26. Dezember 2018

Ist denn Weihnachten nur für Autofahrer?

Am 24. Dezember parkten mindestens vier Autos mitten auf dem Radweg Holzstraße, teils über Stunden.

Diese vier standen da so dick und fett, dass ich um 12:35 Uhr die Polizei (Innenstadtrevier) anrief. Währenddessen fuhr einer weg. Der Beamte sagte mir, zwanzig Minuten würde es aber schon dauern, bis jemand käme. Nach zehn Minuten kam ein Streifenwagen, hielt kurz, fuhr zur Ampel vor und dann weg. Der Pförtner der Breuninger-Garage erzählte mir, da seien schon drei Streifenwagen vorbeigekommen, aber dass die da parken, das interessiere die nicht.

In der guten halben Stunde, die ich gewartet habe, mussten rund dreißig Radfahrende den Radweg verlassen. Sie fuhren durch die Fußgänger. Eigentlich hätten sie absteigen müssen, denn man darf den Radweg nicht auf den Gehweg verlassen. Das ist verboten. Verboten ist es natürlich auch, auf dem Radweg zu parken.

Der Ordnungsbürgermeister hat ja kürzlich in einem Zeitungsbericht erklärt, wer auf Radwegen parke, könne  sofort abgeschleppt werden. Für den ruhenden Verkehr ist der städtische Ordnungsdienst zuständig, also das Ordnungsamt. Ich möchte nichts unterstellen, aber ich dachte mir, als ich da so herumstand, dass die wohl Heiligabend um halb eins nicht so dicke besetzt sind. Zu tun hätten sie allerdings viel.

Diese Autofahrer haben dort nicht nur kurz gehalten, sie haben richtig geparkt.
Zu dem schräg stehenden Mercedes kam dann der Fahrer, während ich noch auf die Polizei wartete. Ein Radfahrer, der von der Marktstraße her kam, bimmelte  ihn an, der Fahrer hob drohend den Arm und schimpfte hinter dem Radler her. Dann stieg er gemächlich ein und fuhr weg. Man sieht auf der Collage links unten, dass der Asphalt unter ihm trocken geblieben ist. Er stand dort länger als nur die zwanzig Minuten, die ich ihn gesehen habe. Der, der auf der Collage links oben auf dem Gehweg parkt, fuhr dann über den Radweg hinaus (Collage, links, zweites Foto von unten).

Ein Auto bog über die Einfahrt zum Dorotheen-Parkhaus auf den Radweg ein und fuhr in entlang bis zu der Stelle, wo sich immer wieder Autos auf die Fläche zwischen Fahrbahn und Radweg stehen. Ich sagte ihm lächelnd, ich hätte die Polizei schon gerufen. "Warum?" - "Weil Sie da nicht fahren dürfen." Der Fahrer beschimpfte mich, wünschte mir böse "fröhliche Weihnachten" und fuhr dann runter auf die Fahrahn und woanders hin. Ja ist denn Weihnachten nur für Autofahrer? Und die Radler und Fußgänger gucken in die Röhre oder wie?

Um 13:11 Uhr hatte ich dann kalte Füße, es regnete immer mehr und ich musste heim. Ich habe nicht länger auf die Polizei gewartet und bin aufs Rad gestiegen. Nur um festzustellen, dass wenige Meter weiter das Halteverbot in der Marktstraße (zur Eberhardstraße) bis auf den Radstreifen hinauf total zugeparkt ist. Irgendwie irre, diese gigantische Gleichgültigkeit der Ordnungskräfte diesen massenhaften Regelverstößen der Straßenverkehrsordnung gegenüber!

Ich habe Nummernschilder von allen, das ganze ist gut dokumentiert. Aber eigentlich geht es mir  nicht darum, einzelne abstrafen zu lassen. Es kann doch nicht sein, dass wir Radfahrende Autofahrende über Wegeheld oder per Mail ans Ordnungsamt einzeln anzeigen. Es geht darum, dass unsere Radwege vor solchen Frechheiten geschützt werden. Und entweder, es interessiert die Ordnungsdienste oder da müssen Poller hin, die ein Fahren über den Radweg und ein Parken auf den Gehwegbereichen ein für alle mal wirkungsvoll unterbinden.

