30. März 2019

Samstag ist Radlerbashing-Tag

Samstags herrscht Wildwest auf unseren Straßen.  Da scheinen mehr Autofahrende als sonst das Gefühl zu haben, die Straßen gehören komplett und ausschließlich ihnen.

Samstags werde ich öfter angehupt als wochentags, öfter in Tempo.30-Zonen röhrend knapp überholt und dabei angehupt, öfter beschimpft und öfter geschnitten. Am Samstag füllt sich die Halteverbotszone in der Marktstraße ruck-zuck mit teuren und großen Autos.

Samstags fahren sie über den Radweg Holzstraße auf illegale Stellplätze. Samstags wenden sie auf der Wendeplatte an der Feinstraße und hupen, wenn sie wegen mir den Wendevorgang nicht zügig abschließen können (Wer wendet hat niemals vor irgendwem Vorfahrt). Samstags werde ich auf der Hofener Straße von Autos angehupt, die es eilig haben, in die Stadt zu kommen. 


An diesen Tagen fahren auch öfter welche an der Ampel ganz dicht an den Randstein heran, damit ich auf keinen Fall vorbeikomme. Die glauben, sie seien schneller als ich. An der nächsten Kreuzung hole ich sie dann allerdings wieder ein und bin schneller als er. Wochentagsautofahrer wissen das, Samstagsfahrer oft nicht.

An Samstagen sind viele Autofahrer/innen schlechter drauf als wochentags, so scheint es.
Was ist los am unseren Samstagen? Liegt es am generellen Wochenendstress mit Erledigungsdruck? Oder daran, dass sie auf ungewohnten Staßen unterwegs sind? Oder dass sie eigentlich keine Lust haben zum Einkaufen? Oder weil sie keine freien Parkplätze sehen und nicht ins Parkhaus wollen? Oder daran, dass überraschendeweise die Straße nicht für sie frei ist, weil viele andere auf dieselbe Idee gekommen sind, in die Stadt zu fahren? Da hält einer mitten auf der Fahrradstraße genau in der Ecke Eberhard-/Marktstraße und lässt seine Frau aussteigen. Egal, wer sonst noch warten muss. Er fährt nicht mal an den Rand. 

Samstag ist offenbar ein Ausnahmetag für die Psyche einiger und nicht weniger Autolenker/innen. Da wabert Adrenalin in den Kockpits der Autos. Alles muss irgendwie schneller gehen als sonst.

Das Autofahren ist aus dem Rhythmus gekommen, den es sonst auf den Wegen zur Arbeit und nach Hause hat. Man kennt die Ampeln, die Schilder, sie Spurenführung, die Länge der Staus, die Zeit, die man üblicherweise braucht. Eine Zeit, die man auch für sich braucht, ganz allein zwischen Arbeit und Daheim. Man ist darauf eingestellt, auf die Staus, auf die Warterei. Man hört sein Radioprogramm, singt mit, genießt eine halbe Stunde Alleinsein. Man fährt wie im Schlaf mit minimaler Aufmerksamkeit.

Aber am Samstag ist alles anders. Da fahren andere mit. Die Frau / der Mann, die Kinder sitzen im Auto, reden, wollen wohin, geben Fahrratschläge, lehnen bestimmte Parkhäuser ab, was weiß ich ... Und dann ist der Parkplatz nicht frei, den man angesteuert hat, es gibt überhaupt keine mehr in der Straße, das Parkhaus ist voll oder man mag es nicht. Und so muss man umplanen, woandershin, wenden, wieder rausfahren ... was weiß ich. Nichts klappt, wie man es projektiert hat. Alles dauert länger. Es ist keineswegs bequem, an einem Samstag mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren. Es nervt.

Und dann kommen auch noch diese Scheiß-Radfahrer. Sie fliegen locker am Seitenfenster vorbei. Die haben keine Parkplatzsorgen. Nicht mal an roten Ampeln halten sie. Für die ist alles ganz easy. Sie sind irgendwie frei. Und dann kommen sie auch noch auf dem Radweg lang und man muss bremsen. Und dann rammt sich die Zornesfaust wie von selbst auf die Hupe.



Samstags sind übrigens auch mehr Eltern mit ihren Kindern auf Rädern unterwegs. Für die ist alles ganz einfach. Sie biegen zum Marktplatz ein, und sie werden ihre Räder vor dem Laden einfach abstellen können. Und wenn die Frau oder der Mann noch woanders hin muss, trennt man sich kurz und findet sich auf dem Schlossplatz wieder zusammen.

Übrigens sehe ich die allgemeine Neigung, hemmungslos aggressiv zu werden, mit Sorge. Wir haben uns angewöhnt, unsere Wut herauszuschreien, sowohl schriftlich wie mündlich. So als sei Wut eine Wahrheit. Ist sie aber nicht. Sie ist ein Kontrollverlust nicht nur über sich selbst, sondern auch über die Situation. Deshalb finde ich es erstrebenswert, nicht auszurasten.





