde auch schon mit 30 cm Abstand überholt. Und leider reicht ja ein Autofahrer, der nicht aufpasst...

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    12. Hallo Mirjam,

      dann dürftest du deine Kinder aber auch nicht mehr auf Gehwegen gehen lassen, denn auch da reicht Ablenkung per Handy; es gab in der Vergangenheit mehr als genug Unfälle, bei denen Autofahrer auf Geh- und Radwege "geraten" sind. Zumal man ja am äußersten linken Rand eines Gehweges oft auch nur im Zentimeterabstand überholt wird. Das Hochbord wird da im Falle der Fälle auch nichts bringen. Weder Fußgängern, noch Radfahrern.

      Man müsste endlich mal damit aufhören, absolute "Sicherheit" zu fordern. Denn "der eine nicht aufpassende Autofahrer" hat es z. B. bis heute immer noch nicht geschafft, mich auf meinen inzw. rund 300.000 Radkilometern vom Rad zu holen. Absolute Sicherheit wird es nie geben bzw. nur dann, wenn man konsequent Zuhause bleibt. Und selbst im Hausfrauenpanzer sind die Kinder nicht unbedingt sicherer unterwegs.

      Ehrlich gesagt: Ich will auch keine "absolute" Sicherheit. Denn die geht mit einem derartigen Maß an eingeschränkter Freiheit (siehe den ganzen Radwegeunsinn) einher, dass das Rad für mich persönlich deutlich unattraktiver werden würde.

      Wenn ich mir ansehe, was für Unmengen an rechtswidrigen, haarsträubenden und gefährlichen Radwegen auf vielen anderen Radblogs dokumentiert werden, bin ich wieder heilfroh, in einer Stadt ohne eine derartige Radwegeinfrastruktur zu leben! Ich könnte mir nie vorstellen, in eine von Radwegen "verseuchte" Großtstadt zu ziehen - das wär für mich der blanke Horror!

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  5. @Martin, das stimmt. Es scheint zudem an der Qualität des Rades zu liegen. Fahre ich mit meiner alten Rostlaube werde ich viel pfleglicher behandelt als mit meinem neuen Crossbike.

    @Christine: Deine Argumente für eine gut ausgebaute Radinfra überzeugen mich durchaus – so sie denn zum Zuge kommen. Mein Erlebnis mit eher unsicheren Radfahrenden aus der Familie, Kindern und Gelegenheitsradler*innen, ist, dass sie vor allem von dem Chaos unterschiedlicher Wege überfordert sind und dadurch noch unsicherer fahren. "Wo darf ich denn nun wirklich fahren?" "Wo geht es jetzt lang?" "Ist das jetzt der Fahrradweg?" Schon im Schlossgarten geht das durcheinander.

    Jakob

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    1. Lieber Jacob, das bemängle ich ja auch. Es muss eine durchgängige Radinfrastruktur geben. Zu viele Systemwechsel in der Radinfrastruktur schrecken ab und fördern Pfadfinderverhalten und überall radeln. Allerdings kann man auch lernen, auf Schilder zu gucken. Das tun Fußgänger nie und viele Radfahrende auch nicht. Zumal die Verkehrszeichen oft recht hoch hängen, zu hoch für Radler. Vielleicht machen wir es uns das manchmal zu bequem, wir Radler, weil es uns die Infrastruktur wiederum so unbequem macht.

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