So was möchte ich nicht mehr sehen. Nie wieder! Dieser  Radweg in der Holzstraße, über den der Autoverkehr in die Tiefgarage quert und über den die Autos einfach so zu den illegalen Parkplätzen fahren,  ist eh schon kümmerlich und einer Hauptradroute 1 nicht würdig, aber wenn er dann auch noch den Autofahrenden als Parkplatz ausgeliefert wird, ohne dass irgendetwas geschieht, dann ist das elend und beschämend.

Radwege dürfen kein rechtsfreier Raum sein! 



Kommentare:

  1. Sie fuhren durch die Fußgänger. Eigentlich hätten sie absteigen müssen, denn man darf den Radweg nicht auf den Gehweg verlassen. Das ist verboten.

    Noch eigentlicher hätten sie auf die Fahrbahn ausweichen dürfen / müssen. Dass sie das nicht getan haben, zeigt nebenbei, dass "Radwege" (vor allem dann, wenn sie unbenutzbar sind) auch immer zu Lasten der Fußgänger gehen.

    Ich habe Nummernschilder von allen, das ganze ist gut dokumentiert. Aber eigentlich geht es mir nicht darum, einzelne abstrafen zu lassen.

    Warum nicht? Das sind keine "Einzelfälle". Ich gebe dir aber grundsätzlich Recht: Eigentlich ist das die Aufgabe des Staates, das Fehlverhalten hier anzuzeigen und durch Abschleppen oder Knolle einen Lernprozess auszulösen. Wenn in einer bestimmten Straße x Mal Autos teuer abgeschleppt wurden, weil sie auf einem Rad- oder Gehweg standen, spricht sich das irgendwann rum. Wenn hingegen keine Sanktionen erfolgen, macht sich Anarchie breit. Broken-Windows-Theorie mal anders...

    Das überlässt man aber gerne Privatleuten, ihren guten Namen dafür herzugeben. Damit man es sich nicht mit den Autofahrern. In meiner Heimatstadt weigert sich die Ordnungsbehörde auch, das (illegale) Gehwegparken von sich aus zu sanktionieren, wenn mehr als 1 m Rest-Gehwegbreite verbleiben. Das bleibt dann die Aufgabe von so verunglimpften "Denunzianten"! Was wohl auch daran liegt, dass die Beamten bei Polizei und Verwaltung selber alle Auto fahren - und die "Nöte" Ihresgleichen sehr gut nachvollziehen können...

    AntwortenLöschen
  2. ... ne echte Sauerei!
    ... tja wenn das Ordnungsamt hier nicht taetig wird, helfen nur wieder die alt bewaehrten ”Schleckis” ... und die in Massen... damit die PKW-Fahrer wenigstens merken, dass sie einen Fehler gemacht haben!

    AntwortenLöschen
  3. ... dies zumindest, bis das Ordnungsamt & Polizei endlich eine gewisse Senibilitaet fuer das Radwegparken entwickeln ...

    AntwortenLöschen
  4. Wenn sich Oberbürgermeister und Bürgermeister in Ihren gepolsterten Sesseln zu wohl fühlen, dann wird es wohl wieder mal Zeit für eine Wahl! Das gleiche Drama haben wir ja seit Jahren im Bereich der (Klein-)Kinderbetreuung.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ganz so einfach ist es nicht. Bürgermeister fahren auch Fahrrad. Und der politische Wille muss sich letztlich im Gemeinderat entwickeln. Das hat auch schon begonnen, aber eine stärkere Mehrheit für den Radverkehr wäre schon sehr wünschenswert. Das habt ihr bei der nächsten Kommunalwahl ja dann in der Hand.

      Löschen
  5. In den USA hatte ich, egal wo ich war (New York, New Jersey, Pennsylvenia, Kalifornien) immer nach ca. 10 Minuten schon den ersten Strafzettel am Auto (hatte jeweils unabsichtlich falsch geparkt... die Beschilderung dort ist nicht immer auf den ersten Blick eingängig...)
    In New Jersey waren es am Abend dann schon drei Stück, als ich den Tag über mit dem Zug in Manhattan war...
    In Kalifornien hatte ih nur kurz das Motorrad abgestellt, bin in einen Laden, als ich wieder rauskam: Ticket!
    So sollte das hier auch mal laufen...

    AntwortenLöschen
  6. Solange Radfahrende bereitwillig ausweichen und es Zähneknirschend hinnehmen, dass man sie nicht ernst nimmt, solange wird sich auch nichts ändern. Danke Christine, für dein Engagement.