Kommentare:

  1. Der Wochentag bestimmt offensichtlich wirklich das Fahr- und Parkverhalten.
    Am Sonntag ist im Viertel hier wilder Westen. Parken in der Brandschutzzone, über Eck und in zweiter Reihe ab Samstag Abend bis Montag früh.

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  2. Das liegt daran, dass die Parkraumbewirtschaftung am Sonntag nicht gilt und das Parken kostenlos ist, würde ich vermuten.

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    1. Sehr geehrte Frau Christine Lehmann
      Wenn ein Pkw an einer Ampel vor ihnen an der Ampel ganz rechts an den Bordstein fährt ist das kein Zeichen das dieser Pkw-Fahrer ihnen das vorbeifahren behindern will,sondern er möglicht ihnen das überholen nach der Stvo das wäre links am Auto vorbei das hat den Vorteil das sie besser von den anderen Verkehrsteilnehmer besser gesehen.Sie fahren im Sichtfeld der anderen Verkehrsteilnehmer und kommen aus dem Toter Winkel raus.

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    2. Nein, lieber anonymer Mensch, der mich siezt, das stimmt so nicht. Fahrräder dürfen rechts an Autos vorbei fahren, sie dürfen aber nicht an einer Ampel links überholen und vorfahren, schon gar nicht, wenn es links noch eine zweite Fahrspur in dieselbe Richtung gibt. So ist das laut StVO . Die Schutzstreifen liegen genau an der Stelle zwischen Bordstein und an Ampeln haltenden Autos, wo Radler nach vorne fahren dürfen und sollen. Sie haben den Vorteil, dass sie Autofahrenden zeigen, dass rechts für Radfahrende Platz gelassen werden sollte, um ihnen das Vorfahren zu ermöglichen. Zugegeben, die StVO ist etwas kompliziert, was die Rechte und Pflichten von Radfahrenden betrifft, viele Autofahrer wissen vieles nicht, was Radfahrende dürfen (oder müssen). Wenn ich als Radlerin rechts vorfahre, dann stelle ich mich so hin, dass mich der Fahrer des Autos links neben mir sehen kann. Und alles ist klar.

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  3. Wenn man mit dem Auto in die Innesnstadt fährt weiß man doch dass man für's legale parken meistens bezahlen muß und in der Folge dessen alles zu Fuß erledigen müsste. Wenn man aber seine Dose(Auto) einfach irgendwo in die Ecke wirft und schnell was erledigt um dann möglich schnell zum nächsten Programmpunkt-Parkplatz hechtet ist so eine Hysterie vorprogrammiert.
    Da muß ich ehrlich sagen da ist es mit dem ÖPNV und zu Fuß in der Kombination mit diesem Handyspiel, bei dem man diese Tierchen fängt, viel entspannter. Ich geb doch kein Geld für Parken und Streß aus!

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  4. Schöner Beitrag.
    Viele Diskussionen enden zuletzt in einer allgemeinen Kapitalismuskritik, so auch diese:
    Es sind vornehmlich die dicken Potenzprothesen, deren Nutzer sich nicht um Regeln im Allgemeinen und Parkregeln im Besonderen scheren.
    Frei nach dem Motto: als Leistungsträger darf ich das.

    Ja.
    Hier ist der Rechtsstaat gefragt.

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  5. Samstag: Da haben die Leute frei, sie öffnen jetzt ihr Cabrioverdeck um die brennende Kippe einfach in die Luft zuwerfen (gestern gesehen). Da beginnt der Autofrühling(?) und jeder will zuerst sein im ritualisierten Auto waschen.
    Ja, Samstag ist schlimm. Ich sah das als ich früher täglich 40km mit dem Auto pendelte. Unter der Woche ging das. Kein Gerase, alle mit Abstand. Berufspendler, die wissen wie es geht, aber am Wochenende sind die Ausnahmen die Regeln. Die Häuslebesitzer fahren in die "Stadt". So wie früher der Bauer mit dem Trecker. Der Bauer hat aber wenigstens einen Sinn in seinem Tun. Heute ist es nur noch aggressiv. Anpöbeln und mit Schlägen drohen wenn man sagt "Entschuldigung, sie parken auf meinem Radweg"

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    1. Wobei mir einfällt: Mir scheint es zunehmend wichtiger, dass wir selbst nicht aggressiv werden. Zukunft hat eigentlich nur noch ein unaggressives Verhalten. Sonst schreien wir uns eines Tages nur noch an. Ist manchmal schwierig, ich weiß. Aber irgendwie müssen wir aus der Wut-Spirale herauskommen.

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  6. Ralph Gutschmidt1. April 2019 um 11:35

    Gestern waren wir auch mit dem Fahrrad in der Nähe von Max-Eyth-See und haben über die Autofahrer gestaunt. Nun, sie nehmen - leider zurecht - an, dass am Wochenende Verkehrsverstöße nicht geändert werden. Schon gar nicht außerhalb der Innenstadt oder im ruhenden Verkehr.

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