    AntwortenLöschen
  7. Ich bin auf den Gehweg ausgewichen und habe, als jemand auf der Beifahrerseite trotzdem die Türe weit aufgerissen hat zur Warnung geklingelt. Wohlgemerkt, für den Beifahrer kam ich von Vorne und eher langsam und mit Abstand zum Auto im Halteverbot, da Gehweg...
    Die Quittung kam prompt: mir wurde _richtig_ laut hinterhergebrüllt, als hätte ich irgendwas Falsches getan - klang wie irgendwas mit A.
    Da kam richtig Weihnachtsstimmung auf. (Verdammte Hacke, ich krieg schon wieder den Brass, wenn ich daran denke.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Aha, dann warst du das. Der Fahrer hat die Beifahrertür aufgemacht, vermutlich, um was reinzutun, und ist dann um den Wagen herum gegangen, um auf seiner Seite einzusteigen. Dass der dich als Radfahrer beschimpft hat, fand ich besonders frech. Wenn du möchtest, dann hast du mich als Zeugin und das Nummernschild samt Foto des Herrn, um ihn anzuzeigen.

      Löschen
    2. Hallo Christine, danke fürs Kümmern und im Regen warten :-)
      Den Stress mit einer Anzeige wegen Beleidigung gebe ich mir dieses Jahr nicht mehr. Ich denke mir dafür halt "Karma is a bitch" - der kriegt schon irgendwann _seine_ Quittung für sein Verhalten.

      Löschen
  8. Auch zum Jahreswechsel und im Vorfeld der Kommunalwahl traut sich OB Kuhn nicht, für Radfarende einzutreten oder das Radfahren als Teil der Mobilitätswende zu betrachten. Jüngstes Beispiel seiner ... sag ich jetzt mal nicht ... https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.neue-gebuehr-fuer-autofahrer-stuttgarter-ob-will-abgabe-fuer-autofahrer-einfuehren.7121d4dc-1b46-4914-85e6-97a420c9a183.html

    AntwortenLöschen
  9. "Ich habe Nummernschilder von allen, das ganze ist gut dokumentiert. Aber eigentlich geht es mir nicht darum, einzelne abstrafen zu lassen."
    Das Ordnungsamt würde eh nichts unternehmen wenn Du es anzeigst, genauso wie die Polizei die nicht kam. In Stuttgart gilt das Recht des stärkeren, und das wissen die Menschen die dort parken sehr gut, und haben daher nichts zu befürchten.

    AntwortenLöschen
  10. Da sind uns die Franzosen voraus, was Poller angeht. Ich habe selten so viele Poller in den großen (und größeren) Städten gesehen wie da. Dort hätte man an so einer Stelle die Zufahrt zur Tiefgarage und die Einmündungen längst in der Art der Befeuerungslichter einer Landebahn eingepollert. Warum passiert sowas hier nicht? Es ist eine relativ einfache, kostengünstige Lösung. Man muss offenbar die Autofahrer durch Zwang den Zugang zu diesen Flächen und Wegen verwehren, die Versuchung ist ansonsten wohl zu groß.

    AntwortenLöschen
  11. Nun vielleicht wusste doe Polizei das die Abschleppdienste überlastet sind !!!!
    https://www.bild.de/regional/stuttgart/stuttgart-aktuell/ordnungsamt-greift-durch-stuttgart-schleppt-3000-falschparker-ab-59215372.bild.html

    Gruss
    Reiner

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das sollte kein Kapazitätsproblem sein. Ein einzelner Schlepper kann in einer 8 Stunden Schicht etwa 10 Autos neu platzieren, rechnerisch reicht das für das mickerige Abschleppvolumen der Stadt. Das Angebot der Unternehmen wird sich dem steigenden Auftragsvolumen anpassen, sowas nennt man Wirtschaftswachstum.

      Löschen
  12. Inzwischen arbeitet sogar das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Sinne der Radfahrenden:

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Es-wird-eng-auf-den-Radwegen-4255883.html

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das DLR hat Recht, allerdings dürften sich leider nur wenige Roller in Deutschland finden, wenn die irrsinnigen Pläne des Bundes mit Führerscheinpflicht und Versicherungskennzeichen umgesetzt werden. Da hat die Lobby von Fahrlehrern, Versicherungen und Autoindustrie mal wieder ganze Arbeit geleistet und die Verkehrswende in Deutschland blockiert.

      Löschen